05 Dezember 2007

Mindestlöhne gefährden Jobs! (in Milchbubenrechnungen)

Kaum hat die PIN-Gruppe den Abbau von 1000 Jobs angekündigt, wird sogleich vom rechten politischen Ufer (sogenannte "Mitte") dies als Beweis dafür genommen, dass Mindestlöhne Jobs kosten. Michael Fuchs, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, CDU, behauptet daher:
"Mindestlöhne kosten Arbeitsplätze. Das zeigt sich jetzt."
(Ein offenbar hirntoter BDI-Präsident errechnet sogar 5 Millionen Jobs...)

Dem schließt sich Angela Merkel an, mit einer Argumentation, welche auf die Höhe der Mindestlöhne zielt:
„Wir sind in der Tat der Meinung, dass es nicht hilft, wenn nachher Tausende Menschen Arbeitslosengeld-I- und -II-Bezieher sind, weil wir an anderer Stelle einen zu hohen Mindestlohn zahlen“ (Quelle)
Es gibt zwei Probleme mit dieser Argumentation:

Erstens, wäre es im Fall zulässiger Elendslöhne ebenfalls Jobverlusten gekommen - und zwar bei der Post. Die Gesellschaft und mehrere 10.000 Familien hätten die Verlagerung der Briefbeförderung hin zu amoralischen privaten Anbietern ungleich teurer bezahlen müssen.

Zweitens, die "Mindeslöhne kosten Jobs"-Argumentation übersieht, dass entweder die Jobs bei der PIN-Group schon vorher redundant waren, weil es nicht genügend Aufträge dafür gab, oder aber, dass die vormaligen Aufträge der PIN-Group bald woanders erledigt erledigt werden - und dort entstehen dann Jobs.

Unrentable Jobs mit Hungerlöhnen werden jetzt von rentablem Jobs mit anständigen Löhnen ersetzt.

Wo ist das Problem? Wer sich im fairen wirtschaftlichen Wettbewerb nicht behaupten kann, soll als Unternehmer nicht jammern. Wenn die Post aus strukturellen Gründen im Briefverkehr ein Monopol bleibt, dann müssen eben die Monopolgewinne abgeschöpft werden und geeignete Regulationen zum Schutz der Kunden vor Monopolmacht vorgenommen werden.

Elendslöhne sind jedenfalls kein geeignetes Mittel zur Eindämmung von Monopolen.

(Ganz so einfach, wie ich es hier schreibe, ist es nicht. Man könnte die Entlassungen bei der PIN-Group als Beleg dafür nehmen, dass die vereinbarten Mindestlöhne im Postgewerbe überhöht sind, wobei hier jedoch einfache Antworten schwer möglich sind, zumal, wenn man die annäherende Gleichheit der Wettbewerbsbedingunen für konkurrierende Unternehmen wünscht. Rürup hat jedenfalls Recht - selten ist das - wenn er meint, dass flächendeckende Mindestlöhne der bessere Weg sind.)

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