18 November 2005

Nachschlag zur Spiegelkrise

Neben Oliver Gehrs in der TAZ verdient auch Mathias Bröcker Gehör:
"Dennoch mußten Frau Augstein und ihr Bruder Jakob nach dem Tod des Gründers aufgrund einer älteren Verfügung jeweils 0,5 % ihres Anteils abgeben, die ihnen nun an einer Sperrminorität - und damit an direktem Einfluß - fehlen. Wenn der sich anbahnende Fight für die Kinder erfolgreich ausgehen sollte, neben Aust auch noch ein bis zwei Dutzend anderer redaktioneller Flachpfeifen den goldenen Handschlag bekommen, frischer Wind in der Brandstwiete einkehrt und man wieder den "Spiegel" schauen könnte, ohne sich kopfschüttelnd und mit Grausen abzuwenden... das wäre einfach zu schön um wahr zu sein"
Bemerkenswert finde ich, dass man es beim SPIEGEL völlig in Ordnung findet, wie hier zu lesen ist, einen Autoren zu bashen, weil er Kritik an der nachlassenden Qualität des SPIEGEL geäußert hat. Für mich ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die presseethischen Vorstellungen im Sturmgeschütz deregulierter Marktwirtschaft drastisch verschlechtert gewandelt haben.

Augstein würde kotzen.

2 Comments:

At 18 November, 2005 15:17, Anonymous C.Lapide said...

Generell wendet man sich natürlich eher "kopfschüttelnd und grausend" ab wenn Matthias "US-Ölsuche mit Schallwellen könnte den Tsunami ausgelöst haben" Bröckers schreibt, denn mit seriösen Journalismus hat das in der Regel noch weniger zu als was der Spiegel unter Aust tut ;)

Zudem verstehe ich die Aufregung nicht. Der Spiegel hat sich stets politisch engagiert. Die journalistische Tätigkeit, auch und gerade Augsteins, war nie rein objektiv und neutral, wollte es auch garnicht sein. Dies jetzt zu beklagen weil der Spiegel ein ganz kleinwenig andere Themen als Straußbashing betreibt ist heuchlerisch. Viel hat sich sowieso nicht geändert. Wie immer kommt einmal im Jahr Hitler aufs Cover und vor Weihnachten die Jesusausgabe.

 
At 18 November, 2005 16:08, Blogger Dr. Dean said...

Bröckers ist nicht unbedingt der Maßstab, das sehe ich auch so.

Interessant aber fand ich, wie man beim Spiegel einen Verriss begründete. Ich glaube - an dieser Stelle - Bröckers Darstellung, auch wenn sie das Geschehen wohl etwas einseitig darstellt.

Das Problem beim SPIEGEL ist in meinen Augen nicht das journalistische Engagement oder gelegentliche Einseitigkeit. Da gibt es Highlights, brave Hausmannskost und fragwürdige Dinge.

Problematisch ist aber eher schon, wenn versucht wurde, das Blatt zur Gänze zum Teil einer Kampagne zu machen, und vor allem, wenn Fairness und das Streben nach Wahrhaftigkeit dabei auf der Strecke bleiben, weil - gemäß dem falsch verstanden Vorbild angelsächsicher Medien - vor allem die Polarisierung und polemische Zuspitzung gesucht wird.

Ich sehe ein Fairnessproblem, ein Problem mit der Wahrheitssuche und Genauigkeit.

Es gibt viele SPIEGEL-Artikel, wo Bröckers Formulierung mit dem "Grausen" leider zutreffend ist.

Problematisch ist auch, wenn man sich die Agenda bestimmter Eliten zu Eigen macht - und beispielsweise systematisch (wie C.C.M. und andere) in "Reportagen" die Lächerlichkeit von Hilfsbedürftigen heraus zu arbeiten versucht, wenn man geradezu Falschreportagen vornimmt, wenn man Live8 kenntnisfrei zu stigmatisieren versucht, während man an anderen Stellen die "Zivilgesellschaft" ausruft.

Da gibt es eine Schieflage.

Aust hat den Spiegel einerseits bunter, populistischer und polemischer gestaltet, das kann man als gut und unvermeidlich einstufen, andererseits aber entfernt er (und nicht er allein) den Spiegel tendenziell von einer Verpflichtung dem Allgemeinwohl, der Demokratie und allen Bürgern gegenüber.

Dazu kommt eine - so nenne ich es - Bestechlichkeit gegenüber Wirtschaftsinteressen (ob nun im Reiseteil, bei der Einnahme politischer Standpunkte oder die auffällige Beteiligung an der völlig überzogenen - Vogelgrippe-Kampagne).

Der Spiegel hat sich in meinen Augen deformieren lassen, weg von einem Magazin, das explizit machtkritisch war und eine Wächterfunktion eingenommen hat, hin zu (jetzt überspitze ich stark) einer Art Amtsblatt der Bertelsmannstiftung.

Ich will nicht abstreiten, dass die daran Beteiligten dies auch aus ehrlich empfundener Verantwortung heraus taten. Es bleibt ein Problem und dummerweise verminderte dieses Verhalten zugleich die publizistische Vielfalt in Deutschland.

DAS, sowie eine übertriebene Anhäufung relevanzfreien "Infotainments" ist Kern meiner Kritik.

 

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