01 September 2005

Die Leidenschaften des C.C.M.

Was war denn das für ein Mist?

Die USA sind ein reicher Staat - wohlhabender pro Kopf als wir. Die können sich in jeder Hinsicht selber helfen. Und auch in logistischer Hinsicht macht deutsche Hilfe hier nicht gerade viel Sinn - denn die haben alles vor Ort. Es gibt auch kein Hilfeersuchen der USA. Klar, und selbstverständlich haben wir mit den Opfern von Katrina volles Mitgefühl.

Wenn verdrehte Neokons und Vorkämpfer der Schwachgeistigkeit in Spiegelonline zynische wie falsche Kommentare verbreiten, so soll dies unbedarfte Leser wohl dazu bringen, gesunden Menschenverstand gleich völlig wegwerfen, gell? So schreibt Carl Christian Malzahn:

- schnipp -

Merkwürdig: Dieselben Leute, die sonst immer die neue Armut, die Ghettos und die Slums in den USA beweinen, wenn sie die Vereinigten Staaten als gnadenlosen Monsterkapitalistenstaat beschreiben, sind jetzt, wo Hilfe wirklich gefragt ist, ganz still.

- schnapp -

Ein Satz, in dem das kaputt-zynische Weltbild des C.C. Malzahn wie ein überspannter Eiterbeutel aufplatzt - um sich über ahnungslose Leser zu ergießen.

Was für ein merkwürdiger Konvertit ist dieser Malzahn? Er behauptet, in völliger Verdrehung der Realität, dass "jetzt die Hilfe wirklich gefragt ist". Also sagt dieser sich diesmal als Kommentator Gebärdende (an prominenter Stelle!), dass die finanzielle Hilfe im Tsunami-Fall (worauf sonst spielt er an?) nicht so richtig sinnvoll gewesen sei. Aha.

Außerdem sagt er, dass die Menschen im Süden der USA "besonders" arm bzw. hilfebedürftig seien, sodass wir - im Gegensatz zur Tsunami-Hilfe uns hier doch bitteschön wirklich zur Hilfe verpflichtet fühlen sollten, zumal unsere Eltern Care-Pakete erhalten haben.

Bitte? Was soll das für eine Form von "Armut sein", wenn das Pro-Kopf-BSP in den betroffenen Bundesstaaten sogar deutlich größer ist als in den alten deutschen Bundesländern? Hat C.C. Malzahn bereits vergessen, dass beim asiatischen Tsunami mehrere hunderttausend Menschen zu Tode kamen, während es die Zahl der Opfer von Katrina gleich um mehrere Dimensionen geringer ist?

Nun, sollen wir jetzt deutsche Care-Pakete gen USA schicken, damit der größte Hunger dort mit deutscher Hilfe überwunden werden kann?

Bei dieser Gelegenheit ereifert sich C.C. M. über Kritiker an verfehlten Entwicklungen in der Wirtschaft, denen er den Begriff des "Monsterkapitalismus" unterjubelt. Wohl eine Herzenssache, aber Herr Malzahn! Wenn die Ökonomie der USA in ihrer Funktionsweise wirklich wahrnehmbar besser ist (und daher nicht kritisiert werden sollte) als unsere, warum vertrauen Sie nicht im Fall von Katrina nicht einfach den "heilenden Kräften des Marktes"?

lol

Malzahn besingt ja auch sonst die Segnungen eines ökonomischen Systems, das allein das Primat des Privatbesitzes kennt - und zwar überaus eifrig. Halt ein Konvertit.

Er ereifert sich in verdrehter Art über das Mitgefühl mit den Verlierern des amerikanischen ökonomischen Systems (Arme, Ghetto/Slum-Bewohner), ein Mitgefühl, das ihm recht deutlich (!!!) abgeht - während er wiederum von denen, deren Haltung er nicht akzeptiert, Mitgefühl "mit den Armen" in den USA einfordert. Schließt er von sich auf andere, wenn er meint, dass diese kein Mitgefühl hätten?

Dann behauptet der Leiter des Ressorts Politik des SPIEGELs, dass die Kritiker verfehlter Wirtschaftsentwicklungen im Fall von Katrina ganz besonders verpflichtet seien, sich zu äußern und wirft ihnen ("die selben Leute") vor, dass sie diesmal "ganz still" seien - während er doch wenige Sätze zuvor diesen Leuten vorwarf, im Fall von Katrina die falschen Äußerungen zu machen. Ja, was denn nun?

Gleichgültig, wie er herumbrodert, C.C.M. ist nicht nicht sonderlich schlau.

Wer ist dieser C.C.Malzahn?

Nun, er ist in erster Linie jemand, welcher aus bremer TAZ-Umfeld stammt und über viele Jahre beständig mit linken Spinnertum konfrontiert war. Er hat seinen Ekel über die vielen Linksbornierten bis heute nicht überwunden - und eifert seitdem im Stil eines (zuvor in der RCDS aktiven) MLDP-Konvertiten über alles Feindliche. Im Fall von C.C.M. über alles, was ihm "links", "antikapitalistisch" oder "politisch korrekt" vorkommt. Es ist überdies geradezu Ehrensache für C.C.M., den Standpunkt seiner politischen Gegner zu verdrehen und unkenntlich zu machen.

Mein Mitgefühl hat Carl Christian, ja wirklich.

Die Erfahrungen, die er mit den Linksbornierten gemacht hat, die waren bestimmt nicht schön. Okay, aber die Art und Weise, wie C.C.M. diese Erfahrungen bewältigt, die deutet auf eine reichlich inadäquate Form der Verarbeitung hin. Statt im Laufe seiner Jahre und Entfernung zu diesen Erlebnissen geistige Distanz und Ausgewogenheit zu entwickeln, entwickelt er sogar eine sich ständig intensivierende Nähe, ausgedrückt in emotionalen Polemiken und selbstzufriedenen Provokationsversuchen, die sich letztlich sogar oft (!) an das ihm verhasste Milieu richten.

C.C.Malzahn empfindet nicht nur auf idiotische Weise, er schreibt auch so.

Im Fall der unsäglichen (inzwischen längst korrigierten) Aussagen von Schönbohm fiel C.C.M. nichts Besseres ein als "politisch inkorrekt - aber notwendig". Die Kapitalismus-Kritik von Müntefering (die lediglich eine, allerdings sprachlich stärker verunglückte, Kritik an Fehlentwicklungen war), die geißelte C.C.M. in Form einer unsachlichen Kleinkampagne. Schön für C.C.M., dass er dafür die Möglichkeiten besitzt. In einen Denker mit tatsächlicher Gedankenschärfe wird ihn das nicht verwandeln, aber es gibt ihm bis zur Sätte Gelegenheit,

- "vor der Verharmlosung der DDR" zu warnen, sich dabei Birthler bedienend,

- gegen den Islam zu hetzen und passende Bedrohungsvisionen zu erdenken,

- Kritik an Fehlentwicklungen "Demokratie-Skepsis" zu nennen, und Kritik an totalitären Erscheinungen im modernen Kapitalismus "Versagensangst" zu nennen,

- den Vatikan wegen angeblicher Israel-Feindlichkeit zu geißeln,

- Arbeitslose zu verspotten,

- den Irak-Krieg in jeder Hinsicht begrüßenswert zu finden,

- Friedensbewegte zu Idioten zu erklären,

- Schröder tatsächlich für einen Feind von Demokratie und Bürgerrechten zu halten,

- sich eine "forschere Bundeswehr" zu wünschen bis hin zu Luftangriffen gegen "Feinde" unter gefühlskalter Inkaufnahme von "Kolletaralschäden". Für Mahlzahn rechtfertigt sich Krieg aus sich selbst. Das mag ein "Denken" sein, das C.C.M. gefällt.

Ich will diese Liste der journalistischen Errungenschaften des C.C.M. nicht unnötig verlängern - es ist nur zu deutlich, dass C.C.M. ein Konvertitenproblem hat - aber leider nicht den Verstand, um damit klar zu kommen.

Und so jemand ist beim Spiegel Ressortleiter? Wie konnte das denn passieren?

Fragen Sie: mailto:clauschristian_malzahn@spiegel.de

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4 Comments:

At 07 September, 2005 18:47, Blogger Der schicke Warra said...

Verrotte in deiner Gedankenwelt, Spießerlein! Kleiner Quieker, der Du jammervoll erst mal CC Malzahn ans Bein pinkeln willst.

 
At 15 September, 2005 18:07, Blogger a. said...

Naja, die Kritik an dem Herrn M. ist ja nun nicht wirklich neu.
http://rebellmarkt.blogger.de/stories/320792/

Im übrigen finde ich den Tonfall für einen Kommentar ein klein wenig unangemessen. Benehmen Sie sich, guter Mann.

 
At 16 September, 2005 14:10, Blogger Dr. Dean said...

@ a.

Vorab: Danke für Ihren Kommentar!

Nicht neu, nicht originär? Okay, aber der Hinweis auf Rebellmarkt hilft Ihnen hier nicht viel weiter, weil mein Text sozusagen die älteren Rechte hat.

Benehmen Sie sich, guter Mann

So? Ich halte es keineswegs für sakrosankt, einem Spitzen-Journaliten gründlich ans Bein zu puschen - der gute C.C.M. hat es sich ja auch hart erarbeitet.

Warum sollte ich ihm den Lohn vorenthalten?

 
At 21 September, 2005 15:59, Blogger accountgelöscht said...

Naja, Malzahn wollte nicht selber Thema werden, sondern an Schräubchen drehen, Stimmungen justieren, die Macht organisieren. Er wollte auch mal ein Neocon-Macchiavelli sein, wie seine Vorbilder in den USA (die auch gerade alles total vergeigen).

Jetzt weiss eben alle Welt und Lieschen Müller, dass er ein fieser Medienmanipulator ist. Mit seiner Angela-Thatcher-Nummer kam er mehr als 20 Jahre zu spät, und merkt das nichtmal. Diese (z.B. SPIEGEL-)Wirtschaftsjournalisten sind inzwischen soweit von aktuellen gesellschaftlichen oder kulturellen Entwicklungen und Diskussionen abgekoppelt, weil sie halt stattdessen mit den "Machern", mit der "Elite" reden dürfen. Weil sie glauben, da würde die Zukunft gemacht: Bei CDU und BDI.

In Zukunft wird er sich halt erstmal bischen zurückhalten, kann auch sein, dass die ganze Nummer marktstrategisch so in die Hose geht für den SPIEGEL (Marktanteile, Image,...), dass Aust dochmal durchgreift, öffentlich ein Zeichen setzt, und die Redaktion entsprechend den politischen Realitäten neu justiert - so wie es geschehen ist, als die nassforsche Markt-Apo in den 90ern zum Zuge kam. Jetzt sind eher wieder die gefragt, die man leider schon "gegangen" hatte, weil sie nicht mehr in die Zeit passten. Tja. Einen schönen neuen Job finden solche Typen jaimmer, im Gegensatz zu denen, deren Kleinmachen und Unterbuttern sie herbeischreiben wollen.

 

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