02 März 2008

Der Bolognaprozess - ein Blick zurück

Bei “Bologna” hat sich das ereignet, was man auch den “Fluch der Bürokratie” nennen könnte: Eine zentrale Bürokratieinstanz entschied für die Wissenschaft in ganz Europa gemäß planwirtschaftlicher Methodik - und begründete diese mit den planwirtschaftlichen Klassiker:

E
s gäbe ein unabweisbares Erfordernis nach europaweiter Einheitlichkeit der Bildungsabschlüsse, zur Schaffung eines (angeblich ansonsten nicht vorhandenen) “gemeinsamen Hochschulraumes“ - und zur Förderung eines problemlosen "europaweiten Studiums".

T
aktisch geschickt wurde dieses - eigentlich irre und unpassende - Anliegen der EU-Bürokratie verwoben mit der Vorstellungen zur Studienzeitreduzierung und verbesserter Praxisorientierung. Kritik am Bolognaprozess wurde als Anliegen linker Minderheiten systematisch marginalisiert.

W
ozu braucht es dann noch eine breite öffentliche Diskussion? Die es m.E., in Teilen jedenfalls, durchaus gab. Es gab jedoch, bei den maßgeblichen hochschulpolitischen Kräften kaum einen ernsthaften - und den Bolognaprozess wirklich hinterfragenden - Diskurs. Wer hochschulpolitisch “rechts” war, fand den Bolognaprozess ganz wunderbar. Und findet ihn immer noch wunderbar, obwohl sich zeigt, dass jetzt deutlich weniger Studierende ins europäische Ausland gehen. Die Planung ging also schief, das Niveau wurde zudem gesenkt, universitäre Freiheitsspielräume wurden planiert. Ähnlich argumentiert Peter Riedlberger in Telepolis.

L
eicht polemisch überzogen könnte man auch sagen: Rechtsgerichtete Hochschulpolitiker mögen Methoden der Planwirtschaft, jedenfalls, solange sie damit ihre Ideen verwirklichen können…

Gleichzeitig ist dieser Hochschul"reform" ein Lehrstück über die Schädigung politischer Diskurse durch Diskriminierung bzw. Nichternstnehmen von Kritik, zu Lasten des Gemeinwohls, sowie ein weiteres Zeichen dafür, dass die EU-Bürokratur inzwischen einen absurd großen Einfluss auf die Lebensverhältnisse in unserem Land hat.

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