20 Dezember 2005

Vom neuliberalen Lebensgefühl der Julis

Ein Dirk Paulsen von den Julis in Bonn ist so stolz auf seinen Beitrag, dass er das Wasser kaum halten kann, und verweist daher auf sein neuliberales "Lebensgefühl":
Solche Menschen darf ich hassen, genauseo, wie ich Juden, Farbige, Homosexuelle oder sonstwen hassen dürfte, wenn ich es denn wollte. Liberale sind nicht gezwungen in einer Multi-Kulti-Harmonie-Diktatur zu leben, denn Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Eigentumsrecht anderer Menschen akzeptieren (...) Es ist sogar so, dass der Liberalismus das Hassen erst ermöglicht.
Das hat er wirklich geschrieben. Unfassbar.

13 Comments:

At 20 Dezember, 2005 19:21, Blogger che said...

In einem Seyfried-Comic wurde mal ein ultradretter junger Anzugträger abgebildet, der sein Bekenntnis mit "Wir Hitler-Yuppies" ausdrückte. Nur so am Rande.

 
At 20 Dezember, 2005 19:33, Anonymous bazinho said...

da bin ich aber froh, dass liberale andere menschen hassen, aber nicht bei ihnen einbrechen oder gar vermögenssteuern erheben.

Gehört in dieser logik eigentlich die physische und psychische unversehrtheit zur rubrik eigentumsrecht oder darf so ein liberaler anders denkende auch mal so richtig aufmischen?

 
At 20 Dezember, 2005 21:36, Blogger Dr. Dean said...

Wenn ich den FDP-Jungdemokraten richtig verstanden habe, findet er es okay, wenn z.B. Juden gehasst werden, solange ihrem Eigentum nichts Böses geschieht. Achja, und auch sonst keine Gewalt!

"Liberalen" Hass z.B. auf Juden, Farbige, Muslime und Homosexuelle findet er akzeptabel. Seine Blogbeiträge warnen in hysterisch-alberner Weise vor "den Feinden des Westens", so , als ob "der Westen" kurz vor den Ende stünde.

*lach*

Er meint wohl: Nur Hass kann ihn retten, neuliberaler Hass. Sofern er halbwegs typisch für eine bestimmte Strömung ist, dann bestätigt das eine These in meinem Blog, nämlich, dass der Sozialdarwinismus hinter dem Neolibaralismus recht schnell ins Ressentiment mündet.

 
At 21 Dezember, 2005 00:33, Anonymous Rayson said...

So könnt ihr euch natürlich wie der bekannte Pharisäer gegenseitig versichern, dass ihr nicht so seid wie der da. Das bleibt dann aber zukünftig eine Veranstaltung unter euch.

Man hätte natürlich auch den Versuch unternehmen können, einen Text auch verstehen zu wollen, ohne unbedingt eine eigene "These" bestätigt zu bekommen.

Dazu gehört dann auch, dass man, wenn man schon libertäre Ansätze kritisieren will, berücksichtigt, dass nach deren Definition "Eigentum" mit dem Recht am eigenen Körper beginnt. Es ist somit unzulässig verzerrend, hier ein rein materielles Denken zu unterstellen. Kommentator Bazinho fragt ja wenigstens.

Es ist zwar nicht mein Job, unreife Gedanken von Julis zu interpretieren, aber hier sollte nicht allein nur die verfälschte Aussage stehen. In der Logik des zitierten Autors ist der Hass nämlich nicht etwa deswegen akzeptabel, weil er ihn in irgendeiner Form gutheißen würde, sondern weil seiner Meinung nach Hass dort folgenlos bleiben müsse, wo das Eigentumsrecht konsequent geachtet wird. Er findet, dass der Liberalismus somit überlegen sei, weil er Hass gefahrlos zulassen (nur so kann das "ermöglichen" gemeint sein) könne.

Ich halte diese Argumentation nicht für besonders gelungen (echter Hass ist verwerflich, gerade weil er nichts respektiert), aber sie dazu zu verwenden, um der eigenen Standardabsicht entsprechend Liberale gleich mal eben in toto (wo es schon für das Beispiel selbst misslingt) als verkappte Braune zu "entlarven", das ist schon ziemlich billig. Finde ich.

 
At 21 Dezember, 2005 00:39, Anonymous Anonym said...

Ich kenne die JuLi-Truppe aus eigener Erfahrung und muss sagen, dass der Großteil der dortigen Leute weichgespülte Muttersöhnchen und geistlose Egomanen sind, die sich selbst für den Nabel der Welt halten, weil sie Jura oder BWL studieren. Und natürlich sind alle anderen böse, nur unsere lieben JuLis nicht. Hach ja, und da wundert man sich, warum kaum einer den jungliberalen Haufen für voll nimmt...

 
At 21 Dezember, 2005 01:32, Blogger Dr. Dean said...

Nö, Rayson, ich bin nicht so wie der. Dazu muss ich nicht mal ein Pharisäer sein.

Für meine Begriffe ist er vor allem unreif. Im Übrigen finde ich Rayson, dass du die Spitze gegen diesen Kerl unangemessen auf Liberalismus an sich beziehst.

Ich meine, dass sich recht schnell Ressentiment mit sozialdarwinistischen Spielarten des Neuliberalismus verbinden lassen. So unplausibel finde ich meine These nicht.

Wenn du dich in der kleinen Blogwelt umschaust, findest du manche Bestätigung, aber gewiss nicht nur Bestätigung. Ich hänge auch nicht an dieser These - es sieht für mich halt im Moment so aus.

Ich finde zum Beispiel den Gedanken plausibel, dass extreme Formen von "Eigentumsliberalismus" sich bestens zusammmen mit kleinbürgerlichen Vorurteilen kombinieren lassen.

Dort, wo der Liberalismus seine gesellschaftliche Verantwortung vergisst, dort lauern Gefahren.

Wenn ein Neuliberalismus in fast schon marxistisch zun nennendem Utopismus postuliert, alle wesentlichen gesellschaftlichen Probleme ließen sich lösen, wenn man nur "dem" Eigentum ungehemmte freie Bahn verschafft, dann wundert es mich wenig, dass solche Konzeptionen für offenbar wertebeliebige Jüngelchen attraktiv sind.

Was mich wundert, ist allerdings, dass jemand sogar von der Freiheit zu hassen schreibt, ausgerechnet in einem zutiefst lächerlichen Ton, so, als ob er bislang völlig unterdrückt leben musste. Der läuft über einen Weihnachtsmarkt, dann fällt ihm auf, dass er alle hasst, und wie schön und in Ordnung es doch ist, als Liberaler zu hassen.

So einen Mist habe ich ja noch nicht einmal in auf Webseiten faschistischer Kameradschaften gelesen.

I am sorry to say this.

 
At 21 Dezember, 2005 10:59, Anonymous Rayson said...

Natürlich, bei Hoppe oder ESR kann man sehen, wie persönliche Ressentiments sich mit libertärem Anspruch verbinden lassen, und mancher mag meinen, dass Rechte und Libertäre einen gemeinsamen Feind haben. Aber Mann, wir reden hier von politischen Rändern - um zu wissen, nach welchen Regeln das da abläuft, müssen wir nur mal "Das Leben des Brian" sehen: Je kleiner die Splittergruppe, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit weiterer Abspaltungen...

Es mag auch die Versuchung groß sein, ein Versprechen von Freiheit voll auszukosten, oder den für sich entdeckten Königsweg dadurch zu bejubeln, dass man ihn gedanklich an extremen Bedingungen testet (was mir hier der Fall zu sein scheint).

Nicht besonders originell, nicht besonders intellektuell, nicht besonders reif, nicht besonders klug - aber doch auch nicht erschreckend.

Was das Hassen betrifft: Wenn du auf den Kommentator über dir schaust, ist Hass auch woanders verbreitet, auch wenn man das Wort selbst - siehe Pharisäer - nicht aussprechen will.

 
At 21 Dezember, 2005 13:00, Anonymous frank said...

Na, dieser Blogeintrag scheint mal wieder auf mangelndes Begriffsverständnis zurückzuführen sein. Der Liberalismus schreibt keinerlei gesellschaftliche Verantwortung vor, sondern hat nur eine Grundforderung: Eigentum, beginnend beim Selbsteigentum des Menschen.

Somit ist auch der Begriff "Eigentumsliberalismus" ziemlich sinnlos.

Wie schrieb nicht schon einer der berühmtesten Liberalen, Ludwig von Mises:

"Das Programm des Liberalismus hätte also, in ein einziges Wort zusammengefaßt, zu lauten: Eigentum, das heißt: Sondereigentum an den Produktionsmitteln [...] Alle anderen Forderungen des Liberalismus ergeben sich aus dieser Grundforderung."

Somit kann man schon sagen, daß nur der Liberalismus die Vorraussetzung schafft andere Menschen "hassen zu dürfen". Auch wenn das anderen nicht passt.

Ob der Hass auf andere Menschen nun positiv oder negativ zu bewerten ist, das ist eine ganz andere Sache. Ich glaube der Juli wollte damit nur deutlich machen, daß das Recht hassen zu dürfen das Selbe ist, wie seine Meinung frei äußern zu können. Insofern hat er natürlich vollkommen recht.

Daß so etwas diversen Gesinnungspolizisten nicht passt wundert mich eigentlich überhaupt nicht.

 
At 21 Dezember, 2005 13:35, Anonymous Anonym said...

Unfassbar ist für euch also, dass das Recht zu hassen als Exklusivrecht des Liberalismus bezeichnet wird und Ihr vom Gebrauch ausgeschlossen seid. Das könnt ihr Euch nicht gefallen lassen und drückt Eure Verachtung und Euren Hass aus. Wow. Aber Vorsicht, Ihr seid vom Gebrauch des Hasses ausgeschlossen, das Recht dazu ist Eigentum der Liberalen. Ihr werdet verklagt.

 
At 21 Dezember, 2005 17:25, Blogger Dr. Dean said...

@Frank

Du bist ja niedlich. Deine Liberalität zeigt sich wohl darin, dass du beim Auftauchen von Kritik das Wort "Gesinnungspolizei" krähst. Im Übrigen verwechselst du die Begriffe "Eigentum" und "Liberalismus".

@Anononym

Du bist Frank voraus. Weniger Worte und einen Namen haste auch nicht. Kritik also gleich Hass? lol

 
At 21 Dezember, 2005 17:44, Anonymous frank said...

@Dean

"Deine Liberalität zeigt sich wohl darin, dass du beim Auftauchen von Kritik das Wort "Gesinnungspolizei" krähst."

Na klar doch. Man darf sogar den Holocaust leugnen und sich trotzdem als Liberaler bezeichnen. Wo ist das Problem?

" Im Übrigen verwechselst du die Begriffe "Eigentum" und "Liberalismus"."

Wir reden hier ja über echten Liberalismus und nicht darüber was Leute wie Du dafür halten.

Eigentum und Liberalismus sind 2 Seiten ein und derselben Medaille. Liberalität äußert sich immer darin, daß man das Eigentum anderer unangetastet läßt, also keinen willkürlichen Zwang gegen andere ausübt.

 
At 21 Dezember, 2005 18:04, Blogger Dr. Dean said...

@"Frank"
Warum hast du eigentlich nicht die Traute zu sagen, dass du von den JuLis Bonn kommst?

 
At 22 Dezember, 2005 10:02, Blogger Metalust & Subdiskurse said...

Selbst wenn diesen liberalen Jungs ja evtl. zuzugestehen ist, daß sie das Recht auf körperliche Unversehrtheit aus dem Recht auf Schutz des Eigentums ableiten, insofern sie eben auch den Körper als Eigentum betrachten - meine Güte, was ist denn das bitte für ein Verhältnis zum eigenen Körper? Geschweige denn zu jenem der Anderen? Es lebe die Prostituion, oder was? Nix gegen Prostituierte, aber das gehört doch schon in den Bereich der Psychpathologie ... auch sollte die aktuell ja allseits diskutierte Definition des Hasses von André Glucksmann hier mal mit diskutiert werden, daß Haß nämlich der Wille zu vernichten sei ... man muß Glucksmann in vielem auch nicht zustimmen, aber diese Definition finde ich doch außerordentlich gelungen ...

 

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