Roland Koch als Tänzer
Größere Mengen an Kreide hat er in den letzten Wochen gefressen und mit ihm seine CDU-Fraktion im hessischen Landtag. Seinen Wählern versprach er Härte. Noch nie war er zarter, noch nie galanter, noch nie war er freundlicher zum politischen Gegner. Mit der ausgesuchten Höflichkeit eines alternden Gigolos gehorcht er den Gesetzen der Damenwahl - Roland Koch tanzt nach Ypsilantis Pfeife. Was in weiten Teilen der bürgerlichen Presse als Niederlage von Ypsilanti dargestellt wurde, erweist sich nunmehr als Machtposition. Die hessischen Studiengebühren, ein großer politischer Traum der CDU, werden fallen. Eine Parlamentsmehrheit links von Koch zwingt ebendiesen, eine moderat linke Politik bzw. den Willen des Parlamentes zu exekutieren.
Das werden, in politischer Hinsicht, noch sehr schöne Jahre in Hessen. Koch mag versuchen, sich in seiner Machtlosigkeit elegant zu geben, aber sicher wie sein kommender Missmut ist, dass er auf der Tanzfläche des Parlamentes gelegentlich stolpern wird. Keineswegs sicher ist, dass diese Periode zur Stärkung von Schwarzgelb beitragen wird. Wenn die hessischen Wähler Geschmack an derartigen geschäftsführenden Verhältnissen finden, könnten sie Koch in vier Jahren sogar in eine weitere Periode eines gestärkten Parlamentarismus zwingen. Der Witz besteht nicht nur darin, dass Koch dabei zum Sachwalter einer gemäßigt linken Politik wird - es ist ihm nicht einmal gestattet zurückzutreten.
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