13 Juni 2006

Vom Zweck des Arbeitszwangs - HartzVI und wir

Die teils offene und teils unterschwellige Stigmatisierung von Sozialleistungsbeziehern, hier besonders Arbeitssuchenden, wird voraussichtlich auch in Zukunft fortgesetzt werden. Der strategische Zweck der verdrehten Missbrauchsdebatte, in Verbindung mit angeblich "explodierenden Kosten" besteht darin, erstens, damit zugleich den Sozialstaat insgesamt zu diskreditieren, und zweitens darin, die Betroffenen von Arbeitslosigkeit zum eigentlichen Problem und zur relevanten Problemursache zu erklären.

In Zusammenhang mit HartzIV und der überaus schrägen Missbrauchsdebatte, sei hier ein Zitat beigesteuert. Spargelstechen und der Arbeitszwang dienen dazu:
"die Deutschen zu zwingen, die körperliche Arbeit kennenzulernen, um damit das Verständnis zu finden für jene (...), die auf dem Acker oder sonstwo in der Fabrik stehen. Wir müssen ihnen sinnfällig den Hochmut abtöten (...)"
Quizfragen: Von wem stammt das Zitat? Was genau macht es zynisch?

16 Comments:

At 13 Juni, 2006 10:54, Anonymous Anonym said...

@ Dr. Dean,

es ist doch alles lediglich eine Reise in die Gute alte Zeit:

"... Arbeitsscheu im Sinne dieses Erlasses sind Männer im arbeitsfähigen Lebensalter, deren Einsatzfähigkeit in der letzten Zeit durch amtsärztliches Gutachten festgestellt worden ist oder noch festzustellen ist, und die nachweisbar in zwei Fällen die ihnen angebotenen Arbeitsplätze ohne berechtigten Grund abgelehnt, oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber nach kurzer Zeit ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben ..."

Hatte man in D doch schon einmal.

Insofern eine weitere große Deutsche Tradition, wie Flaschenbier, Rechthaberei, Neid und Sandalen mit weissen Socken tragen.

Der oben stehende Erlass aus dem Jahr 1938 verfrachtete die "Arbeitsscheuen" zwecks "Schutzhaft" in das KZ Buchenwald.

Heute sind wir in D wesentlich geläutert und haben zum Zwecke der Drangsalierung und Gängelung eine bürokratische Behörde geschaffen. Obwohl die heutigen Definitionen nicht so völlig anders klingen - imho.

Es Grüßt,


der Lebemann

Wenn das keine positive Entwicklung ist, was dann ?

 
At 13 Juni, 2006 11:04, Anonymous Daniel said...

@Lebemann:

Nicht umsonst spreche ich bei deutscher Bürokratie im wesentlichen von einer Bürokratur. Diese Bürokratur, also der Primat von Bürokraten und Bürokratie über das Volk, die Menschen, das ist in meinen Augen das Grundübel in Deutschland. Aber gleichzeitig kann man diese Bürokratur auch nicht entschlacken oder demokratisieren, da die verbeamteten Bürostuhlwärmer dann sofort auf ihre lebenslange Versorgung durch uns, die Bürger, in Massen klagen würden. Diese Bürokraten sind es, die unsere Kassen plündern, Menschen schikanieren und drangsalieren und sich zugleich immer mehr Quellen für die eigene Luxus-Versorgung sichern.

Also, was tun gegen die deutsche Bürokratur? Auswandern ist derzeit die einzige Option, aber welche Option gäbe es, ohne seine Heimat aufgeben zu müssen?

MfG

Daniel

 
At 13 Juni, 2006 11:35, Anonymous Anonym said...

@ Daniel

Es gibt keine. Ist so, sorry. Der Zug ist abgefahren.

Die Bürokratur regiert und sie will nur eines: deine Kohle, wenn Du sie denn verdienst.

Die fast schon beschlossene Abschaffung des Ehegattensplittings ist ein weiterer Durchmarsch in diese Richtung mit Nebelwerfereinsatz:

"... Leipzig - Das Ehegattensplitting stehe für eine doppelte Benachteiligung, sagte die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Christel Humme, der "Leipziger Volkszeitung". "Durch die Bevorzugung der Alleinverdiener-Ehe wird gefördert, dass die Frauen zu Hause bleiben. Durch die weitere Begünstigung großer Einkommensunterschiede wird Frauen signalisiert, es lohnt sich gar nicht zu arbeiten", sagte sie...."

Da das Splitting vorteilhaft ist wenn einer weniger als der andere verdient, unabhängig vom Geschlecht, wird nicht gesagt.

Das es wohl so sein wird, dass in Zukunft nur noch ein Ehepartner/Lebenspartner einen Job haben wird, auch nicht. Und das den in der Summe (Gesamtsumme, nicht Einzelhaushalt) größten Effekt die einfache Mittelschicht hat, die überhaupt noch arbeiten, typischerweise also das Schema "Er Polizist, Sie Halbtagssekretariat" - oder umgekehrt - wird auch unterschlagen.

Aber was für die Bürokratur schlimm wäre, wenn das Gespann aus Ohnejob und Mitjob etwas günstiger bei den Steuern wegkäme, also ihr Verfügbares Einkommen etwas höher läge, ja das ist ganz furchbar schlimm. Frauenfeindlich, halt. Und man könnte sich ja Milliarden bei solchen Steuerzahlern abholen, wenn ....

Zielsetzung der Bürokratur ist: individuell möglichst hoch versteuern wie völlig Fremde, aber vor Hartz4 und anderen gesetzlichen Regelungen füreinander finanziell einstehen müssen. Denn das, das ist irgendwie Gerecht, oder so. Und es schont die Kassen der Bürokratur.

Und alle müssen sich einen - wie auch immer bezahlten - Job suchen, den es im Zweifel nicht gibt, weil sie unter dem Strich weniger haben.

Und es bringt Kohle für die Bürokratur. Satt Kohle. Und neue Arbeitssuchende, die verwaltet werden wollen.

Diese Kohle die bei den privaten Haushalten dann weg ist, hiess denn mal "Binnennachfrage", an der es heute schon ja so hapern soll.

Um die Stimmung beim Wahlvolk zu heben, kann man allerdings dann schön diskutieren, ob das Gerecht ist oder weniger Gerecht oder wie auch immer.

Das Wahlvolk polemisiert dann von ganz allein mit hochrotem Kopf über Gerechtigkeit, und merkt nicht, wie es währenddessen von der Bürokratur rasiert wird.

Du bist Deutschland.

Es grüßt,


der Lebemann

 
At 13 Juni, 2006 16:31, Blogger che said...

Das ist halt die Refeudalisierung der Gesellschaft: hie ein Amtsadel, da neue Schichten von Metöken, Periöken, Heloten.

 
At 13 Juni, 2006 16:32, Blogger che said...

Nur: abgefahren ist da gar kein Zug, es wird halt Zeit, sich zu wehren.

 
At 13 Juni, 2006 17:19, Anonymous Anonym said...

@ che

Es wird Zeit sich zu wehren ?

Pardon, aber imho ist der Zeitpunkt zu dem Auflehnung noch etwas gebracht hätte schon längst vorbei.

In einem Land, in dem es politisch gesehen genau vier Spielarten der Sozialdemokratie gibt und sonst nichts von Belang, in einem Land in dem die "Helden" der späten 60er verknöchert die Schaltstellen zu ihrem eigenen Nutzen besetzten, in trauter Beutegemeinschaft mit den Erzbonzen, die sie einst scheisse fanden, in dem gibt es nichts zu mehr Revoluzzen.

Die Alternativen sind

a) Selbstmord
b) eine eher philosophische Existenz c) mit gebrochenem Rückrat warm unterkriechen, am besten Verbeamtet
d) PTS
e) die Eltern sind reich, dann schnackt es sich leicht
f) alles leugnen

Sorry, aber das war's so ungefähr.

Die meisten wählen die Alternative c) in ihren unterschiedlichen Formen. Ist auch besser so, und man kann ihnen nicht böse sein dafür.


Lebemann

 
At 14 Juni, 2006 10:41, Anonymous Daniel said...

Der CSUler Stefan Müller verschärft die Forderung nach Arbeitszwang, dass sich jeder Arbeitslose morgens bei einer Behörde melden soll. Der nächste logische Schritt wären Arbeitslager, in die die Arbeitslosen deportiert werden, wo sich dann diverse Industrielle und andere Unternehmer tagesfrisch ihre Sklaven abholen können:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,421307,00.html

Da merkt man, wie "christlich" und "sozial" die CSU doch mittlerweile ist. Drittes Reich light...

MfG

Daniel

 
At 14 Juni, 2006 10:54, Anonymous Anonym said...

@ Daniel

ich zitiere von oben noch einmal :

"... Arbeitsscheu im Sinne dieses Erlasses ..."

Wir beleben doch nur alte Traditionen neu. Und im übrigen scheint diese kuriose Position, Arbeitslose in nicht vorhandene Arbeit zwingen zu wollen, ja mittlerweile eine parteiübergreifende Basis.

Besonders schön scheint es anzukommen, ihnen den geldhahn, an den man sie in jahrzehntelanger Arbeit sorgsam gehängt hat, abzudrehen. Aber wenn man selber Berufspolitiker, ohne viel sonstige Lebenserfahrung, aber dafür voll versorgt und üppig Altersversorgt ist, dann kommt man wohl auf solche Gedanken.

Es zeigt nur umso mehr die Hilflosigkeit und den geistigen Bankrott der uns regierenden Verwaltungskaste.

Was mich nur immer mehr wundert ist das fast die gesamte deutsche Presse mitzieht, und kaum einer "Moment mal !" sagt.

Aber das mit der mangelnden Zivilcourage, das kennen wir ja auch von früher...


der Lebemann

 
At 14 Juni, 2006 11:33, Anonymous Anonym said...

Arbeit wäre vielleicht schon genug da. Nur fehlt die Bereitschaft, diese Arbeit angemessen zu entlohnen. Das heißt, so, dass der Mensch, der sie erledigt, ein menschenwürdiges Dasein führen kann. Der Vorschlag Müllers, Langzeitarbeitslose fürs Gemeinwohl schuften zu lassen ist so schuftig wie pervers: Da muss nämlich der HartzIV-Empfänger die Straße vor der Haustür desjenigen kehren, der ihn erst vor kurzem rausrestrukturiert hat. Und das auch noch für umme.

 
At 14 Juni, 2006 11:38, Anonymous Anonym said...

@ anonymous

Arbeit ist ganz klar da : die Schwarzarbeit wächst angeblich jährlich zweistellig. Und sie wird wohl angemessen entlohnt:

so das sich der Auftraggeber das leisten kann und es für den Schwarzarbeiter lohnt.

Es scheint also ein Problem mit der "offiziellen Entlohnung" zu geben. Nur so ein Gedanke, aber der Verdacht liegt nahe.


der Lebemann

 
At 14 Juni, 2006 11:49, Anonymous Anonym said...

Tja, wenn ich bei dem einen 7 Euronen auf die Hand kriege und bei dem anderen brutto, für wen entscheide ich mich dann?

 
At 14 Juni, 2006 11:55, Anonymous Daniel said...

Erster politischinkompetent-Award für Stefan Müller (CSU): http://politischinkompetent.wordpress.com/2006/06/14/politischinkompetent-award-fur-stefan-muller-csu/

MfG

Daniel

 
At 14 Juni, 2006 12:22, Anonymous Anonym said...

@ anonym

Die Rechnung musst Du von anders herum aufziehen:

Wenn Du dir als Auftraggeber 20 Euro die Stunde nicht leisten kannst (also z.B. den Tariflohn inkl. Sozialabgaben) aber 7 Euro die Stunde bar auf die hand ohne Rechnung sehr wohl, dann hast Du die Wahl das a) sein zu lassen ober b) schwarz machen zu lassen.

So herum geht das Spiel, denn keiner ist gezwungen "die Sache" - sei es die Reperatur der Waschmaschine oder das Fliesenlegen unbedingt durchführen zu lassen. Wenn der Auftraggeber es sein lässt ist keiner glücklich - nicht der Arbeitslose und nicht der Schwarzarbeiter.

der Lebemann

 
At 14 Juni, 2006 13:21, Anonymous Daniel said...

@Lebemann:

Es geht mir mitunter darum darzustellen, dass es nicht der Sozialstaat ist, der dieses Land zugrunde richtet, sondern eben der Beamten- und Bürokratenstaat. So wären die meisten Sozialleistungen z.B. problemlos mit maximal 10-25% der aktuellen Wasserköpfe in den Verwaltungen zu erfassen, zu organisieren und auszuzahlen. Nicht das Existenzminimum der Arbeitslosen ist nicht mehr bezahlbar, sondern die per Beamtenrecht zwangsweise Finanzierung von Eigenheim, Zweit- und Drittwagen in den Haushalten überflüssiger Beamter.

MfG

Daniel

 
At 14 Juni, 2006 13:37, Anonymous Anonym said...

@ Daniel

Du hast die Beamtenpensionen, die wie eine Welle auf uns zuschwappen, deren ganzfamilliäre Gesundheitsversorgung etc. pp. vergessen :-)

Im Bundestag sitzen - genau wieviel - prozent Beamte und beamtenähnliche Kreaturen ? Mir war so, die Zahl läge bei zwischen 60 - 80 %.

Kein Wunder also.


der Lebemann

 
At 14 Juni, 2006 15:33, Anonymous Daniel said...

@Lebemann:

Ich habe auch Zahlen zwischen 2/3 und 80% im Kopf, davon oder zuzuüglich noch ein relativ großer Teil Lehrer und Juristen. Da bleibt nur noch: Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht! Wie wahr...

MfG

Daniel

 

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