04 März 2011

Möchte jemand eine fette Story schreiben? Causa Guttenberg/social media campaigning

Wer sagt, die deutsche Politik wird immer widerlicher, mag in Teilen damit Recht haben. Interessant und neu imho ist allerdings der Umfang und die Methodik, mit der Medien manipuliert werden. Beim Rücktritt von Beck (zugunsten der Richtung von Steinmeier) waren jede Menge käufliche "Medienberater" involviert (Frage: wer hat diese bezahlt?) - und auch der höchst ambitionierte Herr Steinmeier selbst. Leider ist dieser durchaus beachtliche Skandal nie recherchiert und in der Qualitätspresse veröffentlicht worden.

Ein noch zu recherchierender, aktueller Skandal ist allerdings das Einspannen von Social Media Agenturen in die (gescheiterte) Guttenberg-Kampagne, sichtbar auch im Kommentarbereich von Guttenplag-Wiki, das mit automatisierten Kommentaren geflutet wurde (erkennbar oft am Kennwort: "Ihr" und "euch" u.ä.), aber auch, in Bezug auf die mediale Durchschlagswirkung bedeutender: dies hier.

(via: Peter Berger)

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03 November 2009

Lesetipp: Der Jurist Gerd Hansen über ein Urheberrecht der Zukunft - Interview mit der Suedeutschen.

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02 September 2009

Das Urheberrecht, die Piratenpartei, der vermeintlich gordische Knoten und Fritz Effenberger

Fritz Effenberger ist es gelungen, sehr kompakt aufzuschreiben, wie auch meine Position in Sachen Privatkopie, Urheberrecht und Künstlervergütung ist. Wer den Text einmal gründlich durchliest, der ahnt auch, warum ich die Piratenpartei für eine Deppenpartei halte - und zwar unmittelbar auf ihrem Kernterritorium.

Piratenpartei: Fertig machen zum Abwracken!

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20 Juni 2009

Vom Elend der politischen Publizisten in unserem Land

Ach, was werde ich wehmütig, wenn ich Texte von Tucholsky und Ossietzky lese. Wo haben wir heute unseren Ossietzky? Wer füllt diese Stelle aus? Wäre es jemand wie Broder? Ein Jan Fleischhauer? Ein Wolfram Weimer? Ein Josef Joffe? Ach,...

(wegwerfende Handbewegung)

Die heutigen Publizisten, die als "groß" gelten, die haben weder Geist, noch Stil, noch Verstand, noch politisches Urteilsvermögen. Zum Vergleich lese man nur einen einzelnen Satz von Ossietzky aus dem Dezember 1931:
So fährt Deutschland weiter, gebannt an den Magnetberg der Weltkrise. Ein Haufen armer desperater Seelen auf morschen Planken gefangen; morgen ein Totenschiff.

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12 April 2009

Twitter ist das neue Telex

Ich habe gerade meine Meinung über Twitter geändert. So viel Müll dieses Mitteilungsdings auch enthalten mag, soviel belangloser Lärm, es hat seinen Wert. Twitter ist ein sehr schnelles, sehr bequemes und sehr vernetztes Medium, das auch für normale Netzbewohner Mehrwert erzeugen kann. Mich hat beeindruckt, dass ein Hilferuf des Bloggers M. Beckedahl durch Twitter deutlich an Schlagkraft gewonnen hat. Als Organisationstool kann ich mir Twitter gut vorstellen.

Ich werde trotzdem keinen Twitteraccount eröffnen, für mich ist das nichts. Jedenfalls im Moment.

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04 Oktober 2008

Palin, die Medien und das fehlende Schimpfwort


Als ich mir in der Huffington Post diesen Beitrag angeschaut hatte, war mein erster (ungefilterter) Gedanke: "Was für ein Drecksack!". Wohl ein etwas zu grobes Wort. Was mich daran verblüfft, das ist der Umstand, dass mir partout kein weibliches Schimpfwort eingefallen ist. Es scheint Begriffe zu geben, für die es in der Sprache keine weibliche Entsprechung gibt. Ich finde immer noch, während ich das so vor mich hintippe, dass "Drecksack" auf Palin bestens passt - passt zu einen Politikertypus, der es als Affront empfindet, wenn er von einer gestandenen Journalistin zu den eigenen Kompetenzen befragt wird, statt Gelegenheit dafür zu erhalten, sich über die Kompetenzen politischer Konkurrenten zu äußern.

Ich finde zwar, dass in den berüchtigten Interviews mit Katie Couric die Frage gefehlt hat, was Palin in das Amt des Vizepräsidenten einbringen wird. Einem politischen Interviewgast sollte Gelegenheit gegeben werden zu zeigen, wofür er steht - aber ich finde, dass Palin diese Gelegenheit bei den Couric-Interviews reichlich gehabt hat. Und nun soll die Fragenstellerin daran schuld sein, dass Palin schlechte Antworten gegeben hat...

Drecksack!" passt doch, oder gibt es ein besseres Wort?

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24 August 2008

McCain möchte gerne 50 Milliarden US-Dollar für die US-Automobilwirtschaft

Während die sog. Qualitätspresse den deutschen Lesern McCain zu einen Kandidaten der wirtschaftlichen Vernunft erklärt hat, warum auch immer, womöglich in Vorfreude auf den kalten Krieg, den McCain anstrebt und die damit verbundenen Folgen für die Weltwirtschaft - möchte McCain den US-Autokonzernen 50 Milliarden US-Dollar geben, damit diese wieder wettbewerbsfähig werden spritsparende Autos bauen. Die amerikanischen Autohersteller betteln gerade beim amerikanischen Staat, vor dem Hintergrund zweitstelliger Milliarden-Quartals-Verluste, nach einer Geldspritze in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar - und McCain unterstützt dies:
Unsere Automobilhersteller sind gewillt, die nächste Generation amerikanischer Autobile herzustellen, aber dies ist schwierig in der heutigen Zeit, weil es schwierig ist, für diese Anstrengungen und Technologien Kredite zu erhalten, um damit die nächsten Zukunftschritte zu unternehmen. (...) Wir sollten das finanzieren und Maßnahmen dafür ergreifen, welche Detroit und seinen Zulieferern es ermöglichen, und ihnen damit helfen, die Umstellungsprozesse in diesen schwierigen Zeiten zu bewältigen.
Mit anderen Worten, McCain ist ein durchgeknallter, kriegs- und rüstungsgeiler weißhaariger Zausel, der von Wirtschaft nichts versteht.

Es ist nicht so, dass die deutsche Presse diesen Sachverhalt ihren Lesern mitteilt - auch jenen nicht, welche sich für den US-Wahlkampf und die Kandidaten interessieren. Der deutsche Leser von sog. Qualitätspresse hat leider nur die Wahl zwischen dürrer Agentur-Fertigkost oder sogenannten "Alpha-Journalisten", welche trotz ihrer Wirrköpfigkeit die Richtung vorgeben.

Diese Subventionen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar, und das damit verbundene Eingeständnis eines völligen Missverstehens ökonomischer Zusammenhänge seitens von McCain, sind zugleich eine gute Gelegenheit, die Bedeutung und dem Einfluss von meinungsstarken wie inkompetenten, hysterischen "Alpha-Journalisten" und "Edelfedern" in Deutschland zu hinterfragen - eine gute Gelegenheit, blinde Chefredakteure wie Malzahn, Markwort oder Weimer zu kritisieren, und eine noch bessere Gelegenheit, die einheitlich konservativ-neoliberal, schwarz-gelb bellenden "Alpha-Journalisten", wie Broder, Diekmann, Jörges, Joffe, Schirrmacher und Steingart lächerlich zu machen.

Deshalb, weil sie inkompetent sind, deshalb, weil diese von relevanten Zusammenhängen kaum etwas wissen wollen. Publikumsverblödung a la carte, im Zeichen der schwarzgelben Agenda der "bürgerlichen" Kampagnen-Presse. Und weil es nicht oft genug wiederholt werden kann:

McCain ist ein durchgeknallter, kriegs- und rüstungsgeiler weißhaariger Zausel, der von Wirtschaft nichts versteht.

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21 August 2008

Die verlogene Sprache des Wolfram Weimer - eine Erledigung

Selten besuche ich aus freien Stücken die Webseite von Cicero - in diesem Politmagazin finden sich auch bessere Texte, meist aber solche, die mich langweilen. Diesmal war ich auf der Suche nach einem Interview mit Leander Hausmann. Eine Vorabveröffentlichung von drei Halbsätzen im SPON hatte mich neugierig gemacht. Das war nichts, denn es fand sich nicht. Dafür stolperte ich über eine politischen Grundsatzschrift des Cicero-Chefredakteurs Wolfram Weimer (Link anonymisiert).

Zunächst stolperte ich über das Bild, mit dem er sich seinen Lesern präsentierte - es brüllt den Betrachter an: "Schau her, ich bin so selbstbewusst, so überzeugt - ich könnte dein Chef sein". Gut, denke ich mir, das muss ein Irrtum meinerseits sein, ein Ausdruck meiner Vorurteile - aber ein etwas nachdenklicheres Foto von sich selbst hätte ihm trotzdem gut getan. Nachdenklichkeit täte einem Chefredakteur gut, der sich der politischen Analyse verschrieben hat.

Verschrieben hat er sich in seinem Text nun wirklich. Unserem Land stehen schlechte Zeiten bevor, wenn solche Artikel ein Ausdruck der Urteilsfähigkeit unserer politischen Eliten wären. Worüber schreibt Dr. Wolfram Weimer?
"Grünsprech"
Es geht aber nicht um die Wirrungen und Irrungen grüner Sprache - dazu ließe sich manches sagen, sondern am Ende nur um seine hässliche und hassende Sprache, sobald bei ihm von Grünen die Rede ist.
In meiner Schulklasse gab es einen stoppelbärtigen Startbahngegner.
Was für ein Start für einen Grundsatztext. Dr. Weimer, Jahrgang 1964, traf als junger Mann in seiner Schulklasse auf einen stoppelbärtigen Startbahngegner. Ich nehme an, dass sich diese Begegnung in etwa im Jahr 1981 ereignet hat, also viele Jahre vor dem Zeitpunkt, wo sich Teile der zuvor friedlichen Startbahnbewegung radikalisierten. Ungewöhnlich ist, dass es in seiner Frankfurter Schulklasse nur einen Startbahngegner gegeben haben soll. Stoppelhaarig. Nunja.
Am Wochenende fuhr er mit der S-Bahn zum Frankfurter Flughafen und suchte Randale an der Großbaustelle. Er rauchte selbst gedrehte Zigaretten, trug ein Palästinensertuch, war laut und nannte sich – zu unserer Verblüffung – einen „Grünen“. Grün an ihm war freilich gar nichts, am wenigsten seine Liebe zur Natur, die er mied, wo er nur konnte.
W. Weimer schreibt über einen naturfeindlichen Polit-Hooligan und Klassenkameraden. Und warum ist das nun relevant?
Grün, unausgereift schien uns das Verhältnis zu seinem Vater. Den hasste er nämlich, und sein grüner Startbahnkampf war in unsren Augen reiner Vatermord. Am Flughafen spielte er Emanzipation.
Wenn es so war, dann hatte der sonderbare Klassenkamerad von W. Weimer tatsächlich nur sehr wenig mit der Umweltbewegung der frühen 80er Jahre zu tun. Dieser Umweltbewegung war das ersatzlose Abholzen größerer Waldflächen für einen Großflughafen, mit lautem und die Allgemeinheit störenden Flugbetrieb, verhasst. Es dürfte nur in den seltensten Fällen um Vatermord gegangen sein, durchaus sehr im Unterschied zur 68er-Bewegung.

W. Weimer will seinen Lesern aber nahe legen, und das ist entweder verblendet oder perfide, dass die emanzipatorischen (richtiger Begriff!) Strömungen bei den Grünen typisch der Ausdruck vatermörderischer Bestrebungen von Polit-Hooligans seien. Zugleich denunziert W. Weimer, eher assoziativ - aber gewiss nicht unabsichtlich, eine weit überwiegend friedliche Umweltbewegung gegen die Startbahn West als Ausdruck von Gewalttätigkeit und Naturfeindlichkeit. Er stellt das seinen Lesern so dar, als ob Gewaltlust der typische Ausdruck grüner Bestrebungen sei - und verdeutlicht dies an seinem stoppelbärtigen ehemaligen Klassenkameraden.
Später an der Uni lernte ich im germanistischen Seminar einen linken Sponti kennen. Er trug abgewetzte Lederjacken, schlurfte mager umher und war ideologisch ziemlich angeschlagen, weil sich sein Sozialismus als unsympathisch, gewalttätig und ärmlich entpuppte.
An diesen beiden Sätzen ist praktisch alles falsch und verlogen. Spontis in der Mitte der 80er Jahre, zumal grüne Spontis, waren jene, welche mit Kommunismus und realsozialistischen Bestrebungen reinweg nichts am Hut hatten. W. Weimer belügt seine Leser.
Aber er verabscheute die Marktwirtschaft und wollte sein Feindbild ungern verlieren. Also entdeckte er die „ökologische Zerstörungsmacht des Kapitalismus“.
Diejenigen, die bei den Grünen sich für Ökologie und Umweltschutz interessierten, hatten in den Debatten der 80er Jahre tatsächlich starke Punkte gemacht, wenn sie auf das häufige Marktversagen bei Umweltangelegenheiten hinwiesen. Das bereitet Herrn Weimer bis heute Unbehagen.
Er wurde grün, weil der Kapitalismus sich offensichtlich nicht selbst zerlegte, um in der Diktatur des Proletariats zu enden. Der ausbleibende Klassenkampf wurde daher durch das Waldsterben ersetzt. Er hoffte, über den grünen Umweg doch noch recht zu behalten. Im Asta schwadronierte er über die grüne Revolution, tatsächlich probte er die ideologische Sublimation.
Es mag ja sein, dass es in den Asten einige schlimme politische Wirrköpfe gegeben hat, auch in den Studentenjahren des W. Weimer. Die Abqualifikation der Umweltbewegung der 80er Jahre und der Grünen als Ausdruck einer "ideologischen Sublimation" kommunistischer Ideen ist jedoch ein allzu verdrehter Gedanke, um darin einen echten Kern der Grünen zu erblicken. W. Weimer tut es trotzdem.
In meinem ersten Job als Börsenreporter lernte ich – es wurden immer mehr – wieder einen Grünen kennen. Der trug Nadelstreifen-Anzüge ohne Krawatte, fuhr mit dem Fahrrad ins Büro und verkaufte ethische Anlagefonds. „Gutes Geld mit gutem Gewissen“ war sein Motto. Auch er war – wie die beiden Grünen zuvor – ein Stadtkind ohne jeden Bezug zur Natur.
Viele Grüne scheint W. Weimer nicht kennen gelernt zu haben. Jedes Mal präsentiert er seine Sonderlingsfunde den Lesern des Cicero als besonders typische Fälle, um damit "die" Grünen zu beschreiben: eine einzige Ansammlung naturfeindlicher Stadtkinder. Mit der gleichen Methode könnte man auch Konservative, Christen oder auch Autofahrer beurteilen. Man greife sich einige wenige, besonders extreme Fälle heraus, und lasse diese für die Allgemeinheit sprechen. Selig sind die geistig Armen?
Aber er glaubte an seine grüne Mission. Und die war apokalyptisch aufgeladen. Ob Tschernobyl, Seveso oder Bhopal – er hatte es immer schon gewusst und sah überall die nächste Katastrophe über die Menschheit kommen. Sein Großvater war Großnazi, seine Familie darum traumatisiert, er wollte nie wieder nichts gewusst und nichts getan haben. Also lebte er wie ein wandelndes Frühwarnsystem, ahnte, warnte, mahnte. Sein Grünsein war Kompensation.
Gegenüber dem Alarmismus der frühen Umweltschutzbewegung mag man mit guten Gründen skeptisch sein, gegen die dort vorhandenen Endzeitvisionen zumal, aber eine allgemeine Umdeutung als kompensiertes (?) "Frühwarnsystem" gegenüber großväterischen Großnazis ist nicht sehr überzeugend. W. Weimer instrumentalisiert damit den Antisemitismus bzw. den Kampf dagegen: für fremde politische Zwecke.

Die Argumentationsfigur des W. Weimer ist ein Ausdruck einer postmodernen Beliebigkeit, die ins Konservative gewendet wurde, bei der jeder ernsthafte Maßstab verloren gegangen ist. Der Cicero-Leser darf indes von W. Weimer lernen, dass "die" Grünen Naturfeinde seien, die es in drei Ausprägungen gäbe, allesamt Psycho-Wracks:
  1. als vatermörderische Gewalttäter
  2. als ideologisch sublimierende Kommunisten
  3. als kompensatorische Anti-Antisemiten
So sieht ein politischer Grundsatztext eines sich als Intellektuellen verstehenden Polit-Chefredakteurs aus, dessen Hauptwunsch die "Erzwingung einer kulturellen Renaissance des Abendlandes" ist (Quelle). Unangenehmer Weise wütet der mit differenzierendem Denken überforderte W. Weimer weiter:
Neulich traf ich einen modernen Grünen. Er arbeitet bei einem Stromkonzern, fährt eine Bluemotion-Limousine und findet Kernenergie vertretbar. Vor allem dem Klima zuliebe. Natürlich. Er sprach nicht von Gewinnen und Interessen, sondern von der Rettung der Welt vor dem Kohlendioxid.
Schon wieder präsentiert W. Weimer einen sonderlingshaften "Grünen" aus seiner Privatschatulle. Die "Bluemotion-Limousine" kann übrigens ein winziger Kleinwagen sein. Den Kampf gegen den Klimawandel findet er offenkundig lächerlich, dafür sprechen auch die wenigen Link-Kameraden des W. Weimer auf seinem privaten Blog. Da finden sich bevorzugt politische Müllverbreiter wie achgut.de, Henryk Broder, Hans-Ulrich Jörges und Oswald Metzger.
Geht es nicht ein bisschen kleiner, fragte ich. Nein, geht es nicht.
Schwer zu glauben, dass W. Weimer ausgerechnet politische Übertreibungen kritisiert. Seine Link-Empfehlungen (hier, anonymisiert) zielen bevorzugt auf brüllend laute Großkotze und Weimers politische "Ästhetik", so sagt er es selbst, besteht v.a. im Wunsch nach "Gedankenglut" und "großen Worten", und weniger darin, das diffizile Kleinklein des politischen Alltags differenziert zu durchdringen.
Man bedenke doch den Meeresspiegel, die Verwüstung, die Gletscher. Alles, alles ganz allein nur wegen des CO2. Dieses Kohlendioxid mochte er in etwa so wie mein erster Grüner die Startbahn West. Nur dass er besser verdiente, also die Marktwirtschaft mochte, und weder Vater noch Großvater problematisierte. Kurzum: Er war grün aus Aspiration.
Das also wäre gemäß den Vorstellungen von W. Weimer, nach seinen vorherigen drei Psycho-Wracks, der vierte Typus eines "Grünen": Erneut ist es jemand, dem - angeblich - jede ernste umweltpolitische Motivation fehlt, und diesmal ist es einer, der aus einem Streben nach "Aspiration" heraus grün sei. Also jemand, der sich nur grün anmalt, ein Kommerzling, der als grün gelten will - aber tatsächlich ein Naturfeind sei. W. Weimer sinniert:
Wahrscheinlich hatte ich einfach nur Pech, immer an die falschen Grünen zu geraten.
W. Weimer heuchelt an dieser Stelle eine Nachdenklichkeit, die seinem postmodern konstruierten Text doch vollständig abgeht. Er nimmt Extrembeispiele als besonders typisch, und räumt kurze Zeit später ein, als argumentativer Trick seines hetzenden und hassenden Grundsatztextes über "die" Grünen, dass seine wenigen persönlichen Erfahrungen einfach "Pech" gewesen sein könnten.

Wie verlogen ist das! Seinen nur wenig Ernst gemeinten Schein-Einwand räumt er sogleich weg:
Doch insgeheim werde ich den Verdacht nicht los, dass meine Erfahrungen in einem Punkt ganz typisch sind: im unechten Reden.
Offensichtlich: In unechten, genauer gesagt unwahrhaftigen, Schreiben ist er als deutscher Polit-Chefredakteur ganz typisch.
Kaum ein Thema ist derart mit geistigen Drittmitteln und inhaltlichen Tarnkappen beladen wie Öko-Debatten. Die einen kochen ihr ideologisches, andere ihr psychologisches, dritte ihr kommerzielles Grün-Süppchen. Die erste Variante freilich schwindet, denn die politische Funktion der Grünen-Partei als Methadonprogramm für Links­ideologen hat sich bestens bewährt.
Die geistige Tarnkappe des W. Weimer besteht vor allem darin, dass er seinen politischen Gegnern entweder schwere psychologische Probleme, verlogenen Kommerz, kompensierten Anti-Antisemitismus oder die ideologische Verblendung von postmarxistisch-ökologischen Klassenkämpfern vorwirft. Er geht bei seinen politischen Gegnern, wie den Grünen, so gut wie nie von einem ernsthaften Anliegen aus. Das ist billig und geistig arm. Bestenfalls ist es ein billiges Nachäffen von bestimmten amerikanischen Politdiskursen, deren Kern im Gegnerbashing besteht. Wenn man so will, ist diese Form des Kulturverfalls das Methadonprogramm für die politische Rechte.
Die Szene ist verbürgerlicht, Schwarz-Grün kann kommen, und wer unbedingt noch links sein will, der hat Gysi und braucht zum Klassenkampf-Revival die Natur nicht mehr.
Unzutreffend.
Die zweite Variante (...)
W. Weimer kann nicht zählen.
(...) ist ebenfalls entschärft, und zwar durch Kollektivierung: Im Merkeldeutschland sind wir schließlich alle irgendwie gewissensgrün geworden.
Unzutreffend. Schwarz-grüne Koalitionen sind noch der Ausnahmefall. Kein Mensch weiß, ob die schwarz-grüne Koalition in Hamburg bis zum Ende hält und ihre Vorhaben tatsächlich verwirklicht. In jedem Fall gibt es bei den Christdemokraten genügend innerparteiliche Spannungen in Umweltfragen und Spannungen im Umgang mit den Grünen - und W. Weimers Text mit seinem üppigen Grünenhass lässt sich als ein Beleg dafür verstehen. Die Behauptung einer allgemeinen und alle politischen Lager betreffenden Kollektivierung (?) einer "gewissensgrünen" Haltung ist ein Fehlurteil.
Das „Greening“ gehört zum Lifestyle wie Smoothies und Loungemusik. Und also können wir über Umweltfragen – wenn es nicht um Atomenergie geht, wo gerade ein Epilog theatralischer Alt-Debatten abläuft – inzwischen entspannt reden wie über den Mallorca-Urlaub oder Bundesligaspiele.
Abgesehen von der ausgesprochen unentspannten Haltung von W. Weimer gegenüber Grünen - es hat sicher schon intelligentere Anklagen gegen Greenwashing und die Lifestylisierung grüner Positionen gegeben. Was bitteschön aber sind "Smoothies"??
Die dritte Variante (...)
W. Weimer kann immer noch nicht zählen. Er hat in seinem leider eher dümmlich geratenen Essay vier verschiedene Varianten von "Grünen" aufgezählt (siehe oben), nun widmet er sich der Werbesprache:
(...) aber des unechten Grünsprechs blüht erst richtig auf. Die kommerziell getarnte. Es gibt keinen Kaffee, keine Bankbilanz und keine Fußcreme mehr, die nicht nachhaltig-natursanft-biologisch daherkämen.
Alarmistischer Blödsinn - da hat er wohl zu lange die Texte der Politsektierer von "achgut" gelesen. Die meisten Kaffees, die meisten Bankbilanzen und Fußcremes kommen nicht "nachhaltig-natursanft-biologisch" daher. Wir wissen nicht, welche Fußcreme W. Weimer benutzt, und ob er diese z.B. als Kaffeeweißer einsetzt (das wäre falsch). Für ihn mögen umweltbewusste Wahlmöglichkeiten lächerlich und lässlich sein, aber ich bin als Konsument froh, wenn ich Wahlmöglichkeiten habe.
Da sich die Industrie mit Wucht ökologisiert, verliert das Grüne zwar endlich seinen miesepetrigen, modernisierungsfeindlichen Charakter. Doch das rhetorische Greenwashing scheint der Preis dafür zu werden.
Kurzum: Herr Weimer mag nicht ertragen, dass die Konsumenten heute zunehmend ökologisch orientierte Wahlmöglichkeiten haben. Wenn alltägliche Umweltpolitik heute nicht modernisierungsfeindlich ist, dann ist ihm das ein zu hoher "Preis". Zudem sei ja alles in diesem Sektor lediglich "rhetorisch", wofür der Grünenhasser W. Weimer jedoch nicht einen einzigen Nachweis tätigt. Dennoch ist es ihm offenkundig lieber, wenn es diese grünen und ökologischen Produkte nicht gäbe.
Wie einst meine Sponti-Kommilitonen vergrünschleiert heute die Industrie ihre wahren Interessen.
Genauso ist es z.B. möglich, dass ein zutiefst konservativer und unchristlicher Menschenhasser seine wahren Interessen verschleiert. Möglich ist vieles. Imerhin hat sich der am Anfang seines Textes aufgeführte einzelne Sponti-Kommilitone zum Textende hin vermehrt.
Darum (...)
Warum nochmal? Wegen der von ihm entlarvten "wahren Interessen"? Oder wegen dem "Preis" des Greenwashing?
(...) habe ich eine Bitte an die vielen neuen grünen Nachhaltigkeits-Manager: Erzählt uns nichts von grüner Ethik am Bankschalter, vom Klimaretten mit Kernkraftwerken, von „green revolutions“ im Autohaus und vom Regenwaldretten beim Bierkauf.
W. Weimer möchte keine betont ökologisch orientierte Produkte am Markt.
Macht einfach saubere Geschäfte mit umweltfreundlichen Produkten.
Jetzt möchte er sie doch.

Ich bin mir nicht sicher, ob die von ihm "entlarvte" Industrie nach dem vollständigen Lesen seines wild konstruierten postmodernen Essays noch weiß, was dieser konservative Chefredakteur genau von ihr will.
Das ist gut genug.
W. Weimer war dumm genug, um einen derartigen Text zu verfassen.

Er ist mit seiner politischen Attitüde und seiner Argumentationsmethode ein Vorzeichen von Jahrzehnten der von Konvervativen betriebenen kulturellen Regression, der Infantilisierung und der Geschichtslosigkeit, die noch kommen werden.

Mit dieser ahistorischen Charakterisierung von "Grünen" (und zudem einer Entlarvung "der wahren Interessen der Industrie" - lol) zeigt sich der konservative
Kulturpessimismus und Relativismus in seiner aktuellen Gestalt.

Ich sehe hier ein geistiges Tarnkappenbombertum, eine Gleichzeitigkeit von Unwahrhaftigkeit und
Werte-Indifferenz. Er betreibt im Namen lediglich behaupteter christlicher "Werte" (andernorts...) ein gewissenloses Gegnerbashing und bedient sich dabei der postmodernen Methoden des Medienzeitalters. Begriffliche Ungenauigkeit und schlampige, nur auf ihre Effektwirkung zielende Argumentationen werden hier verwendet, zusammen mit dem "conservative semantic turn" der Nullerjahre, um die Aufklärung und ihre modernen politischen Erscheinungen zurückzudrängen.

Der bis hier tapfer mitlesende Blog-Konsument mag jetzt fragen Wo bleibt das Gute? Hier ist es!

(Ich bin gerne bereit, für eine zweite Renate Künast zwei bis drei Dutzend Chefredakteure vom Format eines Dr. Wolfram Weimer einzutauschen. Jederzeit!)

+++ Update +++
Noch eine Erledigung - von Bettina Röhl (anonymisiert, weil in der WELT)

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15 August 2008

Merkel als Kriegstrampel

Die geistig starre und auf eine unangemessen einseitige "pro"-amerikanische Linie festgelegte Angela Merkel hat mit ihrer Reise bewiesen, dass sie Krisensituationen nicht managen kann. Sie fuhr nach Sotchi, um Porzellan zu zerschmeissen. Was für ein Trampel! Nichts hat sie erreicht. Ich sehe aber jetzt schon, wie die größten Teile der deutschen Publizistik dies darstellen werden: "Merkel fand deutliche Worte".

Haste Worte.

Ergänzung

Eine generell (!) gute Berichterstattung zu diesem Konflikt leistet die FAZ - auch die Abrechnung mit Glucksman/Lévy ist sehr gelungen. Die FAZ zeigt, dass Merkel bei ihrem Besuch weder ein Interesse daran hatte, die russische Sichtweise kennenzulernen, noch hatte sie Interesse (diesen Punkt verbat sie sich trotz des dringlichen Wunsches von Medwedew) die Gräueltaten der georgischen Armee in Südossetien dargestellt zu erhalten. Es dürfte aber deutlch verfrüht sein, sich unzugänglich zu zeigen und einseitig über die Russen zu schimpfen. Denn der Konflikt ist noch nicht vorbei, es gibt reichlich Gesprächsbedarf, zum Beispiel:
Bevor Bundeskanzlerin Merkel am Freitag in Sotschi gegenüber Russlands Präsident Medwedjew das russische Vorgehen in Georgien als „nicht verhältnismäßig“ kritisierte, hat der von Moskau unterstützte südossetische Präsident Kokojty angekündigt, Georgier nicht zurück nach Südossetien zu lassen. Ihre Dörfer seien eingeebnet.
Lesenswert, auch für Hintergründe zum Konflikt, ist der Beitrag von Christian Esch in der Berliner Zeitung vom 16.8.2008.

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03 August 2008

Anthrax-Terror: Sie haben ihn! Der Attentäter war ein US-Militär-Wissenschaftler.

Rückblende: Wenige Tage nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center wurden die Bürger der Stadt New York mit Anthrax-Briefen in Atem gehalten. In den USA werden "Terrorwarnstufen" eingeführt (Schäuble wünschte sich das auch), man fürchtete sich vor den Biowaffen von Osama bin Ladin und Saddam Hussein, und kurze Zeit später zogen die USA rächend in den Krieg, und bewirkten in der Folge (inkl. Pfusch beim Nation Building): den Tod von einigen hunderttausend Irakern.

Wer hat die Anthrax-Briefe verschickt? Wer steckte dahinter?

=> Sie haben ihn!

Offenbar hat ein Soziopath und Militärwissenschaftler namens Bruce Ivins (Bild) mit diesen Terror-Briefen für den Ausbau der Anthrax-Militärforschung sorgen wollen. Das ist ihm gründlich gelungen. Am 27.7.2008 nahm er sich das Leben.

+++ 1. Update 04.08. +++
Markus Günther schreibt: "Amerikanischen Medienberichten zufolge hatte das FBI zuletzt erdrückende Beweise gegen Ivins gesammelt. Vor allem könne nun mit neuen Methoden nachgewiesen werden, dass der Milzbranderreger, der im September und Oktober 2001 zum Tod von fünf Menschen (und der Erkrankung von 16 weiteren) geführt hat, nur aus dem Labor von Ivins stammen kann. (...) [Er] habe eine lange Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und (...) habe neue Morddrohungen ausgestoßen und mit Stolz auf seine "biologischen Waffen im Labor" verwiesen.
Einen deutlichen Fortschritt erzielten die Ermittler mit der Analyse der genetischen Eigenheiten des Anthrax-Pulvers. (...) Kurz nachdem Steven J. Hatfill aus dem Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen wurde, begann Bruce Ivins jedoch, Zeichen äußerster Anspannung zu zeigen. Schließlich begab er sich nach Angaben der "Los Angeles Times" wegen schwerer Depressionen in psychiatrische Behandlung."
"Das FBI begann Ende 2007, Arbeitskollegen über Ivins zu befragen, und ließ die Befragten darüber eine Schweigeverpflichtung unterschreiben. Das FBI nahm auch Kontakt zu Ivins' älterem Bruder auf. Der bestätigte nicht nur eine depressive Veranlagung Ivins', sondern auch einen Hang zu Allmachtsfantasien."
"Facing the prospect of murder charges, he had bought a bulletproof vest and a gun as he contemplated killing his co-workers at the nearby Army research laboratory. (...) a social worker who led the sessions, Jean Duley, said that Dr. Ivins’s psychiatrist had “called him homicidal, sociopathic with clear intentions. (...) “When he feels that he has been slighted, and especially towards women, he plots and actually tries to carry out revenge killings.” (...) Ms. Duley said that Dr. Ivins had a history of making homicidal threats that dated to his college days."
"Investigators were so certain about the connection that they had scheduled a meeting for last Tuesday with Ivins's attorneys to discuss a plea bargain that would have sent the scientist to prison for life but spared him a death sentence, according to sources briefed on the government's case. But barely two hours before the meeting was to occur, Ivins died of an overdose of Tylenol that he had ingested over the weekend, the sources added."
Sehr beindruckend ist es, wie qualitätsjournalistisch gründlich die Mehrheit der deutschen Medien das Thema verschlafen. Wohl daher nennen sie sich auch "Gate Keeper"... Echt peinlich. Umso mehr ist der gute Artikel von Markus Günther zu loben - und ausnahmsweise auch einmal die WELT. Weitere, hochbrisante und in der deutschen Presse bislang unausgewertete Informationen über den Ivins-Fall findet man => hier. Ivins ging es offenbar auch um das ganz große Geld. Ebenfalls lesenswert ist es, wenn der Glenn Greenwald nachzeichnet, wie das US-Militär den Irak mit dem Anthrax-Terror in Verbindung brachte und gezielt (!) - sogar unter Beteiligung von Ivins von Fort Detrick aus - Falschinformationen an die US-Presse gab. Es sind noch einige Fragen offen. Sehr viele Fragen. Ich frage mich z.B., warum die intensive Kamera-Überwachung im Biowaffenlabor wirkungslos bleiben konnte. Hatte Ivins Helfer? Und was besagt das über das Thema Kameraüberwachung überhaupt, wenn diese sogar in Hochsicherheitsbereichen wirkungslos ist? Oh, ich sehe grad, Glenn Greenwald setzt nach. Der Skandal wird immer größer. David Hauslaib erklärt es etwas kompakter. Eine Frage dabei ist unter anderen: War es am Ende nur ein verrückter Militär-Biologe, der Amerika in den Krieg gegen den Irak zog?

+++ 2. Update 4.8.2008 +++

Im Ivins-Skandal tauchen nach Angaben der Frederick News Post und der JTA besondere Briefe des Attentäters auf, die nahe legen, dass der Militär-Biologe ein extremistischer, neokonservativer Evangelikale war und Muslime verachtete. Er könnte für seine Terroranschläge politische Motive gehabt haben.

Zugleich häufen sich die Fragen, ob der Terrorist Bruce Ivins tatsächlich ein Einzeltäter war. Im Rahmen der Anschlagserie ist eine neuartige Träger-Technologie zur Preparierung der Milzbrand-Sporen zum Einsatz gekommen, und es erscheint sehr fraglich, ob er diese ohne fremde Mithilfe entwickelte.

Wer waren die Helfer von Bruce Ivins?

Die amerikanische Blogosphäre zeigt sich unverändert interessiert am Ivins-Skandal.Technorati Bruce Ivins Chart

+++ 3. Update (6.8.2008) +++

Die weiterhin munter schlafenden deutschen Medien interessieren sich für den Anthrax-Skandal weiterhin nicht die Bohne. Inzwischen ist vom FBI umfangreich veröffentlicht worden, aus welchen forensischen Gründen Bruce Ivins in den Kreis der Hauptverdächtigen rückte. Die Washington Post schreibt:
[He] (..) came under suspicion in part because he allegedly tried to mislead investigators by giving the FBI false samples of anthrax from his laboratory. (...) [Ivins] "was the custodian of a large flask of highly purified anthrax spores that possess certain genetic mutations identical to the anthrax used in the attacks" and that he had been unable to give investigators an adequate explanation for his late-night laboratory work around the time the anthrax was mailed.
Oha. Bweisfälschung. Verdächtige Nachtarbeit. Und noch mehr - wenige Tage vor den Anthrax-Briefen soll Ivins sich per E-Mail für eine private Firma eingesetzt haben, welche einen öffentlichen Auftrag zur Produktion eines Anthrax-Impfstoffes erhalten wollte. Das war eine sehr spezielle Email:
The e-mail warned that Osama bin Laden's terrorists "for sure have anthrax and sarin gas" and had "just decreed death to all Jews and all Americans." The affidavit said the language in the e-mail was similar to warnings in the anthrax letters, such as: "WE HAVE THIS ANTHRAX. . . . DEATH TO AMERICA . DEATH TO ISRAEL."
Klar scheint jetzt zu sein, dass die Vorwürfe von Frau Duley, Ivins würde zu Hause Waffen horten, zutrafen:
During a July 12 search of Ivins's home, authorities also seized four loaded bullet magazines and other ammunition of various calibers, gunpowder, a ballistic vest, one spent bullet and "homemade yellow with silver duct tape body armor," according to the court filings. (...) More than 280 rounds of ammunition were seized (...) ranging from packed 9mm magazines to a baggie filled with 45 .22-caliber bullets on top of a bunk bed, (...) one box holding 17 .40-caliber hollow-point bullets.
Das lässt sich als Beleg für den Charakter von Bruce Ivins lesen, zudem als Bestätigung der Glaubwürdigkeit von Frau Duley, womit also die Vorstellung einer Soziopathie von Bruce Ivens gleich doppelt gestützt wird - für das eigentliche Tatgeschehen beim Anthrax-Briefterror gibt das nicht viel her. Die Motive von Ivins sind meiner Meinung nach recht unklar, so heißt es:
Asked about Ivins's motive for the attacks, Taylor said the scientist suffered from mental health problems and was concerned that an anthrax vaccination program, which had been blamed for illnesses among U.S. soldiers during the Persian Gulf war, was coming to an end despite his conviction that al-Qaeda possessed anthrax and planned to use it in biological attacks against the United States.
Der auch für seine politischen Aktivitäten bekannte Bruce Ivins hatte also ein massives Interesse an der Erzeugung einer bestimmten politischen Situation. Unabhängig von den damit verfolgten kommerziellen Interessen (ein klassischer Fall von "militärisch-politischer Komplex" übrigens), wirft das allerdings sehr viele Fragen auf, nicht nur hinsichtlich von Bruce Ivins. Beispielsweise müsste dann es dann bereits vor dem 18. September 2001 (dem Absendedatum von einigen Anthrax-Briefen) ein sehr massives US-Programm unter Bezug auf und gegen Al Kaida gegeben haben.

Huch?!
Ivins began working longer hours in mid-August 2001, logging lengthy evening shifts from Sept. 14, 2001, through Sept. 16, 2001, with another spike in late hours in early October 2001.
Das bedeutet, dass Ivins bereits vor (!) dem 11. September 2001 mit den Vorbereitungen seines Terroranschlags begann, um diesen dann unmittelbar nach dem 11. September zu verwirklichen. Das ist fast so, also ob ein "Einzeltäter" Ivins also vor dem 11.9. von einem kommenden Terroranschlag von Al Kaida wusste.

?!?
"The investigation isn't over"

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24 Juli 2008

Das Elend der SPIEGEL-Journalismus

Möchte man etwas über das Elend des SPIEGEL-Journalismus erfahren, den Spitzen-Vertretern des deutschen Journalismus, so vergleiche man dafür eingehend
Eines von mehreren Problemen: Der SPIEGEL veröffentlich die eine Tötung rechtfertigende Behauptung, der verantwortliche Polizist "Nugent hat mit einer Person gekämpft, die 100 Pfund schwerer war als er". Was der SPIEGEL dabei verschweigt: Dieser angeblich gefährliche "100 Pfund" schwerere Mann lag beim 9-fachen Taser-Einsatz bereits wehrlos und gefesselt auf dem Boden.

Das nennt sich hierzulande Qualitätsjournalismus.

(Oh, ich sehe grad: den Artikel schrieb die Ex-BILD-"Journalistin" Partricia Dreyer...)

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13 Mai 2008

Steingart tillt mal wieder.

Weil Obama im Vorwahlkampf der Demokraten vorn liegt, spricht Gabor vom "Verrat der US-Medien". Wer sich als US-Journalist weigerte, Obama als komplett substanzlos zu charakterisieren, ist in seinen Augen ein "Hurenbock".

Steingart verweist bei dieser Gelegenheit, paradox genug, auf die Grundsätze und Qualitätsanforderungen des journalistischen Berufes, was in Anbetracht seiner üblen und hochparteilichen Berichterstattung absurder wäre als eine eventuelle Gattentreue eines Hurenbocks. Steingart, dessen "Korrespondentenberichte" so spärlich tröpfeln, dass man an einen von der SPIEGEL-Redaktion finanzierten Erholungsurlaub in den USA glauben könnte, hält sich selbst für gut informiert, und beklagt die Kompetenzmängel und Parteilichkeit (!) seiner Kollegen usw. usf.

Ein konkretes Beispiel: IT-Einsparungen im US-Gesundheitswesen

Dem sich für überaus kompetent haltenden Gabor Steingart fällt bis heute nicht auf, dass die von ihm so gelobte KV-Reform von Hillary Clinton nicht vernünftig finanziert ist und zudem hochwindige Behauptungen erhält wie z.B. einen Selbstfinanzierunsgbeitrag der KV-Reform durch angebliche jährliche Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar im Fall der von Lobbyisten promoteten Einführung eines teuren staatlichen Kranken- und Krankheitsinformationssystems.

Es ist ja nicht so, dass eine IT-Modernisierung im amerikanischen Gesundheitswesen eine komplett schlechte Idee wäre (Obama hat ähnliche Pläne, allerdings in realistischerer Ausführung), nur lassen sich damit - wie jeder kompetente Journalist schnell herausfinden wird - nie und nimmer die von Clinton behaupteten 10 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen.

Gabor Steingart ist nicht kompetent.

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05 April 2008

Pro Beck rant

So wird berichtet:
Auffällig aggressiv sind seine Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel und ihre CDU, dafür bekommt er von den Genossen besonders viel Applaus. Überraschend sind sie allerdings nicht: Merkel solle in ihren Reihen für die Einhaltung der in der Großen Koalition getroffenen Beschlüsse sorgen, fordert Beck.
Er fordert die Einhaltung des Koalitionsvertrages. Das ist frech. Auffällig aggressiv zuzusagen.

Ich glaube, dem hirntoten Beck-Bashing in den Medien fehlt es an Substanz. Vielleicht ist die Frisur von Beck nicht staatstragend genug - aber wenn es um Inhalte geht, wüsste ich nicht eine Sekunde lang, warum politische Witzfiguren wie Merkel, Schäuble, Glos, Pofalla, Koch oder Westerwelle im Vergleich zu Beck gut da stehen sollten, oder gar den Bürgerwillen repräsentieren.

Kein schlechter Parteivorsitzender

V
erglichen mit den Aasgeiern des Seeheimer Kreises (CDU light) oder den Karrieristen namens Netzwerker (eine Pseudoelite sanft kommunizierender Neoliberalisierer) ist Beck relativ links. Tatsächlich hat sich unter Beck das Gewicht der SPD-Linken innerhalb der Partei erhöht. Was Beck noch nicht zu einem Linken macht. Es macht ihn nicht einmal zu einem guten SPD-Parteivorsitzenden, aber auch nicht - abgesehen von seinen taktischen Fehlern der letzten beiden Monate - zu einem schlechten.

Da gabs schon deutlich schlechtere, z.B. Scharping (dem ver-hunzingerten Krötenkassierer und Gräfinbeglücker), Platzeck (dem das Amt zuviel wurde), Schröder (der das Amt nutzte um seine Partei innerlich zu schwächen), La Fontaine (ein verhinderter Volkstribun mit beachtlicher Denk- und Charakterschwäche), Björn Engholm (das Beste sagt man über ihn, indem man nichts über ihn sagt) usw. usf. Bis zur Hessenwahl lief es für die SPD garnicht mal so übel. Schon vergessen?

Beck-Bashing ist öde.

Es gehört in den Nullerjahren untrennbar zum Amt des SPD-Parteivorsitzenden, von den scheinkompetenten Medien zum Prügelknaben gemacht zu werden, und zwar völlig egal, was er tut und was er sagt.

So, und nun schaue man sich mal die bekloppten CDU-Gestalten an. Und die geifernden Gelben, die sich wieder auf Schwarzgelb freuen, oder zur Not auf billig verschnittenen Jamaikarum. Gelbe, die wie immer jeglichen Dreckmist mitzumachen planen, solange der ihren Klientelkreisen nützt, und den Interessen der übrigen Bürger schadet.

Der Unterschied einer roten Regeriungsbeteiligung zu Schwarzgelb mag manchen Träumer und mancher Träumerin nur minimal erscheinen, unwichtig vielleicht, aber in realer Form wird er mehr als fühlbar ausfallen, um es zurückhaltend harmlos auszudrückend. Im Hintergrund werden seitens der “Bürgerlichen” schon die Händel ausgehandelt, da mache man sich keine Illusionen, es fällt ihnen schwer, ihre Vorfreude nicht zu zeigen.

Nun, es schaut ja auch kaum jemand hin. Auch, weil Beck-Bashing soviel günstiger zu haben ist. Im Moment jedenfalls zum Nulltarif. Liebe Medien, der schwarzgelbe Traum eurer Chefredakteure ist nicht unser Traum.

Ihr Tiefflieger.

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04 April 2008

Fazit zur re:publica - Kommerzkritik erfolgreich

Fuck you!
Das waren soeben die Schlussworte von Johnny Häusler auf der re:publica, gerichtet an Kritiker des Kommerzkultes. Johnny Häusler und sein Organisationskumpel von der Agentur New Thinking hatten Kritiker ursprünglich ausgeladen, und doch waren sie spürbar, jedenfalls für einen Teil der Debatten. Und das war gut. Das vollständige Zitat von Johnny Häusler (evtl. richtete sich Johnny nicht allein an die ihm verhassten Kommerzkritiker):
Speziell in den Workshop-Räumen habe ich manchmal gedacht, dass es wirklich das ist, worum es hier geht, denn ich finde, und das ist mein Fazit von dieser Veranstaltung, (...) letztes Jahr war es schon so und dieses Jahr bei der re:publica ist zu sehen, dass hier Hunderte Leute sind, von denen sehr sehr sehr sehr viele großartige Dinge tun, statt ihre Zeit damit zu verschwenden, sich im Internet darüber aufzuregen, dass sie scheiße finden, was andere machen. (...) Wenn Leute behaupten, dass man an einem Fehler gescheitert wäre: Fuck you! Fehler passieren, man muss sie tun, weil anders kommt man nicht weiter, und trotzdem müssen wir immer neue Dinge starten, um was ins Rollen zu bringen. Es geht nicht anders.
Gut war auf der re:publica beim unvermeidlichen Thema "Geld verdienen mit Bloggen": An Stelle von Hype, Schönsprech und überzogenen Verdiensterwartungen (ein Kritikpunkt der Kommerzkritiker) stand eine nüchterne Bestandsaufnahme (siehe Bericht von Stefan Jacobasch), die darauf hinaus läuft, dass für Blogger der Kommerzhimmel noch sehr fern ist. Sascha Lobo hat nach eigenen Angaben grad nur sein Benzingeld raus, Don Dahlmann als Blogger erhielt 400 Euro von adical, was gemessen an den ursprünglichen Sprüchen ein Witz ist.

Don Dahlmann war zugleich auch ein Beispiel dafür, was die re:publica insgesamt prägte: Die Blogger kehrten zu sich selbst als Blogger zurück, und sahen sich nun deutlich weniger als eine digitale Kommerzbohéme. Vielleicht hätte man stärker darüber sprechen können, was Kommerzialisierung und falsche Konzepte aus der Blogosphäre machen, welche Gefahren und Verdrehungen darin stecken, aber eventuell genügt da auch der Hinweis von Don Dahlmann, dass seine damalige Opel-Bloggerei von ihm nunmehr als "Fremdkörper" im eigenen Blog empfunden wird.

Windelweich und fernab jeglicher kritischen Masse wurden viele auf der re:publica auftretenden Kommerzonkel und - tanten angefasst. Man traute sich nicht einmal, StudiVZ zu fragen, was denn nun genau mit den Benutzerdaten geschieht. Psst! Insofern: Es bleiben für die nächste re:publica noch genügend Themen, auch für Johnny Häusler, der die Debatte zwischen Journalisten und Bloggern für beendet erklärte.

Herr Häusler stellt viel auf die Beine und ist wiederum eine empfindsame Künstlerseele, die Kritik am eigenen Tun schnell als grobschlächtig wahrnimmt, was ein menschlicher Zug ist. Er profitierte dennoch von denen, denen er sein "Fuck you!" widmete, denn auch deshalb, weil ein Teil der Kritik ernst genommen wurde. Die re:publica war insgesamt weniger (kommerz-)schrill, und damit zugleich ernsthafter und vielfältiger. Je weniger Eigenvermarkter das Bild prägen, und je mehr der "long tail" sieht, dass Bloggen zunächst nichts Kommerzielles darstellt, sondern ein jeder Blogger vor allem über seine Inhalte wahrgenommen wird, umso besser. Für die Inhalte und die Blogosphäre.

Die re:publica profitierte aber nicht nur von Kritikern, die trotz Abwesenheit spürbar waren. Die Blogger-Konferenz präsentierte sich auf angenehme Weise reifer und thematisch vielfältiger im Vergleich zum Vorjahr. Dazu trug die gewachsene Erfahrung der Veranstalter bei, die Qualität der Referenten, aber auch die Förderung seitens des Hauptstadtkulturfonds und der Bundeszentrale für politische Bildung - ein Plus an Geld und Raum für weitere Referenten. Verglichen mit dem Vorjahr war die re:publica deutlich ent-kommerzialisiert, und - auch nicht zu verachten - deutlich ent-hyped. Es ging nicht mehr um die frech behauptete baldige Beerdigung von Printmedien, sondern darum, was real möglich ist. Und, wenig erstaunlich - fernab eines sich als Bohéme tarnenden Kommerzkultes findet sich in der Blogosphäre eine beachtliche Vielfalt.

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26 Januar 2008

Der Internetfeldzug gegen Scientology und der schwarze Block


V
on Medienwissenschaftlern wird mitunter gefragt, was die Entsprechung zur politischen Demonstration im Internetzeitalter ist. Ich denke, das hier ist es. Mit den Mitteln von Youtube, Blogs, Wikis, Foren usw. mobilisiert sich eine junge, kämpferische Öffentlichkeit.

Auf geradezu klassische Weise politisch ist die Motivation: Es geht um nichts weniger als den Kampf gegen einen destruktiven, desinformierenden Kult - und für Meinungsfreiheit. Man könnte die langfristige Wirksamkeit von derartigen Bemühungen anzweifeln, aber das unterscheidet sich auch nicht vom Fall herkömmlicher Demonstrationen. Und ich glaube nicht, dass es völlig wirkungslos ist.

Es hat gesellschaftliche Relevanz, es ist modern - und es ist als eine Form der anonymen Kriegsführung durchaus problematisch. Die gewählten illegalen Methoden können sehr schnell zum Missbrauch werden, aber sind in diesem Fall tatsächlich weniger problematisch als das legale öffentliche Wirken des Scientology-Verharmlosers Frank Schirrmacher. So sehe ich das.

Die von den zumeist jungen Internetbürgern zum Ausdruck gebrachte Wut auf Scientology wird m.E. in vielen Fällen angefeuert durch die Erfahrungen mit Verlogenheit in Öffentlichkeiten überhaupt, sowie einem als zunehmend als repressiv empfundenen gesellschaftlichen Umfeld. Die Internetbürger wehren sich. Das kann mob-artige Erscheinungen zur Folge haben und die Grenze ziviler Umgangsformen überschreiten...- ...ja, eigentlich ganz genauso, wie dies bei herkömmlichen politischen Demonstrationen der Fall ist. Die beteiligten Hacker sind der schwarze Block der Generation Internet.

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25 Januar 2008

IWH: Das Propaganda-Institut aus Leipzig

Zunächst hatte ich geglaubt, dass folgende Berichterstattung ungenau sei:
Offen sei auch, wie sich ein Mindestlohn auf die Arbeitskosten der Unternehmen auswirken würde. Sollten die Unternehmen in der Folge die Preise ihrer Produkte erhöhen, bedeute dies einen sinkenden Reallohn. Auch das wäre hochgradig unsozial. "Das Ziel existenzsichernder Löhne würde so nicht erreicht", schreibt das IWH.
Leider ist es wahr - und es handelt es sich beim IWH in Halle offenkundig um volkswirtschaftliche Analphabeten, welche nicht einmal das volkswirtschaftliche Einmaleins beherrschen. Die Vorstellung, dass die Einkommenswirkung eines Mindestlohns (z.B. in Höhe von 7,50 Euro) umgehend durch "sinkende Reallöhne" neutralisiert würde, ist so atemberaubend dumm, dass man die umgehende Schließung des IWH fordern muss.
(Bild: Creative Commons von Aunt P)

Ein weiterer Defizitbereich ist die allzu unkritische Berichterstattung der Medien. Sie verbreiten derlei Meinungsmüll willig weiter, sobald er zuvor von von Nachrichtenagenturen wie Reuters oder DPA veröffentlicht wurde. Offenbar gibt es weder bei den Agenturen, noch in den Wirtschaftsredaktionen ausreichend Journalisten, welche die eklatante Unwissenschaftlichkeit derartiger Propaganda-Behauptungen zu erkennen vermögen. Bzw. sich trauen, diese angemessen zu kritisieren.

Ich persönlich halte einen pauschalen Mindestlohn in Höhe von 7,50 dennoch für zu hoch. Allerdings, bedingt auch durch die rasante Inflation bei Grundnahrungsmitteln und Heizkosten, plädiere ich inzwischen für ein Niveau in Höhe von 7,10. Zusätzlich sollten die Midijob-Regelungen bis in den Bereich von 1200 Euro ausgeweitet werden - refinanziert durch eine weitgehende Streichung von Großverdiener-Privilegien in der Sozialversicherung, dadurch, dass die Jahresarbeitsentgeltgrenze und die Beitragsbemessungsgrenze vervierfacht werden, bei gleichzeitiger Einführung von linear ansteigenden solidarischen Mindestbeiträgen für Bestverdiener.

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05 Januar 2008

SPIEGEL auf dem Weg der Besserung

Ich habe mich lange sehr schwer damit getan, SPIEGEL oder SPON zu verlinken, aber m.E. ist man hier auf dem Weg der Besserung. Ich erleide zwar immer noch schlimme Ekelanfälle, z.B., wenn ich vom Berufsreaktionären R. Mohr widersinnige Artikelchen lese, aber immerhin finden sich neuerdings Recherchen wie diese über den Strommarkt. Die Entlassung von Aust hat offenbar Kräfte frei gesetzt.

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16 November 2007

Oliver Gehrs weiß genauer, warum es sich ausgeaustelt hat. Ähem, und dazu hat er einen geradezu von Hass zerfressenen langen Artikel fabriziert - der auch einige gute Sätze enthält, z.B.:
Es ist irgendetwas schief gelaufen in Austs Amtszeit: Im Spiegel selbst sind die kritischen Stimmen verstummt, er ist innen hohl. Aber drum herum werden die Kollegen plötzlich frech. Die Journalisten, aus denen er Spiegel-Leute machen sollte, sind keine mehr - dafür führen sich diejenigen wie Spiegel-Leute auf, für die er eigentlich gar nicht zuständig ist.

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07 November 2007

Trend: Während Unternehmen immer stärker darauf setzen, mit anwaltlicher Hilfe missliebige Informationen und Meinungen zu unterdrücken (z.B. im Fall Euroweb und Parfip), wird zugleich auf das Prinzip "gläserner Kunde" gesetzt, z.B. über Behavioral Targeting. Werbestrategen jubeln:
Die Behavioural-Targeting-Technik erlaubt auch die site-übergreifende Analyse, wenn diese Sites von gleichen oder miteinander vernetzten Adservern gesteuert werden. (...) Die große Akzeptanz von Behavioral Targeting in der Online-Werbung belegt eine Studie von Jupiter Research, derzufolge bereits viele Firmen einen Großteil ihres Budgets für Online-Werbung im Rahmen von Behavioral Targeting ausgeben.
Kaum, dass sich Microsoft an der social software Facebook beteiligt hat, erhalten Werbetreibende ab sofort persönliche Informationen der Nutzer mitgeteilt, z.B. Alter, Geschlecht, Kaufverhalten und Interessen, zum Zweck von Social Ads bzw. zielgerichteter Kundenspionage. Gleichzeitig interessieren sich staatliche Behörden zunehmend für das Surfverhalten von Nutzern. Brave new world.

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05 November 2007

Gabor Steingart und sein dreifacher Murcks

Gabor wäre gerne der Herrscher Aust-Nachfolger im SPIEGEL, aber weil es dazu nicht gelangt hat, ist er jetzt nur ein Korrespondent in Washington. Und was tut er dort? Er leckt dort seine Wunden. Außerdem solidarisiert er sich (im Unterschied zur US-Bevölkerung) mit dem Präsidenten GW Bush, den er fast so großartig findet wie sich selbst, und mindestens genauso verkannt, bewunderungswürdig und ungemein lebendig. Gabor Steingart imaginiert sich einen Bruder im Geiste - und, als ob das noch nicht reichte, dichtet er GW Bush große Erfolge an.

Erstens faselt Gabor von großen "Feldherrenglück", denn es sei GW Bush gelungen, dass nun "Bewegung an der irakischen Kriegsfront" herrsche. Tatsächlich, im Irak bewegt sich ein unverändert blutiger Strom aus Kampf gegen die Besatzungsmacht, Morden, Anschlägen und Vergeltungen. Indes, die meisten Iraker und Amerikaner würden mit etwas weniger Bewegung zufriedener sein. Die Lage im Irak ist ein Desaster und lässt sich nicht schönschreiben.

Zweitens, GW Bush "dominiert" angeblich die Kandidatensuche im Vorwahlkampf in den USA. Das behauptet Gabor. Abgesehen von der kranken Denkfigur, die sich einen dominierenden Bush herbeiwünscht wie einen Führer, ist diese Behauptung so verwegen haltlos, dass man an Steingarts geistiger Gesundheit zweifeln darf. Jeder Kandidat, der im Verdacht steht GW Bush nahe zu sein, muss mit der Verachtung der Amerikaner rechnen. Domination sieht anders aus.

Drittens meint er, Bush "treibt die Demokraten wie der Hirtenhund die Schafe". Dies begründet Gabor, der sich von seiner neokonservativen Vergangenheit offenbar nicht lösen kann, mit folgenden Satz:
Die demokratischen Themen - Armut, Gesundheitsreform und Klimakatastrophe - verglühen gerade im Feuer der Granatwerfer von Bagdad.
Wer so schreibt wie Gabor, kann eigentlich nur ein kriegsverherrlichender Bejubler von Granatwerfern sein, dem die Lektüre von Jüngers Stahlgewittern nicht bekommen ist,- aber schlimmer noch, er ist ignorant. Man schaue sich einfach an, wie die Lage der angeblich wehrlos wie Schafe getriebenen Demokraten vor dem Hintergrund des Irakkriegs aussieht, anhand aktueller Umfragewerte (NBC News/WSJ Survey #6067):

Auf die Frage "All in all, do you think that things in the nation are generally headed in the right direction, or do you feel that things are off on the wrong track?" antworten 26 Prozent der US-Bürger "Headed in the right direction" und 61 Prozent "Off on the wrong track".

57 Prozent der US-Bürger sind mit der Amtsführung von GW Bush nicht einverstanden, und bei der Frage "In general, do you approve or disapprove of the job that George W. Bush is doing in handling the situation in Iraq?" zeigen sich 33% der Amerikaner mit GW Bushs Irakpolitik zufrieden, während diese von 63% abgelehnt wird. Trotzdem dürfte es einfacher sein, einem Papagei das Rülpsen beizubringen, als Gabor Steingart zugeben zu lassen, dass er falsch liegt.

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