01 Februar 2012

Ansgar Heveling ist ein Politiot - zusätzlich: Übersetzung von Ansgars Polemik

Nehmen wir einmal den hypothetischen Fall an, ein Hinterbänkler (ohne Aussicht jemals etwas Besseres zu sein) und übler, oportunistischer Lobbyist, der dem Gemeinwohl hemmungslos Schaden zufügt, wenn man ihn lässt, möchte sich im Glanze der Provokation sonnen, und sein politisches Feindbild, die Bürger im Web 2.0 (soziale Netze u.v.m.) ein wenig ärgern. Was mag er dann wohl schreiben, wenn er mal etwas eigenes schreibt, und nicht bloß die Wunschvorstellungen von Konzernen als bezahlter Lobbyist ungefiltert an politische Entscheiderkreise weiter reicht?
Die Bürger im Web 2.0 stellen eine verlorene Generation dar, weil sie mit den sozialen Netzen etwas nutzen, das schon bald dank umfassender Verbote Geschichte sein wird. Die Verbote und die Behinderungen sind deshalb notwendig, weil die sozialen Netzen der digitalen Welt vor allem destruktiv und gefährlich sind. Sie bedrohen nämlich die Geschäftschancen von etablierten Medienkonzernen. Außerdem sind sie zunehmend störend in den politischen Prozessen der Europäischen Union, weil sie in unangenehme und sogar aufrührerische Horden von Protestlern und Aktivisten mobilisieren helfen, welche mit ihren lästigen Tätigkeiten die Umsetzung weitblickender europäischer Richtlinien behindern und hier erneut die Mediengroßkonzerne bei der wertvollen Profitmaximierungstätigkeit behindern, was nicht zuletzt auch dem Wohl der Bewohner der Cayman Islands und ihren Private Equity Gesellschaften schadet!

Die Schlacht gegen die Web 2.0-Nutzer, deren wachsenden politischen Einfluss, und noch mehr, ihren allzu ungezügelten Freiheiten in sozialen Netzwerken muss darum unbedingt gewonnen werden, wenn wir nicht zulassen wollen, dass die Gewinn- und Geschäftschancen von Medienkonzernen mittels unangemessener, schädlicher Konkurrenz weiter erodiert werden! Das künftige Modell muss es vielmehr sein, die Inhalteproduzenten (Kreative, Musiker, Autoren) mit radikalen Hungerlöhnen abzuspeisen bzw. sogar in den privaten Ruin zu stürzen, während der Großteil der von Nutzern mobilisierten Einkünfte ausschließlich in die Hand von oligopolistisch-kooperativ arbeitenden und mit der EU-Administration bestens verbandelten Konzernen gelangen! Es darf nicht ein jeder Bürger in der digitalen Welt ungehindert an die verfügbaren Inhalte gelangen, die ihn interessieren, es sollte nicht ein jeder kleine Anbieter seine eigenen Geschäftsmodelle entwerfen dürfen, es darf an der Macht der Monopole und den Eigentümern dienenden Verwertungsmodellen nicht gerüttelt werden, wenn wir nicht schon bald auf die ruinenhaften Stümpfe unser mafiaartig organisierten Medienkonzerne schauen möchten, welchen es beipielsweise in den USA in vorbildlichster Weise (z.B. Fox News nebst Ableger) gelingt, den demokratischen Prozess auf eine nachhaltig marktkonforme Weise zu verbessern!

Mitstreiter! Es ist diese Kultur von allgemein beschränkten Inhaltezugang, umfassenden Zugangshindernissen für potentielle Konkurrenten und Bürger, mit anderen Worten die Kultur von Oligopol, Monopol und rücksichtsloser Künstlerausbeutung, welche wir unbedingt und um allen Preis aufrecht erhalten müssen! Liebe Konzernvorstände, EU-Komission, Spitzenbeamte, Kampfgenossen, liebe Politiker von Schwarz-Gelb, jetzt heißt es wachsam zu sein! Auf zur Wacht!! Ringt das Web 2.0 nieder! Es lohnt sich, unsere von der Macht von Konzernen, Immobilienbesitz, Verwertungsmaximierung von kultureller Rechtsgüter und Großeigentum geprägten Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen! Eine Gesellschaft, bei der die wenigen profitieren und die übrigen bezahlten, mit unseren Werten von Ausbeutung, PR-Kultur und Großeigentum hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt - und so vernichten wir vielleicht sogar endgültig den Widerstandsgeist der lästigen Citoyen, die wir nur in der Rolle des kostengünstigen Arbeits, äh, nehmern und ausgabefreudigen, kritiklosen Konsumenten zu ertragen bereit sind.
Sowas vielleicht?

D
as, was Ansgar Heveling in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt geschrieben hat, ist mit diesem übergeschnappten, durchgedrehten Müll inhaltlich weitgehend deckungsgleich! Es lohnt sich, diesen Politioten in der Sache gründlich zu ignorieren - und dafür zu sorgen, dass er als Lobbyist sich schon bald völlig neu orientieren muss und künftig z.B. für die Rüstungsindustrie tätig wird.

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12 Januar 2012

Universalkommentar zu Sarrazin (Nachbetrachtung)

Erstens

Alles, was Alan Posener und Frank Schirrmacher über die "unwiderlegten" (lol) Behauptungen von T. Sarrazin schreiben, ist lesenswert und zitierwürdig.

Zweitens

(zur Verwendung in Leserbriefen und Kommentaren u.ä.)

Es ist erstaunlich, wie vollendet lernresistent sich gerade ein Mann erweist, der für sich behauptet vor allem das Bildungsthema und Intelligenz zu seinen Kernanliegen zu rechnen, sowie, dass unter seinen unverdrossensten Anhängern die Notwendigkeit eines Intelligenzzuwachses sich bisweilen besonders zeigt, was sich auch an den Kommentaren aus seiner Fankurve erweist.

N
icht einmal die leiseste und sachlichste Kritik an Sarrazin wird seitens Sarrazin und seinen verhärtesten Anhängern gelten gelassen, so objektiv diese auch sein möge. Und dass Herr Sarrazin immer noch nicht zwischen Bestimmtheitsmaß und dem r-Wert zu unterscheiden vermag, nur einmal als Beispiel, ist aberwitzig für jemanden, der sich für einen Könner der Statistik hält.

Auf eigentümliche Weise zeigt er an sich selbst, einerseits, wie wichtig tatsächliche Intelligenz ist, wenn man Überlegungen zu komplexen Theman anstellt, aber andererseits, wie überflüssig jede Intelligenz sein kann, wenn diese nicht zugleich von Herzensgüte und der Fähigkeit zur Selbstkritik begleitet ist, zwei Eigenschaften, für die man ganz gewiss nicht Herrn Sarrazin oder seine Ehegattin als Exempel heran ziehen wird.

Übrigens, wenn der r-Wert (die vermeintliche Abhängigkeit z.B. der Intelligenz von genetischer Vererbung) beispielsweise einen hohen Wert von 0,7 hat (was in dieser hohen Höhe nur eine Minderheit von Intelligenzforschern behauptet), dann beträgt das davon abgeleitete Bestimmtheitsmaß nur (!) 0,49. Mit anderen Worten, selbst unter extremen Annahmen ist Intelligenz (genauer gesagt: die Differenz zum menschlichen Intelligenzdurchschnitt) nur zu maximal 49 Prozent eindeutig auf genetische Faktoren zurück zu führen.

Sinkt der r-Wert auf 0,5 (was so in etwa der Konsens unter Intelligenzforschern darstellt), dann beträgt das Bestimmtheitsmaß nur noch 0,25. Kurzum, bereits von der rein statistischen Seite her versteht Sarrazin an sehr entscheidenden Stellen zu wenig von dem, worüber er sich verbreitet.

Ein abschließender Hinweis noch: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dumme (Intelligenz bei nur 80 Punken) und das Kind stark liebende und umsorgende Eltern einen deutlich förderlicheren (!) Einfluss auf die Entwicklung der kindlichen Intelligenz haben als beispielsweise hochintelligente, leistungsorientierte, aber gefühlskalte Eltern. Wer an dieser Stelle gewisse, teils sogar frappierende Parallelen in der Familie Sarrazin findet, der darf an dieser Stelle gerne "aha!" sagen bwz. denken. Und zwar ganz unabhängig davon, was er/sie ansonsten von den Thesen des T. Sarrazin hält...

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28 November 2011

Wirtschaftspolitik in Ungarn unter der Fidesz

ähem: hier kommt noch was, später...

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20 November 2011

FAZ-Wirtschaftsblog: überschätzt sich - Gründe für Währungskrise und Marktinstabilitäten sind deutlich zahlreicher

Der neue Wirtschaftsblog der FAZ ist so eine Sache. Der erste Beitrag bestand aus Schaumschlägerei, Habermas wurde zwecks Provokation und Beifall aus der wirtschaftsrechten Ecke nebenbei als ökonomischer Vollidiot gebasht, und sonst war das garnix. Der neue Beitrag im FAZ-Wirtschaftsblog zum augenscheinlichen Ungleichgewicht an den Märkten ist aber keine Steigerung, jedenfalls nicht in eine positive Richtung hinein.

Es zeigt sich hier ein Grundproblem, das die Wirtschaftsredakteure der FAZ haben: Sie denken, sie verstehen fast alle ökonomischen Zusammenhänge - und empfinden keine Zweifel. Stets ist es ein Spur zu aufgeblasen, wichtigtuerisch und von einem erschreckendem Mangel Neugier gekennzeichnet, was sie als Meinung bzw. als Blog verfassen. Es mangelt sogar am Mindestmaß an professioneller Redakteursneugier.

Der Autor Patrick Bernau, den ich unter den FAZ-Wirtschaftsredakteuren noch für ziemlich passabel halte, verweist auf die Spieltheorie, um das gravierende Umschlagen (z.B. von Aktienbewertungen oder der Risikobewertung der Staatspapiere eines EU-Landes) zu erklären. Dabei beginnt sein Artikel im Grunde genommen bereits mit einem Offenbarungseid, wenn er gleich am Anfang sagt: "Doch unerklärlich ist immer nur das, wofür es keine Erklärung gibt."

Das ist zugleich die Falle jeglicher ökonomischer Theorie: Das Verschwinden des Gefühls von Unerklärlichkeit. Anders gesagt, es wird einfach ein Erklärungsmuster gesucht, das unter Ökonomen einigermaßen gut gelitten ist, und - schwupps - schon sind Zweifel und das Gefühl von Nichterklärbarkeit bzw. der Unzulänglichkeit bisheriger Annahmen vollständig weg geräumt. So schnell geht das.

Wie erbärmlich!

Man verzeihe meinen Übermut und meine Schmählust, aber riesige, komplexe und vielfach interdependente, und tief in sozioökonomische Wechselwirkungen eingebundene Märkte (z.B. von Währungen, oder Staatsanleihen) unterliegen - imho - immer mehreren wesentlichen Ursachenzusammenhängen, mit denen sich Bewertungswechsel erklären lassen. Viele relevante Bausteine zu einer Erklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge lassen sich nur schwer aufstöbern und bleiben jahrhundertlang unentdeckt. Aus diesem Grund sollte man jedem Wirtschaftsjournalisten und Wirtschaftswissenschaftler, der die Idee vertritt, er hätte in komplexen Problemlagen jetzt einen (nur einen!) neuen, überaus passenden und dann zugleich vorrangigen (!) Zusammenhang gefunden, mit großer Skepsis begegnen.

Noch schlimmer ist es allerdings, wenn - wie im Fall von Patrick Bernau - die Grundidee einer ökonmischen Theorie auf verstümmelnden Weise verstanden wurde, und in etwas verbogen wird, was mit "voreilig" eher großmütig beschrieben ist.

Was sagt nun Patrick Bernau: Es gäbe in jedem (!) Markt immer zugleich mindestens (!) zwei verschiedene Gleichgewichte zugleich. Dabei bezieht er sich auf Maurice Obstfelds Idee der multiplen Gleichgewichte von Währungen. Damit sollen die z.Zt. unfassbar schnelle, bisherigen ökonomische Theorien widersprechenden, Veränderungen der Risikoprämien von Staatsanleihen nachvollziehbar werden, meint Patrick Bernau. Das, was u.a. die volkswirtschaftlichen Abteilungen von Großbanken geradezu in Sinnkrisen stürzt, sei ganz einfach verstehbar durch die Anwendung von Spieltheorie. Er erläutert, im Fall Italien, das erste "Gleichgewicht" mit: "Solange jeder daran glaubt, dass das Land ein einigermaßen sicherer Schuldner ist". Das zweite, außerordentlich verschiedene "Gleichgewicht" (d.h. die jetzigen Risikoprämien) erklärt er mit "In diesem Gleichgewicht setzt sich die Annahme durch, dass Italien kein sicherer Schuldner mehr ist".

Tjanun, diese beiden "Gleichgewichte" sind keine. Selbst wenn man die erste Marktsituation (geringe Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Italien) trotz schwankender Bewertungen als Gleichgewicht betrachtet, so ist die zweite "Gleichgewichts"situation (gravierende Zweifel an der zukünftigen Zahlungsfähigkeit von Italien) nun alles andere als ein Gleichgewicht. Und weiterhin: Es gibt eine große Vielzahl von Zuständen, mit einer gewissen Stabilität, die zwischen einen Staatspleiteszenario und einer ökonomisch sorglosen Situation liegen. Vergangene Schuldenkrisen, z.B. in lateinamerikanischen Ländern, aber auch die Entwicklung der extrem hoch staatsverschuldeten japanischen Ökonomie weisen darauf hin. Es gibt eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Überschuldungkrisen sowie staatliche Verhaltensoptionen hierbei. Wenn ein Staat beispielsweise auf die Ratschläge der EZB und des IWF weitgehend pfeift, und einfach seine Zinsen bedient, und zwar über mehrere Jahre hinweg ohne irgendwelche Probleme, dann bildet sich ein Zwischenzustand aus - oder es könnten sich sogar die in Marktaufregung hochgeschossenen Risikoprämien von alleine (!) zurückbilden. Es gibt immer eine Vielzahl von Optionen und möglichen Szenarien, im Fall wohlhabender OECD-Staaten wie Italien gilt das ganz besonders. Auch ist es so, dass die "Krisenhaftigkeit" eines bestimmten Szenarios von den Marktteilnehmern ja nicht nur aufgrund rationaler Erwägungen bewertet wird, sondern auch von Stimmungen abhängig ist. Es sei gesagt, auch Wirtschaftsjournalisten haben hier einen gewissen Einfluss. Grundsätzlich: Je dümmer sie sind, umso schlechter ist das in der Krise.

Zugleich weist Patrick Bernau, womöglich nicht einmal halbbewusst, auf einen wesentlichen Umstand hin, nämlich auf die Veränderlichkeit (so sehe ich das: auf die ständige Ungleichgewichtigkeit von Märkten) von Erwartungen auf Märkten. Genau hier wird es aber genau spannend: Warum? Welche Ursachen für derartige Erwartungsänderungen gibt es, wie fundiert sind diese, wie wirken diese zusammen usw. usf. Würde man spieltheoretisch an diese Aufgabe heran gehen, so wird man mehrere hundert mögliche Gleichgewichtszustände finden, denn allein schon die einzelnen gravierenden Gründe, die aus Sicht großer Finanzmarktakteure zur Bewertung der Risikoprämie der Staatsanleihen eines Staates beitragen, sind ausgesprochen zahlreich. Schon der Rücktritt eines mafiös erstarrten und administrativ unfähigen Regierungschefs kann viel ändern. Oder auch wenig, je nachdem, wie stark dieser Faktor von "den" Märkten (bzw. der Vielzahl bedeutender Marktteilnehmer) gewertet wird. Tjanun, und das müssen, entgegen den Annahmen klassischer ökonomischer Theorie nicht einmal ansatzweise rationale Überlegungen sein, die hier eine Rolle spielen - auch Bewertungsmoden, Argumentationsmoden, und wie schon erwähnt, sogar das Treiben von Wirtschaftsjournalisten und deren ideologische Disposition kann hier eine Rolle spielen.

Im Fall der Risikoprämien auf Märkten von Staatsanleihen kommt allerdings noch ein sehr hässlicher, Bewertungsänderungen rapid verstärkender Effekt hinzu, den Patrick Bernau imho nicht richtig erfasst, wenn er über "multiple Gleichgewichte" jubelt, die anders als er meint, eben nicht erklären, warum es ein so schnelles und drastisches Umschlagen der Bewertung von Risikoprämien für Staatsanleihen gibt.

Selbstverstärkung durch Rückkopplungseffekte, die sogar mehrfach rückgekoppelt sind.

Ab einer bestimmten Verschuldungsquote (ich schätze, es kann schon bei einer Staatsverschuldung in Höhe von 60 Prozent kritisch werden, ab 100 Prozent wird es für leistungsfähige OECD-Staaten imho bereits eng) wirken sich Veränderungen der Risikoprämie gravierend (!) auf die Fähigkeit eines Staates aus, seine finanziellen Verpflichtungen "knirschfrei" (d.h. ohne ökonomisch gravierende, rückverkoppelt wirkende, Anpassungsmaßnahmen) erfüllen zu können. Es ist ein ganz einfacher Mechanismus: Wenn ein Staat relativ kurzfristig (d.h. in zwei Jahren) eine voraussichtliche Schuldenstandsquote 120 Prozent hat, dann bedeutet ein 3-prozentiger Marktzins für 10-jährige Staatspapiere (das wäre der aktuelle Durchschnitt für den EU-Raum) eine jährliche Belastung des sozioökonomischen Systems - da vorrangig über Steuern zu finanzieren - in Höhe 3,6 Prozent des BIP. Das ist nicht wenig. Eine derartige Dauerbelastung einer Volkswirtschaft kann bereits eine beachtliche wachstumsbremsende Wirkung ausüben. Steigt nun die Risikoprämie am Markt für italienische Staatsanleihen auf 7 Prozent (gegenwärtiges Niveau), dann erhöht sich (wenn dieser Zustand über die nächsten Jahre stabil bleiben würde) die Belastung auf beachtliche 8,4 Prozent des BIP. Eine Mehrbelastung des BIP durch den dann erhöhten Zinsdienst eines Staates in Höhe von knapp 5 Prozent des BIP ist ein sozioökonomischer Hammer schlimmerer Art, zumal dieser in wenigen Jahren ausgeglichen werden muss, damit die Situation nicht völlig aus dem Ruder gerät. Was wären 5 Prozent ökonomische Zusatzlast in unserem Land für ein Betrag? In unserem Land wäre dies ein Betrag von rund 125 Mrd. Euro. Pro Jahr!!

(beispielhafte Überlegung hierzu: wollte man diesen Betrag allein über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer hereinholen, müsste diese bei uns auf etwa 35 Prozent erhöht werden)

Der mehrfach rückgekoppelte sozioökonomische Risikoprämienhammer

Wenn sich eine derart hohe Risikoprämie (wie jetzt im Fall von Italien: 7 Prozent) in zudem ziemlich schneller Zeit an einem Markt etabliert hat (ein Zustand, den Patrick Bernau für ein Gleichgewicht hält), dann befindet sich das betroffene Land in einen wirtschaftspolitischen Zugzwang. Verfolgt es als Reaktion auf diese Lage einen brüninghaften Wirtschaftskurs, der den vollen Umfang der zinsbedingten Mehrausgaben auszugleichen sucht, teils durch gravierende Verminderung seiner Staatsausgaben, teils durch massive Steuererhöhungen, dann steuert dieses Land unweigerlich in eine massive Rezession. Diese wird z.B. bewirken, dass sich die Schuldenlast dieses Landes sogar dann erhöht, wenn es diesem Land durch brutalste Anstrengungen gelingt, die absolute Verschuldung konstant zu halten und mit einem ausgeglichenen (!) Staatshaushalt zu wirtschaften. Warum ist das so? Es ist so, weil sein BIP durch die brüninghafte Wirtschaftspolitik im Laufe weniger Jahre um 10 bis sogar 20 Prozent kontrahieren wird. Erneut kommt es dann wieder zu einer hässlichen Rückkopplung, trotz der überaus erfolgreichen Sparbemühungen: Die Risikoprämie wird seitens der Marktteilnehmer angehoben - schließlich hat sich in diesem Szenario die Schuldenstandsquote des brüninghaft bewirtschafteten Staates gravierend erhöht, nämlich um 10 bis 20 Prozent in wenigen Jahren! Dazu kommt, dass die anhaltende, scharfe Rezession das Vertrauen der Finanzmarktakteure in die ökonomische Leistungsfähigkeit dieses Staates zusätzlich untergräbt.

Die mit einer solchen Politik ausgelösten sozialen Nöte und deren Begleiterscheinungen verkomplizieren die Lage des Landes. Das Austeritätsregime wird sich nicht ohne Weiteres über viele Jahre durchhalten lassen.

Dabei kommt ein weiteres Rückkopplungsparadox hinzu: Für den jeweiligen Gläubigers zählt in einer Hochrisikosituation sein ganzes Investment von der Zahlungsfähigkeit des Schuldners ab. Das heißt, wenn erhebliche Zweifel an der Fähigkeit zur Bedienung von Staatsanleihen eines Staates entstehen, kann die Risikoprämie für 10-jährige Staatspapiere auch ganz leicht über 20 Prozent (!) steigen, bevor eine quasi-gleichgewichtige Situation entsteht, bei der einige, hochrisikofreudige Investoren bereit sind, derartige Staatspapiere zu kaufen. Bedacht sollte allerdings auch die schiere Marktgröße. Wenn ein großer Staat wie Italien als Hochrisikostaat bewertet wird, könnte schnell eine Situation entstehen, wo die Anzahl finanziell potenter Hochrisikopapierkäufer zu gering ist, um das "Marktangebot" zu befriedigen - denn nur eine Minderheit von Investoren interessiert sich für Hochrisikopositionen - zumal in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit. Das heißt, mit jedem Ansteigen der Risikoprämie verknappt sich zugleich die Anzahl von potentiellen Käufern von Hochrisikostaatspapieren, während sich über den Zinseszinseffekt zugleich der "Bedarf" - seitens des Schuldners - an derartigen Käufern deutlich erhöht. Anders gesagt, das angebliche "Gleichgewicht" endet aufgrund gravierender Rückkopplungseffekte in einer Art Selbstzerstörungsmechanismus des Marktes.

Brüninghafte Austeritätspolitik (das ist der Kurs der EZB) führt über einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren das jeweils betroffene Land ins ökonomische Rezessionselend, bei dem nicht "nur" die jeweilige Bevölkerung leidet, sondern auch die Gläubiger dieser Schuldnerstaaten.

Vorsicht aber vor Kuren, welche mit Hilfe sorgloser Ausgabenpolitik auf Unterbrechung von einigen dieser Rückkopplungen setzen! Denn käme es jetzt inmitten der EU-Währungskrise zu einer Inflation, dann fliegt der ganze Laden auseinander, und zwar auf eine Weise, bei dem die Krisenjahre 2008 und 2011 noch als Kuschelparadies betrachtet werden müssen.

P.S.

Was tun?

Grundsätzlich denke ich, dass ein Mittelweg aus wirtschaftspolitisch schlichten "Nichtstun" (!) und dem von mir kritisierten Brüningkurs das Richtige wäre. Bei präziser wie bedachter Ausgabenkontrolle und -mäßigung, gemäßigter Anhebung von Ertrags- und Vermögens*- und Mehrwertsteuern, könnte ein Szenario entstehen, bei dem die jährlichen Staatsdefizite kontinuierlich sinken, und zwar - das ist zur Vertrauensbildung wichtig - genau plangemäß. In diesem Falle würden die vom Kapitalmarkt erhobenen Risikoprämien sinken, die Aufregung an den Kapitalmärkten würde sich legen, und die negativen Rückkopplungen auf das eigene Wirtschaftswachstum zugleich unter Kontrolle bleiben, besonders, wenn andere EU-Staaten z.B. durch vermehrte Importe aus dem Krisenstaat Unterstützung bei der Stabilisierung der Wirtschaft des Krisenstaates leisten.

Dazu müssen allerdings noch haufenweise weitere Maßnahmen treten, angefangen von klug und im Umfang zurückhaltend (!) konzipierten Eurobonds (abgesichert als potente Haftungsgemeinschaft von allen Staaten), die z.B. bis zu 3 Prozent des BIP pro Jahr beim betroffenen Staat abdecken dürfen - und damit die Zins- und Finanzierungslast des Krisenstaates absenken helfen. Patriotische Staatspapierverkäufe (ähnlich wie bei Kriegsanleihen) sollten helfen, ohne Schadwirkungen die Binnenkräfte des jeweiligen Staates auszuschöpfen. "Volksaktien" auf staatlichen Immobilien- und Monopolbesitz könnte dabei helfen, das Land vor den kostentreibenden und binnenwirtschaftlich schädlichen Folgen externer "Investoren" zu bewahren. Effizienzreserven in verschiedenen staatlichen und wirtschaftlichen Bereichen (z.B. in der Energiepolitik) könnten ausgeschöpft werden. Eine Offensive zur Erleichterung von Unternehmensgründungen/Selbsständigkeiten (z.B. Abbau von Markteintrittsbarrieren) sowie ein EU-gestützes Mikrokreditprogramm könnte gerade in der Krisenzeit mit beachtlich geringen finanziellen Aufwand einen beachtlichen Beitrag zur ökonomischen Modernisierung des Krisenstaates liefern, aber auch dazu, dass Hunderttausende von Menschen in der Krise für sich wieder eine ökonomische Perspektive finden. Das sollte aber, imho zugleich von maßvollen (!) Mindestlöhnen, Stärkung (!) von Arbeitnehmerrechten und einer Beschränkung der "Selbst"ausbeutung von Selbstständigen begleitet werden - was übrigens auch die Etablierung ökonomisch ineffizienter Strukturen, sowie das Ausnutzen der Schwächsten in Krisenzeiten verhindern hilft. Auch sollte in den Krisenstaaten über das Scholz-Modell nachgedacht werden, auch zur Sicherung des ökonomischen "Humankapitals", aber zur Verhinderung allzu kontraktiver, krisenverstärkender Folgewirkungen auf die jeweilige Binnenwirtschaft.

Aber insgesamt übersteigt die Fragestellung meinen Horizont. Ich kann da nur ein paar Bröckchen und Körnchen beisteuern. Ich weiß aber: Je drastischer ein von den Dümmeren unter den Wirtschaftsjournalisten abgefeiertes Anpassungsprogramm ausfällt (mit Kahlschlag u.a. im jeweiligen Sozialstaat), umso schlimmer werden die Krisenschäden ausfallen. Nicht nur die Menschen benötigen eine gewisse Kontinuität, auch komplexe Wirtschaftsprozesse und Volkswirtschaften sind darauf angewiesen. Manches, was in der Krise voreilig zerstört wurde (z.B. wertvolle Kompetenzen oder an sich leistungsfähige Betriebe), lässt sich anschließend nie wieder restaurieren.

* Denkbar wäre in einer derart gravierenden Währungskrise auch, eine einmalige, allgemeine Vermögensabgabe mit dem Schwerpunkt großer Vermögen in Höhe von z.B. 10 Prozent zu erheben, als patriotischen und das eigenen Land rettenden Dienst. Mit dieser Hilfe könnte der Konsilidierungszeitraum ohne übergroße Abhängigkeit von externen Geldgebern (und deren Forderungen!) besser überbrückt werden - und quasi ein Art Nachbesteuerung vorgenommen werden, bevorzugt bei jenen Inländern, welche durch Steuerlücken, Korruption, Patronage u.ä. bislang besonders privilegiert waren.

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17 November 2011

Hans Peter Friedrich taugt nicht viel - seine Zentraldatei auch nicht

Was ist das eigentlich für ein Innenminister, der als erste (und bislang einzige) Reaktion auf eine rechtsextremistische Terrorserie eine "Zentraldatei" fordert, in der dann bevorzugt linke Aktivisten und Gentrifikationsforscher versammelt sein werden, im Rahmen eines "automatischen Datenabgleiches" (Zitat Hape F.) zwischen den verschiedensten Ämtern?

In den letzten 15 Jahren wurden weit über 100 Menschen von Rechtsextremisten bzw. durch rechtsextremistischen Terror ermordet und totgeschlagen, und dieser Depp von einem Innenminister zeigt sich jetzt (!) "überrascht", darüber, dass es in unserem Land rechten Terror gibt. Als ob das etwas Neues wäre. Es ist ja sogar so, dass der Thüringer Verfassungsschutz unter der Führung einer mutmaßlich rechtsextremistischen Leitung des Thüringer Verfassungschutzes seit dem Jahr 2000 massiv (!) in den Aufbau (!) einer terrornahen, Verbrechen und Anschläge begehenden rechtsextremistischen Struktur investiert hat.

Als einfacher Zollbeamter wäre Hape Friedrich eine deutlich bessere Besetzung. Da könnte er sich wirklich nützlich machen.

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14 November 2011

Defekte Digitalkamera wiederbeleben

Habe gerade eine kleine Entdeckung gemacht, die an und für sich gar keinen Sinn ergibt:

Wenn man eine Digitalkamera mit defektem Fotochip (rote Flimmerstreifen auf schwarz - Kamera meldet "Überbelichtung" und die Bilder sind nur noch: rote Flimmerstreifen auf schwarz) mit einem starken Magneten (60 Kg Tragkraft) malträtiert, dann...

...funzt die Digitalkamera wieder! Meine uralte Exilim Z60 lebt wieder! Doppel-Hach!

Ich bezweifel irgendwie, dass das mit dem Magnet zu tun hat, aber tatsächlich war es so, dass sich bei der "Magnetbehandlung" zunächst das Muster der roten Streifen änderte, dann wurde es plötzlich wieder bunt (grün, rot, blau - halbes Display ganz schwarz - aber keine Bildkonturen). Dann wurde die Batterie vollständig aufgeladen, eingesetzt und - voilá!

(Sachen gibts)

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14 Oktober 2011

Eine ironische Warnung vor mir selbst - unter voller Berücksichtung aktueller Vorbehalte

Warnender Hinweis aus gegebenen Anlass:

Ich bin kürzlich von kundiger Stelle als typisch linksliberal-homophober, farbigenhassender, antifeministischer, zutiefst faschistischer unterdrückerischer evangelikaler Arier geoutet worden, dessen reale Existenz nur scheinbarer Natur ist. Mehr noch, man könne mich als Erfinder der heterosexistischen Matrix handeln, der seine eigene Heterosexualität und seine hässliche, bekämpfenswerte Vorliebe für Kuschelsex sowohl rücksichtslos hemmungslos wie auch komplett asexuell auslebt - dies im allerdeutlichsten Gegensatz übrigens zu denen, die auf diesen Missstand einhellig hinweisen.

Andere wiederum haben erkannt, bei mir handelt es sich um einen überaus gefährlichen sozialistisch-kommunistisch-anarchistischen Linksextremisten, womöglich sogar progressiv-linksliberalen Sozialdemokraten, der unter den Kräften des Guten und Wahren, den einzig wahren Liberalen, sowie liebenswerten Kriegsfreunden und nicht zuletzt den Vertretern mutigster political incorrectness scheußlichen Streit und Missmut stiftet, sowie ihnen aktiv und passiv Anhänger entzieht. Mutmaßlich hat er sogar bei der StaSi gearbeitet, von der er noch heute in Gestalt der RL-Stiftung finanziert wird!

Dementsprechend vorsichtig sollte man mit jedem einzelnen Buchstaben umgehen, der meine Tastatur verlässt! Die einzig angemessene und vertretbare "Solidarität" mit schwerst diskriminierten gesellschaftlichen Randgruppen (Millionäre, mehr oder minder wohlhabende Unternehmer, und natürlich auch alle anderen) vor mir besteht, und dies ist erwiesen wie klar, in der kompletten Ächtung aller meiner Worte, Gedanken und überhaupt meiner Person und ihrer Erfahrungen - sowie einer Bannung jeglicher Kommunikation mit mir. Sollte jemand hieran Zweifel haben, oder gar formulieren, so könnte auch dieser gebannt werden. Von Seite der Durchgeknallten und Fertigen wird überdies und zutreffenderweise moniert, dass man in Ochsenzoll für mich keine Verwendung finden würde. Man bedenke also die Gefahr!

Und sollte sich jemand über diesen diskordianischen Warnhinweis amüsieren - er/sie tut das gemeinsam mit mir.

(also Vorsicht!)


Ähem: Dieser Fußnote drohte ebenfalls die Verbannung.

Fußnote zur Fußnote:

Nicht einmal die kompakte Zusammenfassung der durchgeknallten Kritik an mir - seitens übergeschnappter Pseudomoralisten, regelmäßigen Irrenhausinsassen sowie Möchtegernrechtsradikalen in "liberaler" Tarnkleidung u.ä. - ist gut gelitten. Tja: Wer einen schmutzigen Handschuh mit ungeschützter Hand berührt, der sollte im Gegenzug nicht auf den Empfang makelloser Sauberkeit hoffen. Wobei ich für die Notwendigkeit zur Fußnotenumpflanzung ins eigene Blog durchaus Verständnis habe, obwohl diese Fußnote ja ganz bestimmten Lesern präsentiert gehört, denn: Erstens möchte niemand sein Hausblog unnütz mit Streit bzw. einem Kommentar vollgekübelt sehen, und zweitens ist das sichere Durchlavieren in diesen Gefilden diesmal doch schwierig, selbst für Meister der Diplomatie wie Che. Ich denke, dass die von mir hier angesprochenen Ansammlungen politischer Versager wenig relevant sind - sie sind allenfalls eine Plauderstube - was ja auch okay geht. Ich meine darüber hinaus, die mich aus ihren Blogs bannenden - von mir teils immer noch gut gelittenen, durchgeknallten Homo Politici sind, fernab der Politik, vermutlich sogar mehrheitlich zauberhafte Menschen, intelligent ohnehin. Und ich meine, hoffentlich zu Unrecht, dass diese Leute in ihrem Leben - in politischer Hinsicht - nicht viel Gutes erreichen werden, schon allein, weil ihnen die tagtägliche Selbstinszenierung und Rechthaberpose viel bedeutsamer erscheint als alle jegliches konkretes Tun, welches tatsächlich Lebensumstände verbessert.

* Eine in ins eigene Blog veröffentlichte Fußnote zu einer umverlagerten Fußnote, die zu in einem Kommentar in einem anderen Blog gehört, müsste eigentlich, äh, BloFuumFuKoaBlo genannt werden.

(im realen Leben nennt man sowas wohl eher Blablabla...)
(und hey, Blablabla gehört zum Bloggen!)

;-)

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12 September 2011

Eigentor: Regierungsarbeit in der Eurokrise

Als letzten Freitag aus Schäubles Ministerium (via A. und dessen Kreisen) gezielt durchsickerte, dass das dt. Finanzministerium sich bereits für den eventuellen Bankrott Griechenlands rüstete, was nebenbei bemerkt eine sehr merkwürdige Bewerbung für den Job bei der EU-Zentralbank darstellt, da dachte ich:

Spinnt Schäuble? Wie kann er das zulassen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein Staatsassi in allen Gassen sich da ohne sein Wissen selbstständig gemacht hat, um mal so eben dem europäischen Finanzmarkt (und später auch: der deutschen Staatskasse) einen schweren Schlag zu versetzen. Inzwischen meine ich, anhand der ausgewogenen Äußerungen von Schäuble, dass ein ganz bestimmte Kandidat sich für ein Spitzenamt nicht eignet. Eigentlich: Hat Schäuble in den letzten Monaten und Jahren sehr viel richtig gemacht, quasi ein Lichtblick am konservativen Ministerhimmel.

Aber es kam noch schlimmer, fast wie bestellt. Der halbgare und politisch maximal halbverantwortliche Röslervizekanzler der FDP legte heute noch kräftig Zunder in die Finanzmärkte, so, als ob die Möglichkeit einer Profilstärkung (im Sinne, ausgerechnet, von "liberaler" EU-Skepsis) alle übrigen Erwägungen (zum Beispiel: Stabilität sowie die Kosten von Finanzmarktunruhen für den Steuermichel) überwiegt. Depp!

Pardon, wie kann man mit sowas nur koalieren??

Im Ergebnis haben Schäuble und Rösler (bzw. sein übergeschnappter Staatsassi) den DAX völlig unnötig 500 Punkte nach unten gejagt (was bereits in sich gewisse Gefahren birgt), die Refinanzierungskosten für diverse EU-Staaten nach oben getrieben und damit - leider unumkehrbar - auch die Kosten, die für die deutschen Steuerzahler entstehen. Mehr noch, eine beachtliche Destabilisierung der wirtschaftlichen Abläufe wurde ausgerechnet von jemanden veranstaltet, der sich als "Wirtschaftsminister" in der Nachfolge Ehrhards betrachtet (freilich: ohne Ehrhard überhaupt begriffen zu haben).

Ehrhard würde im Grab rotieren - soweit Nachtodbewegungen in Grabstätte überhaupt möglich sind. Mit elenden, völlig unnötigen Bankrottgeschwafel (oder noch gefährlicher/teuer: Rausschmissgeschwafel) die Kosten für die Wirtschaft und für die deutsche Gesellschaft hochtreiben. Weil:

"Es dürfe ja keine Denkverbote geben" (Rösler)

So ein Depp! Das letzte, was das Wirtschaftsministerium benötigt, das ist ein ignoranter Populist als oberster Funktionsträger, der Profilierungswünsche über das Gemeinwohl stellt. Aber, wenn - ganz richtig eigentlich - keine Denkverbote zulässig sind, dann sollte man sich in der schwarzgelben Regierung über die zügige Beendigung von Röslers Ministerkarriere ernsthaft Gedanken machen.

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10 Mai 2011

Jan Fleischhauer wundert sich...

Schreckliches muss passiert sein, sodass der vorgebliche Linkenversteher (und darum: entschiedener Feind von allem, was auch nur entfernt links sein könnte) Jan sich ein wahres Fragengewitter ausdenken musste, um dieses, trotz seiner quälenden Länge im Spiegel sogleich zu veröffentlichen.

Was genau ist passiert? Was bekümmert Jan F. so sehr?

I
n Baden-Württemberg hat die SPD just nach dem Wahlsieg für Rotgrün eine Fachfrau für Integrationsfragen (eine Betriebswirtin und erfahrende Sprecherin für Integrationspolitik im Berliner Abgeordnetenhaus) zur Integrationsministerin im Ländle ernannt. Wenig verwunderlich, könnte man denken. Aber der Jan kann das rein garnicht begreifen und vermutet, nein weiß vielmehr, dass die Ministerinnenernennung reinweg geschah, weil die Dame deutschtürkischer Herkunft ist. Da muss doch etwas krumm sein, denkt der präpotent zweidutzend Fragen stellende, Integrationsprobleme-Kenner Jan Fleischhauer, der Probleme mit der Integration seitens von Muslimen 10.000 Kilometer gegen den Wind und im Voraus riechen kann, denn - so in seiner Logik - eine völlig inkompetente Frau sei für ein völlig überflüssiges Ministerium, nur aufgrund "positiver Diskriminierung" an den Posten geraten.
Link
Aha.

Gut. Wenn das also eine schlimme, für Jan Fleischhauer keineswegs zu duldende Diskriminierung war (und das war sie!), dann ist die Ernennung von Bankfachleuten zu Bankvorständen, die Besetzung von Buchprüferstellen mit Rechnungswesenprofis und im Grunde genommen das ganze Berufswesen ein einziger, hoch skandalöser Fall von - taraaa! - positiver Diskriminierung.

Jan hat es der Republik wieder einmal gezeigt! Was für ein heller Kopf er doch ist.

(oh, und ich verlinke diesen Artikel von J. Fleischhauer nicht - das wäre zuviel der Ehre - wer sucht, der findet den pseudokonservativen Textdadaismus von J.F. sicher auch über eine entsprechend befragte Suchmaschine)

10 April 2011

Die Aufrichtigkeit des Betrügers

Der Betrüger sprach es vor Gericht
Meine Herren, nein, so geht es nicht!
Wie können Sie es auch nur wagen
einen Mann wie mich hier anzuklagen?!

Diese Zeilen fielen mir anlässlich des Kampfes des Betrügers Guttenberg gegen die Öffentlichkeit ein. An Stelle seines Anwaltes, Alexander Graf von Kalckreuth, würde ich mich über diese Verteidigungsstrategie, welche auf die Unterbindung demokratischer Öffentlichkeit abzielt, ernsthaft schämen. Die Spatzen pfeiffen es ohnehin schon vom Dach, dass das Betrugsverfahren gegen Guttenberg (der deutschlandweit weit mehr als 1000 Strafanzeigen erhalten hat!) wegen "mangelndem öffentlichen Interesse" von der Staatsanwaltschaft Hof eingestellt werden wird.

Damit wird Hof dann einen einzigartigen Präzedenzfall erschaffen. Fehlt nur noch, dass die Staatsanwaltschaft Hof anschließend die "Aufrichtigkeit" betont, mit der man sich dem Verfahren gewidmet habe...

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