Wie Polizisten über Prügelcops denken
Das Folgende ist keine repräsentative Zusammenstellung von Statements, sondern lediglich die Auswertung eines einzelnen Kommentarstranges, in dem sich Polizisten privat äußern.
Prügelcopfreund 1: "Auch ein Sperren gegen polizeiliche Maßnahmen ist ein Widerstand, der selbstverständlich gebrochen werden darf/muss. Sieht nicht immer schön aus, aber manchmal sind auch Schläge erforderlich, um den Probanden locker zu machen."
Prügelcopfreund 2: "Was geht da zu weit? Es wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Der Radfahrer trollte sich. (...) Er wurde am T-Shirt gepackt, zurückgezogen, zu Boden gebracht und festgenommen. Natürlich kurz und heftig, aber die Zeit zum Diskutieren war vorbei. Und dass der andere eins auf die Nase bekam, liegt wohl daran, dass er mit dieser zu weit vorn war. Man sollte seine Nase nicht überall reinstecken."
Prügelcopfreund 3: "Ist es so schwer sich an polizeiliche Weisungen zu halten und die Konsequenzen zu tragen, wenn man dagegen verstößt?"
Prügelcopfreund 2: "Der wurde mehrfach aufgefordert zu gehen. Provokant wollte er noch ne Dienstnummer, und die aufschreiben. Das sind dumme Provokationen. Und dann geht er, natürlich extra in die andere Richtung als ihm aufgetragen. (...) Deeskalation ist keine Einbahnstraße."
Prügelcopfreund 4: "VA werden auch mal mit Zwang durchgesetzt. Sieht manchmal nicht so hübsch aus und ist für den Einen oder Anderen auch mal unverständlich, das wird aber nichts daran ändern, dass die Polizei Zwang anwendet."
Prügelcopfreund 2: "Wir agieren nicht. Wir reagieren. Auch mal überzogen. Mag sein. Nicht desto trotz muss man nicht provozieren. Und wer es darauf anlegt auszutesten, wie weit er gehen kann, der geht bei dem einen etwas weiter und bei dem anderen gibts eine gesemmelt. Is eben so."
Prügelcopfreund 5: "Ob die Umsetzung zu hart war oder nicht, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall zeigt so manches 'Opfer' auf dem Video einen Mangel an Situational Awareness. Einfach mal den Rückzug antreten und gut ist."
Prügelcopfreund 2: "Ich denke, wir machen da keine Unterschiede in der Person. Ich kenne sogar einige PVB, welche es erwischt hat. Friendly Fire. *grins*"
Prügelcopfreund 6: "Ich werde hier jemanden weder in Schutz nehmen, noch verurteilen, allerdings geht es mir tierisch auf den Zünder, wenn hier irgendwelche linken Trolle meinen, sie können sich mal wieder über Pol-Gewalt auslassen und irgendwelche Szenarien herbei beschwören. (...) Widerstände jeglicher Art wurden mit einfacher körperlicher Gewalt gebrochen. Das dies nicht immer schön ist, muss jedem klar sein, und wenn es zu so einem Gerangel kommt, will ich mal einen von den Schreihälsen hier sehen, der da noch absolut gezielt den Straftäter trifft."
Prügelcopfreund 6: "Bin raus, ist mir echt zu dumm mich mit Leuten zu streiten, die zum einen Null Ahnung von Polizeiarbeit und zum anderen ihre Meinung als die einzig wahre ansehen."
Prügelcopfreund 2: "Die Erkundigung nach der Dienstnummer in solch einem Fall ist sehr wohl eine Provokation, insbesondere wenn man dadurch eine gegen einen selbst ausgesprochene eilige Maßnahme verhindern will, oder mit einer anderen Maßnahme nichts zu tun hat und nur stören will. (...) Der Radfahrer ist dem Platzverweis nicht in der angeordneten Form nachgekommen. Er hat sich nicht in die Richtung entfernt, in welche er gehen soll. "
Prügelcopfreund 7: "Hier gehts einfach darum, dass ohne Sinn und Verstand gegen die Polizei gerotzt wird. Da tauchen Typen auf, die sagen sich "ich geh auf ne Demo, die ist durch das GG geschützt, da darf die Polizei gar nichts" und heulen dann rum, wenn sie mit dieser Einstellung ein paar auf die Nase bekommen - nachdem sie den Aufstand geprobt haben und gegen Ansordnungen verstoßen haben. (...) Ich bin Polizist, Du nicht. Das hat schon seinen Grund."
Prügelcopfreund 8: "Schon mal dran gedacht, dass der handelsübliche Störer, der mit uns zu tun hat, einfach oft generell eine Anzeige wegen irgendeinem Quatsch erstattet? Und dass diese Leute von uns nur deswegen keine Gegenanzeige wegen Vortäuschens einer Straftat bekommen, weil wir unsere Ruhe haben wollen?"
Und so weiter und so fort.
Es gab in diesem Forum keinen (!) Polizisten, der diese Polizeigewalt (Youtube - bei Fefe gibt es Links zu deutlich besseren Videoauflösungen) abstoßend fand oder auch nur vermutete, dass es sich hier wohl um Körperverletzung im Amt handeln könnte. Das mag nun alles Zufall sein, aber die Art, wie da von Polizisten (privat) diskutiert wurde, die erinnert mich sehr gründlich an Diskussionen mit gewaltgeilen verblödeten Autonomen, wenn diese die beschissenen Aktionen weltanschaulicher Kumpels rechtfertigen.
+++ Update 1 +++
Inzwischen gibt es in diesem privaten Polizeiforum - unter den Polizisten - mehr Vielfalt in den Auffassungen. Den Forenbetreibern ist der Thread zu heiß geworden, manche der Privathetzer in Uniform haben, nachdem sie zurückgepfiffen wurden, ihre Meinung geändert/überarbeitet. Nunja. Irgendwie herrscht in diesem Polizeiforum ein spezielles Meinungsklima, wo man nicht gerne mit Polizisten spricht, welche sich nicht ausreichend "polizeifreundlich" ausdrücken. Das ist schon merkwürdig - vielleicht auch irgendwie verständlich, wenn man sich selbst als Polizist unter Druck sieht. So, hier ein paar positive Ausnahmen, die sich allerdings erst deutlich nach meiner kleinen Veröffentlichung gemeldet haben:
Prügelcopkritiker 1: "Ach und Übrigens: Seit Jahre bin ich in einer BFE tätig und ich musste in einer solchen Situation noch nie Faustschläge gegen das Gesicht einsetzen. Nicht mal eine FE hätte ich da durchgeführt."
Prügelcopkritiker 2: "Ich meine sehr deutlich feststellen zu können, dass der betroffene Beamte mindestens mit straf- und disziplinarrechtlichen Ermittlungen zu rechnen hat. Meine Meinung zu seinem Verhalten habe ich ja bereits dargestellt: (...) Ich nenne das unprofessionell, überfordert, kurzsichtig, falsch, unangemessen."
Prügelcopkritiker 3: "Für mich steht fest, das blaue "T-Sirt" hat provoziert! Die Fausthiebe waren meiner Ansicht unprofessionell, zumal wenn man bedenkt, welche Ausbildung die BFE genießt!"
Man könnte sich ein wenig darüber lustig machen, wie sich dieses Forum gewendet hat, als es sich beobachtet fühlte. Man könnte aus diesem Forum noch allerhand irren Unfug rauszerren, übrigens auch seitens von Polizeikritikern, die sich da tummeln. Für mich ist aber eine ganz andere Beobachtung viel interessanter: Gerade unter den übelsten Sprücheklopfern und verbalen Rummelboxern finden sich überraschend viele engagierte Polizisten, welche auf anderen Gebieten richtig gute Vorschläge zur Verbesserung der Polizeiarbeit machen. Will sagen:
Schwarz-weiß macht kein gutes Bild.
Es ist allerdings leicht festzustellen, dass es ein Problem gibt. Es wäre leicht und für mich eher langweilig, die Polizistensprüche auseinander zu nehmen. Das ist auch nicht mein Thema und ich will nicht "die" Polizei bloß stellen. Auch diejenigen, die ab und an einen Sack Scheiße labern, verrichten als Polizisten mitunter richtig gute Arbeit. Vor allem: Mich interessieren Antworten auf das bürgerrechtiche Problem - und die zu finden, halte ich für ziemlich schwierig. Die Vorstellungen von fefe zur Kennzeichnung (einen Teil davon hier) finde ich gut. Ich fände auch gut, wenn in den Ländern polizeiliche Belobigungsstellen eingerichtet werden, wo Bürger Polizisten loben können - und parlamentarische Jurys dann überlegen, wer welchen Preis bzw. welche öffentliche Belobigung erhält. Doch wirklich, auch wenn es für Polizeikritiker paradox wirkt: Ich denke, dass das eine richtig gute Idee wäre - eine, mit der gute Polizeiarbeit und eben auch ein Vorzug unserer deutschen Polizei gestärkt wird, nämlich, mit zivilen Mitteln gute Arbeit zu leisten. Die von Pseudolinken betriebene Demontage des Ansehens der Polizei geht m.E. in genau die falsche Richtung - aber da müsste ich mal einen längeren Blogbeitrag verfassen, um das zu erklären. Ach ja, eine unabhängige Beschwerdestelle sollte es in den Ländern auch geben, für betroffene Bürger - und diese Stelle kann gerne mit der Belobigungsstelle unter einem Dach arbeiten. Ich finde es jedenfalls wichtig, und zwar sehr wichtig, dass Polizisten nicht nur als Kritikobjekt und Prügelknaben gesehen werden. Nicht vergessen: Der Job ist nicht einfach.
+++ Update 2 +++
Eine sehr interessante Analyse eines Kampfsport-Ausbilders empfehle ich zum Lesen. Dieser beschäftigt sich eingehend mit dem diskutierten Fall sowie der Frage der "einfachen" körperlichen Gewalt. Die Ausbildung, sowie das Know How der Einsatzleiter und Gruppenleiter spielen wohl eine wesentliche Rolle. Danke Markus!
Labels: Innenpolitik, Polizeistaat
