23 Januar 2006

Staatsknete und der wissenschaftliche Fortschritt

Bezweifelnswert ist die Kompetenz staatlicher Gremien, sinnvolle Forschungsschwerpunkte definieren zu können.

Sie lassen sich dabei, zumal meist fachfremd, ungemein stark von Modewellen und Scharlatanen beeinflussen. Nun ist staatlicher Einfluss in der Forschung nicht grundsätzlich etwas Schlechtes.

Der Staat könnte z.B. auch dahingehend wirken, dass der Wissenschaftspluralismus zunimmt. Staatliche Einflüsse in die Forschungsthematik sollten m.E. nicht so stark ausfallen, dass bestimmte Wissenschaftsgegenstände grob übertrieben werden (z.B. gigantische Teilchenbeschleuniger ohne großen Erkenntniswert). Der Einfluss sollte auch nicht einengend sein, sodass in der Konsequenz ganze Forschungsrichtungen (zu Gunsten angeblich "moderner" Verfahren wie z.B. Gentechnik) unterdrückt werden. Ein Beispiel aus dem SPIEGEL:
Der Biologe bedauert, dass er mit seiner englischen Manteca nur schleppend vorankommt. Das erste Exemplar seiner gelben Bohne zog Leakey schon 1989 auf, "doch bis zum Anbau in erntefähigen Mengen ist es ein weiter Weg". Der war besonders steinig, weil Leakey nicht an Fördermittel der EU kam. Die flossen zwar, doch nicht in die klassische Züchtung. Ein Antrag zusammen mit einem französischen Partner sei abgelehnt, Geld nur für Projekte mit transgenen Pflanzen bewilligt worden, so der enttäuschte Brite: "Wir waren denen nicht modern genug."
Ulkig oder? Eine andere Problematik ist die Verknüpfung anwendungsorientierter Forschung z.B. mit privaten Patenten, wenn sie staatlich gefördert wird. Ich meine: Wenn anwendungsorientierte Forschung exklusives Wissen befördert, welches nicht der Allgemeinheit zur Verfügung steht, dann handelt es sich um eine verdeckte Form der Subvention.

Man könnte es auch eine Ausräuberung des Staates nennen.

Wir haben derartige Erscheinungen z.B. im Bereich der Anwendungsforschung im Maschinenbau oder für die Automobiltechnik. Recht unbeachtet von der Öffentlichkeit werden dort erhebliche öffentliche Mittel für "Forschungsprojekte" zur Verfügung gestellt, welche z.B. allein deutschen Autobauern zu Gute kommen.

Forschung, die nicht auf allgemein verfügbares Wissen zielt, sollte nicht durch staatliche Mittel gefördert werden.

Darüber hinaus: Gierige Professoren, die ihr Amt vor allem dazu benutzen, um ihren privaten Wohlstand auf Kosten der Allgemeinheit zu mehren (z.B. viele beschisssene Klinikprofessoren), die verdienen v.a. Tritte in den Hintern. Im neuliberalen Zeitalter nimmt die Erscheinung überhand, dass immer mehr deutsche Professoren vor allem den Eigennutz pflegen und ihre Ämter missbrauchen. Indes: Ein problematisches Arbeitsverständnis.

Ich bin von Kopf bis Fuß auf Eigennutz eingestellt
Denn das ist meine Welt - und sonst garnichts
Gremien umschwirrn mich wie Motten das Licht

Was ich dann forsch, regelt mein Geldbeutel für mich
Das ist, was soll ich machen, meine Prof-Natur

Ich kann halt raffen nur - und sonst garnichts

Dann gibt es noch eine andere Schieflage: Zur Zeit haben sich die deuschen Eliten scheinbar dahingehend verständigt, die Ausbildung, Bildung und Lehre für überflüssigen Ballast zu halten. Anders ist kaum zu erklären, dass die sogenannte "Exzellenzinitiative", nur noch der Forschung dienen soll. Schlimmer noch: Es geht hier lediglich darum, in einem Schönheitswettbewerb wild formulierter Anträge das Rennen zu machen. Ein Hirnfick aus vermeintlicher Reputation, dünkelndem Eliteverständnis und wohlklingenden Wortgewittern.

Deutsche Exzellenz.

2 Comments:

At 23 Januar, 2006 19:11, Anonymous C.Lapide said...

Ich hoffe Sie gestatten mir, nachdem ich bei anderen Kommentaren harte Worte gefunden habe, Ihnen hier audrücklich zuzustimmen.

Meines Wissens ist es in den USA gesetzlich festgelegt, daß mit öffentlichen Mitteln geförderte Entwicklungen der Öffentlichkeit auch kostenlos zugänglich gemacht werden müssen.

 
At 24 Januar, 2006 13:24, Anonymous Martin H. said...

Forschung und Lehre sind ein Problem, aber nicht so einseitig wie du es beschreibst. Sicherlich gibt es Probleme bei der Verteilung des Profits öffentlicher Forschung, aber in den technischen Richtungen ist es doch meist klar geregelt.
Ich sehe die Forschung für deutsche Automobilfirmen nicht dramatisch. Die Universitäten waren, neben der Lehranstalt, immer ein Unterstützer der heimischen Wirtschaft. Anwendungsnahe Forschung geschieht immer zum Nutzen eines Anwenders, solange die Gegenleistung stimmt (direkt: Geld; indirekt: Arbeitsplätze, Steuern) ist es entweder ein Geschäft (für die Hochschule) oder Wirtschaftsförderung. Die Automobilindustrie steckt immerhin auch eigenes Geld in die Forschung. Wenn man sich die Raumfahrttechnik und auch die Luftfahrttechnik anschaut, dann stammt doch fast alles eingesetzte Geld vom Staat, während der Nutzen für den Staat gering ist.
Die Lehre jenseits der Vorlesungen kann heute in vielen Bereichen nur mit Personen aufrechterhalten werden, die über Drittmittel finanziert werden. Mit deiner Bemerkung zur Exzellenzinitiative hast du recht, aber dazu müssen sich Bund und Länder einig sein. Solange Absolventen eine Arbeit finden und die Studenten nicht bundesweit und fächerübergreifend wegen schlechter Bedingungen auf die Straße gehen wird sich nichts ändern. Letzteres dauert vielleicht nicht mehr so lange, bald könnten die Einsparungen auch in den technischen Richtungen zu deutlich schlechteren Bedingungen führen.

P.S.: Fördermittelgeber wollen beschissen werden.

 

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