11 März 2011

Ein Tarifabschluss zum Mäusemelken

Das wurde für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder vereinbart:

Für eine Laufzeit von 24 Monaten gibt es zwei Erhöhungsschritte. Im ersten Jahr gibt es einen Lohnzuwachs in Höhe von mickrigen 1,5 Prozent, im zweiten Jahr 1,9 Prozent plus einen Sockelbetrag von 17 Euro, was (bezogen auf ein statistisches Durchschnittseinkommen) in etwa 0,6 Prozent ausmacht. Pro Jahr beträgt die vereinbarte Lohnerhöhung (gemittelt) also 2 Prozent, was unterhalb (!) der aktuellen Inflationserwartungen liegt, die für 2011 bei 2,5 Prozent und 2012 bei 2,4 Prozent liegen (siehe hier). Ergebnis ist also ein Reallohnverlust, der wegen der Gesundheitspolitik Röslers (FDP) für die Beschäftigten nochmals gesteigert wird.

Betroffen von diesen Tarifverträgen sind rund 600.000 Menschen, darunter 200.000 angestellte Lehrer, sowie 120.000 Hochschulbeschäftigte. Überdies soll dieser Tarifvertrag als Vorlage für die Landesbeamten dienen. Der objektive Missstand, dass neueingestellte Lehrer in vielen Bundesländern immer seltener einen verbindlichen Eingruppierungsvertrag erhalten (woraus in der Konsequenz deutlich untertariflich angesetzte Entgeltstufen folgen, oft nur 11 und 13 des TVöD-L) wurde vom VERDI-Verhandlungsführer Bsirske weiterhin geduldet - zur sehr großen Freude der Arbeitgebervertreter, welche auf diese Weise Lohneinsparungen in Höhe von rund 25 Prozent im Vergleich zu identisch tätigen Beamten erzielen.

Die sogenannten "Einmalbeträge" des aktuellen Tarifvertrages, lasse ich dabei unberücksichtigt, erstens, weil diese Beträge ein Witz sind im Vergleich zu den fortgeschriebenen Einschränkungen bei Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld, zweitens, weil diese Beträge ohnehin in der nächsten Tarifrunde fortfallen und somit nicht langfristig gehaltswirksam sind.

Für die vorherige Tarifperiode gab es hingegen noch eine Erhöhung von 5,6 Prozent (d.h. 40 Euro Sockelbetrag plus 4,2 Prozent für 24 Monate Laufzeit - siehe hier) bzw. 2,8 Prozent pro Jahr. Im Vergleich zur Vorperiode erklärt sich auch, warum der Verhandlungsführer für die Arbeitgeber (TdL), Hartmut Möllring, diesmal von besonders "fairen Verhandlungen" in einer "konstruktiven Atmosphäre" sprach.

So kann man es auch sagen...

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