27 Januar 2006

Feindbilder "prowestlich"-ideologischer Rechtsblogger

Wenn es einen Wesenzug gibt, den man bei allen Rechtsextremen jeglicher Färbung in verblüffender Weise immer wieder findet, dann ist es:

Die Fabrikation von Legenden und Mythen.

Es liegt darin etwas Romantisches, Antiaufklärerisches zugrunde, ein Drang zur Verklärung der Welt. Diese Wesenhaftigkeit unterscheidet übrigens von echten Konservativen wie Scheidewasser*.

Die politischen Grundideen, und seien sie noch so dürftig, wachsen in diesem Umfeld schnell zur Ideologie, ja, mitunter sogar ins wahnhaft Hysterische, und dieser tiefe innere Wesenzug betrifft auch die feindselige Sicht auf den politischen Gegner, welche niemals nüchtern und dem Gegenstand angemessen erfolgt - sondern im trüben Licht eigener Ideologie.

Romantische Realitätsflucht.

Eine "Linke" in Deutschland, wie sie z.B. bei "Poli tically Inco rrect" oder bei anderen aus dem Spektrum rechtsbloggender sogenannter "Prow estlicher" gezeichnet wird, die findet sich auf der ganzen Welt nicht, inkl. Deutschland.

Man könnte über "die" Linke, bzw. über viele von ihnen herzlich lästern und spotten, Anlass gibt es genug, indes, der Gegenstand ist so einheitlich nicht, und so müssen teils auch Liberale als Feindbild herhalten, sollten sie den Kardinalfehler begehen und abweichende Sichtweisen pflegen.

Das ertragen nämlich Ideologen nicht: Die Infragestellung eigener Dogmen.

Dann wird übel genommen - und umso herzlicher gegeben, vor allem das, was nicht passt. Wobei das ja nichts daran ändert, dass die eigenen Dogmen, an der sich das Ganze entzündet, so lächerlich und auch hysterisch sind, dass sie ohne Feindbild kaum begründbar wären. So wird also immer wieder gerne irgendein mehr oder minder intellektueller Autor genommen, und dann - in einem seltsamen Kunstgriff - so getan, als sei dieser Autor Leitstern "der" Linken.

An diesem arbeiten sich die gewendeten Vertreter einer Neuen Rechten dann ab. Oder man stürzt sich, knapp 40 Jahre zu spät, auf vermeintliche oder echte Vertreter der 68er-Bewegung.

Sonderfall "prowestliche" Hysteriker

Sie sind ein Sonderfall und z.Zt. ziemlich übertrieben in der deutschen Blogwelt repräsentiert, was auch an Unterstützungsmaßnahmen durch die Friedrich-Naumann-Stiftung liegen mag.

Ich spreche hier von rechtsbloggenden, teils fanatischen "Prow estlichen" aus dem rechtslibertären bis rechtskonservativen Spektrum. Für "Prow estliche" gehört die Zuneigung zu Bush (bloß kein demokratisches Amerika!) und den Republikanern zum unaufgebbaren ideologischen Kern, und noch mehr die Zuneigung zu eher extremistischen Unterstützern von Bush (z.B. Frontpagemag), welche den Maßstab der sogenannten Amerikaliebe prägen.

Transatlantisch wird umgehend zu "pro Bush" und mehr noch "pro Neocon". Das ist doch lachhaft, oder? Im Kern verunsichert, hat man nicht genug Mut, das eigene Land zu lieben, praktiziert aber in Bezug auf Amerika einen aggressiven Nationalismus mit wilheministischer bzw. alldeutscher Attitüde (!), wo man auch einige der geistigen Vorfahren dieser Rechtsblogger findet.

Passend zur romantischen Realitätsflucht dieser Kreise (wir reden von unbedeutenden maximal ca. zwei bis drei Dutzend Anhängern) ist die intensiv gepflegte Hysterie, sowohl dort, wo politisch geliebt wird, wie dort, wo politisch gehasst wird, mit einem Wort: lachhaft.

Echte Konservative sind eher nüchterne Menschen - und man kann sich daher mit ihnen über politische Fragen i.d.R. besser unterhalten als z.B. mit typischen Linken. Sie ziehen im persönlichen Umgang Formen von Anständigkeit vor. Vielleicht ist es dieser grundständige Zug, warum Konservative - unabhängig davon, wofür sie gesellschaftlich tatsächlich stehen - in der Bevölkerung recht starken Anklang finden. Die Bevölkerung nämlich weiß: Ideologen sind eine Seuche.

12 Comments:

At 27 Januar, 2006 22:28, Blogger nixxon said...

Tja, mein lieber Don Quijote, Du kämpfst wirklich mit einer bewundernswerten Standhaftigkeit gegen die Blödheit in dieser Welt, allein: es nützt nichts. Inzwischen versteigt man sich bei PI gar dazu, die eigene Einbildung für wahr zu halten, dass Saddam Hamas finanziert habe. Diesen Leuten ist nicht mehr zu helfen... Außer vielleicht durch Strafanzeigen...

 
At 28 Januar, 2006 14:15, Anonymous C.Lapide said...

Außer vielelicht durch Strafanzeigen

Das ist der Vorteil wenn man linksextrem und nicht liberal ist, man muß nicht für Meinungsfreiheit eintreten. :D Das hat man spätstens in den Studentenvollversammlungen gelernt ;)

Ich lese PI nicht wirklich oft, da das Blog mir einfach zu "aufgeregt" ist. Allerdings bezweifle ich, daß da es strafrechtlich relevante Äußerungen seitens der Blogger dort gibt. (Bei den Kommentaren schon eher, vor allem, aber nicht ausschließlich, aus dem Bereich der Gegner). Wenn dem so wäre, so hatte myblog.de den Laden schon abgestellt. Denn ich vermute, daß es schon zahlreiche Aufforderungen dazu an myblog.de gegeben hat. Wohl auch von hier nicht unbekannten Personen ;)

 
At 28 Januar, 2006 15:38, Blogger nixxon said...

"Aufgeregt"? Ich würde sagen hysterisch.

 
At 28 Januar, 2006 16:19, Blogger Dr. Dean said...

Die Hysterie prägt dort das Programm.

Die ganze Seite dient ausschließich dem Aufbau und der Pflege von Feindbildern.

 
At 28 Januar, 2006 19:29, Blogger nixxon said...

Es sind diejenigen, die sich in den 80ern nicht richtig getraut haben und nur hinter vorgehaltener Hand oder im heimischen Wohnzimme "Türken Raus!" gebrüllt haben. Seit 9/11 fühlen Sie sich ermutigt, Ihre Ressentiments unter dem Deckmäntelchen "War On Terror" offen auszuleben. Auch die Einschleimerei bei Juden/Israelis dient letztlich nur dem Ziel, den Krieg gegen den Islam zu befeuern.

 
At 30 Januar, 2006 11:12, Blogger che said...

@c.lapide: "Außer vielelicht durch Strafanzeigen

Das ist der Vorteil wenn man linksextrem und nicht liberal ist, man muß nicht für Meinungsfreiheit eintreten. :D Das hat man spätstens in den Studentenvollversammlungen gelernt ;)" sorry, als alter (wenn auch recht untypischer)Linksradikaler muss ich sagen, Strafanzeigen gehen für einen richtigen Linksradikalen gar nicht, weil es reaktionär und bürgerlich ist, sich in der politischen Auseinandersetzung juristischer Mittel zu bedienen.

Zu den Feindbildern: Ich möchte mich jetzt nicht auf PI versteifen, aber wenn wir das Gesamtspektrum nehmen, also die Linkliste bei Statler & Waldorf, dann tauchen da schon Leute auf, die zu illegalen Mitteln gegriffen haben, wie Beleidigung, Verletzung des Urheberrechts und in einem Fall Aufruf zum Mord, nämlich an Hugo Chavez. Das heißt nicht, dass die "prowestlichen" in toto dafür verantwortlich gemacht werden könnten, aber die Tendenzen sind jedenfalls vorhanden.

 
At 30 Januar, 2006 12:02, Anonymous Anonym said...

@nixxon:Es sind auch diejenigen, die sich in den 90ern nicht getraut haben, bei den Brandanschlägen auf Flüchtlingswohnheime Beifall zu klatschen, die aber zynisch gegen die Lichterketten und Solidaritätskonzerte als "sozialromantisches Gutmenschentum" ablästerten. Bin mal gespannt, wo ihr Achsentum landet, wenn Hillary Clinton Mrs. President wird und eine Koalition aus Kadima und Arbeitspartei in Israel an die Macht kommt. Vielleicht entdecken sie ja dann den Brutalkapitalismus Taiwans und Singapurs für sich, Länder, wo ja auch Kotau und Prügelstrafe eine Rolle spielen. Täte doch passen!

Gruß

workingclasshero

 
At 30 Januar, 2006 12:48, Blogger che said...

Was hier zusammenkommt, ist ein Sammelbecken, eine Art befristete Zusammenarbeit. Da sind Julis und RCDsler, für die Hayek und Bush nichts weiter sind als Instrumente, um sich im Kampf um parteinterne Karrieren ideologisch zu positionieren und gegen die "Alten" aufmucken zu können, rassistische Türkenhasser, die zu bieder und zu angepasst sind, um sich Naziskins anzuschließen, New-Economy-Artefakte, die eine Ideologie brauchen, um ihr Scheitern auf einem deregulierten Markt zu verwinden, mit Miersch, Maxeiner und Broder drei Solitäre, die wohl Auflage und willige Unterstützer suchen, eher naive Liberale oder Konservative, die das Ganze nicht wirklich durchschauen und auch echte Rechtsextreme, denen es um die Diskurshoheit geht. Zwischendurch auch nochmal mit Campo de Criptana ein dubioses Pädophilen-Projekt.

 
At 31 Januar, 2006 14:38, Blogger littleandy said...

Insbesondere angetan hat es mir die immer lächerlicher werdende "David's Mädchenkritik" ;-) , in der nicht nur Kritik an Bush bzw. seiner Regierung mit Antiamerikanismus gleichgesetzt wird, sondern auch mittlerweile recht unverhohlen ein regelrechtes "German-Bashing" stattfindet - insbesondere natürlich gegen linke oder grüne Positionen.

 
At 31 Januar, 2006 16:30, Blogger Dr. Dean said...

Kritik meint ja bei "Davids Medienkritik" im Grunde genonmen genau das, was die sogenannte "Ideologiekritik" in der Philosophie der 70er Jahre bezweckte, nämlich den Missbrauch von "Kritik" zugunsten unfairer wie einseitiger Darstellungen, um damit den Absolutheitsanspruch der eigenen Weltsicht durchzusetzen.

 
At 22 April, 2006 11:46, Anonymous Joerg said...

> Transatlantisch wird umgehend zu
> "pro Bush" und mehr noch "pro
> Neocon". Das ist doch
> lachhaft, oder?"

In der Tat.
Leider glauben aber auch viele Linke, dass alle, die transatlantische Beziehungen wichtig finden und/oder sich mit den USA und den Amerikaner verbunden fühlen, Bush-Befürworter sind.

Es gibt auf beiden Seiten in der Blogosphere zu starke Blockbildung, die an Kalten Krieg erinnert. Die Blockfreien Bewegung ist m.E. noch recht klein. Der Vergleich hinkt, ich weiss.

 
At 11 August, 2009 13:03, Anonymous Anwalt said...

Große Informationsfluss Ich denke, das ist ein sehr gutes Konzept der Ideology.Keep es up.I freue mich noch mehr Infos darüber, wie dieser.

 

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