04 November 2006

Dean zur Steuerfreiheit von Überstunden

Bislang meinte ich, dass eine Steuerfreiheit für Überstundenzuschläge Murks ist. Ich habe mich umentschieden. Ich denke inzwischen, dass es volkswirtschaftlich sinnvoll ist, Überstunden von Arbeitnehmern spürbar geringer mit Steuer zu belasten. Zwei Begründungen dafür:
  1. Die Steuerfreiheit für Überstundenzuschläge (SfÜZ) bewirkt zugleich einen sinnvollen Anreiz dafür, dass Überstunden seitens der Arbeitgeber überhaupt bezahlt und vergütet werden (Diese Behauptung lässt sich ökonometrisch bestens belegen). Für einen Staat, für den die Fairness im Wirtschaftsleben bedeutsam ist, sollte dies eine gute Begründung darstellen.

  2. Die SfÜZ bewirkt zugleich, dass die Bereitschaft von Belegschaften und Arbeitnehmern deutlich ansteigt, Überstunden zu machen. Logisch, oder? Denn die ansonsten hohe Grenzbelastung der Arbeitnehmer mit Steuern und Abgaben bewirkt ein Vermeidungsverhalten. Die Bereitschaft zur Mehrarbeit wiederum macht Firmen flexibler und krisensicherer, und dies mit sehr positiven volkswirtschaftlichen Folgen. Diese zusätzliche Flexibilität führt dazu, dass es im Fall von Firmenkrisen weniger häufig zu Entlassungen kommt, welche in Deutschland sehr oft unmittelbar in eine Langzeitarbeitslosigkeit führen. Daraus ergeben sich i.d.R. andauernde Sozialstaatslasten sowie z.B. die Entwertung des Arbeitsstocks.

    Eine dadurch ausgelöste höhere Bereitschaft zur Mehrarbeit ist für eine Ökonomie auf Dauer vorteilhaft.
Um dies positiven Wirkungen höherer Mehrarbeitsbereitschaft zu maximieren, halte ich es sogar für sinnvoll und auch für gerecht*, jene Arbeitsstunden, die Überstunden sind, hälftig Steuer- und Abgabenfrei zu stellen.

*was vernünftig zu erläutern wäre - aber sorry, dafür bin ich im Moment der Abfassung zu bequem, äh: müde.

2 Comments:

At 05 November, 2006 13:04, Anonymous maloXP said...

Verzeih meine vielleicht blöden Einwürfe (bin ökonomisch nicht geschult), aber ein paar Aspekte erscheinen mit da unlogisch.

Ein staatliche "Förderung" von Überstunden (also eine Besserstellung ggü. regulärer Arbeitszeit) würde doch dem Missbrauch Tür und Tor öffnen. Ein Arbeitgeber könnte zukünftig die reguläre steuerpflichtige Arbeitszeit einfach verkürzen und den Rest als Überstunden deklarieren - ohne Sozialabgaben abzuführen. Halte ich für falsch. Ferner dürfte eine erhöhten Durchschnittsarbeitszeit pro Person die Schaffung neuer Arbeitsplätze behindern, wenn ein Chef nach dem Gusto "Wozu einen neuen Arbeitsplatz schaffen, wenn die zehn anderen doch jeder eine Stunde mehr arbeiten können" entscheidet. Ich sehe da die ganz große Gefahr, dass Überstunden zum Quasi-Standard werden. Wer nicht bereit ist, "freiwillig" mehr zu arbeiten, wird kurzerhand ersetzt. Die Praktikantengeneration hat die pragmatische Lohnarbeitsprostitution schließlich in die Wiege gelegt bekommen.
Von massenpsychologischen Effekten, die durch den erhöhten Druck entstehen, will ich gar nicht reden, da würde ich mich auch zu weit aus dem Fenster lehnen. Bloß der Hinweis darauf - das ist nämlich ein Faktor den die Herrschaften Ökonomen gerne übersehen.

 
At 06 November, 2006 10:52, Anonymous thomas said...

Na ja,

das gilt -- so war es in meiner Firma -- nur für von "oben" angeordnete Überstunden, die es nie gab. Freiwillige bzw. scheinfreiwillige Überstunden fallen nicht darunter. Und von letzteren gibt es vermutlich sehr viele.

Was die Vernichtung von zusätzlichen Arbeitsplätzen angeht, kann ich malopx nur zustimmen. Dass Überstunden zur Überbrückung von zeitweiligem erhöhten Arbeitsaufkommen genutzt werden, ist schon länger nicht mehr Realität.

Der Witz: ältere und auch neue Untersuchungen (ich glaube aus GB) zeigen, dass weniger Wochenarbeitszeit _deutlich_ produktiver ist. Die Wirtschaft schneidet sich in eigene Fleisch. Dumm das.

Grüße
thomas

 

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