31 Dezember 2005

Von der Schwerkraft rufschädigender Worte

Es sollte eigentlich kaum große Erläuterung verdienen, z.B. im Fall von Frau Osthoff, warum das Verbreiten rufschädigender bzw. abschätziger Ansichten und Meinungen von jedem anständigen Menschen vermieden werden sollte. Dies gilt umso mehr, je stärker Worte dafür geeignet sind, den Ruf von jemanden ersterben zu lassen*.

Einmal ausgesprochen, können herabwürdigende Worte kaum noch aufgefangen werden. Mitunter ist es jedoch nicht sinnvoll, böse Worte zu vermeiden. Manchmal sind sie nützlich, so nützlich z.B., wie auch ein Krieg zur Abwehr von etwas etwas Böserem nützlich sein kann. Das ist jedoch selten! Dazu folgende Erläuterung:
But what if someone is bad? What if you know someone about to go into business with someone known for shady deals? What if your friend is involved with someone known to be violent? In such cases, we are permitted to speak about these things. But the laws of permissible lashon harah are very clear. You can't excuse lashon harah by saying "I'm just trying to help."

Aber, was ist, wenn jemand so böse ist, dass man nicht vermeiden kann, etwas Böses über ihn zu sagen? Was gilt beispielsweise, wenn du befürchten musst, dass jemand an einen Geschäftsmann gerät, der für dunkle Machenschaften bekannt ist? Was, wenn dein Freund an jemanden gerät, der gewalttätig ist? In diesen Fällen darfst du böse, rufschädigende Worte verwenden, allerdings nur mit der Entschuldigung, dass du damit zu helfen versuchst. Das sollte dann sehr klar sein.

You are allowed to speak lashon harah to help someone, to prevent someone from being victimized, or to resolve major disputes but only when what you say is based on firsthand information, what you're saying is true and accurate, the person who is in the wrong has been spoken to and refuses to change, there is no other way to meet the goal, and what you say will not cause undue harm.
Wenn dir ein rufschädigendes bzw. abschätziges Wort gestattet ist, zur Abwehr von Schaden bzw. um jemanden zu helfen oder zur Beendigung eines Disputes, dann gelten dafür folgende Bedingungen:

  • Das, was du über eine Person sagst, muss zuverlässig sein bzw. aus erster Hand kommen
  • Deine Worte müssen wahr sein und sorgfältig ausgewählt werden
  • Du musst der betreffenden Person die Möglichkeit der Richtigstellung geben - oder dich selbst ausreichend darum mühen, die Sichtweise dieser Person in Erfahrung zu bringen
  • Die betroffene Person muss die Gelegenheit erhalten, das schädliche Verhalten einzustellen bzw. umzukehren
  • Es gibt keine anderen ausreichenden Wege, um das Ziel (Hilfe und Abwehr von etwas Böseren) zu erreichen
  • Deine Worte verursachen keine ungebührlichen Schäden
Kommentar: Ich fand diese Regeln ziemlich instruktiv.
  • Ergänzend könnte man sich ggf. zur Regel machen, im Falle eines schädigenden Wortes ein ausgleichendes gutes Wort beizugesellen, um die Integrität und den Wert des Betreffenden als Person nicht übermäßig zu vermindern.
Man könnte diese Regeln ggf. auch auf das Verhalten in Konfliktfällen anwenden - ich habe sie im Fall von Abmahnungen (die ja auch Schäden verursachen) angewendet, um besondere Sorgfaltspflichten abzuleiten.

+++ Update 31.12.2005 12:00 Uhr +++
* Man muss dabei m.E. auch den Zusammenhang und die betroffene Person berücksichtigen. Im Umgang mit mächtigen Personen oder Institutionen darf man m.E. unvorsichtiger agieren. Deshalb, weil diese viel weniger geschädigt werden - sie werden auf Normalmaß gestutzt. Dabei sollte man m.E. aber Stereotypen vermeiden, z.B. "die Politiker" grundsätzlich als bösartige oder stets korrupte Menschen zu beschreiben.

Wessen Ruf also bereits lädiert ist, bei dem muss man vorsichter sein, als bei jemanden, dessen Name in Glanz und Herrlichkeit genannt wird. Auch sollte man beachten, wie viel Vertrauen den eigenen Worten entgegen gebracht werden.

Wenn ich im Freundeskreis ein schlimmes Gerücht über jemanden weiter verbreite (z.B. "xyz schlägt seine Freundin"), dann hat das ggf. sehr nachhaltige Folgen, und zwar für die unmittelbare soziale Umwelt des Betreffenden.

Das Niedrigste allerdings, das ich mir in diesem Zusammenhang denken kann, das wäre Opferverhöhnung bzw das verbale Einprügeln auf Schwächere und Wehrlose.

Zum Schluss noch ein positives Beispiel bei der Berichterstattung über Frau Osthoff, und zwar hier von Herrn Patrick Bahners. Lesenswert!

3 Comments:

At 31 Dezember, 2005 15:14, Blogger Guniversum said...

Das Perfide, das absolut ohnmächtig zurücklassende, das was mich so unaussprechlich wütend macht: die Journaille macht sich unangreifbar qua Grundgesetz.
Jeder noch so taffe Politiker (Joschka incl.) macht Eeeek!, wenn ihm Medienschelte vorgeworfen wird und wehrt das ab, als wäre es Fußpilz. Das Thema ist sakrosankt. Ceterum censeo: Es gibt zuviel Geld verdienende Schreiber. A la laterne.

 
At 01 Januar, 2006 15:22, Blogger Hellblazer said...

ui, danke für den FAZ-Link, der stellt den in meinen Augen durch diesen unsäglichen Verschwörungstheorie-Artikel arg ramponierten Ruf der FAZ wieder halbwegs her, vor allem, wenn er auch das eigene Blatt nicht aus der Kritik lässt.

Natürlich (das gehört imo auch dazu, wenn man "starke Worte" gebraucht) sollte so ein Artikel seitens eines "Kritisierten" entsprechend lobend erwähnt werden, und ich freue mich auch darüber, dass es ihn "gibt" :-)

 
At 02 Januar, 2006 21:51, Anonymous stefanolix said...

Deine sechs (sieben) Punkte in allen Ehren: Aber Dir ist schon klar, dass diese Anforderungen ein ziemlich scharfes "zweischneidiges Schwert" sind?

 

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