26 August 2010

Randnotiz zum Pseudoexperten Osten-Sacken

Lange Randnotiz, bezugnehmend auf dieses Interview mit Osten-Sacken in der WELT (via):

Herr Osten-Sacken und sein widersinniges Pseudoexpertentum

Kaum fällt sein Name in einem meiner Lieblingsblogs, als Beispiel für die Geschichtsvergessenheit, Verbohrtheit und Verhobenheit der Antideutschen, schon bekommt Herr Osten-Sacken von der WELT ein umfangreiches Interview. Vielleicht sogar ohne Vergütung? Jedenfalls, es beginnt mit einem nur wenig verrätselten – und wirklich aufschlussreichen – Schlüsselsatz über sich selbst:

Ich bin Publizist und Geschäftsführer einer Organisation. Ich halte es mit dem guten alten Spruch: Man kann auf Identität eher verzichten als aufs Frühstücksei.

Anschließend stellt er im Interview seine eigenen Positionen in Abrede, um sich damit als guter Kumpel der Kurden und „der Araber“ zu präsentieren, deren Gastfreundschaft er so schätzt. Zum Thema Nahost fällt ihm, neben einer möglichen Zivilisierung der Bevölkerung durch deutsche Gynmnasien, in denen man lerne, „frei zu denken und zu sprechen“ noch ein, dass die Nahost-Thematik mit „Unfreiheit und Gewalt“ zu tun haben könnte. Anschließend greift er noch tiefer in die Weisheit seines Expertentums, lobt Bush, dessen Militärdoktrin, den nunmehr freien Irak und warnt vor Obama:

Zu verdanken haben die Menschen diese Befreiung unter anderem auch der Bush-Doktrin, die erkannte, dass man autoritäre Regime nicht länger stabilisieren könne. Leider geht gerade wieder Präsident Obama diesen Irrweg: Mit dem Iran reden, welcher Irrsinn. (…) [Obamas] Nahostpolitik hat keine Vision oder Idee.

Ja, reden kann Irrsinn sein – diese Meinung teile ich in Einzelfällen. Das ins Heilige erhobene Nichtreden mit ganzen Staaten halte ich hingegen für kompletten Blödsinn. Aber ein Nichtreden mit v.d.O.S.? Das ist i.d.R. eine gute Idee, die Wahn und dessen Ausprägungen meiden hilft. Jedenfalls, anschließend lobt v.d.O.S. im Interview die zivilisierende Kraft seines kleinen WADI-Radioprojektes, dessen Umfang weder den Mittelzufluss zu ihm und WADI, noch den Mittelabfluss vollständig zu erklären vermag:

Meine Mitarbeiterinnen haben heute Facebook und Internet, organisieren Treffen und Demonstrationen, während ihre Großmütter Ende der 70er vielleicht das erste Auto zu Gesicht bekamen und noch Analphabetinnen waren.

Danach warnt er, während seine kurdischen WADI-Mitarbeitereinnen im Internet surfen, vor dem Koran:

Die Unterdrückung ist zementiert. Schon im Koran festgelegt und über Jahrhunderte verschliffen.

Allein schon die Sprachschönheit seines Ausdrucks, sowie der aufklärische Beitrag, den v.d.O.S. am Leser leistet, machen klar, warum dieser Mann Publizist werden musste. Nicht zuletzt sein Kampf gegen den kurdischen Brauch der Klitorisbeschneidung lässt erahnen, worum es diesem Mann geht, und wo seine Erfolge liegen:

Jetzt wird offen darüber geredet. In Irakisch-Kurdistan war das bis 2004 ein totales Tabu. Wen immer Sie gefragt hätten, er hätte geantwortet: Das gibt es doch nur in Afrika!(…) Die Durchschnittsquote im Falle der Klitorisverstümmelung ist 72 Prozent. Drei Viertel der Frauen sind also betroffen.

Ob diese Zahlen für den kurdischen Teil des Iraks wohl stimmen? Und was genau ist eine "Durchschnittsquote"? Das ist der Durchschnitt aller Quoten vielleicht. Egal, wer will sowas schon wissen? Als Sexualwissenschaftler wiederum weiß v.d.O.S. pikante Zusammenhänge rund um die Klitoris zu verdeutlichen:

Dieses Stückchen Körperfleisch, das es bei Männern wie Frauen überall auf der Welt gibt, dient lediglich der Lust. Eine Gesellschaft, der man derart sinnbildlich die Libido nimmt, kann nicht funktionieren. Wenn ganze Gesellschaften nicht mit dem Eros umgehen können, betrifft das natürlich auch die Männer.

Zum Schluss bekräftigt v.d.O.S. nochmals seine Dankbarkeit gegenüber dem Irakkrieg, und macht klar, warum und dass die „militärische Intervention“ so lohnenswert war.

Ja. Saddam Hussein musste von außen gestürzt werden. Von innen hätte das nicht funktioniert. Die irakische Gesellschaft musste befreit werden. Die Intervention kam zu spät, man hätte schon 1991 handeln können. Gerade aber aus deutscher Perspektive muss man verstehen, dass manchmal nur die US Army oder eine andere Armee diesen Weg beschreiten kann. (…) Jetzt aber haben die meisten Iraker begriffen, dass sie ihre Probleme nicht mit Gewalt lösen können, und Organisationen wie al-Qaida sind sowohl militärisch geschwächt als auch völlig delegitimiert.

Ja, ist es nicht unendlich schön, das, was im Irak über viele Jahre hinweg geleistet wurde? Al-Kaida wurde im Irak militärisch geschwächt! Endlich! Das bestätigt dieser Experte für Kurdistan- und Nahostfragen in einer Form, die jegliches Nachdenken unnötig macht – jedenfalls, sofern jemand darüber nachdenken wollte, ob man Herrn Osten-Sacken als Experte für Nahostfragen gut gebrauchen könnte. Bush gut, Obama schlecht:

Aber Obama interessiert sich nicht für den Irak oder was eine Demokratisierung des Landes bedeutet.

Ja, ganz anders war da doch der große Demokratisierer George Walker Bush! Mindestens 2,5 Millionen Iraker sind auf dem Wege seiner „Interventionen“ nunmehr erfolgreich demokratisiert (sofern sie vorher nicht verhungert waren oder zwischenzeitlich militärisch zu Tode interveniert wuren), konkret dergestalt, dass sie die (mehr oder weniger gut funtionierenden) Demokratien des Auslands als Flüchtlinge nachhaltig kennenlernen. Das sind immerhin 10 Prozent der Bevölkerung – somit ein Riesenerfolg für die Demokratie! Wo große Erfolge zu feiern sind, lauern selbstredend auch große Gefahren. Vor allem Präsident Obama jagt v.d.O.S. Angst und Schrecken ein, denn dieser verkenne vollkommen, worum es geht:

Im Irak ging und geht es ja durchaus, und das kann man ruhig so pathetisch sagen, um einen Kampf um die Freiheit gegen ihre erklärten Feinde.

Als Historiker und Nahostexperte ersten Ranges weiß er auch zu werten, was der Parlamentarismus in Irak und Afghanistan zu bedeuten hat:

Das ergibt kurzfristig Chaos, langfristig aber Stabilität. Eine völlig neue Situation in den letzten 4000 Jahren für den Nahen Osten.

Nach 4000 langen Jahren bricht sich endlich die Zivilisation Bahn! Und exakt wegen diesem verdienstvollen Parlamentarismus (dessen afghanischen Wahlergebnisse erst mit massiver Wahlfälschungshilfe der Interventionskräfte zustande kamen), dürften die Deutschen, „das schwächste Glied“ des Militärinterventionismus, sich keine Gedanken über einen Truppenabzug und Militärabzug machen (meine Meinung: Es war auch der Abzug von US-Truppen, der im Irak zur Beruhigung der Lage beigetragen hat)

Herr Osten-Sacken jedenfalls, der sich je nach Bedarf auch Entwicklungshelfer nennt, freut sich über das umfangreich herbeigebombte „Fundament“, über ausgelöschte Dörfer und Hochzeitsgesellschaften, über den Krieg gegen ganze Städte, das vieldutzendfache Abschießen von Sanitätern aus Black Hawks, über private Söldnerarmeen und deren Praktiken – und was sonst noch so alles dazu gehört. Es hat ja alles einen Sinn!:

Jetzt bemerkt man das langfristig im Irak gelegte Fundament. Und genau das braucht es auch in Afghanistan. Auf keinen Fall darf man jetzt abziehen. Noch ist es nicht zu spät.

Für ein Mehr an Militärintervention ist es v.d.O.S. nie zu spät. Wenn es irgendwie möglich wäre, und er dies ungestraft öffentlich äußern dürfte, so wünschte er sich sofort Sara Palin an die Macht, an Stelle von Obama. Nach den dann folgenden, weitere Fundamente aufbauenden, Militärinterventionen gibt es vielleicht auch wieder mehr Geld für kleine Radioprojekte – sowie die vielen anderen Aktivitäten von v.d.O.S.!

P.S.

Nachdem ich das geschrieben habe, wundere ich mich noch mehr, erstens, warum Herr Osten-Sacken als „Geschäftsführer“ so viel Geld von der Bundesregierung bzw. den von ihr beeinflussten Organisationen erhält, zweitens, warum dieser hirnlose Schwätzer und Kriegstreiber bei Antideutschen als Respektsperson gilt (*).

P.P.S.

Meine kleine Artikelserie kommt!

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03 August 2008

Anthrax-Terror: Sie haben ihn! Der Attentäter war ein US-Militär-Wissenschaftler.

Rückblende: Wenige Tage nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center wurden die Bürger der Stadt New York mit Anthrax-Briefen in Atem gehalten. In den USA werden "Terrorwarnstufen" eingeführt (Schäuble wünschte sich das auch), man fürchtete sich vor den Biowaffen von Osama bin Ladin und Saddam Hussein, und kurze Zeit später zogen die USA rächend in den Krieg, und bewirkten in der Folge (inkl. Pfusch beim Nation Building): den Tod von einigen hunderttausend Irakern.

Wer hat die Anthrax-Briefe verschickt? Wer steckte dahinter?

=> Sie haben ihn!

Offenbar hat ein Soziopath und Militärwissenschaftler namens Bruce Ivins (Bild) mit diesen Terror-Briefen für den Ausbau der Anthrax-Militärforschung sorgen wollen. Das ist ihm gründlich gelungen. Am 27.7.2008 nahm er sich das Leben.

+++ 1. Update 04.08. +++
Markus Günther schreibt: "Amerikanischen Medienberichten zufolge hatte das FBI zuletzt erdrückende Beweise gegen Ivins gesammelt. Vor allem könne nun mit neuen Methoden nachgewiesen werden, dass der Milzbranderreger, der im September und Oktober 2001 zum Tod von fünf Menschen (und der Erkrankung von 16 weiteren) geführt hat, nur aus dem Labor von Ivins stammen kann. (...) [Er] habe eine lange Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und (...) habe neue Morddrohungen ausgestoßen und mit Stolz auf seine "biologischen Waffen im Labor" verwiesen.
Einen deutlichen Fortschritt erzielten die Ermittler mit der Analyse der genetischen Eigenheiten des Anthrax-Pulvers. (...) Kurz nachdem Steven J. Hatfill aus dem Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen wurde, begann Bruce Ivins jedoch, Zeichen äußerster Anspannung zu zeigen. Schließlich begab er sich nach Angaben der "Los Angeles Times" wegen schwerer Depressionen in psychiatrische Behandlung."
"Das FBI begann Ende 2007, Arbeitskollegen über Ivins zu befragen, und ließ die Befragten darüber eine Schweigeverpflichtung unterschreiben. Das FBI nahm auch Kontakt zu Ivins' älterem Bruder auf. Der bestätigte nicht nur eine depressive Veranlagung Ivins', sondern auch einen Hang zu Allmachtsfantasien."
"Facing the prospect of murder charges, he had bought a bulletproof vest and a gun as he contemplated killing his co-workers at the nearby Army research laboratory. (...) a social worker who led the sessions, Jean Duley, said that Dr. Ivins’s psychiatrist had “called him homicidal, sociopathic with clear intentions. (...) “When he feels that he has been slighted, and especially towards women, he plots and actually tries to carry out revenge killings.” (...) Ms. Duley said that Dr. Ivins had a history of making homicidal threats that dated to his college days."
"Investigators were so certain about the connection that they had scheduled a meeting for last Tuesday with Ivins's attorneys to discuss a plea bargain that would have sent the scientist to prison for life but spared him a death sentence, according to sources briefed on the government's case. But barely two hours before the meeting was to occur, Ivins died of an overdose of Tylenol that he had ingested over the weekend, the sources added."
Sehr beindruckend ist es, wie qualitätsjournalistisch gründlich die Mehrheit der deutschen Medien das Thema verschlafen. Wohl daher nennen sie sich auch "Gate Keeper"... Echt peinlich. Umso mehr ist der gute Artikel von Markus Günther zu loben - und ausnahmsweise auch einmal die WELT. Weitere, hochbrisante und in der deutschen Presse bislang unausgewertete Informationen über den Ivins-Fall findet man => hier. Ivins ging es offenbar auch um das ganz große Geld. Ebenfalls lesenswert ist es, wenn der Glenn Greenwald nachzeichnet, wie das US-Militär den Irak mit dem Anthrax-Terror in Verbindung brachte und gezielt (!) - sogar unter Beteiligung von Ivins von Fort Detrick aus - Falschinformationen an die US-Presse gab. Es sind noch einige Fragen offen. Sehr viele Fragen. Ich frage mich z.B., warum die intensive Kamera-Überwachung im Biowaffenlabor wirkungslos bleiben konnte. Hatte Ivins Helfer? Und was besagt das über das Thema Kameraüberwachung überhaupt, wenn diese sogar in Hochsicherheitsbereichen wirkungslos ist? Oh, ich sehe grad, Glenn Greenwald setzt nach. Der Skandal wird immer größer. David Hauslaib erklärt es etwas kompakter. Eine Frage dabei ist unter anderen: War es am Ende nur ein verrückter Militär-Biologe, der Amerika in den Krieg gegen den Irak zog?

+++ 2. Update 4.8.2008 +++

Im Ivins-Skandal tauchen nach Angaben der Frederick News Post und der JTA besondere Briefe des Attentäters auf, die nahe legen, dass der Militär-Biologe ein extremistischer, neokonservativer Evangelikale war und Muslime verachtete. Er könnte für seine Terroranschläge politische Motive gehabt haben.

Zugleich häufen sich die Fragen, ob der Terrorist Bruce Ivins tatsächlich ein Einzeltäter war. Im Rahmen der Anschlagserie ist eine neuartige Träger-Technologie zur Preparierung der Milzbrand-Sporen zum Einsatz gekommen, und es erscheint sehr fraglich, ob er diese ohne fremde Mithilfe entwickelte.

Wer waren die Helfer von Bruce Ivins?

Die amerikanische Blogosphäre zeigt sich unverändert interessiert am Ivins-Skandal.Technorati Bruce Ivins Chart

+++ 3. Update (6.8.2008) +++

Die weiterhin munter schlafenden deutschen Medien interessieren sich für den Anthrax-Skandal weiterhin nicht die Bohne. Inzwischen ist vom FBI umfangreich veröffentlicht worden, aus welchen forensischen Gründen Bruce Ivins in den Kreis der Hauptverdächtigen rückte. Die Washington Post schreibt:
[He] (..) came under suspicion in part because he allegedly tried to mislead investigators by giving the FBI false samples of anthrax from his laboratory. (...) [Ivins] "was the custodian of a large flask of highly purified anthrax spores that possess certain genetic mutations identical to the anthrax used in the attacks" and that he had been unable to give investigators an adequate explanation for his late-night laboratory work around the time the anthrax was mailed.
Oha. Bweisfälschung. Verdächtige Nachtarbeit. Und noch mehr - wenige Tage vor den Anthrax-Briefen soll Ivins sich per E-Mail für eine private Firma eingesetzt haben, welche einen öffentlichen Auftrag zur Produktion eines Anthrax-Impfstoffes erhalten wollte. Das war eine sehr spezielle Email:
The e-mail warned that Osama bin Laden's terrorists "for sure have anthrax and sarin gas" and had "just decreed death to all Jews and all Americans." The affidavit said the language in the e-mail was similar to warnings in the anthrax letters, such as: "WE HAVE THIS ANTHRAX. . . . DEATH TO AMERICA . DEATH TO ISRAEL."
Klar scheint jetzt zu sein, dass die Vorwürfe von Frau Duley, Ivins würde zu Hause Waffen horten, zutrafen:
During a July 12 search of Ivins's home, authorities also seized four loaded bullet magazines and other ammunition of various calibers, gunpowder, a ballistic vest, one spent bullet and "homemade yellow with silver duct tape body armor," according to the court filings. (...) More than 280 rounds of ammunition were seized (...) ranging from packed 9mm magazines to a baggie filled with 45 .22-caliber bullets on top of a bunk bed, (...) one box holding 17 .40-caliber hollow-point bullets.
Das lässt sich als Beleg für den Charakter von Bruce Ivins lesen, zudem als Bestätigung der Glaubwürdigkeit von Frau Duley, womit also die Vorstellung einer Soziopathie von Bruce Ivens gleich doppelt gestützt wird - für das eigentliche Tatgeschehen beim Anthrax-Briefterror gibt das nicht viel her. Die Motive von Ivins sind meiner Meinung nach recht unklar, so heißt es:
Asked about Ivins's motive for the attacks, Taylor said the scientist suffered from mental health problems and was concerned that an anthrax vaccination program, which had been blamed for illnesses among U.S. soldiers during the Persian Gulf war, was coming to an end despite his conviction that al-Qaeda possessed anthrax and planned to use it in biological attacks against the United States.
Der auch für seine politischen Aktivitäten bekannte Bruce Ivins hatte also ein massives Interesse an der Erzeugung einer bestimmten politischen Situation. Unabhängig von den damit verfolgten kommerziellen Interessen (ein klassischer Fall von "militärisch-politischer Komplex" übrigens), wirft das allerdings sehr viele Fragen auf, nicht nur hinsichtlich von Bruce Ivins. Beispielsweise müsste dann es dann bereits vor dem 18. September 2001 (dem Absendedatum von einigen Anthrax-Briefen) ein sehr massives US-Programm unter Bezug auf und gegen Al Kaida gegeben haben.

Huch?!
Ivins began working longer hours in mid-August 2001, logging lengthy evening shifts from Sept. 14, 2001, through Sept. 16, 2001, with another spike in late hours in early October 2001.
Das bedeutet, dass Ivins bereits vor (!) dem 11. September 2001 mit den Vorbereitungen seines Terroranschlags begann, um diesen dann unmittelbar nach dem 11. September zu verwirklichen. Das ist fast so, also ob ein "Einzeltäter" Ivins also vor dem 11.9. von einem kommenden Terroranschlag von Al Kaida wusste.

?!?
"The investigation isn't over"

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26 November 2007

Freedom is on the march

Die Lage im Irak scheint sich in den letzten 2-3 Monaten zu beruhigen, wenn man die Anzahl von Anschlägen sowie die Zahl von Todesopfern unter US-Soldaten als Maßstab dafür nimmt. Tatsächlich aber findet gerade eine "Somalisierung" des Iraks statt, an Stelle eines handlungsfähigen irakischen Staates tritt ein System von US-finanzierten Warlords.

Der Irak ist nun noch weiter davon entfernt, ein lebenswürdiger Ort zu werden. Man hat in der Weltgeschichte wohl noch nie derart viel Pfusch beim "nation building" erlebt. Wenn man vielleicht von Afghanistan absieht.
"The trend is clear: In the Middle East and throughout the world, freedom is on the march." (Quelle)

Ja, sie marschieren. Die Iraker millionenfach in die Flucht, die Übrigen als Soldaten und Untergebene von Warlords, andere wiederum als schlecht bezahlte US-Soldaten oder in mörderischen Privatarmeen. So sieht Freiheit aus, wenn sie von Militaristen definiert wird.

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14 September 2007

Militarismus und die EU-Bürokratie

Der Budgetplan für die geplanten Sicherheitsausgaben der von Bush geleiteten US-Administration für das Jahr 2008 wird hier anschaulich gemacht. Ich denke, so sehen auch die Wunschträume im neuen ESRIF (dem "EU-Forum für mehr Sicherheit") aus, einem einzigartigen Zusammenschluss aus Militärplanern, Industrie-Lobbyisten und EU-Bürokratie. Innerhalb von 5 Jahren sollen 2,1 Milliarden Euro zusätzlich für den militärisch-industriellen Komplex der EU ausgegeben werden, allein für Militär- und "Sicherheits"forschung. Peter Mühlbauer beschreibt genauer, warum das keine gute Idee ist. Kai Raven weist auf eine neu gebildete paramilitärischen Polizeitruppe der EU hin, welche den Gedanken von Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismäßigkeit in fast jeglicher Hinsicht spottet.

Bürger wehrt euch!

G
leichzeitig, während sich also die EU im Zusammengehen von Lobbyinteressen und Bürokratie korporatistisch aufbläht, Bürgern und Unternehmen enorme Lasten auferlegt, gibt es als Feigenblatt eine von der EU-Kommission ernanntes 15-köpfiges Gremium zum "Bürokratieabbau", neuerdings mit Edmund Stoiber als Vorstammelnden Vorsitzenden. Diese Kasperletruppe trifft sich einmal im Monat...

Im Vergleich der verschiedenen Gremien (z.B. hinsichtlich der eingesetzten Mittel) kann man deutlich sehen, wo es der EU ernst ist. Und auch, wo es mit der EU ernst ist.f

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14 Juni 2007

Privatisierungsfolgen: Kostenexplosionen bei den Geheimdiensten

Anhand stichhaltiger Unterlagen, die versehentlich von der US-Regierung veröffentlicht wurden, kann beispielhaft gezeigt werden, dass die von Neo- und Anarcholiberalen geforderten "Privatisierungen" zu intransparenten Kostenexplosionen führen - auch bei den US-Geheimdiensten.
Die Privatisierung spart entgegen der Ideologie deshalb keine Kosten, weil oft ehemalige CIA-Mitarbeiter ihre Dienste nach dem Ausscheiden dem Geheimdienst zu höheren Kosten anbieten.
Rechnet man diese Geheimdienstetats in Höhe von rund 60 Milliarden (!) US-Dollar zusammen mit dem regulären US-Militärhaushalt für 2006 in Höhe von rund 480 Milliarden und addiert die zusätzlich genehmigten Kriegsführungskosten (ca. 100 Milliarden) - dann hat man damit ein Beispiel unnützer bis schädlichster Mittelverschwendung in einem Staat, der sich seiner angeblich rein privatwirtschaftlichen Orientierung rühmt.

Dies hier ist ggf. auch interessant, und belegt die Verschwendung menschlicher Arbeitskraft durch Militarismus in internationalen Vergleich.

Über 600 Milliarden US-Dollar. So sinnlos. Unfassbar.

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18 Februar 2007

Die "antiamerikanische" Rede von Putin

Viele reden über die Rede. Aber wo ist sie? Ein paar kleine Bruchstückchen lassen sich finden, z.B. hier und hier.

Lesenswert zur Putinrede ist, wegen der dort verbreiteten Hintergründe, m.E. der aktuelle W*LT-Artikel von Hans-Jürgen Leersch. Wie auch immer, folgende Zitatbröckchen der Rede machten mich neugierig:
Heute beobachten wir eine fast ungezügelte militärische Gewaltanwendung in internationalen Angelegenheiten, die die Welt in den Abgrund von immer neuen Konflikten stürzt. Als Resultat reichen die Kräfte nicht einmal für die komplexe Lösung nur eines dieser Konflikte.(...) Damit es alle verstehen: Es gibt ein (US-)Raketenabwehrsystem, aber in Bezug auf Russland ist es sinnlos, weil wir Waffen haben, die es leicht überwinden können. Diesen Weg werden wir gehen. Das ist billiger für uns.(...)
Ich will mehr lesen als nur die Scherben einer Rede!

Nebenbei bemerkt: Was ist das eigentlich für ein beschissener "Journalismus", der lediglich ein für ihn höchstbequemes Shesadhesad der Immergleichen wiederkäut, aber sich zu fein ist, die eigentlichen Quellen zu dokumentieren?

Ahh! Ich sehe grad, dass auf die deutsche Friedensbewegung bzw. ihre noch aktiven Reste Verlass ist. Schön, dass es euch noch gibt! Hier ist Putins Rede in deutscher Sprache. Und auf Englisch. Dazu Merkel, Beck, der Militarist John Mc Cain, der NATO-Hochrüstungsminister Jaap Hoop Scheffer, der von den US-Demokraten verstoßene Militarist Lieberman, Tsipi Livni, Comical Laridschani, die Marionette Robert Michael Gates, sowie die unterschätzte Rede des chinesischen Außenministers (englisch).

Enjoy! (Okay: geht nicht. Krieg und Hochrüstung sind kein Spaß)

Bemerkenswert finde ich es, dass auf eine einfache, wenngleich kritische Meinungsäußerung hin, der US-Kriegsminister postwendend mit "kalten Krieg" (s. Googlenews) droht, geschickt eingepackt in die Formulierung, dass man "dies nicht wolle". Währenddessen sind bereits die Minenhunde des US-Militarismus aktiv (z.B. J. Lieberman), und sprechen von einem bereits stattfindenden (!) kalten Krieg.

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