06 November 2009

Bomben-Gutti rechtfertigt Luftangriff auf Tanklaster

Diese überschätzte Knallcharge der Bundespolitik räumt zugleich "Fehler" ein, und faselt dennoch davon, "es musste zu diesem Luftschlag kommen". Nicht nur, dass das schlicht unlogisch ist, beide Aussagen zugleich zu tätigen. Es zeigt sich etwas Besonderes darin, nämlich eine Zivilisten verachtende, hochspezielle Militärlogik - die sich ein Politiker allerdings nicht zu eigen machen sollte. Guttenbergs an Militärgeilheit grenzende Begeisterung für militärische Beurteilungsmaßstäbe ist verfehlt - aber es erklärt, warum Bomben-Gutti furchtbare Angriffe auf Zivilisten für entschuldbar hält. Dieser vorwiegend für Talkshows geeignete Verteidigungsminister ist in Wahrheit unfähig - und kann in seinem Amt nur Schaden anrichten. Das wird spätestens dann bemerkt werden, wenn der afghanische Widerstand in Bezug auf die deutschen Besatzer, welche ein wahlbetrügerisches Regime stützen, vermehrt Anschläge unternimmt. Es wird zunehmend zu Terror gegen diejenigen kommen, die zunehmend als inhumane Besatzer wahrgenommen werden, die Massaker unter der Zivilbevölkerung anrichten. Diese Wahrnehmung in Afghanistan entsteht und wächst durchaus auch deshalb, weil ein US-Neocons bewundernder Verteidigungsminister zu vernagelt dafür ist, sich für diese furchtbare militärische Fehlleistung zu entschuldigen.

B
omben-Gutti: Du kannst mächtig stolz sein auf deine erste Tat im Amt - und die kommenden Toten, die Du mit deinem verantwortungslosen Maulheldentum zu verantworten hast.

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9 Comments:

At 06 November, 2009 19:55, Anonymous Karl-Theodor zu Guttenberg said...

Auf Ihre Meinung kam es mir besonders an.

 
At 07 November, 2009 11:26, Anonymous Anonym said...

Herr Dean, die von Ihnen vertretenen Thesen werden immer abstruser und Sie driften immer mehr ab in Richtung Verschwörungstheoretiker. Ich glaube, so langsam wird es Zeit, Ihr Blog aus meinen Favourites zu entfernen.

 
At 07 November, 2009 14:25, Anonymous MNB said...

@Anonym

Linkempfehlung zum Reinhören: http://pcast.sr-online.de/play/fragen/2008-06-16_todenhoefer150608.mp3

Gespräch mit Ex-CDU-MdB-Todenhöfer. Afghanistan sieht so ganz anders aus, als in unserem Medien dargestellt.

Und generell: unsere Regierung verklapst uns nach Strich und Faden. Da braucht es keine VT. Tausch doch einfach mal die Namen aus: Unter der Regierung Merkel geschieht offener Wahlbetrug, dann zieht sich alles Wochen hin, statt neu zu wählen oder aufzuklären wird der politisch Verantwortliche zum Sieger erklärt. Und wofür ist die BW seit Jahren am Hindukusch? Wegen Demokratie? Freiheit? Bitte...?

(Das mit dem Tanklaster ist in meinen Augen so dumm gelaufen, wie jeder Krieg dumm läuft. Es gibt keine chirurgischen Eingriffe und keine rechtfertigbaren Kollateralschäden. Raus da mit dem Militär. Und an die Front mit allen Rechtfertigern und MdB-Söhnen.)

 
At 07 November, 2009 15:02, Blogger John Dean said...

@ anonym

Wo siehst du hier im Beitrag eine "Verschwörungstheorie"? Okay, ich habe nicht belegt, dass Guttenberg eine Faible für US-Neocons hat, und ich habe nicht belegt, dass er einen mächtigen Schlag ins Militaristische hat.

Meinst du das?

@ MNB

Am Anfang habe ich für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr noch Verständnis gehabt, sogar in der Form, wie er durchgeführt wurde. Inzwischen haben sich allerdings eine ganze Reihe von Bedingungen und Voraussetzungen verändert:

* Al Quaida (der ursprüngliche Einsatzgrund) ist eher eine Fiktion denn real - und der Führer Ben Ladin vermutlich längst tot

* Die Mehrzahl der Widerstandhandlungen im Norden Afghanistans gehen nicht von "der" Taliban aus (wenn man einzelnen Berichten von NATO-Kommandanten Glauben schenkt), sondern von einzelnen Clans, die damit den Tod von Angehörigen rächen wollen.

* Der Aufbau einer Staatlichkeit in Afghanistan ist gescheitert. Die Bundeswehr unterstützt ein widerrechtliches, wahlbetrügerisches Regime.

Das alles kann nicht gut gehen - und mehr noch, die Fortsetzung des Einsatzes verursacht vermutlich deutlich mehr Schaden als Nutzen, zumal dann, wenn die strikte (!) Schonung von Zivilisten aufgegeben wird, und sei es, weil dies wegen der zunehmenden Widerstandsaktivität immer weniger (aus militärischer Sicht) durchführbar ist.

Ich denke: Der Weg, den Bomben-Gutti und seine Berater gehen (d.h. die Fortsetzung und Verschärfung des Einsatzes) sind eine gefährliche Sackgasse. Gefährlich für die Bevölkerung in Afghanistan (für die wir als Militärmachthabende - im Gebiet das die Bundeswehrkontrolliert - eine Verantwortung haben), gefährlich für die Bundeswehr selbst und die dort eingesetzten Soldaten, und zudem gefährlich auch für Deutschland.

Bei uns leben inzwischen recht viele Afghanen (zumeist durchaus: prodeutsch, geradezu deutsch-patriotisch), aber es könnte bei einer Konfliktverschärfung passieren, dass der Hass und Irrsinn eines Krieges dann auch bei uns ankommt.

Kein noch so guter Geheimdienst, keine Totalüberwachtung, rein garnichts kann in diesem Fall Racheaktionen auf dem Gebiet der Bundesrepublik auf Dauer verhindern. Wir sind in dieser Beziehung, nach meiner Einschätzung, deutlich stärker gefährdet als andere Länder, einfach, weil in unserem Land Zigtausende Afghanen und Deutschafghanen leben.

Ich hoffe, dass ich mich mit meinen Einschätzungen täusche. Meine Eindrücke und Einschätzungen mögen falsch sein - oder zu alarmistisch.

Der hundert- und tausendfache Tod afghanischer Zivilisten, im Laufe einer eskalierenden Einsatzsituation, wäre allerdings ein Drama.

Insofern kritisiere ich Guttenberg, vielleicht zu scharf und mit den falschen Worten.

 
At 07 November, 2009 22:59, Anonymous Spritkopf said...

@MNB
Guter Link. Daß beim Irakkrieg die Amerikaner versuchen, die Berichterstattung massiv zu beeinflussen, hat ja keiner bestritten, ist sicher auch allgemein bekannt. Zu Afghanistan hat Todenhöfer allerdings wesentlich weniger gesagt und insbesondere die Berichterstattung findet dort ganz anders statt, schon allein aufgrund der Tatsache, daß nicht nur die amerikanische und britische Armee beteiligt sind, sondern viele NATO-Armeen und jede ihren eigenen Bereich hat.

Das Kernproblem ist doch aber ein ganz anderes: Man kann nicht von heute auf morgen aus Afghanistan heraus. Täte man dies, würden morgen die Taliban all denjenigen Afghanen die Hälse durchschneiden, die sich gegen sie gestellt haben. Wer den Rückzug morgen früh fordert, der spricht Todesurteile aus und das muß ihm auch bewußt sein. Und das ändert sich auch nicht durch die Tatsache, daß Karzai Wahlbetrug begangen hat und sich damit nicht als der Demokrat präsentierte, den sich alle erhofften.

Wir haben in dem Moment, in dem wir beschlossen haben, in Afghanistan einzumarschieren, die Option auf einen schnellen Rückzug verwirkt. Todenhöfer hat in dem Podcast auch Helmut Schmidt erwähnt. Der hat in einem jüngeren Interview erklärt, daß man sich jede Intervention in ein fremdes Land sehr genau überlegen müsse. Einmarschieren sei sehr leicht, aber mit Anstand wieder herauszukommen, dies sei die eigentliche Schwierigkeit.

Das heißt nicht, daß wir auf ewig in Afghanistan festhängen sollen und das heißt auch nicht, daß wir einfach nur weiterwurschteln in der Hoffnung, daß sich bald eine Gelegenheit zum Rückzug ergibt. Es müssen realistische (!) Ziele innerhalb eines gegebenen Zeitrahmens aufgestellt werden und es muß dafür eine Zielkontrolle geben. Meiner Ansicht nach muß man sogar so ehrlich sein zu sagen, daß, wenn ein Ziel nur mit einem höheren Truppenkontingent erreichbar ist, man auch entsprechend aufstockt. Der neue US-Befehlshaber in Afghanistan scheint ja energisch darauf hinwirken zu wollen, erstens mehr Rücksicht auf Zivilisten durchzusetzen und zweitens genau diese Zielkontrolle einrichten zu wollen, um den Rückzug innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens hinzubekommen, siehe diesen Bericht in der New York Times.

Noch ein paar Worte zu Guttenberg. Der hat sich hinter einen Soldaten gestellt, der unter Zeitdruck möglicherweise einen furchtbaren Fehler begangen hat, der aber nach allem, was man von ihm weiß, kein Haudrauf-Rambo ist. Guttenberg hat weiterhin den Luftschlag verteidigt, worüber man geteilter Meinung sein darf, aber er hat auch versucht, von der NATO einen ausführlichen Bericht zur Veröffentlichung zu bekommen, wonach sich jeder sein Urteil hätte bilden können. Das hat man ihm verweigert. Der existierende Geheimbericht ist jedenfalls den Vertretern aller Parteien ausführlich erläutert worden (und wesentlich ausführlicher als unter Amtsvorgänger Jung), womit zumindest eine parlamentarische Kontrolle erfolgte.

Herr Dean hingegen macht es sich einfach, klebt die Labels "Bomben-Gutti" und die argumentative Nebelkerze "militärgeiler Verherrlicher der amerikanischen Neocons" auf, was alles und nichts bedeuten kann und womit er wahrscheinlich unterstellen möchte, daß Guttenberg die Inkarnation des Bösen ist. In dem Zusammenhang darf ich nochmal erwähnen, daß Guttenberg erst wenige Tage im Amt ist und ein Problemfeld erbt, welches im Ursprung von einer rot-grünen Regierung beschlossen wurde.

PS: Der Anonyme an zweiter Stelle war ich. Hatte zu früh auf den Button "Veröffentlichen" geklickt.

 
At 08 November, 2009 21:04, Blogger MNB said...

@Spritkopf: "Täte man dies, würden morgen die Taliban all denjenigen Afghanen die Hälse durchschneiden, die sich gegen sie gestellt haben."

"Darum glaube ich - das ist ja das Ziel, das wir anstreben -, um es einmal ganz forsch zu sagen, gewonnen hat die internationale Gemeinschaft aufgrund des Mandats der UNO in Afghanistan, wenn eines Tages die Taliban in der Regierung in Kabul sind, das heißt, wenn sie akzeptieren, sich Wahlen zu stellen, wenn sie akzeptieren, die Rechtsstaatlichkeit anzuerkennen, und verloren haben wir, wenn wir Afghanistan verlassen und tags danach wieder das Terrorregime, was wir gekannt haben, Überhand bekommt."
J. Asselborn in http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1031604/

Das heißt: die Taliban als wichtige politische Kraft müssen früher oder später sowieso in die Regierung. Statt uns das Gegenteil einzureden müssen die gemäßigten Kräfte der Taliban mit ins Boot. Anderenfalls werden die Militärs uns noch in 1000 Jahren Gründe liefern, warum der Abzug noch zu früh ist.

 
At 10 November, 2009 18:09, Anonymous mark793 said...

@Dr. Dean / off topic:

Hi, ich finde hier keine Möglichkeit, Dich zu kontaktieren. Könntest Du mich vielleicht mal anmailen unter mark793 bei gmx.de?

Ist nicht dringend, es geht um einem (inzwischen geschlossenen) Thread beim Don zum Thema Verursacherprinzip und Krankenkassenbeiträge - und der Frage, ob man diesen gekappten Faden bei Gelegenheit mal an anderer Stelle wieder aufnimmt...

Beste Grüße!

 
At 14 November, 2009 12:07, Anonymous Anonym said...

Ich habe ja manchmal das Gefühl, ein Teil der deutschen Politik bedauert es, in Vietnam nicht dabeigewesen zu sein und wolle jetzt dringend nachholen.

MfG

Che

 
At 16 Dezember, 2009 00:31, Anonymous Anonym said...

Hier, eine aufschlussreiche Faktensammlung über den Kriegsminister

 

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