20 Januar 2008

Roland Koch und die Prügelmorde in Sachsen-Anhalt

Im vormals industriell geprägten Hettstedt, einer sachsen-anhaltinischen Kleinstadt mit rund 15.000 Einwohnern und einer hohen Arbeitslosenquote, ist heute morgen auf dem Marktplatz eine Frau von einem Jugendlichen zu Tode geprügelt worden. Die Gewalttat des schwer betrunkenen 18-jährigen Tatverdächtigen eignet sich für Politiker wie Koch nicht, um über Jugendgewalt zu sprechen: Denn der junge Mann ist ein Deutscher.

Auch zwei weitere aktuelle Prügelmorde* aus Sachsen-Anhalt (seltsam: alle Opfer sind 54 Jahre alt) werden von Roland Koch bzw. seinen bigotten PR-Beratern kaum aufgegriffen werden, obwohl sie einiges deutlich machen. Einmal der Fall, wo jemand wegen 40 Euro Schulden zu Tode geprügelt wird. Soziale Verwahrlosung könnte hier eine Rolle spielen. Interessant ist auch dieser Fall, wo Gerüchte über einen angeblichen Kinderschänder zu einer verabredeten Tat* führen, in welcher ein 54-jähriger Mann von drei Tätern solange verprügelt wird, bis er stirbt. Hier gehörte Aufhetzung zu den Ursachen der Tat.

Koch versucht, mit Polemik und politischer Hetze zu Wahlerfolgen zu gelangen. Dabei macht er sich, anders als er meint, keineswegs als Demokrat verdient. Er spielt mit den Wählern, er setzt auf die Angstkarte und stilisiert, sachlich unzutreffend, das Problem von Jugendgewalt zu einem Ausländerproblem. Während seiner Regierungszeit war, vorsichtig formuliert, das Tätigkeitsniveau seiner Regierung in Fragen von Jugendgewalt und Gewaltprävention niedrig - aber in Wahlkampfzeiten posiert Koch als Mann der Tat. Was er nicht ist.
(Satirebild von Spiegelfechter)

* Ich glaube (Ausnahme: Affektdelikte), dass i.d.R. eine gewisse Tötungsbereitschaft vorhanden sein muss, wenn Täter derart lange und intensiv auf ihre Opfer einprügeln, bis diese tödliche Verletzungen erleiden. Für mich kommt das Mord sehr nahe - juristisch ist es Totschlag.

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4 Comments:

At 20 Januar, 2008 20:21, Anonymous Anonym said...

Warum wird ein DEUTSCHER der eine Frau ermordet hat nicht an den Pranger gestellt. Warum schweigen die Medien? Warum schweigen die Politiker? Warum schweigt Roland Koch? Warum schweigt die CDU? Warum schweigt die Bundeskanzlerin Angela Merkel? Warum findet hier keine Hetztjagt? Die Antwort: Weil das ein DEUTSCHER ist. Deutsche dürfen alles.

 
At 20 Januar, 2008 22:33, Blogger Dr. Dean said...

Ich sehe das anders. Dass Deutsche alles dürften, das trifft wohl kaum zu.

Richtig ist aber, dass Ausländer von rechtsgerichteten Kräften stigmatisiert werden - Roland Koch hat in den schmutzigsten Winkel seiner Wahlkampftrickkiste gegriffen.

Es ist unanständig, mit den Mitteln der Stigmatisierung auf Kosten einer Minderheit Wahlkampf zu machen.

Ein politisches Denken in der Kategorie der Ausgrenzung ist schwerlich in der Lage, Probleme in unserem Land zu lösen.

Wie Koch auf die Idee kommt, Jugendliche, die hier geboren wurden und hier aufwuchsen, als ausweisungsbedürftige Ausländer zu beschreiben, zeigt in meinen Augen nur, dass er dem alleruntersten Niveau der Politik zugerechnet werden muss.

Außerdem ist er ein Schwätzer, dessen Gerede nur selten den Tatsachen stand hält. Weder ist die von ihm gepriesene Erziehungseinrichtung ein militärisches "Boot Camp", noch kommen auf Hessen Bürger im Fall eines SPD-Wahlsiegs Mehrbelastungen für Energie in Höhe von 1.700 Euro pro Jahr heraus.

Roland Koch ist ein Hetzer und kein Problemlöser.

 
At 21 Januar, 2008 10:41, Anonymous Anonym said...

Ich lach mir nur einen Ast,wenn Kochs Wahlkampf dafür sorgt, dass erstmals eine Frau mit Migrationshintergrund Ministerpräsidentin eines deutschen Bundeslandes wird ;-)


MfG Che

 
At 21 Januar, 2008 14:19, Anonymous Anonym said...

Ich freu mich, dass die hässliche Kampagne vom kleinen Giftmischer in Hessen nicht gezogen hat (oder nur bei ca. 38 %).

"Giftkoch, Neoliberale und Nazis stoppen" wäre mal ein schönes Plakat gewesen, als Antwort auf sein entsprechendes Plakat, aber sowas macht man ja nicht, sowas machen eben nur die ganz Fertigen, die keinen Stil und keine Manieren haben, und sich von einer gewissen konservativen Volkspartei entsprechend angezogen fühlen.

 

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