14 Oktober 2013

Wie Milliardenvermögen entstehen: Das Beispiel Lutz von Stryk

Zu den interessantesten neuen Milliardären in unserem Land gehört Lutz von Stryk.

Was zeichnet ihn aus?

Unbedingte Leistungsbereitschaft? Ganz normal eher. Er versteht es auch zu leben.
Herkunft aus normalem Hause? Nein. Keine normalbürgerliche Herkunft.
Unverdienter Reichtum auf Kosten des Steuerzahlers? Ja. Und wie!

Seine "höhrere" Herkunft, durchaus gediegener Art, half ihm sicherlich, dass er in der HSH Nordbank das Immobiliengeschäft verwalten durfte. Irgendwann geriet die HSH Nordbank schwer ins Straucheln, nicht zuletzt auch bedingt durch den Größenwahn und die verhobene Risikobereitschaft ihrer Leitung. Eigentlich stand das Institut, als Besitz der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg, unter staatlicher Kontrolle. Die Manager verstanden es jedoch auf das Beste, ihre eigentlichen Besitzer und Kontrolleure auszutricksen und sich der Kontrolle zu entziehen. Nun, die Schwierigkeiten waren da, sie waren riesig und ein Teil der Milliardenverluste ging auch darauf zurück, dass sich die HSH Nordbank im Immobiliengeschäft massiv verhoben hatte. Möchte man es auf einen Nenner bringen: Großmannssucht an Stelle kaufmännischer Klugheit.

Wer war dafür verantwortlich? Richtig: Lutz von Stryk.

Nach normalmenschlichen Maßstäben hätte die Bank diesen Mann, der ihr in der sogenannten "HSH Real Estate GmbH" gigantische Verluste beschert hatte, schlicht entlassen müssen. "So läuft es nun mal im Kapitalismus" wäre dann der passgenaue Hohn gewesen, der dem gescheiterten Manager auf die Wunden einer gescheiterten beruflichen Karriere gestreut worden wäre. Ein "Leistungsträger" im engeren Sinne, trotz all seiner Bemühung, war Lutz von Stryk ganz sicher nicht. Denn seine Bemühungen brachten nun einmal nachhaltig rote Zahlen hervor - was durchaus ein Kunststück war, denn im Umfeld von Hamburg gab es viele Hunderte, vielleicht sogar Tausende von anderen, nur diesmal erfolgreichen Immobilienmanagern, teils solche, deren einzige Qualifikation das Abwarten war, wodurch sich in den allermeisten Fällen, aufgrund der Wirtchaftskraft der Hansestadt und ihres Umlandes, gewaltige Gewinne ergaben. Solche Talente besaß Lutz von Stryk aber nicht, und so gelangen ihm im wesentlichen nur Verluste. Pech halt. Oder auch Unvermögen.

Was solls! So in etwa muss der komplexe Gedankengang der Spitzenmanager der HSH Nordbank gewesen sein, als sie, milliardenschwer notleidend, auf den Zuschuss staatlichen Geldes angewiesen waren. Eisern gestählt in der Kunst, sich staatlicher Kontrolle zu entziehen, gelang der Managerclicque der HSH Nordbank noch ein letzter Coup:

Sie schenkten ihrem Mann im Immobiliengeschäft, Lutz von Stryk, einfach mal den verbleibenden Immobilienbestand im Wert von rund 2,3 Milliarden Euro. Was solls! Dem Steuerzahler wird es egal sein. Und falls da doch einmal Nachfragen entstehen, dann faseln sie einfach von "Betriebsgeheimnissen!". Ganz easy ist das, so ein "Management-Buyout". Lutz von Stryk zahlte also im August 2013 einen Euro, und bekam im Gegenzug Immoblien im Wert von 2,3 Milliarden Euro. Den öffentlichen Kontrolleuren, ob im Parlament, ob von der Staatsregierung, den zeigt man konsequent eine lange Nase.


Bild von Epsos
Vom Managementversager zum Milliardär! Lutz von Stryk. Man weiß nicht, ob der glückliche Mann abends heimlich lacht, oder ob er den kaum minder bewundernwerten Herrn Nonnenmacher, seinen ehemaligen Chef, zum gemeinsamen Wein trinken einlädt. Vielleicht errichtet er noch eine Stiftung. In Luxenburg. Oder gleich mehrere. Unbekannt ist auch, ob er im Hamburger Umland ein Gestüt betreibt, so wie es bei den besseren Leuten im Umfeld der Hansestadt eben üblich ist.

Nur, kommt es darauf überhaupt an? Für Herrn von Stryk vielleicht schon. Er wird keinen Mangel barmen, und beruflich, eigentlich sehr überraschend ob seiner eigentlichen Erfolge, hat er vollends ausgesorgt. Wenn diese kleine, sehr erbauliche (Vorsicht: Wortwitz) Geschichte kein Lehrstück über den real existierenden Kapitalismus einerseits, und andererseits über die Wirkungen mangelhafter öffentlicher Kontrolle ist:

Tja, dann weiß ich ja auch nicht...

3 Comments:

At 14 Oktober, 2013 14:29, Blogger John Dean said...

Der relevante Link zu einem Rechercheartikel des NDR ist *hier*.

Demnach ist der auskunftsscheue Herr von Stryk auch kein Milliardär - sondern verfügt als Alleineigentümer auch "nur" über Werte, die ca. 300 bis 500 Millionen Wert am Markt haben.

Für ein Euro Kaufpreis: Immer noch ein ziemlich gutes Geschäft...

 
At 16 Oktober, 2013 11:07, Anonymous che2001 said...

Also nur ein ganz gewöhnlicher Vermögensmilliardär - na dann!

 
At 26 Juli, 2014 13:40, Anonymous Anonym said...

es muss heißen: für einen! euro kaufpreis

 

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