26 Juni 2009

Zum Tod von Michael Jackson

Es wird in den kommenden Stunden und Tagen viele kluge Texte über Michael Jackson geben, auch darüber, wie und warum er zuletzt bevorzugt als Wrack und Monstrum gezeichnet wurde. Man wird Artikel darüber lesen, was Michael Jackson für die Menschen im Iran bedeutet hat, und sogar metakommunikative Analysen, auf welche Weise er und sein Werk zur Folie wurden und als Folie genutzt wurden.

(ich verlinke hier erinnerungshalber seine Videos zu Thriller und Dangerous)

Meine 2 Cent: Es wirkt auf mich wie eine sich selbst verselbständigende Ironie, nämlich der Umstand, dass es wohl sein in gigantischer Größe geplantes Comeback war, und die damit verbundene Angst vor zuviel Ruhm, vor dem Rummel, vor zu viel Beachtung und öffentlicher Hysterie, die seinen Verbrauch an Anti-Angst-Pillen am Ende so sehr steigerte, dass es ihm das Herz brach - und kein Comeback zustande kam.

Ich meine, die Geschichte von Michael Jackson ist nicht (wie es bloggende Marktfundamentalisten gerne hätten) eine Geschichte über Erfolg, Genie und popkulturelle Weltbeglückung sowie ein gelungenes Unternehmertum, sondern vor allem eine Geschichte über Angst und die skurrilen Folgen der Angst. Ich mag mich irren.

Orientiert man sich an seinem letzten öffentlichen Musikauftritt (youtube), mit dessen eigentümlichen Mischung aus Hysterie und Gebrüll, so liegt nahe, ihn selbst seine letzten Worte sprechen zu lassen - man könnte es vielleicht auch als Antwort auf seine Lebensgeschichte verstehen, auch als kluge Antwort auf viele offene Fragen dazu:

We are the world, we are the children
We are the ones who make a brighter day
So let's start giving

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2 Comments:

At 26 Juni, 2009 16:36, Anonymous mo said...

"Ich meine, die Geschichte von Michael Jackson ist nicht (wie es bloggende Marktfundamentalisten gerne hätten) eine Geschichte über Erfolg, Genie und popkulturelle Weltbeglückung sowie ein gelungenes Unternehmertum, sondern vor allem eine Geschichte über Angst und die skurrilen Folgen der Angst."

aus meiner perspektive hängt beides eng zusammen.

(und ja, es ist eine geschichte über nachvollziehbare angst.)

 
At 27 Juni, 2009 16:35, Anonymous Ayoun ilf en-Shandra said...

Für die einen ein Held, für die anderen ein tragischer Held, für Dritte vielleicht ein Paradebeispiel von Selbstüberschätzung, ein Verlust oder eben nicht, Monstrum oder verkanntes Genie. Was wissen wir denn? Wo bewerten wir das Kunstprodukt Michael Jackson und wo den Menschen? Alle Nachrufe und Kommentare zu seinem Tod sind wie die, zu anderen Verstorbenen: immer unvollständig.

Final lässt sich m.E. nur eines sagen: möge der Herr (an welchen er auch immer geglaubt haben mag) seiner Seele gnädig sein und das Ewige Licht leuchte ihm.

 

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