01 September 2006

Sanktionen gegen den Iran - jetzt!

Auch auf die Gefahr hin, dass die ggf. notwendigen Sanktionen deutsche Arbeitsplätze kosten werden, Schätzungen in der Sueddeutschen gehen von bis zu 10.000 Stellen (= berufliche Existenzen!) aus, und auch auf die Gefahr hin, dass Sanktionen die Fronten verhärten könnten, befürworte ich erste Sanktionsschritte.

Der Iran, der es z.Zt. nicht für nötig hält, auf Ultimaten der UNO zu reagieren, sollte zu adäquaten Reaktionen gezwungen werden. Allerdings befürworte ich im Augenblick solche Sanktionen, welche ohne Gesichtsverlust für alle Beteiligten schnell und problemlos aufgehoben werden können, sobald vom Iran ernsthafte Reaktionen auf die vorgelegten Angebote kommen.

Sollte die Führung des Irans darauf abzielen, sich gegenüber der eigenen Bevölkerung als besonders "standhaft" darzustellen, so kommt es dann m.E. darauf an, dem Iran die Dummheit seines Verhaltens zu verdeutlichen und die Sanktionen an relativ leicht erfüllbare Bedingungen zu knüpfen. Es kommt also nicht auf eine besonders drastische "Strafe" an, sondern darauf, dass am Ende die Verhandlungen zu einem Ergebnis führen.

Die internationale Staatengemeinschaft hat immer noch mehrere Jahre Zeit, um endlich eine Lösung zu erzielen, deshalb, weil der Iran gewiss noch viele Jahre benötigt, bevor er Atomwaffen fabrizieren kann. Sofern er das überhaupt will (!), und diesen Konflikt nicht allein deshalb hochpuscht, um sich mit Hilfe eines außenpolitischen Konfliktes im Innern zu festigen!

Denn die Zeit läuft den iranischen Ayatollahs weg, die Jugend im Iran ist längst schon im Westen angekommen. Und auch in anderer Hinsicht läuft dem Iran die Zeit weg: Falls 2008, wider Erwarten, ein Republikaner die amerikanische Präsidentschaftswahl gewinnen wird, so wird es für den Iran, was die Bedrohung durch Krieg und Militärschläge betrifft, recht schnell brenzlig werden.

Denn: Die Republikaner in den USA verfolgen eine den iranischen Ayatollahs durchaus ähnliche Strategie in Bezug auf die innenpolitische Nutzung außenpolitischer Konfliktkonstellationen.

E
in Krieg zwischen Iran und USA könnte unter diesen Bedingungen schneller Wirklichkeit werden, als es die Beteiligten wollen. Dass sich beginnende Eskalationen mitunter nur sehr schwer bremsen lassen, ließ sich zuletzt im jüngsten Libanonkrieg studieren. Ich vermute sehr stark, dass auch dies ein Konflikt war, der von den Beteiligten weder wirklich gewollt noch geplant war. Die Eskalation der Worte, die zur Zeit z.B. seitens von Rumsfeld und Ahmadinedschad stattfindet, ist am Ende ggf. nicht nur ein Krieg der Worte.

Hmm. Irgendwie sind Rumsfeld und Ahmadinedschad wie Pat und Patachon - sie benötigen sich zur Profilierung gegenseitig. Beide sind wahre Komiker, aber nun leider gefährlich für den Frieden in der Welt. Warum eigentlich ist es nicht möglich, für Politiker dieses Schlages per Welt-Volksentscheid ein Celebrity Deathmatch anzusetzen??

I
m Übrigen vermute ich, dass es zur iranischen Politik gehört, durchaus auch aus Angst vor dem amerikanischen Drohpotential, die Militärmacht der USA im Irak zu beschäftigen und zu binden, u.a. durch Unterstützung des Aufstands gegen die amerikanische Besatzung sowie durch Anstachelung des Nahostkonfliktes.

Auf diese Weise, u.a. durch Verhinderung amerikanischer Rückzugsschritte im Irak, erhofft sich der Iran zudem, antiamerikanische arabische Stimmen und islamistischen Fundamentalismus zu unterstützen. Dies ist ein Spiel mit dem Feuer. Es liegt im Interesse der Weltgemeinschaft, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen, im Idealfall auf eine Weise, welche den Iran einbindet.

2 Comments:

At 03 September, 2006 17:06, Anonymous Ramon Schack said...

Nicht nur die Republikaner in den USA und der amtierende iranische Präsident nutzen außenpolitische
Konfliktkonstellationen für innenpolitische Zwecke.
Fast jede gewählte oder auch nicht gewählte Regierung neigt dazu.
In diesem Zusammenhang erinnere ich gerne an die letzte Rot-Grüne Bundesregierung.
Kanzler Schröder hatte den,
von Attack bis NPD in der deutschen Bevölkerung verwurzelten, Antiamerikanismus für seine Wiederwahl 2002 genutzt.
Ferner auch noch den von seinem Dutzfreund Putin verursachten Völkermord in Tschetschenien(mehr
Opfer als im Irakkrieg) tabuisiert
und dem Kremelfürsten auch noch als einen lupenreinen Demokraten tituliert.
Übrigens beides unter dem großen Beifall und noch größerem Schweigen der hiesigen linksliberalen Intelligenzia und der sog. Friedensbewegung!!??

Achmadinedschad ist kein Ayatollah.
Bei diesem Begriff handelt es sich um einen religiösen Ehrentitel , den der iranische Präsident nicht trägt.
Er ist übrigens auch nicht der Kandidat der Mullahs, wie so oft in der deutschen Presse kolpotiert,
sondern deren innenpolitischer Gegner.
Seine Wahl war übrigens eine Protestwahl gegen das Establishement der Islamischen Republik Iran, wie z.B dem ehemaligen Präsidenten Kathami, der ein Mullah und Ayatollah war und ist.

Ob die Zeit dem iranischen Präsidenten davonläuft mag bezweifelt werden.
Gerade die westlichen Eliten haben sich in die innere und äußere Opposition, oder in den epidemischen Opiumrausch zurückgezogen.
Gerade die gestiegenen Einnahmen aus dem Erdöl-und besonders dem Erdgasverkauf ermöglichen Ahmedinedschad zur Zeit die Umsetzung seiner populistischen Wahlversprechen.
Der Aufstieg der Shia in der arabischen Welt,besonders im Irak und im Libanon, begünstigt die Legitimität dieses Mannes und entfacht die im Iran schon längst erlosche Flamme der Islamischen
Revolution durch die Funken aus der arabischen Welt.

Erst wenn die Iraner sich auf ihre
ethno-religiösen Wurzeln und ihre
rationalen außenpolitischen Interessen besinnen, könnte die Herrschaft des jetzigen Präsidenten da landen wo sie hingehört. Auf den Schrotthaufen der Geschichte.

 
At 05 September, 2006 15:56, Anonymous Atlantiker said...

Schreib zu dem Thema doch was für den Karneval, der am 24. September stattfindet:
http://america-germany.atlanticreview.org/

 

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