04 April 2008

Fazit zur re:publica - Kommerzkritik erfolgreich

Fuck you!
Das waren soeben die Schlussworte von Johnny Häusler auf der re:publica, gerichtet an Kritiker des Kommerzkultes. Johnny Häusler und sein Organisationskumpel von der Agentur New Thinking hatten Kritiker ursprünglich ausgeladen, und doch waren sie spürbar, jedenfalls für einen Teil der Debatten. Und das war gut. Das vollständige Zitat von Johnny Häusler (evtl. richtete sich Johnny nicht allein an die ihm verhassten Kommerzkritiker):
Speziell in den Workshop-Räumen habe ich manchmal gedacht, dass es wirklich das ist, worum es hier geht, denn ich finde, und das ist mein Fazit von dieser Veranstaltung, (...) letztes Jahr war es schon so und dieses Jahr bei der re:publica ist zu sehen, dass hier Hunderte Leute sind, von denen sehr sehr sehr sehr viele großartige Dinge tun, statt ihre Zeit damit zu verschwenden, sich im Internet darüber aufzuregen, dass sie scheiße finden, was andere machen. (...) Wenn Leute behaupten, dass man an einem Fehler gescheitert wäre: Fuck you! Fehler passieren, man muss sie tun, weil anders kommt man nicht weiter, und trotzdem müssen wir immer neue Dinge starten, um was ins Rollen zu bringen. Es geht nicht anders.
Gut war auf der re:publica beim unvermeidlichen Thema "Geld verdienen mit Bloggen": An Stelle von Hype, Schönsprech und überzogenen Verdiensterwartungen (ein Kritikpunkt der Kommerzkritiker) stand eine nüchterne Bestandsaufnahme (siehe Bericht von Stefan Jacobasch), die darauf hinaus läuft, dass für Blogger der Kommerzhimmel noch sehr fern ist. Sascha Lobo hat nach eigenen Angaben grad nur sein Benzingeld raus, Don Dahlmann als Blogger erhielt 400 Euro von adical, was gemessen an den ursprünglichen Sprüchen ein Witz ist.

Don Dahlmann war zugleich auch ein Beispiel dafür, was die re:publica insgesamt prägte: Die Blogger kehrten zu sich selbst als Blogger zurück, und sahen sich nun deutlich weniger als eine digitale Kommerzbohéme. Vielleicht hätte man stärker darüber sprechen können, was Kommerzialisierung und falsche Konzepte aus der Blogosphäre machen, welche Gefahren und Verdrehungen darin stecken, aber eventuell genügt da auch der Hinweis von Don Dahlmann, dass seine damalige Opel-Bloggerei von ihm nunmehr als "Fremdkörper" im eigenen Blog empfunden wird.

Windelweich und fernab jeglicher kritischen Masse wurden viele auf der re:publica auftretenden Kommerzonkel und - tanten angefasst. Man traute sich nicht einmal, StudiVZ zu fragen, was denn nun genau mit den Benutzerdaten geschieht. Psst! Insofern: Es bleiben für die nächste re:publica noch genügend Themen, auch für Johnny Häusler, der die Debatte zwischen Journalisten und Bloggern für beendet erklärte.

Herr Häusler stellt viel auf die Beine und ist wiederum eine empfindsame Künstlerseele, die Kritik am eigenen Tun schnell als grobschlächtig wahrnimmt, was ein menschlicher Zug ist. Er profitierte dennoch von denen, denen er sein "Fuck you!" widmete, denn auch deshalb, weil ein Teil der Kritik ernst genommen wurde. Die re:publica war insgesamt weniger (kommerz-)schrill, und damit zugleich ernsthafter und vielfältiger. Je weniger Eigenvermarkter das Bild prägen, und je mehr der "long tail" sieht, dass Bloggen zunächst nichts Kommerzielles darstellt, sondern ein jeder Blogger vor allem über seine Inhalte wahrgenommen wird, umso besser. Für die Inhalte und die Blogosphäre.

Die re:publica profitierte aber nicht nur von Kritikern, die trotz Abwesenheit spürbar waren. Die Blogger-Konferenz präsentierte sich auf angenehme Weise reifer und thematisch vielfältiger im Vergleich zum Vorjahr. Dazu trug die gewachsene Erfahrung der Veranstalter bei, die Qualität der Referenten, aber auch die Förderung seitens des Hauptstadtkulturfonds und der Bundeszentrale für politische Bildung - ein Plus an Geld und Raum für weitere Referenten. Verglichen mit dem Vorjahr war die re:publica deutlich ent-kommerzialisiert, und - auch nicht zu verachten - deutlich ent-hyped. Es ging nicht mehr um die frech behauptete baldige Beerdigung von Printmedien, sondern darum, was real möglich ist. Und, wenig erstaunlich - fernab eines sich als Bohéme tarnenden Kommerzkultes findet sich in der Blogosphäre eine beachtliche Vielfalt.

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9 Comments:

At 05 April, 2008 16:18, Anonymous Anonym said...

Wo ist hier das Impressum? Dieses Blog ist nichts wert, wenn sein Betreiber anonym bleibt und im Schutze seiner Anonymität in anderen Blogs gegen das Pressrecht verstösst.Ich fühle mich durch einen Kommentar bei Alfonso persönlich beleidigt und werde dagegen vorgehen.

 
At 05 April, 2008 18:06, Blogger Dr. Dean said...

@ anonym Nr. 1
Du kannst machen, was Du willst. Wer immer Du bist, ich gebe wenig darauf, ob Du der Auffassung bist, dass mein Blog für Dich "nichts wert" ist. Dass sich ein anonymer Wichtigtuer ausgerechnet über Anonymität beklagt, ist allerdings bemerkenswert. Ich nehme an, die Mutter der Dummen ist stets schwanger.

 
At 06 April, 2008 22:39, Anonymous Anonym said...

Das könnte zu einem interessanten Grundsatzurteil führen - nämlich zu der Frage, inwieweit eine beleidigte Leberwurst (oder meinetwegen auch Cervelat oder Blutwurst), die sich qua Kommentar ja auch nicht gerade als Person der Zeitgeschichte zu erkennen gibt, überhaupt die Berechtigung hat, sich persönlich beleidigt zu fühlen.

Und wenn wir schon dabei sind: welcher Presserechtsverstoß?

 
At 06 April, 2008 23:02, Anonymous Jochen Hoff said...

Ich habe ja nur mit ein paar Leuten die auf der re:publica waren gesprochen und einige Streams verfolgt.

Mir fällt ein Wort ein. Kann es sein das die re:publica erwachsener geworden ist?

 
At 06 April, 2008 23:38, Blogger Dr. Dean said...

@ anonym Nr. 2 | Kommentar Nr. 4

Jahaa! Es ging ihm ja auch um das "Pressrecht" (!) und nicht um das Presserecht...

@ Impressum"pflicht" für Privatblogs
Der Urteilsbegründung zum aktuellen Verfassungsgerichtsurteil zur Vorratsdatenspeicherung ist zu entnehmen, dass die anonyme Beteiligung am öffentlchen Meinungsaustausch ein hohes und schützenswertes Gut darstellt. Eine vom Verfassungsgericht so bezeichnete "Einschüchterung" durch eine von einigen Anwälten angenommene Offenlegungspflicht persönlicher Daten von Bloggern verträgt sich schlecht mit der Bedeutung des Grundrechtes auf freie Meinungsäußerung. Eine allgemeine Impressumpflicht für private Blogs hingegen

--- schnipp ---
"droht, die Unbefangenheit des Kommunikationsaustauschs (...) insgesamt zu erschüttern."
--- schnapp ---

Da ich eher den Entscheidungsgrundsätzen des Bundesverfassungsgerichts vertraue als Auslegungsvarianten von käuflichen bzw. an Einkommen/Abmahnungen interessierten Rechtsanwälten und Sykophanten, belasse ich es vorerst lieber so, wie es ist.

 
At 07 April, 2008 09:17, Blogger Monika Armand said...

@ anonym
Wo ist hier das Impressum? Dieses Blog ist nichts wert, wenn sein Betreiber anonym bleibt und im Schutze seiner Anonymität in anderen Blogs gegen das Pressrecht verstösst.

Danke, anonym, habe mich köstlich über Ihre anonyme Beschwerde zur Anonymität amüsiert. Habe selten so gelacht......

@
Ich fühle mich durch einen Kommentar bei Alfonso persönlich beleidigt und werde dagegen vorgehen.

Da bin ich gespannt, wie man "anonym" gegen andere vorgehen kann.....Der 1. April ist doch schon längst vorbei ;-)
Jedenfalls finde ich es toll, mit wieviel kuriosem Humor hier kommentiert wird, weiter so.....
es muss ja nicht alles bierernst sein.....

 
At 08 April, 2008 20:48, Anonymous Anonym said...

Welche Kritiker wurden denn angeblich ausgeladen?

 
At 10 April, 2008 21:47, Anonymous johnny said...

Ausgeladen wurde niemand (soweit ich weiß), aber einige haben unsere Einladung nicht angenommen.

Das "Fuck you" war ganz blöd. Ist mir in der Hitze der von den Schultern fallenden Last am Ende der rp rausgerutscht. Dabei wollte ich die Tage mit positiven Sätzen abschließen, eben damit, wie beeindruckt ich von den Aktivitäten vieler Leute war. Dieses hinterher geschobene Rumstottern und das kindische "Fuck you" richtete sich überhaupt nicht gegen "Kommerzkritiker", sondern eher gegen Leute, die sich gerne und ausschließlich an Rückschlägen oder Fehlern ergötzen, statt die Erfolge zu sehen.

Trotzdem war das unnötig, denn jeder sieht das eh mit eigenen Augen.

 
At 13 April, 2008 14:31, Blogger Dr. Dean said...

@ Johnny

Erst mal schönen Dank für den Mut zum Statement!

Klar, so eine Riesenveranstaltung geht in die Knochen, den Veranstaltern ganz besonders. Da rutscht natürlich auch mal eine Prise Frust raus, der sich aus Müdigkeit speist, vielleicht auch ein Stück weit Debattenmüdigkeit - und Du hast ja auch einen, wie ich finde, starken Punkt gemacht:

Es ist schon etwas merkwürdig, an Internetgeschichten nur rumzumosern (auch: re:publica), wenn hier gleichzeitig viele spannende Dinge passieren. Vom Kontext Deiner Anmerkung her könnte man die Anmerkung schon so auffassen, dass sie gegen Kritiker gerichtet war, zumal sich dieser "Kritikerfrust" (so nenne ich das mal) auch in anderen Veranstaltungen zeigte.

Und es stimmt ja: Man versucht eine Sache möglichst gut zu machen, geht dabei an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit, zudem für etwas, was vielen Menschen recht viel Spaß macht und auch eine inhaltliche Dimension hat, und dann gibt es aus bestimmten Ecken heraus nur Genöle.

Ich biete daher an: Für das nächste Jahr meine Hilfe (unentgeltlich - selbstredend), wenn es z.B. darum geht, für bestimmte Themen Politprominenz und Ministeriale ranzuholen, und vor allem, eine oder zwei Veranstaltungen gut zu organisieren und gründlich vorzubereiten.

(Ich denke, bereits ein oder zwei gut vorbereitete Veranstaltungen machen eine Heidenarbeit)

Die Präsenz von Politikern mag zwar alles auch wiederum ein ausgeprägtes Für und Wider haben, aber ich denke, es täte re:publica gut, würde sie auch etwas kontroverser gestalten und vielleicht sogar auch - in bestimmten Themen - inhaltlich ernsthafter, wenn man sowas in einem begrenzten Rahmen ermöglicht.

Ich denke überdies, es täte manchem Politiker und Staatssekretär, der bei der Ausgestaltung des rechtlichen Umfeldes beteiligt ist, ganz gut, wenn er die Reaktionen der Betroffenen mal kennenlernt - und wenn er überhaupt mal diejenigen kennenlernt, um die es (auch) geht.

(Johnny, inzwischen denke ich, dass das Nichtberücksichtigen und - teils - Nichtansprechen von Kritikern bzw. die eher nichtkontroverse Ausrichtung der meisten Veranstaltungen sehr viel damit zu tun hatte, dass die Organisatoren auch schon reichlich und überreichlich Arbeit mit der re:publica hatten.)

 

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