11 Februar 2007

Tokio Hotel antisemitisch?

Im neuen Video zum Tokio Hotel-Song "Übers Ende der Welt" (youtubelink) spielen die Designer und Macher des Musik-Videos gezielt mit Bildern, welche die Kinderband Tokio Hotel als unterdrückte KZ-Insassen inszenieren.

Der Holocaust bzw. KZs werden hier schamlos als Werbeidee instrumentalisiert, nämlich als Lieferant krasser Bilder zum Zweck des Musikmarketings.

Im Laufe des Musikvideos tritt die Band Tokio Hotel auf, und die kurz zuvor noch wie KZ-Gefangene schwer Wankenden werfen, fröhlich ihre Ketten fort, hey, und machen Party.


Satire: The making of the video "Übers Ende der Welt"

Das Agenturteam sitzt in einer besonderen Kreativzone versammelt, in einem speziell eingerichteten Raum, wo die Sitzgelegenheiten für Erwachsene unbequem, die Tische zu niedrig und die Farben ungewohnt grell sind. Die halbe Kreativmannschaft der Agentur ist nun hier versammelt, an einem großen, unbequem niedrigen, von den Sekretärinnen mit Gebäck und Kaffee hergerichteten Tisch. Wie immer, an diesem Ort werden die Agenturideen für Jugendprodukte entwickelt. Nach einer Minute des Schweigens hebt der Boss die Stimme an.

Productioner/Boss so: "Liebe Mitarbeiter, äh, krass, das Stichwort, also, äh, wir brauchen hier und jetzt für unsere Kunden eine voll krasse Idee. Die krasseste Idee!"

Anja-Tanja so (säuselnd): "Ja, Boss, wir brauchen die krasseste Idee!"

Productioner/Boss (springt auf den Tisch): "Leute: Chaka! Chaka-Chaka! Alles für die krasse Idee!"

Team (steht auf, applaudiert, stampft mit den Füßen, ruft dann gemeinsam): "Chaka! Chaka! Chaka! Alles für die krasse Idee!"

Jean-Pierre von Toilet so: "Äh. Emm, was ist eine krasse Idee?"

Productioner/Boss (klettert vom Tisch runter, schnauft): "Geil! Jean-Pierre, Du bist zwar der größte und matteste Obertrottel wo gibt, Du bist Deutschland, aber die Frage ist der Knaller. Leute: Was wäre eine krasse Idee? Raus damit!"

Kreativer A so: "Äh, Boss, ...äh. Also, äh. So wie der Bohlen vielleicht? Äh, ich mein, nee. Äh, ich, wie wärs, emm, wir filmen einfach die Visage von den Jungs, äh, und, äh, lassen dazu die Musik von Tokio Hotel spielen?"

Betroffenes Schweigen. Das war krass. Aber die vorgeschlagene Idee von Kreativer A war fürs Team noch nicht krass genug. Einige Mitarbeiter gießen sich den bereitstehenden Kaffee in die Tassen. Jeder wartet gespannt, bis der Boss wieder was sagt. Die Tür klappt und Kreativer B und Kreative C betreten den Raum. B und C setzen sich und werden von Team und Boss angestarrt.

Productioner/Boss (schwenkt bzw. schlürft seinen längst schon kalten Espresso und setzt zu einer Rede an): "B! C! Womit können wir verblödete Teenies noch schocken? Klingeltöne, Horror-Gestalten, Foltergeräte, Aliens, Irak, Guantánamo: Alles ist durch. Alles. Alles ist öde. Sex geht noch nicht, ist ja für Kinder. Würde funktionieren, aber wir können und dürfen nicht an ihre nicht vorhandenen Eier greifen. Leute! Die Lage ist ernst! Wir brauchen etwas tootal Krasses! Ohne Sex. Einen echten Schocker."

Kreativer B (rätselnd): "Sex geht nicht? Auch keine Monster? Warum malen wir den Bill nicht einfach wie Elisabeth Taylor an?"

Anja-Tanja (säuselnd): "Der läuft doch schon die ganze Zeit so rum. Das langt nicht."

Kreativer C (schmettert seine Kaffeetasse auf den Tisch): "Wie wärs mit nem Holocaust? Tokio Hotel und Holocaust. KZ-Insassen. Das wär jezz ma richtig krass, wa? Und beim nächsten Musikvideo thematisieren wir den Bomben-Holocaust von Dresden."

Kreativer A (bei ihm sprüht beim Sprechen der getrunkene Kaffee): "Krass!"

Productioner/Boss (sehr laut): "Chaka!!"

Jean-Pierre von Toilet (nicht mehr müde): "Tokio Hotel macht frei!"

Kreativer B so: "Krass!"

Kreativer A so: "Und dann, äh, müssen so Leute die Wände hochkriechen, emm, das ganze Musikvideo lang. Sieht geil krass aus."

Kreativer D so: "Das Video wird eine endgeile Mischung aus Metropolis und Best of Auschwitz."

Anja-Tanja (notiert das Protokoll und wie immer säuselnd): "Damit kommen wir in die Charts, wir keckern, äh, klettern ganz hoch in die Charts. Schreibt man Auschwitz mit einem S oder Doppel-S?"

Productioner/Boss (sichtlich stolz): "SS! Chaka!!! Ihr seid so geil! Meine Leute. Ich liebe euch! A! B! Jean-Pierre! Ihr scribbelt bis heute Abend ein Script! Anja-Tanja! Du suchst mir bis heute Abend die voll krassesten KZ-Bilder und Videos raus! Ich brauche geile Ideen. Äh, ich fand sowas ja schon immer sehr interessant. Und ruf auch gleich mal unsern RA Stahlschnösel an, ob das geht, wenn irgendwelche Jammerlappen losheulen. Geil! Wir haben eine super Idee. Das muss von vorne bis hinten so richtig inszeniert werden. Krass! C! Heute liebe ich Dich. Du darfst Dir heute bei uns kostenlos den Firmenkaffee ziehen! Suuper Idee! Chaka! Ruf gleich unsere Designer an, die sollen schon mal KZ-Kleidung für die Jungs von Tokio Hotel entwerfen. D! Denk Dir mit A, B und Jean-Pierre einen Plot fürs Video aus und informier unsere Suppies, damit die schon mal spuren! Meine Herren! Meine Damen! Ran an die Arbeit! Schocken muss das! Tokio Hotel aba bitte nur als Opfer, sonst kriegn wa Probleme. Auf gehts!
"

Das Team geht auseinander, freut sich über die kommenden Bilder, selig an den Holocaust denkend...

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