01 Dezember 2005

Satire: Sozialstaat als Wurzel des Bösen?

+++ Vorsicht Satire +++

Tatsächlich ist Idee, dass der Sozialstaat die Wurzel allen Bösen sei, in Kreisen bayrischer Parteinachwuchsjugend und allgemein bei bestimmten "Liberalen" populär, nicht nur in Marburg. Man verficht dort ein universelles Lösungskonzept für alle Malaisen unseres Gemeinwesens: Weniger Sozialstaat!

So einfach geht das.

Auf diese Weise muss man sich auch nicht mit Gedanken abmühen, wie man den Sozialstaat effizienter gestalten könnte. Mit Begriffen wie "Marktversagen" oder "Institutionenversagen" muss man sich garnicht erst beschäftigen. Die Macht des Stärkeren begrenzen oder ausgleichen? Maßvoll umverteilen? Chancengleichheit? Alles Quatsch.

Wozu auch?

Erstens kann der moderne Sozialstaatsfeind die einseitigen Ansichten mit zwei Silben "wissenschaftlich" nennen und sagt dann einfach "Hayek". Hayek ist für diese "Liberalen" ziemlich genau das, was früher Karl Marx für Kommunisten war. Er muss weder gelesen noch verstanden werden, zwei Silben reichen.

Zweitens, wenn er der Abwesenheit ordnungspolitischer Ideen eine sogenannte wissenschaftliche Grundlage verpassen will, dann faselt er - unter gründlicher Meidung eigener Rationalität - von "rational choice" - und begründet damit alles irgendwie, z.B. auch kontinuierliche Religionshetze gegen den Islam, während er an anderer Stelle stolz seine Unterschrift für religious tolerance hergibt.

Anything goes - und mündet in genau dieser Form, klar, ins Paradies.

Paradies? Ja! Denn solche "Liberale" mit einem Hang zum Anarchokapitalismus haben - im Gegensatz zu den meisten anderen politischen Richtungen - eine echte Utopie zu bieten: Eine kapitalistisches Traumland voller Glück und Zufriedenheit, welches freilich einen "Neuen Menschen" voraussetzt, wie es alle totalitären Ideologien tun.

1 Comments:

At 02 Dezember, 2005 14:42, Anonymous C.Lapide said...

Eine interessante Beobachtung der libertären und speziell anarchokapitalistischen Ideen. Zwar neige ich der einen oder anderen Idee zu, aber ich bin zu konservativ, um an einen neuen Menschen zu glauben ;-) Die Versuche einen neuen Menschen zu schaffen haben im letzten Jahrhundert genügend Unheil angerichtet.
Die liberalen, libertären und anarchokapitalistischen Ideen sind dadurch interessant, daß sie andere Möglichkeiten und Wege aufzeigen als sie momentan Anwendung finden, d.h. z.B. dem Menschen und seiner Selbstverantwortung mehr zugetraut wird. Daß diese Ideen aber in ihrer radikalen Umsetzung einen neuen Menschen brauchen, macht mich als Teil-Konservativen wie gesagt skeptisch ;) Natürlich propagiert der Anarchokapitalist, anders als der Marxist/Leninist nicht die Vernichtung einer Menschengruppe, allerdings vermute ich, daß es nicht ohne Kollateralschäden abgehen würde.

 

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