18 August 2007

Vom Prinzip "starker Dekane" an deutschen Universitäten

Die sogenannte "Stärkung der Dekane" ist in meinen Augen ein Ausdruck eines sich immer autoritärer gerierenden Zeitgeistes, es ist unwissenschaftlich, organisatorisch unsinnig, und wie die ersten Erfahrungen zeigen, undemokratisch. So undemokratisch wie z.B. in Hamburg, wo Professoren inzwischen das freie öffentliche Wort verboten wird, damit die Stimme des Führers Dekans von keinerlei Zwischentönen getrübt wird.

Tatsächlich geht es bei der sogenannten "Stärkung der Dekane" an den Universitäten um das Führerprinzip, es ist Ausdruck eines falschen Denkens, welches die Rolle von autoritären Vorbildern überschätzt - und jeder, der Interesse an der deutschen Wissenschaftsgeschichte hat, sollte z.B. die Vorgänge im Jahre 1933 an der Universität Freiburg im Detail betrachten, damals, wo der Philosoph und Nationalsozialist Heidegger einen "starken Dekan" gab.

Die Vorzeichen snd andere - aber die Parallelität der Erscheinungen, auch im Detail, damals in Freiburg, heute in Hamburg, ist teils sogar höchst frappierend. Und es sind die gleichen Stimmen*, welche ein möglichst rücksichtsloses Wirtschaften ("Neoliberalismus") fordern, die auch kontraproduktive autoritäre Strukturen an den Universitäten einzuführen verlangen, welche auf Macht und Autorität setzten, statt auf Freiheit und Partizipation.

Das antidemokratische Denken greift um sich.

* Die Lobbyisten bzw. Bertelsmänner rund um das neo"liberale" CHE, z.B. der für seinen geistigen Dünnpfiff bekannte Herr Detlef Müller-Böhling, der Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), stehen für diese gedankliche Richtung, die eine Mixtur ist aus Autoritarismus, Rücksichtslosigkeit und einer sich elitär gerierenden Wirtschaftshörigkeit.

So gilt es im von Wirtschaftslobbyisten gesteuerten CHE tatsächlich als höchst erstrebenswert, wenn ein mächtiger Hochschulpräsident den jeweiligen einzelnen Fachbereichen den dort zu "wählenden" Dekan vorgibt! Führerprinzip. In CHE-Diktion liest sich das in etwa (d.h. leicht paraphrasiert) so: "
Der Präsident kommt durch die Zustimmung des Kuratoriums (Hochschulrat) und des Akademischen Senats in sein Amt. Der Präsident schlägt die Dekane vor, damit er auf der Ebene der Fachbereiche und damit er auf der Ebene der Fachbereiche und Fakultäten geeignete Partner für seinen Reformkurs findet. Die so Nominierten sollen dann von den Fachbereichsräten gewählt werden.
Bei den sogenannten "Reformen" geht es dann i.d.R. darum, Leistungen für die Lehre zu reduzieren, diese Lehre aber zugleich zu verbürokratisieren, und im Übrigen die Universitäten im Sinne angenommener Wirtschaftsinteressen zu gestalten.

Interessanterweise findet bei diesem angeblichen "Reform"-Prozess i.d.R. eine Umverteilung hin zu teuren und geräteintensiven Fächern statt, dazu ein angeblich "notwendiger" oder "unvermeidbarer" Abbau von Studienplätzen, sowie eine massive Verdrängung von Sozialwissenschaften, und zwar umso stärker, je gesellschaftskritischer diese sind bzw. sein könnten. Die Universitäten werden bei diesem Prozess, für den sich die
neoliberalen Irren des CHEs einsetzen, nicht etwa von der Nachfrageseite gesteuert, sondern, in einem Anfall von elitären Wahn, ausgerechnet von der Anbieterseite aus. Das geht nicht gut.

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2 Comments:

At 18 August, 2007 16:28, Anonymous flattter said...

Seit das BVG Anfang (soweit ich mich erinnere, 1973) den Professoren in allen Hochschulgremien die Mehrheit zugesprochen hat, reißt diese Kaste immer unverfrorener den Betrieb an sich. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden nicht mehr verteilt, sondern von den Gutsherren verplempert, während der akademische Plebs meist gar nicht mehr bezahlt wird. In die feudale Oberschicht rückt nur noch auf, wer sich das jahrelang antut und dem Lehnsherrn nach dem Munde spricht. Daß nun die höhergestellten Fürsten dem niederen Adel auch noch Ressourcen abpreßt, ist nur konsequent. Wie derart Leistung und Qualität vor die Hunde gehen, kann man seit Jahren beobachten, aber es ficht ja diejenigen nicht an, die davon profitieren.
Daher mein Ceterum Censeo: Schmeißt die Beamten raus aus dem Bildungssektor! Aber in der Tat wütet ein quasi wilhelminischer zeitgeist, dem man mit Vernunft nicht kommen darf.

 
At 19 August, 2007 23:04, Anonymous Ecki said...

Du bist ein Islamist und steckst hinter all dem Terror bei mir. Anzeige ist gestellt beim Verfassungsschutz.

 

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