06 Mai 2007

Obama-Serie (2): Wilson 2.0

Auf den Rat von David hin las ich mir die außenpolitische Grundsatzrede von Barack Obama durch. Zunächst fühlte ich mich enttäuscht, zumal Obama im Falle seiner Präsidentschaft sogar rund 100.000 zusätzliche (!) Soldaten für die US-Armee forderte und keine Abstriche am gegenwärtigen, irrational aufgeblähten Rüstungsumfang ankündigte.

Doch, je mehr ich von dieser Rede gelesen habe, umso mehr wurde für mich Obamas Konzept deutlich. Er gab auf die außenpolitischen Gegenwartsfragen eine stimmige Antwort - und zielte am Ende doch auf die Zivilisierung und Entmilitarisierung der amerikanischen Außenpolitik.

Zunächst zu seinen politischen Grundwerten: Obamas Wertekern ist weniger einseitig, weniger ideologisiert und wird der Natur des Menschen eher gerecht als dies bei seinen konservativen Konkurrenten der Fall ist:
The true desire of all mankind is not only to live free lives, but lives marked by dignity and opportunity; by security and simple justice.
Er appelliert mit seiner außenpolitischen Konzeption an die großen amerikanischen Verdienste, an die Traditionen einer großen Nation:
They will be ready to show the world that we are not a country that ships prisoners in the dead of night to be tortured in far off countries. (...) That is not who we are. America is the country that helped liberate a continent from the march of a madman. We are the country that told the brave people of a divided city that we were Berliners too. We sent generations of young people to serve as ambassadors for peace in countries all over the world.
Überraschenderweise steuert Obamas außenpolitische Rede, die geradezu militaristisch begann und sogar die Präventivschlagsideologie verteidigte, im letzten Drittel in pazifistisches Fahrwasser: Obama formuliert gegenüber militärischen Mitteln ein Primat von Politik, Diplomatie und Entwicklungshilfe, welche er bis 2012 verdoppeln möchte wird.
I know that many Americans are skeptical about the value of foreign aid today. But as the U.S. military made clear in Camp Lemonier, a relatively small investment in these fragile states up front can be one of the most effective ways to prevent the terror and strife that is far more costly – both in lives and treasure – down the road. In this way, billion a year in foreign aid – which is less than one-half of one percent of our GDP – doesn’t sound as costly when you consider that last year, the Pentagon spent nearly double that amount in Iraq alone.
Barack Obama will zwar den Personalumfang der US-Armee um ca. 6% ausweiten, andererseits will er das amerikanische Militär zivilisieren, die Kriegsführungskosten stark absenken - und dann diese Einsparungen schwerpunktmäßig für Entwicklungshilfe und weltweite Bildungsaufwendungen einsetzen. Seine außenpolitischen Gesamtkonzeption ist in starken Maß friedenspolitischer Natur, abrüstungsorientiert und präferiert Entwicklungshilfe vor Militärausgaben. Insofern: Wilson 2.0.

(Fotonutzung gestattet von Barack Obama)

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1 Comments:

At 27 August, 2009 08:03, Anonymous Anwalt said...

Das ist ein großer article.I denke, alle Politiken aus einem Präsidenten geht nie in die Gunst dieser country.Every Regierung haben einige positive und negative Punkte in sein Reich.

 

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