28 Oktober 2007

Open Creation and Its Enemies

Dass die Durchökonomisierung der Gesellschaft nicht zwangsläufig in einer wirklich "offenen Gesellschaft" endet, halte ich für evident.
(...) An endeavor of invention and understanding cannot be paid by the hour, and in consequence cannot be objectively measured with money. The habits of industrial production have clearly penetrated certain strata across the frontier of intellectual life, and for example, journalism is routinely paid by the line. But it is obvious that the interest of these types of workers is to increase the speed and the quantity of production to the detriment of the quality. Above all this can be seen in the poverty of reportage, as this must be assembled off the clock. And such a way of carrying out work implies an easily overstretched inferior intelligence of the financial backers, who are satisfied with such standards.
Leider bedeutet diese Erkenntnis noch nicht, dass die Konstruktion von Alternativen außerhalb dieser Verwertungslogik einfach ist. Der freie Zugang zu Öffentlichkeit und Information im Internet, also durchaus auch Blogs, stellt einen wichtigen Teil von Emanzipierungsmöglichkeiten dar - und dies gilt umso mehr, je stärker die Wissensproduktion, z.B. in den Universitäten, in den Würgegriff der Wirtschaftsinteressen gerät.

Wikipedia gerät nun selbst, auch aufgrund der eigenen Attraktivität und folglichen Eignung für aufmerksamkeitsökonomische Strategien, immer stärker in den Einflussbereich der ökonomischen Kulturdeformation. Sichtbar wird dies z.B. bei der Bearbeitung wirtschaftsideologischer Thematiken, wo sich inzwischen eine Horde von teils offen radikal wirtschaftsliberal eingestellten Bearbeitern und Administratoren darum müht, Kritik und deren Begrifflichkeiten (z.B. "Neoliberalismus") zu verdrehen, abzuschwächen oder wegzueditieren. Man beachte z.B. den Artikel Manchesterliberalismus und seine Genese, die sich unmittelbar auf das Wirken rechtgerichteter Think Tanks zurückführen lässt*. Die "freie" Enzyklopädie wird zunehmend zu einer unfreien Enzyklopädie.

Ein Ausweg, oder besser: eine Ergänzung, könnten ggf. millieu-gestützte Wikis sein, also durchaus unterschiedliche Wikipedias je nach wissenschaftlicher, kultureller oder weltanschaulicher Schule, sodass sich differierende Sichtweisen nicht gegenseitig zu bekämpfen versuchen, sondern einander ergänzen.

Der Text "Open Creation and Its Enemies", aus dem das Zitat oben stammt, von Ansger Jorn findet sich hier. Ich habe erst einen kleinen Teil gelesen, fand aber einiges davon ziemlich bemerkenswert.

* Ich werde dazu in den kommenden Wochen ein Experiment vornehmen.

3 Comments:

At 28 Oktober, 2007 21:37, Anonymous T. Albert said...

wer hört einem maler zu?
ist malerei ökonomie?
ist ästhetisches denken denken?
huch,und die kategorien?
waren die situationisten seriöse rechte libertäre?l oder echte anarchisten. jedenfalls herr jorn kein faschistischer anarch!
tja.
ich fürchte, jetzt wirst du nicht verstanden. das muss so sein.

 
At 29 Oktober, 2007 00:34, Blogger Dr. Dean said...

@t. albert
Ansger Jorn war ein freiheitlich orientierter Marxist - und zudem ein großartiger Künstler. Ohne ihn und seine Gruppe der Situationisten, die bis heute Wirkung entfalten, gäbe es heute m.E. keine Yesmen und keine Adbusters - jedenfalls sind diese davon beeinflusst. Mit Jorns leicht anarchistischen Manifest, das künstlerische Freiräume fordert, hat er einige bedeutende Fragen angesprochen. Anhand von Kunst - und den Schwierigkeiten von Künstlern - lässt sich m.E. oft besser zeigen, dass eine radikale Marktgesellschaft keine "offene Gesellschaft" ist und sein kann. Wenn aber ein wesentlicher Pfeiler der rechtsliberalen Ideologie morsch ist, wie haltbar ist dann das ganze Gebäude?

t. albert, ich glaube, wir brauchen einen starken Anarchen!

@anonym
Ich halte das Herumexperimentieren mit Drogen für sehr gefährlich. Wenn sich bei Ihnen regelmäßig Verfolgungswahnepisoden einstellen sollten, oder schon eingestellt haben, dann sollten Sie ggf. eine Lobotomie ins Auge fassen. Oder, besser noch, eine Therapie. Ihre Lebensqualität wird dann deutlich besser werden.

(ich fass es nicht: da gibt sich jemand für seinen pathologischen verschwörologischen Riesenmist so viel Mühe - wieviel mehr Spaß und Zuspruch könnte er haben, wenn er bei seiner Fantasie Science Fiction-Geschichten schreiben würde)

 
At 31 Oktober, 2007 03:34, Anonymous Anonym said...

Er hieß aber Asger. Ja, misch doch mal bei Wikipedia bischen mit, als Gegengewicht zu OB-LA-DI, Livani und Konsorten.

 

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