04 Oktober 2008

Palin, die Medien und das fehlende Schimpfwort


Als ich mir in der Huffington Post diesen Beitrag angeschaut hatte, war mein erster (ungefilterter) Gedanke: "Was für ein Drecksack!". Wohl ein etwas zu grobes Wort. Was mich daran verblüfft, das ist der Umstand, dass mir partout kein weibliches Schimpfwort eingefallen ist. Es scheint Begriffe zu geben, für die es in der Sprache keine weibliche Entsprechung gibt. Ich finde immer noch, während ich das so vor mich hintippe, dass "Drecksack" auf Palin bestens passt - passt zu einen Politikertypus, der es als Affront empfindet, wenn er von einer gestandenen Journalistin zu den eigenen Kompetenzen befragt wird, statt Gelegenheit dafür zu erhalten, sich über die Kompetenzen politischer Konkurrenten zu äußern.

Ich finde zwar, dass in den berüchtigten Interviews mit Katie Couric die Frage gefehlt hat, was Palin in das Amt des Vizepräsidenten einbringen wird. Einem politischen Interviewgast sollte Gelegenheit gegeben werden zu zeigen, wofür er steht - aber ich finde, dass Palin diese Gelegenheit bei den Couric-Interviews reichlich gehabt hat. Und nun soll die Fragenstellerin daran schuld sein, dass Palin schlechte Antworten gegeben hat...

Drecksack!" passt doch, oder gibt es ein besseres Wort?

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11 Comments:

At 04 Oktober, 2008 22:16, Anonymous Markus said...

Wie wäre es mit "weiblichem Karl Rowe"? Der frühere Berater von George W. Bush und ausgemachter politischer "Drecksack" der Republikaner ist allerdings um einiges gewiefter als die bigotte Sarah Palin, die m.E. nicht lange Vize-Präsidentin wäre.

 
At 05 Oktober, 2008 00:04, Anonymous flatter said...

Ich finde "Drecksack" nicht recht passend. Zurecht beschwert sich Palin darüber, daß man ihr richtige Fragen stellt. Sie kann nämlich nur aufsagen und vom Teleprompter ablesen. Journalisten sollten das wissen und sich auf Interviews mit ihr vorbereiten, indem sie einer sprechenden Puppe die zu den verfügbaren Sätzen passenden Fragen stellen.

 
At 05 Oktober, 2008 13:54, Blogger John Dean said...

@ markus

"Rowe" ist aber ein ziemlich derbes Schimpfwort. Ob es passt? Palin ist ja weniger die Gestalterin aus dem Hintergrund, sondern lediglich so etwas wie ein Milchmädchen, nämlich eine Frischelieferantin.

@ flatter

So ein Art puppet design? Man konstruiert (halb PR, halb postmodern)ein Stimmen versprechendes Image und polstert es mit Erzählungen und talking points auf.

(Frei nach dem Motto: Es gibt keine Wahrheit - alles ist Oberfläche)

Die Rolle des Journalisten wäre dann die eines Puppenpräsentators, der die Püppchenkleider in der Öffentlichkeit adrett in Form zupft, während sich Spindoktoren die eigentliche Arbeit verrichten.

Brave new media.

 
At 05 Oktober, 2008 22:26, Anonymous Markus said...

Was lernen wir daraus? "Drecksack" ist nicht gleich "Drecksack" ;-)

 
At 06 Oktober, 2008 11:54, Anonymous Paolo Pinkel said...

Bill Maher bezeichnet sie als category 5 moron.

 
At 06 Oktober, 2008 12:59, Blogger John Dean said...

"categorie 5 moron"

Das ist gut. Und jetzt noch die deutsche Übersetzung?

 
At 06 Oktober, 2008 14:21, Anonymous Anonym said...

Achja, die Medien: bei SPON kräht Gabor "der Markt" Steingart heute plötzlich nach "Führung" durch Ex-Bundeskanzler Schmidt (!?), weil ihm irgendwie nicht passt, wie die derzeitige Bundesregierung mit der Krise umgeht und weil ihm Schmidts Buch wohl so gut gefiel. Highly bizarre! Angemessen wäre ja ein in-sich-gehen und bereuen, nebst Eingeständnis eigener journalistischer Fehlleistungen. Eine intelektuelle Bankrotterklärung und das Berufen eines intelektuellen Insolvenzverwalters, der die Trümmer wegräumt. -

Aber doch nicht Herr Steingart! Der hat sich nämlich nicht getäuscht! Der lag nicht völlig daneben! Der hat nicht besinnungslos für freie Märkte und Neoliberalismus getrommelt! Der doch nicht! Nicht diese Journalismuskoryphäe, die da jetzt verzweifelt nach dem Staat in Gestalt eines vergangenen SPD-Kanzlers ruft! Neinnein. Er plappert einfach weiter, und hofft, dass es einfach keiner merkt, und er weiter deutungsmächtig an Bord bleiben darf, im Postneoliberalismus.

Überhaupt werden wir erleben, dass demnächst niemand neoliberal gewesen sein will, und alle ja schon immer gewarnt haben, und man wollte ja nicht auf sie hören, aber der Lafontaine, das ist ein ganz schlimmer Populist, etc., etc.

Hoffentlich hatte er wenigstens auch Lehmanpapiere. Wahrscheinlich aber eher nicht.

 
At 06 Oktober, 2008 14:23, Anonymous Anonym said...

... "intellektuell", natürlich, pardon.

 
At 06 Oktober, 2008 21:51, Anonymous Markus said...

"Gabor Steingart" als Schimpfwort? - Interessant! Favorisiere aber weiterhin "Drecksack", auch wenn Sarah Palin nur ein an Fäden gezogener ist. Die politischen Fäden haben aber "Drecksäcke" vom Kaliber eines Karl Rowe in der Hand, bestimmt aber nicht ein Gabor Steingart.

 
At 07 Oktober, 2008 01:33, Blogger John Dean said...

Wobei ja "category 5 moron" und Steingart beinahe passen würden. Hmm, naja - für Steingart genügt eigentlich category 2.

 
At 08 Oktober, 2008 00:45, Anonymous Paolo Pinkel said...

Ich habe gerade die DailyShow von heute geguckt und musste sofort an diesen Post denken, als John Steward Palin als "the She-Bush" bezeichnete.

Ich habe mein Schimpfwort für Palin jetzt gefunden.

 

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