08 Juli 2007

Der Kampf um die lateinamerikanischen Öffentlichkeiten

Zur Frage, ob und inwieweit Chavez ein Gegner der Pressefreiheit ist, empfehle ich, einen Artikel des Neubloggers Delaselva (herzlich willkommen!) zu lesen, sowie den Artikel von Harald Neuber in der Telepolis.

Für mich bleiben viele Fragen zurück und das Gefühl, dass ich mich erst einmal gründlicher informieren muss. Sicher bin ich mir jedoch dabei, erstens, dass die Vermachtung von Öffentlichkeiten z.B. durch private Medienoligopole schädlich ist, zweitens sind natürlich auch totalitäre Einflüsse staatlicher Instanzen schädlich und schädlich ist drittens eine allzu tiefgreifende Ökonomisierung von Medien und Organen der Berichterstattung.

Gesellschaftliche Diskurse und Demokratie setzen m.E. voraus, sollen diese sinnvoll funktionieren, dass die Bevölkerung mit ihren Interessen in den Medien und Massenmedien fair repräsentiert wird. Die Frage ist allerdings, wie dies erreicht werden kann - für mich eine sehr offene Frage.

Notwendig ist zudem, meine ich, dass das gesellschaftliche Diskursklima nicht zu sehr von einem neokonservativen bis faschistoiden Schlachtfeldgedanken bestimmt ist, bei dem Öffentlichkeiten vor allem als Schlachtfelder zur Interessendurchsetzung begriffen werden.

Werden die Bürger, die Anliegen der Bürger sowie relevante politische Richtungen in den Medien und Massenmedien nicht mehr fair repräsentiert (wie zur Zeit von der Belusconi-Ära in Italien oder zuletzt in Frankreich), so gerät das Funktionieren der Demokratie in Gefahr. Problematisch ist auch, wenn ein übersteigerter Verlautbarungsjournalismus sowie Schlampigkeiten bei der Berichterstattung (z.B. das unkritische Umschreiben und Verbreiten von DDP/DPA-Meldungen) den Großteil journalistischer Arbeit bestimmen.

Sterben Vielfalt und faire Repräsentation, so stirbt die Demokratie.

Insofern ist der Kampf lateinamerikanischer Bewegungen für Medienvielfalt und gegen die Vormachtstellung rechtsreaktionärer Midenkonzerne sicherlich etwas anders zu bewerten, als es in der deutschen bürgerlichen Lügenpresse zur Zeit geschieht, wo - kontrafaktisch - z.B. auf Basis eines Artikels von Lafontaine behauptet wird, dass Chavez "den letzten" regierungskritischen Fernsehsender angreife und dass Lafontaine "für Pressezensur" in Venezuela sei.

So sehr ich Lafontaine in vielen Fragen für einen Schwachkopf halte, richtig ist, im Fall von Venezuela: Venevisión, Televen sind ebenfalls Chavez-kritisch eingestellt. Chavez bedroht also mitnichten "den letzten verbliebenen regierungskritischen Fernsehkanal".

Die Alternative zum schlampigen Journalismus einer Frau Susanne Amann von SpOn lautet im Übrigen: Seriosität.

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2 Comments:

At 08 Juli, 2007 14:23, Blogger kandelaber said...

"Gesellschaftliche Diskurse und Demokratie setzen m.E. voraus, sollen diese sinnvoll funktionieren, dass die Bevölkerung mit ihren Interessen in den Medien und Massenmedien fair repräsentiert wird."

Nur: wie soll diese Repräsentation vonstatten gehen und erreicht werden? Die Bevölkerung ist für die Massenmedien (ebenso wie für die Politik und jeden anderen Funktionsbereich der Gesellschaft) absolut undurchschaubar. Es wird zwar ständig versucht, die Präferenzen der Zuschauer (der Wähler etc.) mittels Meinungsforschung, Umfragen, Ermittlung von Einschaltquoten und dergleichen ex post zu ermitteln, doch sind dies stets nur Stichproben mit kontingenter Methodik, deren Ergebnisse den ständig ausdifferenzierenden und fluiden sozialen Millieus kaum noch standhalten.

Es wird immer Leute wie Dich (und mich) geben, die sich nicht repräsentiert fühlen und die Gesellschaft hält m.M.n. derzeit keine Strukturen bereit um Repräsentation herzustellen. Im politischen Kontext wird das Wort Repräsentation wohl vorwiegend aus Legitimationszwecken hochgehalten. In den Massenmedien kursieren häufiger Semantiken der 'Meinungsvielfalt', die schon vom Wortsinne her ausschließen, alle Meinungen zu bedienen.

 
At 11 Juli, 2007 20:57, Anonymous Anonym said...

hi!
danke fuer deine verlinkung meines blogs.
bin tatsaechlich neu in der blogwelt und kenn mich noch nicht so aus hier.
wie hast du mein blog eigentlich gefunden?

ciao
;)
delaselva

 

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