04 Januar 2008

Meine Vorhersage: Barack Obama ist der nächste amerikanische Präsident

Barack Obama hat, wie hier angekündigt, die Vorwahl in Iowa gewonnen und hat sehr gute Aussichten, bei den kommenden zwei Vorwahlen (New Hamphire und South Carolina) mindestens eine weitere Vorwahl für sich zu entscheiden. Danach wird es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hillary Clinton hinauslaufen. Je früher dabei sich Edwards aus dem Rennen verabschiedet, umso besser für das Obama-Lager. Profitieren dürfte er auch vom wachsenden öffentlichen Interesse, denn kaum ein anderer Kandidat mobilisiert so stark wie er Neuwähler, unabhängige und unentschiedene Wähler. Noch nie hat es in einem Caucus in Iowa eine derart rege und breite Beteiligung der Bürger gegeben, und dies trotz bitterer Winterskälte.

Barack Obama ist der Mann der Stunde.

Neokonservative (bzw. der publizistische Arm des militärisch-industriellen Komplexes) haben sich schon seit vielen Wochen in das Clinton-Lager begeben, Karl Rove ist z.B. Wahlkampfberater (!) von Hillary Clinton, und Leute wie Gabor Steingart vom SPIEGEL bemühen sich, zusammen mit "prowestlichen" Gesinnungsgenossen, Barack Obama klein zu schreiben. Wir werden in den kommenden Wochen neokonservative Schmutzkampagnen gegen diesen Kandidaten sehen.

In seinem aktuellen Kommentar belegt Steingart seinen Mangel an politischer Analysefertigkeit auf geradezu gnadenlose Weise und formuliert aus "prowestlichen" Wunschdenken heraus Beurteilungen wie:
"Doch die Chancen, dass der Winterkönig von Iowa das Weiße Haus in Washington erreicht, sind denkbar gering. Dafür ist er zu jung, zu unerfahren, zu undeutlich, für viele Amerikaner auch zu schwarz."
Wäre "schwarz" ein so erheblicher Nachteil in Amerika, so hätte Obama im weißen Iowa verlieren müssen. Verglichen mit Clinton ist er in seinen inhaltlichen Positionen auch nicht "undeutlich" - um das zu merken, müsste ein politischer Journalist beispielsweise nur hierhin schauen. Tatsächlich wollen die Amerikaner einen Kandidaten, der politischen Wechsel bzw. "change" verspricht - die behauptete Unerfahrenheit von Obama wiegt wenig im Vergleich dazu. Steingarts politisches Kleinhirn meint weiterhin zu Obama:
"In der Innenpolitik hat er allerlei Vagheiten im Angebot. Er will die "Gesundheitsversicherung für alle" - aber (...)"
Tjanun. Die Programme von H. Clinton und B. Obama sind im Bereich der Gesundheitspolitik alles andere als vage - und untereinander sehr ähnlich. Es gibt ein politisches Feld allerdings mit sehr großen Unterschieden, nämlich die Außen- und Rüstungspolitik. Hier setzt Hillary Clinton auf steigende Militärausgaben (womit sie sich die Zuneigung von Neokonservativen wie Steingart und Rove erworben hat), während Barack Obama immer wieder durchblicken lässt, dass er den Militäretat reduzieren wird, politische Mittel den militärischen Optionen grundsätzlich vorzieht und auch bereit ist, mit außenpolitischen Gegnern zu reden.

Das stößt militaristisch eingestellten Publizisten wie Steingart sehr übel auf. Gut so! Go Obama, go!

Labels:

9 Comments:

At 04 Januar, 2008 14:17, Anonymous Anonym said...

Steingart ist ein Idiot. Ich bin jetzt bei der Obama-Kampagne in New Hampshire und bin SEHR optimistich. Wir werden am Dienstag wieder siegen mit jungen Waehlern, Unabhaengige, und Frauen (sorry, Hillary).

Amerikaner wollen den Wandel, und Senator Obama ist unser Hoffnungstraeger.

 
At 05 Januar, 2008 01:04, Anonymous Anonym said...

Ich verstehe nur nicht, WARUM Steingart Obama runterschreibt:

Er ist weder in der SPD noch in der Linkspartei, man kann ihn hierzulande überhaupt nicht wählen, man mag ihn ganz gut finden, aber das ist doch alles ohne Relevanz für die Wahlen in den USA. Oder scheren sie sich da neuerdings um europäische Einschätzungen?

Bei Kerry vs. Bush wiesen US-Neocons im Netz ja gerne hämisch darauf hin, dass Kerry in Europa gut ankomme, und überhaupt doch sehr europäisch wirke - dicker Minuspunkt damals.

 
At 06 Januar, 2008 07:51, Blogger peter hoh said...

My German is rusty, but I can certainly understand "Steingart ist ein Idiot."

Google translation helped me understand some of what you wrote. Thanks for giving me some background to Steingart's remarks.

Obama's critics complain that he is inexperienced, uninformed about foreign policy, and that he offers nothing more than empty platitudes and vague promises of change. Well, I remember having the very same thoughts about George W. Bush when he was running in 2000.

What goes around, comes around.

If Steingart does not reflect the general opinion in Germany, could you point me to some articles that might be more representative of what Germans are thinking about Obama?

 
At 06 Januar, 2008 11:12, OpenID Degeisle said...

Sehr schöne Auseinandersetzung mit Obama. Ich selbst sehe ihn kritischer. Auf charismatische Erscheinungen reagiere ich mittlerweile immer voreingenommener. Ich schreibe Edwards noch nicht ganz ab. Ein gutes "better than expected" in NH und die Sache ist noch nicht entschieden. Wer nach NH unter 5 % bleibt sollte aufhören, wer drüber ist, wird bis zum "super duper Tuesday" abwarten und weiter kämpfen.

 
At 06 Januar, 2008 16:15, Anonymous Anonym said...

Without naming any specific media, I read some articles which pictured Obama in a quite positive way. And many individual comments on the net, which expressed some hope for a world-wide change that also has consequences for german politics. "Kennedy". It was more, that before Iowa, people thought he could not win. Now it seems possible.

Steingart is more a exception. He is famous for writing in a partisan way,pro-business, pro-cdu, pro liberal reforms, pro-US, pro-bush, sometimes very polemic, and far from reality.

But its interesting how in germany the former bush-usa-fans start to switch to clinton now. everyone seems to be sure that there will be a democratic president. the last thing that they want is any real change, because any change in an age of right-wing economic liberalism and warmongering probably means a move to the left, whatever that means.

but i want to repeat my question from above: does the german/european opinion mean anythung fur the us elections? do people care abuot it? when they voted for bush, it seemed more a attitude like "the more you hate him, the more we vote for him. its not your business".

 
At 06 Januar, 2008 22:25, Blogger peter hoh said...

In my opinion, European opinion does not influence US voters. What the world thinks about the US matters to a small percentage of educated liberals. Perhaps some conservative business people care about public opinion in the rest of the world, but they won't say it out loud.

For swing voters, world opinion matters not. The Guardian was somehow connected to an effort to get UK citizens to write to Ohio voters in an effort to sway their choice in 2004. It was probably counter-productive, but that's just a guess on my part.

 
At 08 Januar, 2008 19:48, Anonymous Anonym said...

"und Leute wie Gabor Steingart vom SPIEGEL bemühen sich, zusammen mit "prowestlichen" Gesinnungsgenossen, Barack Obama klein zu schreiben. Wir werden in den kommenden Wochen neokonservative Schmutzkampagnen gegen diesen Kandidaten sehen.

In seinem aktuellen Kommentar belegt Steingart seinen Mangel an politischer Analysefertigkeit auf geradezu gnadenlose Weise und formuliert aus "prowestlichen" Wunschdenken heraus Beurteilungen"


Das bringt doch sowieso nix, weil die Amerikaner uns nicht mit abstimmen lassen.

 
At 10 Januar, 2008 22:26, Anonymous Anonym said...

Hat eigentlich mal jemand geprüft, wie es mit der jeweiligen verwandtschaftlichen Nähe von Hillary Clinton und Barack Obama zum englischen Königshaus bestellt ist? Bislang haben nach Ansicht von Genealogen (und Verschwörungstheoretikern) doch noch immer die Präsidentschafts-Kandidaten gewonnen, die näher mit den den Windsors (aka Sachsen-Coburg-Gotha) verwandt sind. George W. Bush ist Cousin 17. Grades von Prince Charles.

Rolf Seelbrecht-Eggemann

 
At 31 Januar, 2008 16:44, Blogger Dominik Hennig said...

America needs change!

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home