13 Mai 2008

Steingart tillt mal wieder.

Weil Obama im Vorwahlkampf der Demokraten vorn liegt, spricht Gabor vom "Verrat der US-Medien". Wer sich als US-Journalist weigerte, Obama als komplett substanzlos zu charakterisieren, ist in seinen Augen ein "Hurenbock".

Steingart verweist bei dieser Gelegenheit, paradox genug, auf die Grundsätze und Qualitätsanforderungen des journalistischen Berufes, was in Anbetracht seiner üblen und hochparteilichen Berichterstattung absurder wäre als eine eventuelle Gattentreue eines Hurenbocks. Steingart, dessen "Korrespondentenberichte" so spärlich tröpfeln, dass man an einen von der SPIEGEL-Redaktion finanzierten Erholungsurlaub in den USA glauben könnte, hält sich selbst für gut informiert, und beklagt die Kompetenzmängel und Parteilichkeit (!) seiner Kollegen usw. usf.

Ein konkretes Beispiel: IT-Einsparungen im US-Gesundheitswesen

Dem sich für überaus kompetent haltenden Gabor Steingart fällt bis heute nicht auf, dass die von ihm so gelobte KV-Reform von Hillary Clinton nicht vernünftig finanziert ist und zudem hochwindige Behauptungen erhält wie z.B. einen Selbstfinanzierunsgbeitrag der KV-Reform durch angebliche jährliche Einsparungen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar im Fall der von Lobbyisten promoteten Einführung eines teuren staatlichen Kranken- und Krankheitsinformationssystems.

Es ist ja nicht so, dass eine IT-Modernisierung im amerikanischen Gesundheitswesen eine komplett schlechte Idee wäre (Obama hat ähnliche Pläne, allerdings in realistischerer Ausführung), nur lassen sich damit - wie jeder kompetente Journalist schnell herausfinden wird - nie und nimmer die von Clinton behaupteten 10 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen.

Gabor Steingart ist nicht kompetent.

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8 Comments:

At 13 Mai, 2008 16:29, Anonymous Jochen Hoff said...

Natürlich Gabor Steingart nicht kompetent. Aber wenn ich jetzt hier auf deinem Blog sage was er ist, dann haben wir beide ein größeres finanzielles Problem. Deshalb denken wir uns nur was er ist.

Da wir aber wissen für wen er arbeitet, Mohn/Bertelsmann wissen wir auch wes Geistes Kind man sein muss um da zu arbeiten.

Aber Obama hat ja noch Glück. Was würde Steingart erst schreiben, wenn es sich bei Obama um einen Menschen chinesischer Abstammung handel, wo die Familie Mohn doch so gegen China ist.

Es kann ein Glück sein wenn man nur Schwarz ist. Bei einigen kommt die alte Farbe imme rwieder durch.

 
At 13 Mai, 2008 18:46, Blogger Dr. Dean said...

Hmm, ich glaube nicht, dass Gabor dieses Farbproblem hat. Zuviel Schwarz, zuviel "pro-westlicher" Heroismus, zuviel Neoliberalismus und steingärtnerischer Bellizismus und all das: Ja.

Im Übrigen halte ich Gabor für einen Sportsmann. Das Blog hier würde er schon noch verkraften.

@ "finanzielles Problem"
Mit geäußerten politischen Missmut ist es eine schwierige Sache, sobald sich dieser auf konkrete Personen bezieht. Da kommt es auf ein präzises Erkennen der rechtlichen Grenzlinien an und auch darauf, den eigenen Unmut zu zäumen.

Ich hatte z.B. bei einer allzu harten Wanderung auf der Grenzlinie mit Schirrmacher ein kleineres Problem, er mochte z.B. den Begriff "Altmännerschweiß" nicht, der sich auf eine bestimmte Art des politischen Denkens bezog - und er mochte auch eine ärgerliche und von mir auch schlecht formulierte Insiderinformation nicht - und hatte insofern Recht, dass er das nicht weiter verbreitet sehen wollte.

Wie gesagt: Mein Fehler. Dass es nun Menschen gibt, die aus hitzigen politischen Diskussionen einen finanziellen Vorteil ziehen wollen, ist nun leider Realität.

Wenn ich Dir einen guten Ratschlag geben darf, dann lautet der, dass Du dir einen Anwalt suchen solltest, der Dich kostenlos vertritt.

(Als privilegiertes "Organ der Rechtspflege" ist sogar jeder Anwalt prinzipiell dazu verpflichtet...)

Wenn Du willst, helfe ich Dir bei der Suche.

 
At 13 Mai, 2008 22:50, Anonymous Besitzstandswahrer said...

Ist ja schrecklich in welchem Zustand sich unsere Medien befinden.

 
At 13 Mai, 2008 23:08, Anonymous David said...

Neuerdings schreibt Steingart fuer Rupert Murdoch:

http://online.wsj.com/article/SB121038123776782371.html?mod=rss_opinion_main

 
At 14 Mai, 2008 05:43, Anonymous Avantgarde said...

Auch wenn's schwerfällt, zum Teil hat er mit seiner Kritik an der Berichterstattung der US Medien sogar recht. Wobei bei US Wahlkämpfen der "Triumph des Irrelevanten" schon immer Urständ gefeiert hat.

Die Praxistauglichkeit der Politikerversprechen,vom Irakabzug bis zur Krankenversicherung, wurde fast gar nicht diskutiert und analysiert, stattdessen durchgeknallte Pastoren, Anstecknadeln und ähnlicher Unsinn.

Nur hat es der gute Gabor auch nicht besser gemacht, sondern auch nur seine Agenda gepusht.

 
At 14 Mai, 2008 09:55, Blogger Dr. Dean said...

@ avantgarde

Was nützt es, wenn die Hälfte eines Artikels aus brauchbaren Sätzen und Halbsätzen besteht, wenn die zentrale Hauptthese so falsch und widerwärtig ist, dass man den Rest als taktische Ausschmückung einer Niederträchtigkeit ansehen könnte? Und was nützt es wiederum, wenn wir darüber hinweg sehen, wenn der viel zu hoch gehandelte Steingart ein paar zutreffende Beobachtungen zusammenträgt, wenn er erstens kaum versteht, was die Ursachen dieser Beobachtungen sind, und zweitens, wenn er im Grunde genommen die ganze Zeit nur einen einzigen, höchst primitiven Gedanken in Hinterkopf zu haben scheint, nämlich dieses "Warum-schreiben-sie-nicht-dass-er-substanzlos-ist".

Ich mein, G.S. verkörpert doch geradezu in Idealform genau das, wogegegen er in seinem Artikel anschreibt, nämlich einen Journalismus, der parteilich und manipulativ vorgeht, der sich selbst wiederum von Parteistrategen manipulieren lässt und überdies in Sachfragen inhaltlich weitgehend inkompetent und nicht urteilsfähig ist, sich diese nicht bzw. kaum vorhandene Kompetenz ständig anmaßt.

Wie kann G.S. etwas kritisieren, was er selber in seiner Redaktion so stark verkörpert wie kein anderer?

Den vorletzten Artikel von G.S. hätte ich um ein Haar beinahe gelobt, zumal er wirklich nicht übel war, wenn ich nicht beim Lesen eines wenige Tage zuvor veröffentlichten Artikels eines amerikanischen Autoren ein ziemlich sicheres Gefühl entwickelt hätte, wodurch sich G.S. beim Schreiben angeregt gesehen hat.

Und dieser G.S. macht seinen amerikanischen Kollegen also Vorhaltungen in Qualitätsfragen des Journalismus?

 
At 14 Mai, 2008 15:12, Anonymous Avantgarde said...

Dr. Dean

Du hadt völlig recht, ist das bekannte "pot meets kettle" Ding.

WIE substanzlos der gute Gabor ist, zeigt ja auch der WSJ-Beitrag. Warum die nur sowas drucken? Da ist nichts drin, niente, nada.

Bloß dumme Polemik.

Trotzdem wird mir schlecht, wenn ich diese quasselnden "Pundits" im US Fernsehen sehe, mit ihren tollen und völlig irrelevanten Analysen.

Sowas sollten die sich mal bei der BBC trauen...

 
At 15 Mai, 2008 18:08, Anonymous Anonym said...

Lustig finde ich ja, wie konstant diese ganzen Neoliberalen in Sachen Obama von Substanzlosigkeit sprechen und nicht einmal in der Lage sind, sich Obamas Positionen auf seiner Homepage anzuschauen.

Emma

 

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