10 September 2009

Spendenaufruf: Zur Wahrung demokratischer Grundrechte

Sie sind - alles in allem - sogar meine politischen Feinde, jedenfalls, ich mag sie nicht. Aber ich rufe mit entschiedenen Ernst hiermit dazu auf, den "Freunden der befreiten Gesellschaft" in Bochum Geld zu spenden, damit diese Gerichtskosten usw. tragen können!

Ich bin der Auffassung, dass es auch politischen Spinnern (pardon) gestattet sein muss, am öffentlichen Diskurs und an Demonstrationen teil zu nehmen - und zwar schadlos, und das auch dann, wenn das eigene Auftreten als störend empfunden wird. Es geht um die Demonstrationsfreiheit.

Ich bitte um Weiterverbreitung dieses Aufrufes.

Die Spende läuft über

WADI e.V.
Verwendungszweck (unbedingt angeben!): Bochumer Fahnenstreit
Kontonummer: 612305602
Kreditinstitut: Postbank Frankfurt/Main
BLZ: 50010060

Die Geschichte kann man an dieser Stelle nachlesen. Ich denke zwar, dass das Gericht recht hatte, wenn es den spontanen Charakter der Gegendemonstration bezweifelte, aber darin sehe ich keine zulässige gerichtliche Argumentation zur Verhängung von Geldstrafen. Ich denke darüber hinaus, dass dieser ganze Ansatz dieser politischen Gruppierung, zu irgendwelchen Demos zu laufen, um diese zu provozieren, eher dumm und politisch schädlich ist.

Aber es geht um ein Freiheitsrecht - und ein wichtiges zumal. Spendet!

P.S.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Spendenaufruf formulieren würde, für Leute, deren politische Aktionen ich ablehne, was dann auch noch über ein Konto eines Vereines läuft, den ich in seinen tagespolitischen Aktivitäten für strunzdämlich halte und, schlimmer noch, sogar für eine Tarnorganisation. Trotzdem ist es richtig.

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25 Oktober 2008

Zufälliger Fund: Gesang und Freiheitsbegriff

Zunächst fiel mir nur auf, dass mir die männliche Gesangsstimme richtig gut gefiel, was ja eher selten ist. Die Stimme von Aris Sas. Okay, es gibt noch Anthony Kiedies (seit er sich als Sänger verbessert hat), David Bowie und noch einige andere, auch z.B. Pavarotti hatte eine schöne Stimme, aber eigentlich stehe ich auf Frauenstimmen. Ich finde schöne Frauenstimmen im Schnitt emotional berührender, auch schöner, obwohl ich der Meinung bin, dass sich Frauenstimmen sich schwieriger in Musik integrieren lassen. Als Musiker (bzw. Musikproduzent) bevorzuge ich also Männerstimmen, als Hörer Frauenstimmen.

Ich schweife ab - also, der männliche Gesangspart von "Draußen ist Freiheit" von Tanz der Vampire (in der Version der Orchester der vereinigten Bühnen) ist richtig schön. Dann ist mir dabei folgene Passage aufgefallen, bei der Frage, die ich mir gestellt habe, welche Freiheit hier besungen wird:

Draußen ist Freiheit und Hoffnung
Die man hier nicht kennt!
Draußen ist Freiheit weit fort von allem,
Was uns trennt!
(Beide):
Beginnt was man Liebe nennt!

Es ist ein Zufallsfund, aber er eignet sich dennoch zur Illustration eines linksliberalen, personalistischen Freiheitsbegriffes in der Tradition von Hannah Arendt. Freiheit ist meiner Meinung nach oft mehr als nur Freiheit für Eigentum und Egoismus bzw. - anders gesagt: Freiheit übersteigt den Freiheitsbegriff der pseudobürgerlichen Krüppelliberalen und verdummten Hayekanbeter. Ein radikal autistisch-egoistischer Freiheitsbegriff funktioniert für eine Gesellschaft auf Dauer genauso wenig wie Märkte dauerhaft funktionieren können, die ihre Vertrauens- und Fairnessgrundlagen erodieren. Hier wie dort liegt ein Geheimnis im Verhältnis zum Mitmenschen.

Ohne ein faires und wohlwollendes Verhältnis zum Mitmenschen geraten sowohl die Freiheiten in der Gesellschaft in Gefahr, wie auch die Kollektivveranstaltungen (ganz recht: Märkte sind Kollektivveranstaltungen!) von Märkten in Gefahr geraten. Ein Verständnis von Freiheit macht wenig Sinn, das den Mitmenschen eigentlich ausspart - bzw., in der Tradition eines allzu radikalen und voraussetzungslos erdachten Invividualismus, sich Freiheit im Wesentlichen als Freiheit vom Mitmenschen und als Freiheit von der Gesellschaft vorstellt - negative Freiheit.


Übertrieben drastisch - und götzenschänderisch formuliert: Isaiah Berlin war ein Idiot...

(jedenfalls irrte er bei einem zentralen Punkt seines Denkens - die wechselseitige Beziehung zwischen Freiheitsquellen und Freiheitshindernissen, sowie der oft letztlich personalistische Inhalt im Freiheitsbegriff, fällt oft deutlicher und komplexer aus, als es die nur vermeintlich denkscharfe Unterscheidung zwischen "negativen" und "positiven" Freiheiten vermuten lässt)

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18 April 2007

The Clash of Civilizations

Haben wir ihn jetzt?

Ich meine heute, wo die allgemeine Nachrichtenlage einen beachtlichen Amoklauf (Hintergründe) hergab, einen Anschlag, dazu ein abgemurkster Bürgermeister und ein Ultimatum. Nö. Es gibt keinen tiefergehenden "Clash of Civilizations" im Sinne von Kulturkampf. Alles Quatsch.

1. Wir haben nach wir vor "the Clash". Gute Musik ist das. Ich mag sie.

2. Wir haben unabhängig von guter Musik eine ganz brauchbare Zivilisation, wo m.E. eine Aufgabe ist, sich immer wieder neu um Zivilisierungen und Fortschritt zu bemühen.
Are you taking over
are you taking orders?
are you going backwards
or are you going forwards?
3. Wir haben jede Menge Gegensätze, hier wie woanders, sogar gewalttätige. Ich sehe vor allem den Zusammenprall zwischen arm und reich, bei uns und erst Recht im weltweiten Maßstab. Oft genug gibt es Clashs mit staatlichen Institutionen. Konzerne und Umweltschutz. Bildung und Demokratie. Irak. Gleichberechtigung. Bürokratie. Soziale Schutzrechte. Meinungsfreiheit. Viele Stichwörter. Die Zivilisierung des Kapitalismus: Das ist ein ganz großes Thema, jedenfalls dann, wenn man es mit der Menschenwürde ernst meint.

Dazu kommt, wie man an den Anschlägen sehen kann, eine Notwendigkeit für die Zivililisierung der inneren Kultur, und sei es, dass diese z.B. mit allgemeinen Waffenverboten herbeigeführt werden muss. Ich verstehe viele Amerikaner, die sich mit einem Waffenverbot schwer tun.

Denn so ein Verbot ist nicht einfach durchzusetzen, auch in Europa ging das nicht von heute auf morgen. Ja, es mag zunächst unbefriedigend wirken, wenn man diese Selbstverständlichkeit, nicht einfach mal 30 Leute niederzuknallen, mit Zwang durchsetzen muss. In den USA gibt es auf 1000 Einwohner z.tZt. 9,97 Tote infolge Schusswaffengebrauch (bei angenommener Lebenszeit von 70 Jahren), dazu zahlreiche Verletzte, bei uns 0,87 Tote auf 1000 Einwohner, in England 0,29.

Nur, realistisch betrachtet, die Amerikaner müssen nach der nächsten Präsidentenwahl (ich meine: Barack Obama wird Präsident) abwägen, einerseits zwischen der täglichen und zu hohen Mordfrequenz, der schusswaffenbedingt hohen Selbstmordrate, und andererseits einer tief empfundenen Freiheit, die für viele Amerikaner in einem Zugang zu Waffen zu liegen scheint. Amerika ist auf einem guten Weg:
Wie die Universität von Chicago unlängst in einer Studie ermittelte, ist die Zahl der amerikanischen Haushalte, die eine Schusswaffe besitzen, in den vergangenen 30 Jahren von 54 auf 30 Prozent geschrumpft. (Quelle)
Ich persönlich fühle mich nicht unfrei, weil ich mir nicht einfach so eine tödliche 9 mm-Schusswaffe besorgen kann. Unfrei würde ich mich z.B. fühlen, wenn ich abends beim Spazierengehen mit bewaffneten Gangs zu rechnen hätte. Oder damit, wenn meine pubertierende Tochter gerade verlassen wird, und eine Knarre im Nachtschrank hätte.
Staaten mit einem besonders liberalen Waffenrecht wie die USA und die Schweiz stünden in den Selbstmordstatistiken weltweit ganz oben, berichteten Vladeta Ajdacic-Gross und seine Kollegen von der Universität Zürich im "American Journal of Public Health". In Ländern, welche die Verfügbarkeit von Schusswaffen in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingeschränkt hätten, sei die Zahl der Selbstmorde mit Schusswaffen nachweisbar gesunken. (Quelle)
4. Ach ja, und dann soll da ja noch irgendwo der "Kampf der Kulturen" sein. Kann ja sein. Für mich gibt es da z.B. einen Kampf der Musikkulturen. Das ist ein Thema, dass mir wirklich wichtig ist. Es gibt natürlich noch andere wichtige Kulturkämpfe, zwischen alt und neu, z.B. zwischen etablierter Hochkultur und unabhängig-frischer Independent-Kultur. Beides? Ach, und irgendwo auf der Welt, die mir dann immer gleich so fern erscheint, gibt es auch religiös aufgeladene Kulturkämpfe.

Der angebliche Fundamentalgegensatz zwischen "den" Religionen ist nicht mein Hauptthema, ganz und gar nicht. Welcher belanglose Trottel nochmal? Huntington? Egal. Ich halte solche Ideen in erster Linie für mindfuck von Militaristen. Danke fürs Zuhören.
(Bild by Pixelio)

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