08 Juni 2007

Anmerkungen zur Verteilungsökonomie

Beim letzten, übrigens sehr angenehmen, Treffen von etwas über drei Hochverdienern (Lebemann, Che sowie Booster im Geiste) kam mir eine Idee. Und zwar:

Wenn wir zusammen so herrlich schmerzlos mit Geld um uns werfen können (bzw. uns von Lebemann einladen lassen können), dann ist das für uns schön und gut. Wirklich. Aber rein allokationstheoretisch haut das nicht ganz hin, und das, obwohl jeder der Anwesenden etwa die gleiche Menge vorzüglichen Wein, Wasser und Krabben vernichtet hat.

(Sozusagen ein Treffen einer kommunistischen Gruppe)

Es scheint nämlich so zu sein, dass "der" Markt, genauer geschrieben, eine überwiegend marktgesteuerte Wirtschaftsordnung, immer dann ungenügend funktioniert, systemimmanent schlecht funktioniert, wenn die soziale Ungleichheit in ihr zu groß wird.

Wo wir nämlich mit hunderten von Euros um uns werfen können, wie gesagt, völlig schmerzfrei und zur Vervollkommnung eines gelungenen Nachmittags, dürfte der gleiche Betrag an Euros z.B. in den Händen einer durchschnittlichen Call-Center-Agentin allokationstheoretisch deutlich mehr wert sein.

(Oder auch bei meiner entzückenden Nachbarin, welche nicht wie ich Kaufmann ist, sondern Krankenschwester)

Anders gesprochen: Reiche und wohlhabende Menschen setzten, wenn sie über zuviele Mittel verfügen, die falschen Allokationssignale. Und umgekehrt: Die Bedürfnisse armer Menschen werden in einer Marktökonomie, für den Fall zu großer einkommensmäßiger Ungleichheit, über bald jedes vernünftige Maß hinaus vernachlässigt.

Bums.

Sollte diese meine hypothetische Behauptung, welche sich mit der simplen klassischen Terrorie Theorie der Ökonomie - sowie dem Zauberglauben an die "unsichtbare Hand" sehr empfindlich beißt, richtig sein (und ich bin davon überzeugt), dann heißt das auch:

Die Allokationseffizienz einer marktwirtschaftlichen Ordnung sinkt bei zu großer sozialer Ungleichheit.

Es ist daher m.E. eine Aufgabe für jeden echten Ordoliberalen, sich für sozialen Ausgleich einzusetzen sowie dafür, dass sich die besten Köpfe einer Gesellschaft um die Bedürfnisse von armen Menschen kümmern. Zum Beispiel so (und nein: was wir hier sehen, ist eben keine reine Marktlösung).

Im Übrigen ist die soziale Ungleichheit, wenn sie ein bestimmtes Maß überschreitet, immer zu bekämpfen. Wer das Gegenteil behauptet, wie z.B. arrogante anti-wissenschaftliche Botschafter Extremisten der INSM, ist ein erbärmliches Arschloch. Doch doch. Auch Sie, Herr "Statler".
(Bild via Flickr von mzeecedric)

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2 Comments:

At 09 Juni, 2007 16:22, Anonymous Meudalherr said...

Verteilungsökonomie - da ist etwas dran. Man kann die ganze Problematik insbesondere im Hinblick auf extrem grosse Vermögen sehen. Was sind ein paar Milliarden Euro Vermögen für einen einzelnen Superreichen? Was ist die entsprechende Vermögensmenge für Millionen erwerbsfähige deutsche Untertanen "wert"?

 
At 16 Dezember, 2008 17:48, Anonymous Kenner_der_Szene said...

Der "Statler" aka Dr. Jan Schnellenbach bloggt ja nun gottlob auch nicht mehr!

 

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