09 Januar 2006

Ökonomen taugen nichts

Als wenn wir es nicht schon geahnt hätten: In dieser Studie (PDF) der Uni Bonn zeigt sich, dass Ökonomen nicht als Börsenspekulanten taugen. Durchschnittlich verdienten die Psychologen bei dem zugrunde liegenden Experiment dreimal soviel wie Ökonomen.

Hören Sie in Geldfragen lieber auf einen Psychologen!

13 Comments:

At 10 Januar, 2006 19:28, Blogger nixxon said...

Sagt man nicht, Ökonomie sei zu 50% Psychologie? Das ist doch das Dilemma der Ökonomen wie z.B. der Balkonpüppchen: Genau das wollen sie nicht whrhaben und behaupten von sich, exakte Wissenschaft zu betreiben und uns die Welt erklären zu können. Deshalb ist das, was sie und ihre Gurus wie Straubhaar und Sinn betreiben, nichts als das, was die Dominikaner unter den Päpsten des Mittelalters taten: Sie sind die Inquisition der Wirtschaftsverbände.

 
At 10 Januar, 2006 23:13, Blogger Dr. Dean said...

@nixxon

Du hast nicht unrecht.

Ich glaube, das Problem der Püppchen ist in the long run eine gewisse Art Überidentifizierung mit dem, was sie für "Macht" oder "Erfolg" halten.

Das steck im Kern, sozusagen eine Art projezierte Versagenssangst. Sie müssen ihre Statussymbole herzeigen und auch sonst sind sie verzweifelt darum bemüht, dass ihre kleinbürgerliche Denkungsart nicht das innere Spießertum offenbar werden lässt, das ihren Wesenskern erheblich ausfüllt.

Neben ihren typischen Ressentiments (die woanders allemal schlimmer ausfallen - das muss auch gesagt sein) wird dies in ihrer konservativen Version eines angeblichen "Liberalismus" deutlich, der sich sozusagen den Fürsten von Heute an den Hals wirft, denen, bei denen sie sich Erfolg und Zukunft versprechen.

Passend zum kleinbürgerlichen Horizont ist es, dass das Puppentheater nur sehr reduzierte Versionen ökonomischen Gedankengutes zu erfassen in der Lage ist.

Wenn zum Geist der Wissenschaft Offenheit gehört, dann sind diese verbohrten Ideologen ein ziemlich trauriges Gegenbeispiel - dem sogar die simpelsten Rechenfehler unterlaufen, ohne, dass sie in der Lage wären, dies zugeben zu können.

Das ist die kleinbürgerliche Enge. Dazu gehört auch eine ausgesprochene Kritikunfähigkeit, die einen seltsamen Kontrast zu ihrer Pedanterie bildet.

Meiner Meinung nach sind Kleinbürger durchaus achtenswert, aber in Kombination mit Pedanterie erwächst daraus schnell ein Fanatismus, der abweichende Ideen und Gedanken nicht zu ertragen in der Lage ist.

Sollen sie glücklich werden und ihren Fankreis eifrig pflegen - ihre geistige Monokultur ist jedenfalls auf Sand gebaut.

Mir kommen die Puppen auf bestimmten Gebieten schon ein wenig wie klassische Verschwörungstheoretiker vor (das typische Betätigungsfeld von Zukurzgekommenen). Sie sehen überall furchtbare "Linke" oder einen unterwanderten öffentlichen Rundfunk und derlei mehr.

Okay, sie haben noch nicht die schweren pathologischen Erscheinungen, und doch hören sie überall Leviathan brüllen oder erblicken finstersten Anti-Amerikanismus, sobald die außenpolitische Agenda der Republikaner nicht geteilt wird.

Kleingeister.

 
At 10 Januar, 2006 23:51, Blogger nixxon said...

Dr.Dean: Ich habe nicht nur Unrecht. Ich habe Recht. Dieses Pack bekämpft staatlich bezahlt das Gemeinwohl!

Ist Dir der Paragraph 129a des Strafgesetzbuches bekannt? Der ist auf diese Terrorökonomen anzuwenden! :-)

 
At 11 Januar, 2006 13:13, Blogger che said...

Schön gesagt! :-) Da ist es streckenweise bis zur Annäherung an tatsächlichen Terrorismus nicht weit, so hat einer aus dem weiteren Umfeld schon zum Mord an Chavez aufgerufen.
Na gut, da können Statler & Waldorf nichts für, aber
die peinlichen Planspiele, ob man dem Iran mit dem Atomschlag drohen solle, ohne dies wirklich zu tun, sprechen ja auch für sich.
Das sich Abarbeiten am Osthoff-Diskurs finde ich auch interessant: Engagierte Individualisten mit sehr viel Zivilcourage sind für diese "Liberalen" ein Feindbild!

Was die Leute grundsätzlich von echten Liberalen trennt, ist ein völliges Fehlen eines Liberalismus des Herzens. Die sind weder tolerant, noch haben sie mit Menschen- und Bürgerrechten oder Partizipation von Minderheiten irgendetwas am Hut. Hayek & Co hin oder her: ohne diese Komponenten gibt es auch keinen Liberalismus, egal ob manchester- oder ordoliberal. Die völlig hysterische Art, wie dort auf rebellmarkt reagiert wird, zeigt auch eine Weltsicht, die ich als Tunnel-Realität charakterisieren würde.

 
At 11 Januar, 2006 13:41, Blogger Boche said...

Ökonomen müssen also Börsenkurse voraussagen können? Sie sind also quasi die Wetterfrösche der Wirtschaft?

Aber angesichts der Kommentare hier vermute ich, dass es nur um einen Aufhänger für "linksliberales" Selbstbestätigungsgewäsch ging.

 
At 11 Januar, 2006 14:55, Blogger che said...

Aber es gibt zweierlei Ökonomen. Die mit Bodenhaftung, die konzentriert und sachlich, realitätsnah ihren Job machen, und die finden sich eher im Mittelstand oder im mittleren Management oder Key-Account-Bereich großer Unternehmen (und sind, ob sie nun BWL, Wirtschaftsingenieur oder etwas Anderes studiert haben, in dr Praxis Kaufleute im klassischen Sinn) und die gehypten, hochjazzten, aufgestylten MBAs in den Vorstandsetagen, diese Industrieschauspieler mit Skalenerträgen als Realitätsersatz.

@linksliberales Selbstbestätigungsgewäsch: Der Thread hat sich dahin entwickelt, war sozusagen Gruppendynamik. Ich bin kein Linksliberaler, kann mich hier also auch nicht selbstbestätigen. Trotzdem muss ich Dr. Dean und nixxon Recht geben.

 
At 11 Januar, 2006 15:47, Blogger Boche said...

"Aber es gibt zweierlei Ökonomen. Die mit Bodenhaftung, die konzentriert und sachlich, realitätsnah ihren Job machen, ... und die gehypten, hochjazzten, aufgestylten MBAs in den Vorstandsetagen, diese Industrieschauspieler mit Skalenerträgen als Realitätsersatz."

Klingt nach Klischee.

"@linksliberales Selbstbestätigungsgewäsch: Der Thread hat sich dahin entwickelt, war sozusagen Gruppendynamik."

Ja, das macht es ja so interessant. Gib Ideologen ein Reizwort und sie spulen gruppendynamisch ihr Standardrepertoire ab.

"Ich bin kein Linksliberaler..."

Auch kein "Linksliberaler"?
*g*

 
At 11 Januar, 2006 15:57, Blogger che said...

@Klingt nach Klischee.


Ist Lebenserfahrung eines abgebrühten Marketingmanagers und PR-Beraters :-)

 
At 11 Januar, 2006 16:16, Anonymous Atze said...

Im Kleinen führt Boche hier vor, was sich in der Ökonomenzunft auch im Großen abspielt. Wenn jemand der eigenen reinen Lehre nicht folgen will, dann wird nicht etwa argumentiert, sondern polemisiert.

Und da sich die eigenen Dogmen am besten in Schwarz/Weiß denken lassen, wird der "Ungläubige" entsprechend schnell mit einem vermeintlich disqualifizierem Etikett versehen.

Dann braucht man sich auch nicht mehr mit konkreten Argumenten auseinandersetzen, sondern nur noch mit Feindbildern.

@Boche
Schwamm drüber, Boche! Jeder kann letzendlich nur so, wie er kann...

 
At 11 Januar, 2006 17:17, Blogger Boche said...

@Atze

Wenn jemand der eigenen reinen Lehre nicht folgen will, dann wird nicht etwa argumentiert, sondern polemisiert.

Oh, entschuldige. Nachdem ich die Kommentare gelesen hatte, dachte ich, hier wären Argumente nicht so gefragt.

Und da sich die eigenen Dogmen am besten in Schwarz/Weiß denken lassen

So im Sinne von "guten Ökonomen im Mittelstand" und "bösen Ökonomen in Großunternehmen"?

wird der "Ungläubige" entsprechend schnell mit einem vermeintlich disqualifizierem Etikett versehen.

Das Etikett "linksliberal" hat sich Dr.Dean selbst angeheftet.

Dann braucht man sich auch nicht mehr mit konkreten Argumenten auseinandersetzen,

Argumente? Her damit!

Jeder kann letzendlich nur so, wie er kann...

Gern lasse ich diese Entschuldigung gelten. Kein Problem!

 
At 11 Januar, 2006 18:06, Blogger Dr. Dean said...

@Boche

Der Beitrag war erkennbar satirischer Natur, hmm? Trotzdem ist es doch interessant, dass die Prognosefähigkeit von Ökonomen nicht so gut ist, wie man als Ökonom hoffen sollte.

Vielleicht ist es tatsächlich so, das wirtschaftliches Verhalten, ganz allgemein, etwas stärker aus psychologischer bzw. verhaltenswissenschaftlicher Perspektive betrachtet werden sollte.

 
At 11 Januar, 2006 19:18, Anonymous Atze said...

...und im Grunde ist eine Tendenz in diese Richtung auch schon erkennbar. Der letzte Nobelpreis für Ökonomie ging an Spieltheoretiker. Innerhalb der Ökonomie hat die Institutionentheorie erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Bild des homo oeconomicus wird peu à peu revidiert.
Wahr ist aber auch, dass diese Entwicklungen relativ neu sind, die etablierten Granden unter den Ökonomen in ihrer Rolle als Politikberater aber ungern Revisionen zulassen an ihren bisherigen Modellen, für die sie mitunter eine ganze wissenschaftliche Karriere geopfert haben. Gesichtsverlust hat da erhebliche Bedeutung und wissenschaftliche Normen werden nicht mehr ganz so wichtig genommen. Leider nicht nur zum Schaden der betroffenen Menschen, die bei der Umsetzung nunmehr überholter Konzepte in Realpolitik verlieren, sondern auch zum Schaden der Wissenschaft an sich, die unglaubwürdig zu werden droht.

 
At 11 Januar, 2006 22:08, Anonymous Buenavista said...

Ich frage immer:

"Sind Sie ein Börsenprofi?"
"Ja"
"Warum müssen Sie dann noch arbeiten?"

 

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