31 März 2008

Das hier fühlt sich beim Lesen fast so an, als ob im SpOn die Revolution endgültig ausgebrochen sei:
Flughäfen sind komplexe Systeme, die dem Allgemeinwohl dienen sollten und nicht den Profiterwartungen von ein paar Aktionären. Genau diese Weichenstellung ist im Großbritannien Margret Thatchers mit seinen wahnhaften Privatisierungen falsch justiert worden. Über Jahrzehnte hat sie zu Auswüchsen geführt, die nur noch als bizarr beschrieben werden können.
So frank, frei und zensurfrei schreibt Thomas Hüetlin aus London. In unmittelbarer Umgebung klagt Alexander Neubacher über die selbstgerechte Untätigkeit von Ärtztefunktionären. Ich kann noch garnicht glauben, dass ich das da eben gelesen habe.

12 Comments:

At 31 März, 2008 22:15, Anonymous Jochen Hoff said...

Och, da wird wohl die nächste Entlassungswelle anstehen. Das gibt dann immer den Mut der Verzweiflung. Da lässt sich noch viel in den Redaktionen straffen, bevor man den ganzen Kram dann in Indien schreiben lässt.

 
At 31 März, 2008 23:20, Anonymous Anonym said...

Dean, ich habe diese Artikel heute auch gelesen, und das gleiche gedacht, wie du. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Sommer, aber ich hoffe mal, dass Jochen mit seiner Vermutung falsch liegt. Wäre sehr schade.

Gruß
Ben

 
At 01 April, 2008 00:47, Anonymous flatter said...

Da hat der Jochen Hoff mir doch glatt die Pointe versaut. Ich unterschreibe das dann mal.

 
At 01 April, 2008 15:12, Anonymous Anonym said...

Ein Link wär nett, kann das nicht finden.

 
At 02 April, 2008 11:53, Anonymous Anonym said...

Gibt es jetzt ein neues SPON, oder meint ihr dieses beliebteste Nachrichtenportal im Internet, das jeden Tag einen Artikel und eine neue Umfrage darüber bringt, dass Kurt Beck ein schlechter Mensch ist und die SPD in den Abgrund reisst.

Da wird heute nämlich schon wieder gesteinmeiert, was das Zeug hält.

Spin-SPON hat sich vorgenommen, Beck zu stürzen und Steinmeier als "Kanzelerkandidaten" bzw. netten Verlierer in der GroKo durchzusetzen. Sowas ist ja auch die Aufgabe eines Nachrichtenmagazins, klar. Deswegen sind die Redakteure ja auch demokratisch gewählt, und nicht von Bertelsmann handverlesen.

Da sitzen eben helle Elite-Köpfe beim SPON, die müssen den dummen Bürger eben bischen zu seinem Glück schubsen: Gefakte Umfrage vom Schröder-Kumpel hier, "Analyse" auf Bild-Niveau da, bis es auch der Blödeste kapiert hat. Wie damals, als sie Merkel so plump pushten.

Und nebenan erfährt man in riesigen Klickibunti-Flash-Anzeigen, was man sich so zu kaufen hat. Kommuniziert werden hier wie dort ANweisungen ans dumme Volk.

Und ihr geratet schon ganz aus dem Häuschen, weil da mal paar kritische Zeilen eines Auslandskorrespondenten zum Privatisierungsschwachsinn in GB in einem Artikel standen? Ihr seid ja süß. Wo ist denn der Artikel hin? Das war doch nur das Feigenblatt, mit dem sie ab und zu bischen Pluralismus heucheln, weil es sonst einfach zu offensichtlich wäre, was sie größtenteils tun.

Nennt man übrigens "Agenda-Setting", diese ganze Beckmussweg-Nummer, und ist auch ganz gut erforscht: Nicht mehr Bürger oder SPD-Mitglieder, nicht demokratische Prozesse, sondern aufgeblasene Pseudo-Eliten von Medienkonzerns Gnaden setzen die Diskussionsschwerpunkte für die Gesellschaft, über die der Pöbel dann hinterher, z.B. in den hauseigenen Foren vielleicht noch bischen "diskutieren" darf. Geredet wird nicht über die misslungene Agenda, über 13 Jahre Versagerpolitik und den Niedergang der SPD, über mehrheitlich abgelehnte Bahnprivatisierung oder über den Sinn solcher bescheuerter Reformen - sondern über Beck. Das Ergebnis steht dabei längst fest, und jeder kennt es.

Zu anderen Zeiten äusserten sich Politiker und Intellektuelle auch mal besorgt über diese Dinge, heute gilt dies als altmodisch und auch wenig profitabel auf dem Karriereweg.

 
At 02 April, 2008 12:18, Anonymous Anonym said...

Nachtrag: Und der grösste Witz ist ja, dass all die Steinmeierei und Mitte-Anbiederei der Seeheimer und Netzwerker sowieso in den Wind geschrieben ist: Wenn es irgendwie dafür reicht, gibts 2009 Jamaika oder gleich schwarzgrün, und dann wird endlich, mit modernem Ökotouch dann, "durchregiert", ohne lästiges Sozialklimbim, nicht mal mehr als Worthülse, ihr SPD-Helden. Aber mit euch kann mans ja machen, siehe SPON, Stern und Güllners Forsa-"Umfrageergebnisse" unter SPD-Anhängern. Brav, gut gemacht, schön das Stöckchen geholt. Guter Hund.

 
At 02 April, 2008 17:05, Anonymous Anonym said...

An den Vorposter: Geht's noch? Du hast doch den Arsch sperrangelweit offen. Nenne mich einmal öffentlich SPD-Hundchen, und du kriegst eine gescheuert, das es kracht. Und zwar vollkommen unabhängig davon, ob du mich normalerweise friedlichen Menschen danach platt machst oder nicht.

Was bist du doch für eine feige, besserwisserische Kotztüte. Ohne Anonymität würdest du das nie wagen.

Gruß
Ben

 
At 02 April, 2008 17:30, Anonymous Anonym said...

An den "Ben":
Hallo, hallo, komm mal runter, also erstmal haben wir alle mal gelernt, dass man sich mit Worten wehrt, und sich nicht gegenseitig "eine scheuert", und zweitens war das doch offensichtlich an SPD-Mitglieder/Anhänger ("-Helden") gerichtet, nämlich speziell solche, die sich in solchen Stern-Unfragen so äussern und ihre entsprechende Meinung zuvor bei Spon beziehen und 2009 tatsächlich auf einen Steinmeier-SPD-Sieg hoffen. Dachte ich, nun bin ich da nicht mehr so sicher, da ist wohl irgendwas irgendwie völlig anders angekommen.

"Eure" (Dr D. und die Kommentierer hier) Euphorie wegen dem Hauch an Kritik fand ich dagegen "süß", aber auch dafür muss man mir nicht gleich verbal eine scheuern wollen. Und anonym ist irgendein Ben genauso, und was zählen sollte, ist doch der Inhalt, und nicht wer... usw.

Im Übrigen - Ja, ich kenn das ja auch, das man denkt, hey, etwas ändert sich, bei Spon kommen jetzt ja unterschiedliche Stimmen und Ansichten zu Wort, und der Frühling ist jetzt ja auch da, usw., aber sorry, dass bei Spon in punkto SPD-Kurs einfach nur noch unverhohlener Kampagnenjournalismus passiert, in immer der gleichen Stoßrichtung, ist doch offensichtlich.

Aber ich sollte wohl aufhören, mich darüber zu ärgern, oder meinen Ärger zu verbalisieren, oder das hier zu tun. Keinesfalls lag mir daran, jemanden wie dich dazu zu bewegen, mir nun virtuell Schläge anzudrohen, und sich in Schimpftiraden zu ergehen. Ich stelle nochmal ausdrücklich fest, dass ich hier weder SPD-Anhänger in den Kommentaren vermutete, noch SPD-Anhänger für grundsätzlich bescheuert halte, und mich ansonsten Kommentaren hier zukünftig wohl lieber enthalte.

Dafür lese ich nämlich zu gerne mit hier im Blog und der Kommentarspalte, und schätze die Offenheit an der Möglichkeit, "anonym" kommentieren zu können. Das finde ich nämlich wirklich liberal im besten Wortsinne. Ansonsten: :( Sorry und Bye

 
At 02 April, 2008 19:29, Anonymous maternus said...

@ jochen hoff:

Nö, bei Spon hat's noch überhaupt keine Entlassungswelle gegeben und es steht auch keine an. Im Gegenteil, die stellen kontinuierlich neu ein.

 
At 02 April, 2008 22:51, Anonymous Anonym said...

An den anonymus, mit dem ich da diskutiert habe:

OK. Danke für die Klarstellung. Dann hab ichs falsch aufgefasst. Ja, ich bin da reizbar, und empfinde die Bezeichnung SPD-Mitglied oder -Wähler mittlerweile als eine ganz erheblich schwere Beleidigung.

Ansonsten ist Zurückhaltung generell nicht allzu dumm. Klar, hier dürfte jedem klar sein, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Es gibt sie, gab sie, und wird sie immer geben, die anderen Artikel beim Spiegel. Gab es sogar schon, als das Blatt noch ein Nachrichtenmagazin war. Nur, und das ist eben neu, gibt es beim Spiegel offenbar eine kleine Perestroika, dass solche Artikel wie die genannten überhaupt wieder geschrieben werden.

Angesichts der Ereignisse im Konzern stellt sich eben die Frage, ob da eine grundsätzliche Richtungsänderung bevorsteht. Dass dieses Blatt und die alte Seilschaft bis es soweit ist, noch Dreck aus allen Rohren schießt, ist unbestritten.

Ich persönlich halte es übrigens für relativ irrelevant, ob nun Beck oder Folter-Steinmeier intern an die Macht kommen. Von denen wird keiner Kanzler. Die Seeheimer-SPD wird mit ihrem Benehmen im Keller der 20er-Werte versinken.

Ein Jamaika mit nennenswerten Korrekturen seitens der Grünen empfinde ich persönlich übrigens nur als hilfreich. Politisch macht das nämlich keinen (!) Unterschied zu Rot-Grün, außer dass die CDU vermutlich stärker darauf achtet, nicht total asozial zu handeln. Die Realpolitik der großen Koalition ist bereits linker, als das, was Rot-Grün mit den absoluten asozialen und psychopathischen Egomanen an der Spitze vorher fabriziert hat, und das liegt weitgehend an der CDU, schon weil die einen Selbsterhaltungstrieb haben.

Die Asozialdemokraten der Seeheimer-SPD erfahren so aber die einzige Sprache, die sie verstehen: Gewalt. Gewalt in Form eines brutalen Machtentzugs. Ich halte Jamaika für das beste Projekt, um einen Linksruck zu initiieren, bei SPD und bei den Grünen. Die Seeheimer wissen das, und haben eine Heidenangst davor.

Über die SPD lässt sich wieder reden, wenn sich Leute von Frau Ypsilantis Schlag durchgesetzt haben. Und über den Spiegel, um zum Thema zurückgekommen: Wir haben ein paar Schwalben gesichtet. Mehr nicht, und das wissen wir auch. Trotzdem freuen wir uns über diese Vögel. Niemand läuft hier rum und schreit "Sommer, Sommer!".

Gruß
Ben

 
At 03 April, 2008 20:14, Anonymous Anonym said...

An den Ben nochmal: Sehe das sehr ähnlich, die ganze Aufregung war also unnötig. Auch, was den nötigen Erneuerungs- und Denkprozess der SPD in der Opposition angeht. Wenn ich heute lese, dass die gesetzeverfassenden Lobbyisten in den Ministerien unter und von Schröder dorthin eingeladen wurden, noch mal umso mehr. Nur finde ich eine weitere Aufweichung von Arbeitnehmerrechten oder ähnliche "Reformen", die sich Mdm. Merkel und Teile der CDU so erträumen, oder das Durchpeitschen des EU-Vertrags auch nicht sonderlich prickelnd. Das ist ja Schröders Agenda-Rede in einem Satz: "Mit der CDU wärs noch schlimmer". Zumindest nicht viel anders. Und die Grünen nun als Korrektiv? Man wirds in Hamburg sehen, was das so bringt. Sind dann halt 4 Jahre, in denen wir alle altern und sich sonst nicht viel zum Guten ändert -

Aber die SPD hats echt so richtig vergeigt, wenn man eine CDU ohne SPD nun eigentlich auch nicht mehr viel schlimmer findet, das sollte manchen da mal langsam überlegen in den nächsten 5 Jahren, ganz genau. Hm, Staatsbürgerschaftsrecht reformiert, Irakbeteiligung abgelehnt, und Solarzellen, sehr viel mehr positives fällt mir spontan gerade nicht ein zu diesen Schröderjahren, und ja, ich finde das erschreckend, ich kann mich gut an die Zeit nach deren Wahlsieg über Kohl erinnern, und was es im Bekanntenkreis so für unspezifische Hoffnungen auf allgemeine gesellschaftliche Änderungen gab. Und was dann stattdessen alles kam, und wie es so durchgesetzt wurde. Die Grünen übrigens immer mit dabei, nicht vergessen.

Vielleicht wäre einfach mal ein Generationenwechsel wieder angesagt, in allen Parteien, nachdem die 67/68-Generation ja nur noch von der Tribüne aus leicht resigniert zuschaut, und die pragmatisch-zupackenden "Realisten" deren einzige "Vision" nur "Markt" hieß, aus dieser 89-Generation, uns erst dahin gebracht haben, wo wir nun heute stehen. Sofern man das überhaupt in solchen vereinfachenden Schemata ausdrücken kann - in meiner Generation sehe ich wieder paar ganz gute Leute, und zwar bei rot-rot-grün. Leute mit Ideen aus diesem aktuellen Jahrhundert, und nicht aus dem letzten.

Wie auch immer:

Wünsche ansonsten noch anregende Diskussionen hier, adieu.

 
At 04 April, 2008 14:17, Blogger Dr. Dean said...

--- schnipp ---
Ben schriebb: "Nur, und das ist eben neu, gibt es beim Spiegel offenbar eine kleine Perestroika, dass solche Artikel wie die genannten überhaupt wieder geschrieben werden."
--- schnapp ---

Ja, schöner hätte ich es kaum sagen können. Natürlich schreibt Reinhold Mohr immer noch vollenthemmt seine Antisozialstaatshetze, natürlich wird noch gegen "den" Islam gebrodert.

Aber die Gewichte scheinen sich im SPIEGEL ein wenig verschoben zu haben. Es kommen wieder Stimmen zur Geltung, im Magazin und bei SpOn, die vorher auf Eis gelegt waren. Und, vielleicht täusche ich mich da, einer wie Steingart (der mit seinen Artikeln immer auch ein wenig die Machtlage innerhalb des SPIEGEL berücksichtigen muss) schreibt neuerdings vorsichtiger, zurückhaltender. Fast merkt man an seinen Artikeln schon nicht mehr, dass er eigentlich die reaktionäre "pro-westliche" Ideologie verbreiten möchte.

Es verschiebt sich etwas.

@ "Spin-SPON hat sich vorgenommen, Beck zu stürzen"

Ja.

Aber schon bei Malzahn bin ich mir nicht mehr so sicher, ob er das wirklich noch möchte. Persönlich - das ist gar keine Frage. Er wird auch weiterhin denen freie Hand lassen, die Beck und die SPD runterschreiben wollen und denen den Zugang zum Blatt verwehren, welche sich über die unangemessene Rechtslastigkeit und kritiklose Wirtschaftsliberalität der SPD-Fraktion (Seeheimer Kreis und
Netzwerker) lustig machen würden.

Trotzdem: Es gab eine Zeit, da wurde fast jegliche Kritik an neoliberalen Dogmen aus dem Blatt editiert.

Und weil das heute nicht mehr so gilt, halte ich es für eine bemerkenswerte Änderung.

Ich persönlich finde es generell wichtig, dass sich unterschiedliche Stimmen melden können, dass ein echtes Meinungsspektrum entsteht - und bitteschön keine wirtschaftsliberale Meinungsgleichschaltung bei den deutschen Medien, die damit gleichermaßen die Nerven ihrer Verleger, Werbekunden und wohlsituierten Chefredakteure schonen würden.

@ anonym

--- schnipp ---
"Geredet wird nicht über die misslungene Agenda, über 13 Jahre Versagerpolitik und den Niedergang der SPD, über mehrheitlich abgelehnte Bahnprivatisierung oder über den Sinn solcher bescheuerter Reformen - sondern über Beck. Das Ergebnis steht dabei längst fest, und jeder kennt es."
--- schnapp ---

Schön formuliert. Nach wie vor ist der Kampagnenjournalismus des SPIEGEL ein Ärgernis, m.E. vor allem deshalb, weil er im Kern machttaktische Überlegungen zum Ausgangspunkt hat.

Und genau deshalb ist m.E. inzwischen jede Öffnung hin zur Meinungsvielfalt wertvoll.

Anders gesagt: Erfolgreiche Propaganda setzt i.d.R. das Fehlen der Widerrede voraus. Das gilt m.E. auch für Kampagnenjournalismus.

@ Streit bzw. "Brav, gut gemacht, schön das Stöckchen geholt. Guter Hund."

Ich hoffe und denke, kritiklose Begeisterung bzw. Verführbarkeit ist nicht unbedingt typisch für den Leserkreis meines Blogs...

Es ist inzwischen klar gestellt (dafür Danke an die Diskutanten hier!), dass dieser sehr zugespitzt formulierte Vorwurf voreiliger Gefolgschaft nicht an Ben gerichtet war.

@ Diskutanten

Danke für die schöne Diskussion hier!

 

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