01 Januar 2006

Ökonomische Gedankensprengsel (8) - Ricardo reloaded

Das Ricardo-Theorem (Theorie der komparativen Kostenvorteile) ist ein hübsches Beispiel für die Ideologisierung ökonomischer Analyse. Gedanklicher Ausgangspunkt des Adam Smith-Folgers David Ricardo war die zutreffende Beobachtung vom Nutzen der Arbeitsteilung, welche in der englischen Wirtschaft zwischen ca. 1780 bis 1850 im Vergleich zu anderen europäischen Ökonomien stürmisch voranschritt**.

Ein Teil der stürmischen ökonomischen Aufwärtsentwicklung Englands (im Vergleich zu anderen europäischen Staaten) dieser Zeit erklärt sich aber auch aus dem Kolonialismus des Empire. Ricardo schreibt:
Who can doubt, for example, that if England were the colony of France, the latter country would be benefited by a heavy bounty paid by England on the exportation of corn, cloth, or any other commodities?
Früher wurden Ideen von Ricardo, z.B. das Ricardo-Theorem (PDF) seltsamerweise auch dafür genutzt, um (ganz im Gegensatz zu den Absichten des Verfassers) indirekt den Nutzen von Kolonialismus zu beweisen. Es wäre also im Sinne der Kolonisierten, wenn sie sich z.B. auf eine Spezialisierung auf Agarprodukte einließen. Der Nutzen sei wechselseitig, und dies sogar dann, wenn diese Spezialisierung durch Machtmittel erzwungen wurde.

Aus Sicht der durch überlegene politische oder ökonomische Macht Kolonisierten sieht das anders aus. Überzogen formuliert könnte man auch behaupten, dass auch das "Dienen" eine Form der spezialisierten Arbeitsteilung sei, welche Sklaven den Nutzen komparativer Vorteile verschaffe.

Das mag polemisch klingen, aber eine Einrede gegen das Ricardo-Theorem lautet tatsächlich, dass eine einseitige Spezialisierung nicht unbedingt den zwangsläufig größten Nutzen für alle Beteiligten hervorbringt. Es mag einen wechselseitigen Komparativnutzen von Spezialisierung geben, oft aber ist der Nutzen umfassender wechselseitiger Konkurrenz auf Dauer höher:

Wenn ganze Länder oder Regionen zu stark spezialisiert sind, z.B. ausschließlich Agrarprodukte herstellen, oder wenn Monopole die Wirtschaftstätigkeit prägen, dann wird der internationale Wettbewerbsmechanismus gehemmt. Hat die Konkurrenz einen größeren Umfang, dann fällt sie intensiver aus und die Entwicklungsanreize sind bei einer breit angelegten Konkurrenz besser, was im Übrigen nicht gegen eine Spezialisierung spricht, dort, wo echte Wettbewerbsvorteile liegen.

Grundsätzlich bringt nicht einseitige Spezialisierung, sondern die möglichst umfassende und von Fairness geprägte Teilnahme an internationalem Wettbewerb den für alle Seiten größten Vorteil.

Empirisch falsifiziert wird die falsche und einseitig auf Spezialisierungsvorteile achtende Deutung des Ricardotheorems durch die Beobachtung, dass der Handel zwischen den OECD-Staaten sogar in erster Linie (!) Güter betrifft, die sehr ähnlich sind. Konkret gesprochen heißt das beispielsweise, dass Franzosen deutsche Autos kaufen und Deutsche französische Autos.

Das ist sogar ausgesprochen nützlich, denn nicht in der Spezialisierung auf eine oder mehrere Warengruppen, sondern in der Vergrößerung des Konkurrenzraumes, in der Ausweitung ökonomischer Alternativen bzw. des Warenangebots und den daraus folgenden ökonomischen Anreizen und kulturellen Anregungen liegt der primäre Nutzen von Handel.

Wettbewerb und eine möglichst breite Teilnahme daran: Das macht Handel wertvoll. In der Praxis wird dies allerdings oft dadurch zu unterlaufen versucht, dass Mächtige im Rahmen ihrer Rentseeking-Agenda sich Monopole zu sichern suchen, Handelsmonopole, Marktstellungsmonopole oder z.B. überzogene Vorstellungen angeblichen "geistigen Eigentums", welche in ihrer überzogenen Form eine moderne Erscheinung ökonomischer Kolonialisierungstaktik darstellen.

Sonderfaktor: Größe des Handelsraums
Größere Handels- und Tauschräume erleichtern die Verwirklichung von Skalenvorteilen und intensivieren nützliche Wettbewerbszusammenhänge. Ein kleiner Hinweis dazu: Die kleinstaatliche Zerstückelung Deutschlands inkl. Erschwerung des Handels bis 1850 führte nachweislich zu erheblichen Nachteilen in der ökonomischen Entwicklung.

Die geradezu explosive wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zwischen 1850 bis 1914 kann zu einem Teil auf die Überwindung dieser Nachteile zurückgeführt werden.*

Eine wesentliche Bedingung für einen guten Nutzen aus Handel ist dabei u.a. die Fairness des Handelsgeschäfts, und eine annäherungsweise Machtgleichheit der jeweiligen Handelspartner, die verhindert, dass ein Partner durch den anderen übervorteilt wird.

Dieser Zusammenhang lässt sich mit cliometrische Methoden einwandfrei belegen. Es ist also Organisation, Umfang und die Intensität des fairen Leistungswettbewerbs, rechtstaatlich erzwungen und effizient geregelt, aus dem sich ökonomische Entwicklung zu guten Teilen ableitet.

Weitere Sonderfaktoren in der Geschichte
Beraubungen (z.B. Kolonisierung, der Erhalt umfangreicher Reparationen, Monopole) können zwar über beachtliche Zeiträume ökonomisches Aufblühen verursachen, von Familiengeschlechtern und sogar ganzen Nationen, aber sie können den ökonomischen Entwicklungsprozess nicht dauerhaft positiv beeinflussen. Denn einmal erworbener Reichtum kann verspielt werden, unklug oder z.B. nur zur Macht- und Prachtentfaltung eingesetzt.

Einem nicht immer freundlich auftretenden marburger Nochwissenschaftler verdanke ich diesbezüglich einige Anregungen, besonders in Bezug auf die Gefahren der Ideologisierung wissenschaftlicher Betrachtung.

Es ist kaum ein großes Kunststück, aus der Geschichte das herauszulesen, was zuvor hineingelesen wurde.

Gerade in der historischen Analyse ist die Gefahr sehr groß, dass kleinere Zusammenhänge die größeren verdrängen. Hinter der rosa Brille des privaten Eigentums bzw. seiner Institutionalisierung liest sich fast jeder historische und ökonomische Zusammenhang als ursächlich damit verbunden, so wie die blaue Brille der Arbeitsteilung jedes Geschehen unter das Primat der Arbeitsteilung und Spezialisierung stellt, auch dort, wo die Dinge deutlich komplizierter liegen.

Das Ricardo-Theorem bzw. seine Deutung und ideologische Funktionalisierung mag dafür als Beleg gelten, auch dafür beispielsweise, wie unter Rückgriff auf eine ideologisierte Theorie bedeutende Problemstellungen (z.B. Machtgefälle und Ungleichheit im internationalen Handel) vom Tisch gewischt werden.

* Dazu treten m.E. ein Vielzahl u.a. kultureller Faktoren. Ich vermute hier besonders das Bildungswesen, die Förderung und Breite des Unternehmertums, die Abwesenheit zerstörerischer Kriege, Rüstungslasten, die Effizienz der Rechtsordnung, Minderung der Willkür religiöser und politischer Macht, die Struktur der Beamtenschaft, der Stellenwert von Wissenschaft und Fortschritt in einer Gesellschaft, Umfang belastender Besteuerung, Infrastruktur bzw. deren Entwicklung, kulturelle Starrheit bzw. Offenheit. Möglicherweise lassen sogar frühe Formen von Sozialstaatlichkeit oder auch die beginnende zivilgesellschaftliche Teilhabe der Arbeiterschicht sich cliometrisch als erfolgssteigernd (BSP/Kopf als alleiniger Maßstab?) belegen?

Ich hätte z.B. gerne eine fundierte Erklärung, warum sich Spanien und Portugal trotz erheblichen kolonialen Raubes zwischen 1600 bis 1900 erheblich schleppender entwickelt haben als andere europäische Staaten. Warum versickerte der Reichtum dort, wie wurde er genutzt? Ich würde gerne genauer verstehen, warum es in Deutschland zwischen 1850 bis 1914 einen ökonomischen Boom gab, der alle anderen europäischen Staaten absolut (BSP/Kopf) und relativ in den Schatten stellte. War es vielleicht ein Stück weit die Frucht der Aufklärung? Meine Fragen wachsen jedenfalls erheblich stärker an als die Andeutungen ggf. möglicher Antworten. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen.

** M.E. gehörte die umfassende interne Handelsfreiheit des "british empire" und der daraus resultierende recht starke ökononomische Wettbewerb neben technischen Fortschritt und kulturellen Voraussetzungen, zu den entscheinden Entwicklungsfaktoren, die neben der
Verfeinerung der Arbeitsteilung erklären, warum England in der Zeit zwischen ca. 1780 bis 1850 eine (im Vergleich zu anderen europäischen Staaten) so stürmische wirtschaftliche Entwicklung erlebte. Eine gewisse Bestätigung dieses Wirkungszusammenhangs mag man darin sehen, dass Deutschland, nach dem Fortfall interner Barrieren, zwischen 1850 und 1914 eine nicht minder beeindruckende ökonomische Entwicklung erlebte.

Kleine Stichelei am Rande: Diese starke Entwicklung zwischen 1850-1914, für die ich noch Erklärungen suche, beruhte nicht auf einen irgendwie gearteten Vorsprung in der "Freiheit" für privates Eigentum bzw. dem politischen Einfluss einer bürgerlichen Klasse im Vergleich zu England. Für Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung scheint es also weitere wesentliche Faktoren zu geben. Im Fall von England, betrachtet man diesen Zeitraum von 1850-1914 kann man zwar von einem Höchstmaß von Einfluss des Bürgertums sprechen, auch im Vergleich zu Deutschland, aber gleichzeitig zeigt sich m.E. eine Art viktorianische Erstarrung der ganzen Gesellschaft, die in kultureller Hinsicht viel tiefgreifender ausfiel als der Wilheminismus in Deutschland. Viel Bürgertum und viel Erstarrung, während in Deutschland dieser Zeit stärker ein modernes und aufgeklärtes Bürgertum wirkte. Um wieder auf die Faktoren für ökonomische Entwicklung zurück zu kommen:

Ich persönlich halte im Moment einen intensiven, fairen und effizient geregelten Wettbewerbszusammenhang in Verbindung mit Bildung und kultureller Offenheit für deutlich ausschlaggebender zur Erklärung wirtschaftlicher Entwicklungsprozesse.

5 Comments:

At 02 Januar, 2006 12:47, Anonymous Rayson said...

Wenn man Ricardos Theorem verallgemeinernd auf einen Nenner bringen will, sollte man wohl tatsächlich weniger auf die Spezialisierungsvorteile fokussieren, die einem ein Zwei-Güter-Modell wohl fast zwangsläufig nahe legt, als vielmehr auf den Nachweis, dass sich Handel auch dann lohnt, wenn in beiden Ländern dieselben Produkte hergestellt werden.

Was fortgeschrittene Industrieländer betrifft, so sind die meisten dort erzeugten Produkte derart ausdifferenziert, dass man für die Erklärung der gegenseitigen Handelsvorteile Ricardo noch nicht einmal zu bemühen braucht.

 
At 02 Januar, 2006 14:21, Blogger Dr. Dean said...

@rayson
--- schnipp ---
(...) vielmehr auf den Nachweis, dass sich Handel auch dann lohnt, wenn in beiden Ländern dieselben Produkte hergestellt werden.
--- schnapp ---

Rayson, danke für genau diesen Hinweis!

Darum ging es mir (neben anderem). Ich wollte Ricardo aber auch als Aufhänger dafür nehmen (er sagt es in seinen Texten selbst - siehe links), dass der Wohlstand des Empire durchaus auch auf Kolonialismus beruhte. Zu den Erscheinungen zähle ich allerdings über den "atlantic trade" hinaus auch z.B. die zeitweise ökonomische Unterdrückung Portugals durch England im Rahmen des Methuenvertrags.

Ricardo liefert einige Argumente dafür, dass koloniales Verhalten (z.B. im Bereich der Zollpolitik) den Kolonialisten ökonomisch nachhaltig begünstigt - insofern halte ich den Hinweis auf die entsprechenden Texte und auf Ricardo hier für sinnvoll.

Ging es doch auch um eine Diskussion zum Einfluss des Kolonialismus auf "atlantic trader" bzw. Institutionalisierungsprozesse.

Es ging nicht zuletzt auch um eine Art Geschichtsverfälschungsinitiative (okay: das ist jetzt extrem polemisch formuliert) von bestimmten Institutionalisten.

Ich meine, dass man - bei einer fairen Auseinandersetzung mit dem Thema - schon sagen kann, dass die Gewichtung der erklärungsbildenden Faktoren durch Acemoglu/Johnson/Robinson [AJR] nur durch eine "ideologische Brille" plausibel aussehen.

Die Erklärung muss deutlich breiter ausfallen, wobei ich absolut nicht ausschließe, dass die von AJR genannten Faktoren bedeutsam sind. In jedem Fall ist diese Studie anregend - aber eine Vereinfachung der Ergebnisse, wie sie vom Marburger Blog-Betreiber vorgenommen wurden, verbietet sich, z.B. für Wissenschaftler.

Seltsamerweise wurde eines der stärksten Argumente, welches die betont bürgerliche Interpretation der Geschichte unterstützt, übersehen. Von Herrn "Statler" ohnehin, aber auch von Acemoglu/Johnson/Robinson:

Der koloniale Handel hatte bei den "atlantic traders" einen erheblich größeren Einfluss auf die Ausbildung einer bürgerlichen Schicht bzw. Kaufmannsschicht als der koloniale Handel von Spanien/Portugal, weil der Kolonialhandel der "atlantic traders" von Beginn an v.a. in die Hände von Kaufleuten gelegt wurde, während er bei Spanien/Portugal absolutistisch gesteuert war.

Mit diesem Argument ließe sich (auch ökonometrisch) zeigen, dass England (auch die Niederlande) als "middle class traders" im Gegensatz zu den "absolutistic traders" über seinen Kolonialismus das eigene Bürgertum stärkte, welches wiederum einen wesentlichen Ausgangspunkt für die industrielle Revolution bildete, welche ab ca. 1780 England ökonomisch weit über das Niveau der übrigen europäischen Staaten hob.

Man könnte also sagen, dass über den kolonialen Handel in Bezug auf die Bildung einer bürgerlichen, unternehmerischen Kaufmannsklasse ein erheblicher ökonomischer Entwicklungsanreiz auf England und die Niederlanden ausgeübt wurden.

AJR legen hingegen den Schwerpunkt auf Institutionen bzw. deren kapitalistische Verbürgerlichung und behaupten als Schlüsselthese,

--- schnipp ---
Therefore, the Rise of Europe was largely the result of capitalist development driven by the interaction of late medieval institutions and the economic opportunities offered by "atlantic trade"
--- schnipp ---

Sie führen also ökonomische Entwicklungsunterschiede auf Unterschiede in der Institutionenbildung zurück.

Das halte ich für schräg, genauer gesagt für geradezu zwanghaft institutionalistisch.

Diese Verengung verkennt die vielfältige Wechselbedingungen und Ursachen in der Wirtschaftsgeschichte Europas. Ich halte es (wenn Kolonialismus das Thema ist) schon mal für gewillkürt, dass von AJR die ökonomischen Entwicklungen zwischen 1850 und 1914 ausgeblendet haben.

Dann bräche nämlich das durchaus hübsche Ideengebäude zusammen (!) - nach dieser Erweiterung würde zumindest eine deutliche Verfeinerung bzw. Erweiterung notwendig.

Würde man hingegen den Betrachtungszeitraum auf eine Zeit vor der industriellen Revolution reduzieren (also: vor 1780), um die Beeinflussung durch technischen Fortschritt auszuschließen, auch dann bliebe von den Thesen von AJR wenig übrig. Das wäre übrigens schade, denn völlig falsch ist es ja nicht, was sie schreiben.

Weiterhin:

"Appendix table 2 - key data" bei AJR ist m.E. reichlich gewillkürt, sehr kritisierenswert und setzt den Fokus einseitig und unzutreffend auf den bürgerlichen Einfluss auf das Regierungshandeln. Wäre das so bedeutsam, wie AJR suggerieren, dann müsste Deutschland (mit den Minimalwerten "1" und "1" für 1850) eine Art ökonomischer Krüppel gewesen sein. Wichtiger wäre m.E. eine zuverlässige Maßzahl, welche den Entfaltungsspielraum für eine bürgerliche bzw. unternehmerisch aktive Klasse misst - und vor allem auch die Sicherheit von privaten Eigentum. Das leisten die Wertungszahlen bei AJR jedoch nicht.

Außerdem werden die "Gains" aus der kolonialen Vormachstellung bei AJR m.E. völlig falsch errechnet. So sehe ich z.B. seit ca. 1700 einen starken "Binnenmarkteffekt", der durch das koloniale Handeln des Empire deutlich vergrößert wurde.

Ich könnte noch eine Vielzahl weiterer Faktoren nennen, auch ökonometrischer Art, um das allemal lesenswerte Papier von AJR als, sagen wir mal, "verengt" zu kritisieren.

Die Schlüssselthese "the Rise of Europe was largely the result of (...) development driven by the interaction of late medieval institutions (...)" halte ich für ideologisch. Wo bleibt hier z.B. der technische Fortschritt?

Diese, sorry, prokapitalistische Institutionensektiererei (hier sind weniger AJR gemeint) erinnert mich beinahe an den Geschichtsdogmatismus der Marxisten.

Ich schätze Institutionenökonomie hoch ein - aber der Versuch, komplexe geschichtliche Entwicklung vor allem darauf zu reduzieren ("lagerly the result"), den halte ich für fragwürdig.

Man sieht das, als Randnotiz vermerkt, übrigens auch an der aggressiven, Beleidigungen herauskotzenden Art von Herrn "Statler", mit denen zusätzliche Erklärungsansätze dogmatisch abgewehrt werden.

M.E. ist das Ideologisierung.

 
At 02 Januar, 2006 16:17, Anonymous Rayson said...

Ich habe jetzt keine Lust, einen Stellvertreterkrieg zu führen, und die Kolonialgeschichte ist wirklich nicht mein Hobby, aber nach allem, was ich von Ökonomie zu wissen meine, wird in auf der Linken die Rolle des Imperialismus für die Entwicklung des Kapitalismus in Folge viel zu grober Vereinfachungen überschätzt. Auch Ricardo in diese Richtung interpretieren zu wollen, dürfte fehlschlagen.

Und die gegenwärtige Situation von Ländern wie Russland, die von Gegnern freier Marktwirtschaften gerne herangezogen wird, lässt sich auch sehr gut institutionenökonomisch erklären.

Aber, wenn du deine sachlichen Einwände am geeigneten Ort, nämlich dem originalen S&W-Eintrag vorgebracht hättest, ohne bemüht auf ein Blogger-Nullsummenspiel zu setzen wie der pathologisierte DA, hätte sicher auch Statlers Kommentar anders ausgesehen. So kann ich jeden verstehen, der sich nicht gerne ans Bein pinkeln lässt, und wenn der Pinkler nebenbei Goethes Faust rezitieren würde...

 
At 02 Januar, 2006 17:37, Blogger Dr. Dean said...

@Rayson
Mich interessiert nur wenig, wie "Linke" (gemeint sind hier ja wohl eher Marxisten und derlei Spinner) den Kolonialismus bewerten.

Ich habe das diesbezügliche Geheule aus dieser Ecke noch nie sonderlich ernst genommen, solche Kurzschlüsse wie "unser Wohlstand beruht nur auf der Ausbeutung der Dritten Welt" und derlei Blödsinn mehr.

lol

Kurzschlüsse dieser Art sind ein weiteres Beispiel für Ideologisierung.

Einseitig und überzogen ist es allerdings auch, wie in der fraglichen Studie (und noch mehr seitens bestimmter Fans) Schlussfolgerungen vorgenommen werden.

Man darf durchaus fragen, und ich habe das sehr höflich getan, sowohl bei S&W als auch bei DA, ob nicht vielleicht bestimmte Einflussfaktoren übersehen wurden.

Dass du den Ton von "Statler" für verständlich hältst, weil offenbar Kritik (die ich im Blog von S&W geäußert) habe, die als eine Art "Pinkeln" verachtet wird, das habe ich hoffentlich falsch verstanden.

Am Umgang mit Kritik lässt sich m.E. zeigen, ob jemand fanatisch oder ideologisch ist, oder nur engagiert.

Ich weiß jedenfalls, was es bedeutet (du bist nicht gemeint Rayson), wenn die Pseudo-Autorität geistiger Vorbilder vergötzt wird und Kritik an bestimmten Ideen als eine Art Heiligenschändung empfunden wird.

Im Übrigen: Herr "Statler" wurde hier nicht so deutlich beleidigend, weil ich etwa unhöflich war, sondern weil ihm die geäußerte Kritik missfiel.

Oder?

 
At 02 Januar, 2006 20:43, Anonymous Rayson said...

Na komm, soweit, dass wir Kritik nicht als "Pinkeln" missverstehen, sollten wir gegenseitig schon sein.

Unter "Pinkeln" würde ich eher sowas in der Art einreihen, wie es DA in seiner ersten Replik getan hat (die zweite war schon deutlich vernünftiger, wohl weil er gemerkt hat, wie sehr er sich aus dem Fenster gelehnt hatte). Und wenn dann jemand kommt und von mir derart "Angepinkeltem" zuvorderst ein "Mea culpa" verlangt, dann kann man schon mal sauer reagieren, ja.

Solle es dir an Verständnis mangeln, wieso man DAs erste Erwiderung unter die Rubrik "unter alle Sau" einzuordnen hat, zitiere ich gerne die entsprechenden Passagen.

Wenn es um die Fähigkeit geht, kritische Stimmen zu ertragen, ist der Blogger Statler dem Blogger DA noch Meilen voraus. In vergleichbarer Konstellation hätte Letzterer dich einfach gelöscht.

Ich jedenfalls kann verstehen, dass Statler dich - wohl insgesamt unzutreffend - einfach nur als DA-Gehilfen einordnet. Du tust ja auch nichts, um eine Gesprächsbasis herzustellen (im Gegensatz zur Auseinandersetzung mit Boche und mir beispielsweise). Deine Mission scheint dich in diese Rolle zu drängen. Aber dann beschwer dich auch nicht.

 

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