26 Oktober 2006

Barack Obama ist der nächste US-Präsident (1)

Ich werde die nächsten Tage, auch für mich, eine kleine Obama-Serie veranstalten, mit dem Ziel, den nächsten amerikanischen Präsidenten näher vorzustellen. Zunächste weise ich auf ein paar gute Artikel hin: hier, hier, hier, und hier. Sehr informativ ist der deutsche Wikipediabeitrag.

So, und nun werde ich die berühmte Rede von Obama auf dem Parteitag der Demokraten im Jahr 2004 vorstellen (hier als 128k Stream), besonders die Teile, die mich beeindruckt haben oder sonstwie von mir für bedeutsam gehalten werden. Enjoy!
"(...) [My parents] imagined me going to the best schools in the land, even though they weren’t rich, because in a generous America you don’t have to be rich to achieve your potential."
Tatsächlich: Barack Obama ist der in eine Person gegossene amerikanische Traum. Gleichzeitig ist er der Albtraum der Neocon-Plage und anderer rechtsdrehender Extremisten. Fernab von deren Vorstellunge ist Obamas Vision von Amerika ein "generous America", welches sich massiv für Chancengleichheit einsetzt, gerade für diejenigen, die über kein Vermögen verfügen.
"Tonight, we gather to affirm the greatness of our nation, not because of the height of our skyscrapers, or the power of our military, or the size of our economy. Our pride is based on a very simple premise, summed up in a declaration made over two hundred years ago, “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal."
Er sagt, Gleichberechtigung und Gleichheit kommen zuerst - sie sind die Basis der Nation.
"And fellow Americans—Democrats, Republicans, Independents—I say to you tonight: we have more work to do. More to do for the workers met in Galesburg, Illinois (....) more to do for the father I met who was losing his job(...) More to do for the young woman in East St. Louis, and thousands more like her, who has the grades, has the drive, has the will, but doesn’t have the money togo to college. Don’t get me wrong. The people I meet in small towns and big cities, in diners and office parks, they don’t expect government to solve all their problems. They know they have to work hard to get ahead and they want to."
Mit dem Etatismus-Vorwurf ist Barrack Obama als geradzu klassischer Linksliberaler nicht angreifbar - im Gegenteil. Er bevorzugt "smart government" und hält die Entgegensetzung von Markt vs Staat für ein ideologisches Verblödungsmanöver, das davon ablenkt, welcher Staat und welcher Markt angestrebt wird.
"Go into the collar counties around Chicago, and people will tell you they don’t want their tax money wasted by a welfare agency or the Pentagon. Go into any inner city neighborhood, and folks will tell you that government alone can’t teach kids to learn."
Siehe oben. Typisch für Obama ist es zudem, dass er Menschen, und zwar gerade den Normalbürgern, oft und gerne zuhört.
"I believe in the constitutional freedoms that have made our country the envy of the world, and i will never sacrifice our basic liberties nor use faith as a wedge to divide us."
Dieses Zitat, Verzeihung, habe ich leicht verändert; es war ursprünglich auf John Kerry gemünzt. Aber mehr als zu Kerry passt es zu den Überzeugungen von Barack Obama, welcher als ehemaliger Bürgerrechtsanwalt die von Verfassung garantierten Bürgerrechten sehr hoch achtet, und daher keineswegs bereit ist, diese im "Kampf gegen Terror" in den Dreck zu treten.
"For alongside our famous individualism, there’s another ingredient in the American saga. A belief that we are connected as one people. If there’s a child on the south side of Chicago who can’t read, that matters to me, even if it’s not my child. If there’s a senior citizen somewhere who can’t pay for her prescription and has to choose between medicine and the rent, that makes my life poorer, even if it’s not my grandmother. If there’s an Arab American family being rounded up without benefit of an attorney or due process, that threatens my civil liberties."
Diese Verbindung von Individualismus mit Gemeinwohlorientierung und sozialer Veantwortung ist typisch für das Liberalismusverständnis von Obama. Eine Beschränkung des Freiheitsbegriffs auf ökonomische Freiheiten plus ein paar Individualfreiheiten ist deutlich zu wenig.
-
Im nächsten Beitrag der Obama-Serie werde ich begründen, warum ich in Barack Obama den nächsten Präsidenten sehe. Mit Hillary Clinton sind die Demokraten nahezu chancenlos, Bill Richardson hat m.E. zuwenig Charisma, John Edwards taugt eher als zweiter Mann und Russ Feingold, hmm, gefällt mir zwar, aber ich denke, dass er kein sehr guter Redner ist.

10 Comments:

At 26 Oktober, 2006 21:40, Anonymous JW-Atlantic Review said...

Schoen waer's, aber ich glaub nicht das Obama Praesident wird. Ich glaube nicht mal, dass der Vize-Praesi wird.

Obama hat aber schon ein gutes Buch geschrieben (Audacity of Hope).

 
At 27 Oktober, 2006 08:36, Anonymous Olaf Petersen said...

Bill Richardson zu wenig Charisma? lol

1) Wie begünden Sie diese Aussage? Konnten Sie tatsächlich schon einen tieferen persönlichen Eindruck von ihm gewinnen? Für einen Mann mit zu wenig Charisma sind seine seine Karriere und seine Wahlerfolge in New Mexico, immerhin einem der 10 swing states, doch sehr beeindruckend.

2) Was fehlt ihm an Charisma, über das demnach George W. Bush so überreichlich verfügen muss? Abermals lol.

 
At 27 Oktober, 2006 11:19, Blogger che said...

Selbst Jesse Jackson hätte bessere Chancen gehabt, US-Präsident zu werden. Ersetzte man das B in Obama allerdings durch ein S, hätte ein solcher Präsidentschaftskandidat allerdings einen speziellen Charme ;-)

 
At 27 Oktober, 2006 13:38, Anonymous David said...

jw, wieso dieser skepsis?

Dr. Dean hat recht - obama koennte wirklich ein "consensus candidate" sein: Ein zweiter bill clinton - und eine gute alternative zu hillary!

 
At 27 Oktober, 2006 14:36, Blogger Atlantic Review said...

@ David

Aus ganz vielen Gründen.

2012 bzw. 2016 hätte er eine Chance Vizepraesident zu werden. Dann hat er auch mehr Erfahrung in der Bundespolitik und ein besseres Netzwerk.

Senatoren werden sehr selten zum Praesidenten gewählt. Amerikaner bevorzugen Kandidaten mit exekutiver Erfahrung.

Bisher wurde noch nie ein Senator mit nur einer Legislaturperiode Erfahrung zum Praesidenten oder Vizepraesi gewaehlt, soweit ich weiss, aber ich koennte mich natuerlich irren.

David, wieviele Senatoren wurden den Praesidenten in den 100 Jahren? Und wie lange waren sie vorher im Senat?

Seit Kennedy wurde doch kein Senator mehr zum Praesidenten gewaehlt, oder?

 
At 27 Oktober, 2006 18:31, Blogger politischer said...

Inspiriert durch einen Beitrag von Dir habe ich vor längerer Zeit mal ein neues Deutsche Bank Logo entworfen, das ich nun anlässlich der Prozesswiederaufnahme ins Netz gestellt habe. Ich hoffe es amüsiert.

 
At 27 Oktober, 2006 19:18, Anonymous David said...

"Seit Kennedy wurde doch kein Senator mehr zum Praesidenten gewaehlt, oder?"

jw- du hast natuerlich Al Gore vergessen!

 
At 27 Oktober, 2006 23:47, Anonymous flatter said...

pssst...

War beim letzten Mal nicht schon ganz sicher Howard Dean der Kandidat? Im Netz verbrennt man sich ganz schnell die Finger mit solchen Prognosen ;-)

 
At 29 Oktober, 2006 12:41, Blogger Atlantic Review said...

"jw- du hast natuerlich Al Gore vergessen!"

:-)

Ja, aber selbst wenn man annimmt, er hätte die Wahl 2000 gewonnen, so war er doch zuvor Vizepraesident, also in einer exekutiven Rolle.

Nach Kennedy wurden ja einige Vizepräsidenten zu Praesidenten gewählt, aber kein amtierender Senator zum Praesidenten.

 
At 17 August, 2009 13:54, Anonymous Anwalt said...

In meiner Sicht bei jedem Schritt von Barack Obama geht in Fieber America.The der Wirtschaft der USA ist bereits stark wie compered anderen countries.Your Artikel gibt große Informationen zu diesem.

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home