22 Juni 2008

Ludwig Mises als völkischer Rassist

Ludwig Mises, der gefeierte Vordenker sogenannter "Liberaler", beschied 1927 den Russen, diese gehörten zu...:
"...den Barbarenvölkern zu beiden Seiten des Ural, deren Verhältnis zur menschlichen Zivilisation nie ein anderes gewesen ist als das von Wald- und Wüstenräubern, die von Zeit zu Zeit Raubzüge in das Land der Zivilisierten unternehmen, um dort etwas zu ergattern. Dieser Unterschied bewirkt es, daß der Faschismus sich niemals in einer solchen Weise von der Macht der Ideen des Liberalismus zu befreien vermögen wird (...)"
Da kann man mal sehen, wie "weitblickend" und überaus "liberal" dieser Ludwig Mises ist. Ach, Quellenangabe? Na klar, das steht so in seinem zentralen Werk "Liberalismus" aus dem Jahr 1927, wo Mises erläutert, wie liberales Denken auszusehen hätte. Zum Beispiel: Falls auf demokratischen Weg die Interessen von Arbeitnehmern das Schwergewicht in der Politik erlangen, so hat dieser Ludwig Mises auch nicht das Geringste gegen einen Putsch durch Faschisten einzuwenden, ganz im Gegenteil, die faschistische Entmachtung von Arbeitnehmern und den ihnen nahe stehenden demokratischen Politikern rechnet er, tatsächlich, zur Rettung der Gesittung Europas. Mises schreibt: "Das Verdienst, das sich der Faschismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben."

Kein Wunder, dass Ludwig Mises im Jahr 1933 auch am Putsch des Klerikalfaschisten Dollfuß rein garnichts auszusetzen hat. Im von jeglicher Arbeitermacht gesäuberten Wien fühlt sich Ludwig Mises pudelwohl, einzig stört ihn der Einfluss von ständischen Agrariern und die allzu enge Einbindung in das politische Tagesgeschäft, was seine Schriftstellerei hemmt.

Zurück zu den großen Fragen: Schuld am Naziterror und am Aufkommen des Faschismus in Europa ist übrigens, nach Ansicht von Ludwig Mises die Sozialdemokratie, und darüber hinaus, die "dritte Internationale", denn diese üblen Mordbuben hätten den Faschisten erst das gewalttätige Handwerkzeug geliefert.

Die Stiftungen, die mit hohen Geldaufwand (v.a. in Amerika) das Andenken an diesen "liberalen" Sektierer namens Ludwig von Mises finanzieren, wurden übrigens ausnahmslos von stark rechtsgerichteten bis rechtsextremistischen Unternehmern finanziert. In der heutigen FDP gilt Ludwig Mises inzwischen als liberaler Vordenker.

Noch Fragen?

(Ja, und bitte keine Hinweise darauf, dass sich Ludwig Mises hinterher von seinen völkischen Vorstellungen aus dem Jahr 1927 getrennt hat. Das war keine Leistung. Mir ist auch bekannt, dass Mises im Jahr 1927 kein reinblütiger Rassist war, eher gilt das Gegenteil. Mises ging es ohnehin nur um die Bekämpfung der Sozialdemokratie. Etwas anderes spielt für ihn kaum eine Rolle -und daher hat er z.B. auch niemals davon Abstand genommen, dass er alle Russen zu Vertretern eines stark zur Gewalt neigenden "Barbarenvolkes" zählte.)

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6 Comments:

At 22 Juni, 2008 19:11, Anonymous Perspektive2010 said...

Nun, da könnte auch das "Projekt 18" der FDP ein neuen Beigeschmack bekommen. Denn bei den Neonazis ist die 18 ja ein Zahlensymbol für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, ergo A und H, was die Initialen von Adolf Hitler sind. Allerdings müßte es dann Projekt 18,2 heissen für "Adolf Hitler, 2. Versuch"...

Bei solchen "Liberalen" ist alles liberal, was die Freiheit an den Besitz koppelt, solange sie selbst Besitzende sind, mehr nicht. Ein pseudo-liberaler, bräunlicher Bodensatz mit faschistischen Einschlägen in der politischen Landschaft.

Amüsierte Grüße

Alex

 
At 23 Juni, 2008 13:50, Blogger John Dean said...

Mir geht es nicht darum, Ludwig Mises zum Rechtsextremisten zu erklären, der er nicht war (aber: ein Extremist war er). Aber es geht mir darum, ein wenig an seinem unverdienten Thron als angeblicher "Vordenker des Liberalismus" zu rütteln.

Mises mag vieles sein, vor allem ein wortgewandter und eleganter Schriftstelelr - das Wort "liberal" kennzeichnet ihn ziemlich schlecht, auch wenn er es mit sektenähnlicher Penetranz für sich beansprucht, ja, sogar eine Art Definitionsmacht beansprucht. Nur - Ludwig Mises war ein ganz gewöhnlicher Bürgerlicher. Sicher war die "Freiheit" ein Wert für ihn, jedenfalls, solange sie seiner eigenen Schicht dient. Nicht die Freiheit von Sozialdemokraten, sondern eben die Freiheit des Eigentums interessiert ihn. Ansonsten ist er wenig "liberal".

Nehmen wir zum Beispiel den Bereich Homosexualität. Was sagt der "Liberale" Mises dazu? Verbreitet er die gängigen dümmlichen bürgerlichen Vorurteile seiner Zeit, verlangt er den Einsatz der Sittenpolizei gegen Homosexualität oder ist er ein Liberaler?

--- schnipp ---
"einer von der Wiener Sittenpolizei durchgeführten Erhebung gaben nur sehr wenige der unter Kontrolle stehenden Mädchen als ersten Verführer den «Zimmerherrn» oder «Bettgeher» an. Dagegen bezeichnete der erfahrene Referent der Polizei die Männerheime als eine Brutstätte der Homosexualität. Ich hielt es daher zumindest für überflüssig, aus den zur Verfügung stehenden Geldern derartige Männerheime zu finanzieren."
--- schnapp ---


Sowas schrieb er noch in seinen "Erinnerungen" aus dem Jahr 1978. Wenn das "liberal" ist, dann gehört äußerste Debilität zu den zwingenden Voraussetzungen, um bei der FDP "Vordenker des Liberalismus" genannt zu werden.

 
At 23 Juni, 2008 14:28, Blogger John Dean said...

Ès gibt allerdings auch Sätze und Passagen im Werk des Ludwig Mises, welche beachtlich und wiederholenswert sind, zum Beispiel:

--- schnipp ---
"Demokratie ist jene Verfassungsform eines Staates, die die Anpassung der Regierung an die Wünsche der Regierten ohne gewaltsame Kämpfe ermöglicht."
--- schnapp ---

Das ist doch sehr schön, sprachlich und inhaltlich, oder?

Damit beschreibt er zugleich den Zweck, und zwar in einer - wie ich finde - klugen, prozesshaften Weise.

(Sein nicht minder bürgerlicher Schüler Hayek entleibt die Demokratie dann später um ihren von Mises beschriebenen Nukleus, der "Anpassung der Regierung an die Wünsche der Regierten", um vermeintlich noch "liberaler" das Eigentumsprinzip zu betonen und das demokratische Prinzip dann im Gegensatz zum angeblich höheren Prinzip des Eigentums anzusehen...)

 
At 30 Juni, 2008 13:21, Anonymous che2001 said...

Statt Bastiat (der für seine Verwurstung durch heutige Rechtsliberale nichts kann, insbesondere nicht, was die kanonisierte Interpretation seiner Parabel vom zerbrochenen Fenster angeht), Mises, Hayek und Friedman als die Großtheoretiker des Liberalismus anzusehen, würde ich ja eher sagen: Condorcet, Virchow, Naumann, Quidde, Russell, Popper, Dahrendorf, Rawls. Von denen liest man wenig in der Bloggosphäre.

 
At 06 Juli, 2008 21:49, Blogger Dominik Hennig said...

Hahaha, dabei gibt es von Naumann noch viel üblere rassistische Zitate, bei denen Euch Hören und Sehen vergeht!!!

Und Virchow flirtete mit dem Antisemitismus, nur Richter hielt stand!

 
At 01 Oktober, 2008 14:13, Blogger ralphj said...

das mag wie vieles andere auch bei von Mises problematisch sein- es sei aber gesagt, dass die Russen dieser Zeit das Problem hatten, niemals eine bürgerliche Gesellschaft gehabt zu haben, weswegen Stalin auch per Szientismus versuchte, dieses notwendige Stadium (das der kapitalistischen Gesellschaft)auf dem Weg zum Kommunismus einfach zu überspringen.
Und wenn von Mises von Faschismus spricht, seit daran erinnert, dass er sich auf den italienischen bezieht, nicht auf den deutschen Nationalsozialismus. Und dieser war klar "zivilisierter" und vor allen Dingen nicht totalitär, geht man nach Hanna Arendt.

 

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