19 März 2007

Effizienzwunder dänisches Gesundheitssystem

Mit 8,9 % Kosten am BIP, bei hervorragenden Leistungen für die Bürger, ist das dänische Gesundheitssystem ein marktwirtschaftliches Paradox, jedenfalls für Vertreter der reinen Lehre. Frage: Warum funktioniert das Gesundheitssystem in Dänemark deutlich besser als das Gesundheitssystem der USA und ist auch besser als bei uns? Ist es die gesunde Seeluft?

Ich habe keine Erklärung. Vielleicht ist es so, dass sich Gesundheitssysteme, allgemein formuliert, nur in Teilbereichen für rein marktwirtschaftliche Gestaltungen eignen, z.B. deshalb, weil die heilsame Kraft des Wettbewerbs auf den meisten Gesundheitsmärkten nur schwach wirkt - und insofern sind effiziente staatswirtschaftliche Gestaltungen den stärker marktorientierten Gestaltungen in den USA und bei uns überlegen.

Das bedeutet, wenn diese Überlegungen stimmen, nun allerdings nicht, dass Verstaatlichungen per se zu Effizienzgewinnen im Gesundheitssektor führen. Durchaus begründet aber dürfte die Vermutung sein, dass die von konservativer und wirtschaftsliberaler Seite geplanten weiteren Privatisierungen im Gesundheitssektor in Deutschland nicht dazu führen werden, dass damit z.B. die stark (!) und auf skandalöse Weise überteuerten deutschen Medikamentenpreise sinken werden.

Eher gilt das Gegenteil, und das kann unter anderem damit begründet werden, dass ein behandelter Patient in rein marktwirtschaftlich strukturierten Gesundheitssystemen höchst selten ein guter (d.h. über Preise und Qualitäten gut informierter) und ausreichend mächtiger Nachfrager ist. Das Gegenteil ist regelmäßig der Fall.

Will man die Nachfragemacht der Gesundheitsnachfrager stärken, sind Privatisierungen, wie sie z.Zt. im deutschen Gesundheitssystem stattfinden und weiterhin geplant sind, eine lausige Sackgasse, und zwar in Richtung ineffizienter korporatistisch-privatwirtschaftlicher Gestaltungen, bei denen die Anbieter von Gesundheitsleistungen auf Kosten der Übrigen ihre Profite maximieren können.

Dies kann als Beobachtung leicht bestätigt werden. Es ist allerdings ebenfalls ein Paradox; sollte man doch erwarten können, dass private Krankenhäuser z.B. im Bereich der Medikamentenbeschaffung effizienter sind. Tatsächlich aber sind diese privaten Nachfrager, hmm, auch in diesem Bereich tendenziell eher "Systemprofiteure", welche versuchen, private Profite auf Kosten des Gesamtsystems, der beschäftigten Arbeitnehmer und der versorgten Nachfrager zu realisieren.

Wie in Hamburg deutlich (z.B. Asklepius-Privatisierungen) fördern die von wirtschaftsprofessoraler Seite hochgelobten Privatisierungen im Gesundheitssystem in erster Linie schmarotzerhafte Prozesse der Elitenbereicherung. Effizienzgewinne? Fehlanzeige.

Ein Vergleich internationaler Gesundheitssysteme kam sogar zum Schluss:
"In Ländern mit stärkerer staatlicher Beteiligung an der Finanzierung und Organisation des Gesundheitswesens (DK, SF, K, NL, UK) sind die auf das BIP bezogenen Gesundheitsausgaben geringer als in Ländern mit einem relativ schwächeren Einfluss des Staates (D, CH, USA)."
Man könnte diese Beobachtungen mit dem Versagen der Informationssysteme auf den Gesundheitsmärkten erklären. Nur: Warum tut das keiner,- jedenfalls kaum jemand von den für ihr Erklärungshandwerk bezahlten professoralen Gesundheitsökonomen?

Ah! Ich habs. Diese Professoren fühlen sich regelmäßig nicht etwa uns Bürgern nahe, sondern denen, die auf unsere Kosten reich und reicher werden. Deshalb.

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1 Comments:

At 20 März, 2007 02:22, Anonymous Anonym said...

Was ich mal interessant fände: Wie genau kann man denn eigentlich messen, ob ein Gesundheitssystem erfolgreich ist oder nicht? In Diskussionen um das Gesundheitssystem in Schweden hatte ich auf einmal die Situation, das sowohl ich, als auch mein Diskussionsgegner nahezu ausschließlich mit Anekdoten und eigenen Erfahrungen hantierten, um unsere diametral entgegengesetzten Standpunkte zu begründen. Wobei mein Gegner mehr oder weniger den Standpunkt einnahm, die Schweden seien kurz vorm Zusammenbruch, während ich das System als vorbildlich bezeichnete. Natürlich hatte ich recht ;-), aber mit was für Kennziffern beweist man das? Ich habe mir kurzerhand Säuglingssterblichkeit und Lebenserwartung genommen. (Womit es sehr schnell philosophisch wird: Ist zum Beispiel eine gesundheitsfördernde Esskultur als Bestandteil des Gesundheitssystems zu betrachten?) Aber gibt's da vielleicht noch was anderes? Ich finde es sehr schwer, die Qualität von Dingen zu bewerten, für die es keine Messlatte gibt.

Gruß
Ben

 

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