22 Dezember 2005

Vogelgrippe als Geschäft mit der Angst

Ein "vorbeugender" Masseneinsatz von Tamiflu zur Vogelgrippeprävention in Mitteleuropa wäre dumm und dreist. Tamiflu taugt wenig zur präventiven Bekämpfung von H5N1. Genau genommen: Tamiflu taugt für Prävention nichts.


Ein neuer Grund für diese Aussage besteht darin, dass die H5N1-Viren offenbar sehr schnell Resistenzen ausbilden. Wie man in dieser aktuellen Meldung von Reuters oder knapper im Blick lesen kann, häufen sich Resistenzen gegen Tamiflu. Der Verdacht tödlicher Nebenwirkungen, lässt den Einsatz von Tamiflu in der Fläche fraglich erscheinen, zumal hier ohnehin mit starken Nebenwirkungen (10-15%) zu rechnen wäre. Außerdem vermindert sich der Behandlungserfolg bei H5N1 - die Letalitätsrate der mit Tamiflu Behandelten nähert sich immer stärker der Gruppe der Unbehandelten (30-50%) an.


Wenig überraschend ist, dass die Tamiflu-Lobby auf Basis dieser Nachrichtenlage umgehend die Erhöhung (!) der Bevorratung und der Behandlungsdosis empfiehlt.

Wie lächerlich!

Dennoch hat der Hersteller Roche den größten Respekt verdient.

Die Lobbyisten, Öffentlichkeitsarbeiter und Consultants von Roche sind überaus tüchtig. Mit großem Erfolg "bearbeiten" sie Presse, Behörden, Grippearbeitskreise, Entscheider im Gesundheitsbereich usw. usf. Mit Klaus Stöhr als ewig hysterischen Grippekoordinator der WHO haben sie dazu einen kongenialen Promoter. Die Roche-Spezialisten kennen die Trampelpfade zum Erfolg, doch erst dieses Jahr gelang der wirklich große Durchbruch.

So hat Präsident Bush im November Ausgaben in Höhe von 7, 1 Milliarden Dollar für einen Notfallplan verabschiedet, wie Anette Dowideit schreibt, darunter 1,4 bis 2 Milliarden für eine Tamiflu-Bevorratung. Darüber schreibt auch Frank Krüger.

Der Hype macht diese Tamiflu-Umsätze erst möglich.

Das völlig lächerliche "Thema" Vogelgrippe wurde sehr erfolgreich in die Medien gedrückt, Medien, welche an Horrorgeschichten und Angstszenarien durchaus Bedarf haben. Man hätte genauso gut auch die "Schweinepest" oder "Fußpilz" nehmen können. Die Relevanz für Menschen in Mitteleuropa wäre größer. Die Kampagne um eine theoretisch denkbare Pandemie ist blamabel für die Medienlandschaft, welche sich fast widerstandslos instrumentalisieren ließ.

Beispielsweise sagt einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet, Peter Palese zum Virustyp H5N1 "Es hat nicht das Potential, um eine Pandemie auszulösen."* Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die teuer erworbenen Vorräte schon nach 5 Jahren entsorgt werden müssen.

Besäße ich eine ähnliche Firma wie Roche, dann würde ich so vorgehen: Meine Firma lieferte den Medien bestens aufgearbeitete Beiträge rund um die Themen Grippe und Vogelgrippe. Schnell, immer wieder neu, häppchengerecht und auf den jeweiligen Bedarf hin. Betreut. Eingekaufte Experten. Dazu kämen, ähm, Zuwendungen, soweit nötig. Vertraglich vereinbarte "Medienzusammenarbeit". Dafür zahlte meine Firma gern - und im Gegenzug publizieren die Partner pro Monat eine Anzahl von Artikeln über die Vogelgrippe.

Ergebnis: Künstlich geschürte Angst vor Vogelgrippe. Jede Menge Tamiflu-Buzz.

So bekommt man ein Thema in die Schlagzeilen, welches der Sache nach zutiefst lächerlich ist. Obwohl weit und breit keine menschliche Vogelgrippe in Europa droht, obwohl neue Impftechnologie für den unwahrscheinlichen Fall einer humanen Vogelgrippemutation für unser Land ausreichend schnell Impfstoff fabrizieren wird.

Das Geschäft mit der Angst lohnt sich.

Roche und die Experten

Man könnte meinen, dass Roche einen ausgeprägten Sinn für Spitzenexperten hat. Ein exemparischer Fall:

So meldet Transparency International bzw. die TAZ, dass die aktuelle "Wirtschaftsweise" und Beraterin der Bundesregierung, Frau Prof. Beatrice Weder de Mauro gerade Verwaltungsrätin bei Roche wird. Dafür dürfte sie 200.000 Euro pro Jahr erhalten. Vielleicht auch Erfolgsprämien. Roche-Sprecher Daniel Piller erläutert das Interesse des Konzerns an ihr unverblümt mit ihren guten Kontakten in die deutsche Politik.

Frau Di Mauro mit ihren strahlenden blauen Augen ist nicht für Scheu gegenüber Unternehmensinteressen bekannt. Wenn sie z.B. am 08.02.2006 um 10:15 Uhr im Hotel Adlon einen der Hauptvorträge beim Immobilienkongress "Quo Vadis"(PDF) der Firma Breuer Dialog hält, wird sie mutmaßlich nicht über Korruptionsgefahren im Bereich private public partnerships referieren. Eher über Lohnsenkungen und den Abbau von Arbeitnehmerrechten. Ein Herzensanliegen. Einschlägig entlohnt.

Die Tamiflu-Vermarktung in den Vorjahren - ein Beispiel


In den Vorjahren promotete Roche den Einsatz von Tamiflu schwerpunktmäßig für normale Grippe. Das war nicht so erfolgreich. Beispielsweise wurde im Rahmen der Springer-Roche-Zusammenarbeit ein "Gesundheitsexperte" zum Thema Grippe den besorgten Lesern auf einer BILD-Internetseite präsentiert. "Unser Experte". Nicht nur, dass dieser sogenannte Gesundheitsexperte in unvergleichlicher Schwachheit praktisch jede Leseranfrage mit "Tamiflu!" beantwortete, über 80 Mal, nein, diese "BILD"-Seite wurde auch direkt vom Roche-Server gehostet. Natürlich gab es hier keine Hinweise seitens von BILD-Online, dass dieser "Beitrag" reine Werbung darstellen könnte.

Man muss wohl sagen: So läuft das.

7 Comments:

At 22 Dezember, 2005 23:12, Anonymous C.Lapide said...

Und wenn Du jetzt noch die Kurve kriegst und Parallelen zu Kyoto und der Klimahysterie ziehst, kommen wir zusammen. :) Die Mechanismen unterscheiden sich marginal und der Wahrheitsgehalt dürfte ebenso hoch sein :)

 
At 22 Dezember, 2005 23:22, Blogger Dr. Dean said...

Sorry, Kyoto war noch nie mein Thema. Mir ist die Diskussion über Kyoto zu unübersichtlich. Ob CO2 wirklich ein Problem darstellt, nicht einmal darüber traue ich mir ein Urteil zu.

Hingegen finde ich es sinnvoll, auf effiziente Weise externe Kosten zu begrenzen. Ob Kyoto das geleistet hat? Wie auch immer:

Man muss sich immer hüten, sobald so etwas wie eine Panik ausbricht bzw. geschürt wird.

 
At 23 Dezember, 2005 13:51, Blogger Boche said...

Wenig überraschend ist, dass die Tamiflu-Lobby auf Basis dieser Nachrichtenlage umgehend die Erhöhung (!) der Bevorratung und der Behandlungsdosis empfiehlt.


Wie lächerlich!


Der Vorwurf der Lächerlichkeit könnte auf den Verfasser zurückfallen.
Das scheint mir eine Vorgehensweise zu sein, wie man sie auch bei der Anwendung von Antibiotika wählt: Hoch dosieren, damit die Erreger möglichst gar nicht dazu kommen, Resistenzen zu bilden.

Aber, na ja: Ein Pharmakonzern ist natürlich per Definition böse und verlogen. Zum Glück haben die Multis keine Chance gegen den Aufklärer Dr.Dean, der weiß, dass es Vogelgrippe eigentlich gar nicht gibt.

 
At 23 Dezember, 2005 14:33, Blogger Dr. Dean said...

Boch, du reagierst ja regelrecht allergisch. Schön Boche, in deinem Weltbild ist es anscheinend definitionsgemäßg ausgeschlossen, dass Firmen ihre Interessen verfolgen - zum Beispiel, indem sie "ihre" Themen in die Öffentlichkeit pushen.

Wie wäre es, wenn du dich einfach mal mit den Fakten beschäftigst, und die besagen nun einmal, dass "Vogelgrippe" für die Menschen in Mitteleuropa absolut kein Problem darstellt?

 
At 23 Dezember, 2005 14:42, Blogger Boche said...

in deinem Weltbild ist es anscheinend definitionsgemäßg ausgeschlossen, dass Firmen ihre Interessen verfolgen - zum Beispiel, indem sie "ihre" Themen in die Öffentlichkeit pushen.

Keine Ahnung, wie du zu diesem Schluss kommst.

Wie wäre es, wenn du dich einfach mal mit den Fakten beschäftigst, und die besagen nun einmal, dass "Vogelgrippe" für die Menschen in Mitteleuropa absolut kein Problem darstellt?

Weil Asiaten und ihr Geflügel irgendwie genetisch anfälliger gegen diesen Erreger und dessen mögliche Mutationen wären?

 
At 23 Dezember, 2005 15:20, Blogger Dr. Dean said...

Nö, ich dachte eher Fakten wie die überaus geringe Erkrankungswahrscheinlichkeit. 73 Tote weltweit in 2005. Okay, schon doof irgenwie, aber nicht ganz so gefährlich wie z.B. der Golf GTI.

Überhaupt: Sollte sich der extrem unwahrscheinliche Fall ereignen, dass sich auf Basis von H5N1 ein völlig neuer Grippesubtypus entwickelt UND dieser Typus deutlich überdurchschnittlich gefährlich ist UND in sich schnell über menschliche Übertragungswege verbreitet UND sehr empfindlich und nicht zu Resistenzen gegenüber Tamiflu sein sollte, DANN:

==> wäre eine Massenimpfung immer noch weitaus
(a) günstiger und
(b) wirkungsvoller.

Mit dem gleichen Recht, mit dem man für die Prophylaxe (dieses Wort gelesen Boche?) Tamiflu fordert, könnte man z.B. auch eine Pockenprophylaxe fordern.

Oder eine Fläclhenprophylaxe gegenüber praktisch jeder höchsttheoretischen Gefahr, aber, um der Krone die Spitze aufzusetzen, mit einem Mittel, das im Ernstfall praktisch völlig untauglich ist.

Boche, wussest du nicht, dass Tamiflu außerhalb eines klinischen Einsatzes der letzte Dreck ist?

 
At 28 Dezember, 2007 00:30, Blogger Moonlightkid said...

Naja...

passend werden wieder Vogelgrippe und ähnliche Visionen der Pandora rechtzeitig veröffentlicht. Haha.#

Ob ich den Medien glaube? Wohl nicht. Leider sind mir ein paar wichtige Aspekte bekannt.
EINFACH gesagt: Kohle zählt!

Sucht doch mal einen VOGELGRIPPEVIRUSSPEZIALISTEN!!!
Und fragt doch mal, öh - und nun?

Toll!

Erstmal Schweinepest, Maul- und Klaunseuche, Vogelgrippe, Tripper??

Ach ja, Grippe...
Ist eigentlich irgendjemand klar, dass die Grippeimpfungen mit alten Viren genötigt werden?
Yo - die halbtoten Viren erledigen uns mit einer halben Virusinfektion.
War von Euch schon einer HALBTOT?

Haha!

Mann, die Wirtschaft schafft uns in die Wirtschaft wo der Wirt schafft...

Harrharr!

Mann ist das Thema doof!

Ihr könnt Euch über das Thema aufregen - hehe - und was hilft's?

Eine Erektion? Nee, nich ohne Viagra - oder schafft es WIRKLICH einer von Euch ohne?

Fangt an die Nachrichten gegenzulesen, auch wenn es dauert.
Fangt an darüber nachzudenken... und Ihr kommt selbst auf einige Ergebnisse - tja, und jetzt?

ÄUSSERN!

 

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