14 März 2007

Zur Abwehr kritischer Journalisten

Sie wissen, wir wissen, dass Kritik gefährlich und destruktiv ist, Umsatz kostet, und überdies den Geschäftsfrieden stört. Wir glauben an die destruktive Kraft störender Kritik. Darum beschäftigt sich dieser Beitrag mit der Abwehr kritischer Journalisten in freier Wildbahn.

Klassifikation der verschiedenen Journalistentypen.

Der Dumm-Journalist, Geschmacksrichtung "kritisch":

-Sehr verbreitet, einfallslos, kein Durchhaltevermögen, viele Nachahmer. Nur bei Massenbefall gefährlich.

Der kritische Ich-will-es-ja-nur-gesagt-haben-Journalist:

-Er bringt legitimes Anliegen vor; gibt sich aber mit keiner Problemlösung zufrieden und fordert schließlich Unterwerfung, bzw. möchte unumschränkte Anerkennung für seine Leistung. Selten jedoch verbeißt er sich auf Dauer in Thema. Er benötigt den Kick. Bieten Sie ihm darum über Informanten alternative Themen an. Zur Sache sagen Sie nichts. Lenken sie ihn ab.

Der kritische Über-Journalist:

- Er ist ein Insider (kennt die Szene genau, die er befaselt); er hat viel Zeit und Geduld; wird auch außerhalb der jeweiligen Szene bzw. Branche tätig. Sollte er publizistische Schlagkraft haben, so versuchen Sie es ggf. mit positiven Anreizen. Das führt sehr oft zum Erfolg.

Der kritische Kampagnen-Journalist:

- Er ist seinem eigentlichen Wesen nach sehr störend, aber kein einfacher kritischer Dumm-Journalist; er kennt aber deren Taktik und weiß, wie gut sowas geht; setzt dies ein, um “böse” Menschen und “böse” Firmen zu nerven. Mahnen Sie ihn ab, ein guter Rechtsanwalt finden immer einen stichhaltigen Grund. Irgendwann wird er seine schädliche Tätigkeit aufgeben.

Nach zahreichen Beispielen aus dem Erfahrungsschatz der anwesenden Unternehmer, Firmenpatriarchen und übrigen Teilnehmer sowie der Anmerkung, dass kritische Journalisten nicht grundsätzlich zu verdammen sind ("kritische Journalisten sind nützlich - sie haben letztlich eine rein unterhaltende und konsensbildende Funktion!"), kommen wir nun zu:

Gegenstrategien

Zunächst müssen Sie wissen, dass es natürlich keine Patentrezepte gibt. Möglichkeiten sind nichtsdestotrotz:

Ignorieren

- Kritische Journalisten nähren sich von Aufmerksamkeit; ohne Aufmerksamkeit verhungern sie; Problem: Google und die Medienlandschaft wissen das nicht und auch nicht jeder kritische Journalist ist ignorierbar.

Strikte Regeln:

-Ein lückenloses Regelwerk, z.B. bei Pressekonferenzen und Interviews bietet dem kritischen Journalisten keinen Spielraum; Problem: Es gibt kein Regelwerk ohne Schwachstellen und kritische Journalisten wissen diese Schwachstellen auszunutzen.

Arbeiten Sie darum bevorzugt mit Journalisten und Zeitschriften zusammen, die dem kritischen Journalismus völlig fremd sind. Buchen sie aber Ihre Werbung aber auch in kritisch tätigen Medien, selbstverständlich nicht in gleichen Umfang wie in anständigen Medien. Auf diese Weise können Sie z.B. mit dem Entzug Ihrer Anzeigen drohen. Oder Sie bauen zu den Ressortchefs und Verlegern gezielt ein kumpelhaftes Verhältnis auf. Die mögen das - und oft schützt das.

Offen kommunizieren:

- Arbeiten Sie mit den offenen Ansagen: “Wir-haben-keine-Zeit-wir-melden-uns” und “Hier-bin-ich-der-Hausherr”, nötigenfalls einem knappen, möglichst nichtssagenden “Ich-habe-das-getan, weil”-Strategien; Problem, wenn sich kritische Journalisten häufen: Wer hat soviel Zeit?

Das Spielfeld vergrößern:

- Auch kritische Journalisten haben Freunde, Auftrag- und Arbeitgeber, Familie; schildern Sie dem kritischen Journalisten die Vorteile für die künftige berufliche Entwicklung u.s.w.; beschäftigen Sie ihn, nehmen Sie ihm einfach die Zeit; Problem: Erkundigung der dafür relevanten Informationen - manche kritische Journalisten agieren aus dem Verborgenen.

Mediensystem:

- Kritische Journalisten haben gegen Konsens keine Chance; Problem: Kritische Journalisten suchen oft die Lüche im Mediensystem, bereiten ihre Beiträge interessant auf, bieten sich den Verlegern gerne billig und wer entscheidet, was noch in Ordnung und was destruktiv ist?

Helfer:

- Setzen Sie gezielt auf ein professionelles Netzwerk von Helfern. Gute Kommunikationsagenturen besorgen Ihnen in wenigen Stunden einen Persilschein eines namhaften Historikers oder Wissenschaftlers, oder wen Sie auch immer benötigen bei der Abwehr kritischer Journalisten.

Zeittaktik:

- Bei der Abwehr kritischer Journalisten hilft Ihnen die Zeit. Die meisten Meldungen und "Skandale" eignen sich nur für einen Nachrichtenzeitraum von ca. 2 Wochen. Sie können als deutscher Minister sogar beispielsweise unschuldige Menschen jahrelang, mit vollem Wissen, im Folterknast schmoren lassen. Wenn Sie geduldig ausharren und konsequent keine Konsequenzen ziehen, wird man den "Skandal" wieder vergessen. Suchen Sie als Stütze die Nähe zu Behörden und Entscheidungsträgern, welche Sie im Hintergrund exklusiv briefen.

Gegenkritische Journalisten:

Das ist der vorletzte Joker: Das Konzept des gegenkritischen Journalisten!

- Devise: Was der Kritiker kann, kann Ihr Journalist auch; lassen sie ihn das komplette Gegenteil schreiben, verringern Sie die Glaubwürdigkeit des kritischen Journalisten. Beispiel: Käfighühner sind gesünder, weniger gewalttätig u.ä.; beschäftigen Sie also einen professionellen Lügner bzw. eine versierte PR-Arschentur. Oder machen Sie es z.B. wie ein Think Tank, und nennen Sie den von Ihnen bezahlten professionellen Lügern "Institutsleiter"! Das macht Eindruck. Probleme: Was zieht? Wo zieht man die Grenze? Die Gefahr einer Eskalation und eines möglichen “Scherbenhaufens” besteht. Setzen Sie auf exzellente PR-Profis.

Pseudokritische Journalisten:

- Inszenieren Sie mit einem befreundeten Konkurrenten gezielt Pseudo-Auseinandersetzungen, skandalisieren Sie diese und steuern Sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Die abschließende Diskussion findet zwar keine perfekte Lösung im Fall eines Angriffs, resümiert aber recht einmütig, dass eine konsequent-knappe, sachliche wie humorvolle Reaktion den meisten kritischen Journalisten die Lust an ihrem Treiben nimmt. Problem: Desto mehr Sie mit kritischen Journalisten reden, umso schwieriger können Sie eine kohärente Position aufbauen.

/*/ Das war Satire /*/

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