19 Januar 2006

Vom Wesen des Wettbewerbs

Manche Dinge sind so einfach, dass es sich fast nicht lohnt, darüber zu sprechen. Vom Wettbewerb wissen wir im Prinzip drei Dinge:
  • Das Wettbewerbsprinzip gehört zu den stärksten Anreizsystemen
  • Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind von seinen Regeln abhängig
  • Wettbewerb wird von kulturellen Zusammenhängen geprägt - und übt selbst kulturellen Einfluss aus
Regeln?

Der Glaube, dass ein ungeregelter Wettbewerb die besten Ergebnisse erbringt, ist ein haltloser Mythos. Es mag zwar ideologische Systeme geben, welche De-Regulierung für das Entscheidende halten, indes, diese Sichtweise wird von der Wirklichkeit völlig widerlegt.

Ja, Kern des Wettbewerbs ist nicht nur der Wettbewerb selbst, sondern seine Regelsetzung! Die Ergebnisse von Wettbewerb sind vor allem (!) von Regeln abhängig, und davon, wie erfolgreich diese durchgesetzt werden. Hilfreich zudem ist eine Kultur von Fairplay.

Nehmen wir zum Beispiel den Stabhochsprung: Die Regel lautet hier: Wer mit normierten Sportgerät am höchsten springt, gewinnt. Im Ergebnis erhält man sagenhafte Spitzenleistungen auf dem Gebiet des Stabhochsprungs. Manipulation wird streng geahndet. Im Fall vom Fußball ist es ähnlich, nur, dass man es hier mit einem komplexeren Regelwerk zu tun hat, das Fairness brutal erzwingt und die Gestaltung des Spiels im Einzelnen regelt. Eben nicht: Tore und gut.

Dazu kommt, was die Anreize maximiert, dass die Wettbewerbe untereinander vielfältig verflochten sind, mit regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben, für die einheitliche Regeln gelten. Zu viel Regeln vermindern den Spaß am Spiel, zu wenig Regeln wären verheerend. Ohne Schiedsrichter würden z.B. die Fußball-WM in allerübelstem Chaos enden - und womöglich eine Reihe veritabler Kriegsgründe zwischen den beteiligten Nationen liefern.

Egoismus und Gruppendynamik müssen zivilisiert werden, anderenfalls erhält man Anarchie.

Der ökonomische Wettbewerb hat den Vorzug, dass er Anreize für produktives und nachhaltigtes Wirtschaften schafft. Es wird nicht einfach Wohlstand aufgezehrt. So weit so gut. Nein, sogar hervorragend, nur, dass damit die Fragen längst noch nicht geklärt sind, welche Regeln hier gut und sinnvoll sind.

Auch hier wird man zahlreiche Notwendigkeiten für Fairnessregeln finden, damit es zu einem Leistungswettbewerb kommt. Schädigungswettbewerb, z.B. Betrug oder sozial schädliche Formen von Wettbewerb müssen brutal unterbunden werden, während die Erzielung positiver Wettbewerbsergebnisse gefördert werden muss. Regeln und effektive Schiedsrichter, welche die Befolgung von Regeln erzwingen: Denn jedes Spiel erzeugt Ergebnisse gemäß seinen Regeln.

So einfach ist das.

1 Comments:

At 19 Januar, 2006 14:54, Anonymous Martin H. said...

Interessant, dem kann ich durchaus zustimmen.
Wie verhält es sich aber bei Regeländerungen, die nur dazu dienen starke und leistungsfähige Teilnehmer zu beeinträchtigen? Aus dem Sport fallen mir gleich zwei Beispiele ein, aus dem Wirtschaftsleben aber keine. Bekanntestes Beispiel dürfte wohl die Formel 1 mit ihren Einschränkungen zu Motorgröße u.ä. sein. Mehr Details weiß ich aber vom Bobsport. Dort war irgendwann aufgefallen, dass in der Regel zur Kufe nur von Stahl gesprochen wurde. Sportler mit den entsprechenden Mitteln konnten also durch Entwicklung einer geeigneten Stahlsorte einen Wettbewerbsvorteil erlangen. Der internationale Bobsportverband hat aber mit einer Regeländerung eine Stahlsorte für alle festgelegt.
Für die Förderung benachteiligter gibt es viele und gute Gründe, die eine Regeländerung rechtfertigen. Der Sport ist aber ein schlechtes Beispiel, denn Regel dienen dort nicht nur der Schaffung von Ordnung und System im Sinne des Sportlers sondern auch der Interessanterhaltung für Zuschauer und Medien.

 

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