08 August 2010

Gedanken am Sonntag Morgen

* Komisch, ich schreibe hier so gut wie nichts mehr - aber die Zahl der Abonennten steigt?! Scheint also ein gutes Rezept zu sein...
* Habe einen schönen Titel für einen Film: "Die Meute"
* Ayn Rand ist sowas wie eine frühe Ausgabe von Ann Coulter für politische Literatur, angereichert mit einem Extraschluck wildesten Antikommunismus, der sich als Philosophie tarnt
* Fühle mich gut - und abgesehen von ein paar gesundheitlichen Malaisen plagt mich im Moment rein garnichts - sogar die schwer verheilenden eiternden Wunden, die mir seit Monaten zusetzen, machen ernsthafte Ansätze, zu verheilen - damit ich dann was vom Spätsommer habe. Geil!
* Meinem Schwarm junger Purpurprachtbuntbärsche geht es prima. Die Kleinen sind teils schon über 2 cm lang und aus dem Gröbsten raus. 21 junge Burschen und Burschinnen, hach, und prächtig sind sie auch schon! Vielleicht mache ich ein kleines Youtube-Filmchen dazu.
* Wie unglaublich unterschiedlich verschiedene Foren- und Internet-Gemeinschaften doch sind! Bin ich an dem einen Ort hoch geachtet, sodass sogar die größten Rüpel höflich und freundlich mit mir sind, gelte ich andernorts nahezu als Verkörperung all dessen, was bekämpfenswert ist. Es fehlt nicht mehr viel, und man wirft mir vor, nächtens Kinder zu rauben, um aus ihnen magische Kekse zu backen. Zu komisch - beides.
* Ich werde wohl alt. Neuestes Zeichen: Leute, die mir übel wollen oder mich als Gelegenheit zum Anstimmen von Spottgesängen nutzen, rufen bei mir Mitleid hervor. Ich will dieses Mitleid nicht empfinden, lieber wäre mir sowas wie Verärgerung. Aber kann nicht. Das muss das Alter sein. Oder etwas anderes, vermutlich genauso wenig Erfreuliches, dass sich in mir als etwas Angenehmes tarnt. So geht es mir nämlich auch mit den Älterwerden - ganz generell. Sogar die gesundheitlichen Probleme ändern dieses Gefühl nicht.
* Wenn man Niederlagen und die Einsicht in eigene Fehler als echten Gewinn empfindet: Ist das bereits Demut, oder anfänglicher Wahnsinn?
* Zu den erstaunlichsten und schönsten Entdeckungen der letzten Monate gehört der Hunger. Ich habe mir irgendwie angewöhnt, nur noch zu essen, wenn ich wirklich hungrig bin - am besten hungrig schon seit einigen Stunden. Seitdem nehme ich ab, ganz ohne Anstrengung. Und diesen Hunger, in Maßen: Den empfinde ich sogar als Steigerung der Lebensqualität. Mal sehen, wohin das führt - bislang sind es 16 Pfund weniger.
* Ach, es macht mir so eine Freude, meiner schlechten Neigung zu barocken Ausdruck ungehemmt nachzugeben. Wenn ich das, was ich dann schreibe, von jemand anderen lese, dann würde ich den Betreffenden erst einmal für völlig bekloppt halten - ganz unbarock formuliert. Ich denke, dass sind die Spätfolgen des einstigen Bücherkind-Daseins.
* Wie unterschiedlich diesige Sommer-Sonntagmorgen doch sein können! Dieser heute ist wunderschön.
* Was wäre eigentlich, wenn "die Wirtschaft" uns weniger schulmeistern würde? Wenn z.b. in politischen Talkshows nicht die immergleichen Verbandsfunktionäre der Wirtschaft säßen, sondern regelrecht geistreiche Menschen?
* Gestern Abend versehentlich in einen Film mit Steven Seagal reingezappt. Unerträglich. Alles. Wie macht der das bloß? Und während ich gerade durchs Internet treibe, eine Wikipedia-Seite über ihn lese, erfahre ich, dass er auch noch Musiker sein soll. Auch das noch! Wird wohl was "sehr Männliches" sein, sehr amerikanisch, vielleicht irgendein verstaubter Heavy Metal-Kram. Jedenfalls verstaubt.
* Knapp daneben: Country mit diversen Einflüssen, v.a. Blues und Reggae. Den Song, wo er ein Gespräch mit seinem Hintern besingt (sofern man das noch als Gesang durchgehen lassen kann) fand ich jedenfalls zum Kotzen. Es bleibt dabei: Seagal ist ein Phänomen der Widerlichkeit - für mich.

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9 Comments:

At 10 August, 2010 04:51, Anonymous Anonym said...

"Wenn man Niederlagen und die Einsicht in eigene Fehler als echten Gewinn empfindet: Ist das bereits Demut, oder anfänglicher Wahnsinn?"

Nein, Demut nimmt die Einsicht in die eigenen Fehler gewissermaßen vorweg, und dann hast du es nicht mehr nötig, sie als Gewinn abzubuchen. Demut ist meiner Erfahrung nach ein gutes Mittel gegen Eitelkeit sowie Masochismus. Und Selbstüberschätzung und Selbstquälerei, die sich manchmal gegenseitig bedingen, wenn z.B. das eine das andere kompensieren soll, können sogar krankhafte Züge annehmen, denn daraus kann schon mal eine Art Teufelskreis entstehen. Insofern ist Demut das genaue Gegenteil von Wahnsinn. Alles leicht gesagt. Um zu wahrer Demut - ohne es als Erfolg sich anzurechen, wie demütig man sei - zu gelangen, wäre also eine demütige Haltung erforderlich ... Es andererseits als Hybris zu empfinden, sich in Demut üben zu wollen, kann wiederum, sofern dies insofern selbstquälerisch ist, dass man sich vorwirft, sich so rausreden zu wollen, ein Mangel an Demut bedeutet. Aber Demut hilft bestimmt, gewisse Fehler zu vermeiden, ohne über sich selbst deswegen Gericht sitzen zu müssen, dass man sie begangen hat - oder gerade deswegen.

demütigste Grüße von Unbekannt

 
At 10 August, 2010 21:57, Blogger John Dean said...

Na, so weit bin ich noch nicht - vielleicht müsste ich da erst noch vom Yedi-Meister Yoda instruiert werden...

Ich brauche i.d.R. Zeit für Einsicht, besonders auch dort, wo ich mich verrannt habe. Das billige ich auch anderen Menschen zu - und fände es unnatürlich, wenn ein Mensch auf einer Stufe sein sollte, dass er alle seine Fehler "vorweg" kenne würde - und darin Einsicht hätte.

Nein, Übermenschentum gehört nicht zu meinen Zielen. Aber ein kleiner Zugewinn an Klugheit, Fähigkeit, Umgänglichkeit, Gelassenheit, Tatkraft - ja, und auch Demut - das klingt für mich erstrebenswert.

So wie ich es sehe, hat ein jeder Mensch seine besonderen Stärken und Schwächen - und diese zeigen sich unter unterschiedlichen Bedingungen in unterschiedlicher Gestalt. Mitunter kann ein Mensch völlig verwandelt erscheinen, obwohl sich vielleicht nur wenige Dinge geändert haben.

Das heißt auch, sowohl für mich als auch in der Betrachtung anderer, dass ich immer nur einen kleinen Bruchteil sehen und erkennen kann - und meist auch nur eine Momentaufnahme, und davon wiederum nur einen kleinen Ausschnitt.

Ich werde nie dazu kommen, all das irgendwie vorweg nehmen zu können. Ich bin sogar dankbar dafür.

 
At 11 August, 2010 14:28, Anonymous Robin Renitent said...

He is alive. Na prima.

(Dann kann ich mich ja gelegentlich weiter ärgern :)

Beste Grüße, RR

 
At 11 August, 2010 14:50, Anonymous Anonym said...

So wörtlich meinte ich das mit der Vorwegnahme ja gar nicht. In bestimmter Weise kennt man aber die eigenen Fehler aber vielleicht doch, nämlich irgendwie unbewusst. Fehler - übrigens ein blödes Wort, selbstverständlich ist niemand unfehlbar -, die man nicht wahr haben will, was dafür verantwortlich ist, dass man sich immer wieder "verrennt", oder was da noch für andere Mechanismen wirksam werden.

Einsicht in sog. Fehler kann - du merkst schon, ich bin hier ziemlich auf ´m therapeutischen Trip - mitunter Jahre Dauern. Klar. Aber es geht gar nicht darum, solche anderen oder sich selbst zuzubillgen.

Warum so pessimistisch sein? Was interessiert es mich, wovon andere glauben, dass es ihre eigenen Unvollkommenheiten sind? Es geht auch nicht um ein mühseliges Unterfangen, irgendwelche "Fehler" bei sich selbst zu entdecken. Nichteinmal darum, sie sich selber verzeihen zu können, oder anderen. Nicht darum, quasi mit dem Rechenschieber aufzurechnen: "Fehler gemacht, 2 Punkte runter, Fehler eingesehen, zwei Punkte rauf". Naheliegend wäre vielleicht das "Sich-Akzeptieren", das "Sich selber-Lieben", um sich keine Vorwürfe zu machen, was wieder Anlass gäbe, sich erneut in irgendwelcher seelischer Wirrnis zu verstricken. Das meine ich auch nicht.

(Warnung, denn je länger ich darüber nachdenke, desto esoterischer wirds bei mir.)

Ich meine eine gewisse Demut sich selbst gegenüber, d. h. bei der Selbsterkenntnis nicht vor sich selbst zu erschrecken: Welch ein vollkommenes Wesen man doch ist! Die Fehlerchen, die man so begeht, sind dann nurmehr das Salz in der Suppe, klar, die werden registriert, sind dann jedoch höchstens eines milden Lächelns wert. :-)

 
At 11 August, 2010 18:06, Anonymous che2001 said...

Was eine bestimmte Auseinandersetzung angeht, so ist in den letzten Tagen deutlich gesagt worden, was wie gemeint ist - ohne Schmutz und Hintertücke.

 
At 12 August, 2010 01:13, Anonymous Anonym said...

fandest du das hintertückisch?
dann hast du die intention von mir nicht verstanden.

 
At 12 August, 2010 22:56, Blogger John Dean said...

Wenn es gut läuft, läuft auch der Erkenntniszugewinn (bzw. das, was man dafür hält) weiter - und genauso kann es auch mit einem oder mehreren Dialogen sein, auch dann, wenn hier und da auch Streit aufflammte.

Che, das ist ein Punkt, der mich am Taoismus fasziniert: dass eben nicht ein irgendwie geartetes Nichts gesucht wird, auch keine Vollkommenheit - sondern mehr die Bewegung. Und obwohl ich nun wirklich aus einer anderen Richtung komme, der dort verwendete Demut-Begriff, der nichts Unterwürfiges hat, nichts Aggressives - auch sich selbst gegenüber - den finde ich sehr ansprechend.

Ich denke, ich werde mir das Quellbuch des Taoismus noch einmal vorknöpfen. Angenehme Begleiterscheinung des Lesens ist das Gefühl der inneren Befreiung und Ruhe, das ich dabei immer habe - und auch immer neue Einsichten bzw. Ideen.

Gerade das, was zunächst klar schien, aber auch das bislang Unklare können hier eine Inspirationsquelle sein.

Ich mag das sehr.

 
At 16 August, 2010 18:04, Anonymous Karsten said...

Hey, hier tut sich wieder was, wie schön. Ich muss ganz ehrlich sagen, lieber Dean, dass ich heute hierher gekommen bin, um mal nachzugucken, ob Du den Ratschlag befolgt hast, den dir jemand in der "besagten Diskussion" gegeben hat: Wieder zu den scharfsinnigen Analysen in diesem Blog zurückzukehren, anstatt Streitereien in anderen Blogs allzu offensiv zu betreiben. Ich werde jedenfalls hier wieder zum Stammgast werden, wenn Du wieder ein Stammautor werden solltest. :)

 
At 16 August, 2010 21:45, Anonymous Onno said...

Das mit den Eiterpickeln erledigt sich ganz von selbst, wenn die FDP nachhaltig (jo, hier macht dieser Begriff so richtig Sinn) unter 4 Prozent ist.

 

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