18 Juni 2009

In Gedenken an Ralf Dahrendorf: 12 Zitate

Als bürgerlicher Vollblut-Liberaler, der er war, geriet er m. E. etwas zu stark unter den Einfluss von cold war-Liberalen wie Hayek. Allzu viel konnten diese seinem wachen Verstand allerdings kaum anhaben, zumal er sich eher an Popper orientierte denn an Sektierer eines paläoliberalen Fundamentalismus.

Einige seiner charakteristischen Aussagen, als Gedenken an ihn, habe ich hier zusammengestellt:

1. "Bildung ist ein Bürgerrecht."

2. "Eine Politik der Freiheit bedeutet, die größten Lebenschancen der größten Zahl zu garantieren. Dafür benötige man eine Kultur der Solidarität und Zusammengehörigkeit."

3. "Lebenschancen haben [als politisches Konzept] nur dann Sinn, wenn die Optionen eingebettet bleiben in die Koordinaten der Solidarität, der Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit. Wenn die Gesellschaft zerfällt und Anomie einsetzt, werden alle Wahlmöglichkeiten zunichte."

4. "Es gibt keinerlei Beispiele für wirksame demokratische Institutionen jenseits des Nationalstaates. (...) Die Europäische Union ist keine Demokratie und ist auch nach dem sogenannten Verfassungsvertrag nicht auf dem Wege dorthin."

5. "Wir werden die Herrschaft nicht abschafffen, und statt es zu versuchen, sollten wir uns darauf konzentrieren, sie zu bändigen."

6. "Insbesondere, wenn wir aufhören, Neues auf die Gefahr des Irrtums hin zu versuchen, gerät die Erhöhung der Lebenschancen in Gefahr und mit ihr die Freiheit."

7. "Was die Ungleichheit betrifft, so sind die Prinzipien einer Politik der Freiheit einfach: Ungleichheit ist dann erträglich, ja ein Anreiz zur Erhöhung von Lebenschancen, wenn es ein garantiertes Grundniveau für alle gibt und wenn niemand seinen Reichtum nutzen kann, um die Teilnahmechancen anderer zu beschneiden."

8. "Wenn die Freiheiten missbraucht werden, um die Reichen auf Kosten der Armen weiter zu bereichern, ist das sicher eine Verletzung des kategorischen Imperativs."

9. "Ich verachte jene negative Haltung, die sich liberal nennt, aber tatsächlich kaum etwas anderes ist als die Verteidigung der Positionsinteressen der Besitzenden; Hayeks Verfassung der Freiheit ist nur ein halb liberales Buch, (...) Der aktive Begriff der Freiheit, den ich vertrete, erlaubt keine Ruhe, bevor nicht alle Wege zur Erweiterung menschlicher Lebenschancen erkundet sind, und das heißt, er erlaubt niemals Ruhe. Liberalismus ist notwendig eine Philosophie des Wandels."

10. "Das Recht auf Arbeit ist ein Missbrauch der Sprache, da es nicht erzwingbar ist; das Recht, nicht zu arbeiten, ist hingegen ein liberales Prinzip."

11. "Sozialleistungen müssen gekürzt werden für alle, die nicht arbeiten, auch wenn sie ledige Mütter mit ganz kleinen Kindern sind. Sozialbetrug muß schärfstens bekämpft werden, auch wenn seine Ausmaße durchaus bescheiden bleiben."

Anmerkung: Auch Dahrendorf hatte fundamentalistisch-neo"liberale" Züge.

12. "In dem kleinen Ort im Schwarzwald, wo ich ein Haus habe, verbringt die eine Hälfte der jungen Leute die Nachmittage im Park mit Trinken, die andere Hälfte engagiert sich in Vereinen und übt Instrumente."

Anmerkung: Dahrendorf wurde und wird oft überschätzt. Das ist nicht schlimm. Bedauerlich ist aber, dass er sich mitunter selbst überschätzt hat. Er hat sich in eine epigonenhafte Rolle drängen lassen, als Quasi-Urvater des Liberalismus. Und dennoch, er war einer der hellsten Köpfe des bürgerlichen Liberalismus des 20.ten Jahrhunderts. Sir Lord Dahrendorf wird uns fehlen.

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2 Comments:

At 19 Juni, 2009 07:55, Anonymous Stefan said...

Wobei auch Hayek nicht nur cold sondern auch cool war :-)

 
At 21 Juni, 2009 23:49, Anonymous klaus baum said...

danke für die zitate

 

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