06 Januar 2006

7 aktuelle Fragen zum Fall Osthoff

(Beitrag wurde auf Basis des stern-Interviews vom 05.01. überarbeitet)

Vorab ein Zitat von Frau Osthoff aus diesem Interview:

"Es wäre schön, wenn ein paar mehr Menschen zu mir halten würden. (...) Ich habe auf Al-Jazeera nie gesagt, dass ich wieder in den Irak zurück will. Ich weiß gar nicht, wie die Sprecher des Auswärtigen Amts und andere dazu kommen, so was zu behaupten. Ich weiß nicht, wohin ich gehen kann. Ich weiß nur, dass ich meine Tocher wiedersehen will. Ich bin immer noch ein Mensch mit Gefühlen."

Erledigt: Frage 1. Die Frage nach dem nicht durchgeführten VAE-Flug ist geklärt. So, wie es aussieht, hat die Tochter nicht gewollt. Wobei allerdings die Auskünfte des BKA an die Journalisten erstaunlich sind.

2. Warum hat keine Stelle der Bundesregierung Frau Osthoff gegenüber der Hetzkampagne bestimmter Medien ("die Irre") in Schutz genommen? Erst drängt sich jeder Bürgermeister in die Öffentlichkeit, um der Entführten seine Solidarität auszudrücken, und danach mochte sich niemand mehr für Frau Osthoff einsetzen. Wie verlogen iist denn das? Gab es in der Vergangenheit eine Weigerung, Frau Osthoff die Rückführung nach Deutschland zu bezahlen? Herr Chrobog wurde bevorzugt behandelt und ein Bundeswehrflug organisiert, während man sich bis heute weigert, Frau Osthoff auch nur ein gewöhnliches Flugticket auszulegen. Was davon trifft zu?

Erledigt: Frage 3. In ihrem ersten Interview mit Al-Jazeera sagt Frau Osthoff noch, dass sie absolut nicht wisse, mit wem sie zu tun hatte (Quelle u.a ZDF). Im späteren ZDF-Interview lacht sie nach bei der entsprechenden Frage kurz und ironisch auf, bevor sie etwas dazu sagt, aber mit m.E. spürbarer Distanz und wie auswendig gelernt. Die Entführer legten offenbar großen Wert darauf, als Untergruppe von Al-Sarkawi zu gelten.

Erledigt: Frage 4. Stimmt es, dass Frau Osthoff nach ihrer Entführung mit Plastikschnellen in der Art der amerikanischen Besatzer gefesselt wurde? Ja. Das gab es im Fall von Entführungen von Ausländern im Irak schon häufiger, so dass man das als eine Art "von den USA lernen" betrachten könnte. Die Irak-Besatzung bzw. die sogenannte "Demokratisierung" hat also bereits zu einem echten kulturellen Wandel geführt.

Halb erledigt: Frage 5. Wurde sie tatsächlich als "jüdischer Geheimdienstoffizier" der zweiten Entführergruppe übergeben? Antwort: Jain. Es gab nur eine Entführergruppe, seltsam gestriegelte Leute, und dort kam am 12. Tag der Verdacht auf, warum auch immer, dass Frau Osthoff ein "jüdischer Geheimdienstoffizier" sein könne. In ihrer Haut möchte vermutlich keiner der Neoconnards sitzen, die sich in den vergangenen Tagen öffentlich und eifrig das Maul zerrissen haben. Seltsam scheint es zu sein, dass sich Entführer im Irak relativ frei bewegen konnten. Frau Osthoff berichtet im stern über ihre Fahrt im Kofferraum:

Das Seltsame war: Die ganze Strecke hat uns niemand gestoppt. Ich habe bei jedem Checkpoint gemerkt, dass sie voll gebremst haben für den Schlängelkurs, aber sie mussten nicht anhalten. Normalerweise wird man dann beschossen. Nur am dritten Checkpoint hielten sie an, und einer fragte: "Hast du die Ware dabei?"

Offen ist weiterhin die Frage, ob die Entführergruppe die Beendigung der Ausbildung von Polizeikräften des Iraks zur Bedingung machte? Wurde diese Ausbildung (in Kuweit) nun beendet? Stimmt es, dass die USA mit ebendieser Ausbildung ebenfalls sehr unzufrieden war, und auf eine Beendigung des Programms drängten, weil die irakischen Polizeikräfte "zu zivil" ausgebildet wurden?

6. Wird ihr ihr Kind von Frau Osthoff weiterhin abgeschirmt, und wenn ja, warum?

7. Was ist da genau los?

+++ Update 06.02. - 19:20 Uhr +++
Derweil wird der BND in Medienkreisen aktiv und streut via ddp (siehe hier beim Focus), Frau Osthoff sei eine "abgeschaltete Quelle", die sich "an keinerlei Anweisungen gehalten" habe.

So sieht sie aus, die Fürsorge der deutschen Bundesregierung.

9 Comments:

At 06 Januar, 2006 15:29, Blogger Hellblazer said...

Woher kommt die in den Medien verbreitete Darstellung, ihr Fahrer habe sie "verraten" bzw. "verkauft" und warum wird dies behauptet, wenn Fr. Osthoff in Interviews diese Möglichkeit völlig ausschließt?

 
At 06 Januar, 2006 15:46, Anonymous C.Lapide said...

Dr. Dean deckt auf: Der Ami war's ;)

 
At 06 Januar, 2006 16:05, Blogger Dr. Dean said...

Wenn man den Pfad dieser Behauptung verfolgt, so stösst man schnell zur FAZ - und damit womöglich in die Nähe der involvierten Geheimdienstkreise.

Ich schließe nicht aus, das können die beteiligten Journalisten dann aber besser sagen, dass dies ein Fall von geheimdienstlichen Nachrichtendesigns sein könnte.

Dagegen spricht m.E., dass unsere Geheimdienste (im Gegensatzu zu angeblich befreundeten Diensten) auf diesem Feld bislang noch keine großen Aktivitäten gezeigt haben (wenn man einmal vom Jugoslawienkrieg absieht).

 
At 06 Januar, 2006 16:06, Blogger Dr. Dean said...

@c.lapide

Ich stelle nur Fragen - völlig offen. Wenn du darauf schlüssige Antworten weißt, dann nur her damit!

 
At 07 Januar, 2006 14:46, Anonymous C.Lapide said...

Nun sie stellen nur Fragen, ja aber Suggestivfragen. Sie versuchen einen Zusammenhang zwischen der Entführung, dem BND und den USA herzustellen. Und wenn Sie irgendwo zurückrudern müssen, dann kommt eine entsprechende Ersatzfrage ("frei bewegen"). Für mich ist das spiegelbildlich zu denen, die "nur Fragen" stellen mit der Intention Frau Osthoff zu unterstellen, ihre Entführung selbst organisiert zu haben. Das halte ich beides für unredlich.

Die Plastikfesseln sind keine Spezialität der USA, sondern sie werden quasi weltweit von der Polizei eingesetzt um bei Großeinsätzen Menschen festzusetzen. Auch in Deutschland. Daß sie erst mit den USA in den Irak gelangt seijn sollen halte ich für eher unwahrscheinlich.

Und was die BND-Lecks mit der Bundesregierung zu tun haben, möchte ich auch mal gerne wissen. Wie man in den USA gerade gesehen hat, kochen die Geheimdienste oder einzelne Mitarbeiter auch gerne ihr eigenes Süppchen. Hier ein Leaking zu Gefangenenflügen, hier ein Leck zum Lösegeld. Solche Lanzierungen der Bundesregierung anzulasten ist meínes Erachtens ein Fehlschluß. Bei sämtlichen Geiselnahmen im Irak, die durch Lösegeldzahlungen beendet wurden, kamen Informationen über die Summe in die Öffentlichkeit, während jegliche Regierung eifrig dementierte. So in Frankreich und Italien.

Dies alles wendet sich übrigens keineswegs gegen Frau Osthoff, die mir zwar als Typ sicherlich nicht sehr sympatisch ist, deren Haltung und Tätigkeit ich aber achte und deren Behandlung durch die Medien ich für verwerflich halte. Jemanden von der Lichterkette für "Susi" zur "irren Rabenmutter" ist wirklich kein angemessen-menschlicher Umgang.

 
At 07 Januar, 2006 21:59, Blogger Dr. Dean said...

Frage:

"Und was die BND-Lecks mit der Bundesregierung zu tun haben, möchte ich auch mal gerne wissen."

Antwort:

Der BND ist Teil der Bundesregierung. Ich glaube nicht daran, das der BND "Informationen" dieser Art (und dann noch an den ddp!!) rein zufällig streut.

Derartige Gerüchteverbreitung seitens des BND stellt Regierungshandeln dar, und es ist wohl ein Schelm, der hier ggf. an das stern-Interview denkt, über das sich Regierungkreise m.E. geärgert haben.

 
At 09 Januar, 2006 16:18, Blogger che said...

Zumal dann hinzukommt, dass Merkel in ihrer Neujahrsansprache das Sich-kümmern der Regierung um deutsche Bürger am Beispiel Chrobog deutlich gemacht hat, aber Osthoff nicht mit einem Wort erwähnt. Das passt einfach alles zu gut zusammen.

 
At 29 Januar, 2006 15:10, Anonymous Anonym said...

Von wem das kommt, ihr Fahrer habe sie verraten und verkauft? Stand zwar in der FAZ, aber wer die Quelle war stand in der Welt am Sonntag,
"Ein Fall, zwei Seiten" von Bruno Schirra: http://www.wams.de/data/2005/12/25/822647.html?s=1

 
At 29 Januar, 2006 23:46, Anonymous timo said...

dr.dean
Derartige Gerüchteverbreitung seitens des BND stellt Regierungshandeln dar, und es ist wohl ein Schelm, der hier ggf. an das stern-Interview denkt, über das sich Regierungkreise m.E. geärgert haben.

Die BND-Gerüchte fanden schon vor dem Stern-Interview den Weg in die Presse.
http://www.wams.de/data/2006/01/01/825488.html

Von den privaten Kontakten zum BND war bereits in der FAZ am 22.12.05 zu lesen, also bevor Osthoff sich in den Medien geäußert hatte.
http://www.faz.net/s/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4/Doc~E63B3EB8E11194405A474DC22680E2C98~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

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