12 November 2007

Carl Schmitt und die RAF

Von heutigen, zumeist erstaunlich geistlosen "Publizisten" der Großverlage (wo man Personen wie Norbert Bolz bewundert) wird gerne der Eindruck erweckt, oder als offener Verdacht ausgesprochen, dass es zwischen "den 68ern" und der RAF ein einigendes Band gäbe. Zuviel Lektüre von Adorno, Marcuse oder Habermas (z.B. dies) führe gewissermaßen zum Terrorisismus.

Verhältnismäßig unbekannt ist es hingegen, dass Carl Schmitt, der Idiotologie der Autorität, geistigen Input zum Terror der RAF geliefert hat. Auf den Lesetischen der RAF lag nicht etwa die "minima moralia" von Adorno, sondern Carl Schmitts "Theorie des Partisanen".

Die Bewunderung war wechselseitig. Carl Schmitt verachtete den liberalen und Bürgerrechte achtenden Staat als "verweichlicht"* und bewunderte die RAF, von der er anerkennend sagte: "So spricht der Staat". Der entmenschte Kommandoton der RAF war es, der Gefühle von Zuneigung in Carl Schmitt auslöste, wie ein vertrauter Klang aus alten Zeiten...

* In einer teils ähnlichen geistigen Tradition steht meines Erachtens der radikale Politiker Wolfgang Schäuble. Beachtlich zum Thema RAF und Carl Schmitt ist ein Artikel in der TAZ von Stephan Schlak. Ich weiß allerdings nicht, aus welchen Quellen Schlak seine Meinungen schöpft. Dafür, dass die "Theorie des Partisanen" von der RAF rezipiert wurde, fand ich keine Quellen. Ich halte es für möglich: Die RAF empfand für den Begriff "Partisan" eine so große Fasziniation, dass man dort vor C. Schmitt nicht gescheut hat.

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