25 Oktober 2005

Pressefreiheit und ökonomische Partikularinteressen

Für mich stellen sich im Pressemarkt völlig andere Fragen als die, die sich in Bezug auf das Holtzbrinck-Geschäft (s.u.) ergeben:

Kann man erreichen, dass die Meinungsvielfalt grundsätzlich etwas weniger stark von partikularen Geldinteressen bestimmt wird? Was haben wir davon zu halten, wenn Verleger sich zu politischen Kampagnen verabreden, den Bürger instrumentalisieren, wenn für Tamiflu eine von Lobbyisten bezahlte Grippehysterie (führend dabei: SPIEGEL und BILD) fabriziert wird, wenn Pressearbeit zunehmend wiederkäuend und deformierend ist, statt recherchierend und informierend?

Wie kann der Bürger mit seinem Anliegen genügend Öffentlichkeit erhalten?

Ist eine fast ausschließlich nach Geldinteressen organisierte Presse- und Medienfreiheit wirklich das Optimum, dass wir uns für unsere Demokratie wünschen können? Sind Täuschung und Unausgewogenheit seitens von Leitmedien hinnehmbare Erscheinungen, sobald dahinter mächtige ökonomische Interessen stehen? Falls nein: Wie lauten die Alternativen? Mehr ARD und ZDF? Thinktanks? Akademien? Ethische Standards? Zuschüsse und Preise für gute Recherchearbeit?

Ich weiß es nicht, jedenfalls halte ich die "offenen Kanäle" der Blogs schon einmal für einen guten Ansatz. Wenn hier noch ein paar qualitätsfördernde Dinge geschehen, dann wäre etwas erreicht.

P.S.
Informationen zur weltweiten Lage der Pressefreiheit findet man: hier. Sehr lesenswert!

1 Comments:

At 14 November, 2005 00:56, Anonymous C.Lapide said...

Der ÖR gibt bezüglich Objektivität kein wesentlich besseres Bild ab als die Privaten. Und auch ökonomische Partikularinteressen vermag der geneigt Hörer erkennen, wenn ihm im Rundfunk um 24h zu gesagt wird: Leider müssen wir Sendeschluß machen, weil die Geührenerhöhung zu niedrig ausgefallen ist. ;)

Bislang hatte die etablierte Presse den Vorteil auf geschulte Profis zurückgreifen zu können, die gelernt hatten, Meinung von Bericht zu trennen, die über ein gewisses Allgemeinbildungsniveu verfügten, das ihnen ermöglichte, Informationen zu prüfen und zu selektieren. Dazu kan noch eine journalistische Standesethik die dem neutralem Bericht (als unerreichbarem Ideal) verpflichtet war. Leider sehe ich in all diesen Bereichen zunehmend größerwerdende Defizite. Die Allgemeinbildung der Journalisten ist oftmals erschreckend niedrig, der Umgang mit dem Handwerkszeug Sprache bestenfalls schludrig. Wie Sie schreiben werden Nachrichten wenger recherchiert als wortwörtlich von den Agenturen übernommen. Diese liefern nciht umsonst seit einigen Jahren statt Tickermeldungen ausformulierte Artikel.

Inwieweit Blogs hier einen Ausgleich bringen können ist fraglich. Schon aus Zeitgründen ist ein professionell aggregiertes und redaktionell bearbeitetes Medium lesefreundlicher als eine Blogroll. Aber vielelicht können Blogger als ein Korrektiv zu den etablierten Medien wirken, die durch die sinkende Qualität ihrer Produzenten stets fehleranfälliger werden.

 

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